mini|Die Lange Zeile in Erding

Erding ist eine altbayerische Herzogstadt und seit dem 1. Januar 2013 Große Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis im Regierungsbezirk Oberbayern. Erding ist ein Oberzentrum und Sitz des Landratsamtes des Landkreises Erding.

mini|Erdinger Schrannenhalle mit Stadtturm mini|Das Landshuter Tor

Geografie Lage Der Hauptort Erding liegt etwa 30 Kilometer in nordöstlicher Richtung vom Münchner Stadtzentrum entfernt und 31 Kilometer südwestlich von Landshut in der Planungsregion München. Rund zehn Kilometer nordwestlich von Erding im Erdinger Moos liegt der Flughafen München.

Durch Erding fließt die Sempt, ein Nebenfluss der Isar. Sie fließt in einem Bogen im Osten um die Erdinger Altstadt, die im Westen von dem von der Sempt abzweigenden Fehlbach begrenzt wird.

Im Juni 2013 waren die Ortsteile Altenerding, Bergham/Aufhausen und Langengeisling stark vom Hochwasser der Sempt beim Hochwasser in Mitteleuropa 2013 betroffen.

Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde hat 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Im Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Altenerding, Erding und Langengeisling.

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Sempt- und Schwillachtal (LSG-00397.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Strogn mit Hammerbach und Köllinger Bächlein (7637-371)

Im Altenerdinger Moos findet sich eine Sinterbildung (Geotop-Nummer 177R003).

Geschichte Frühes Mittelalter mini|Stadtansicht von Matthäus Merian, 1665 mini|Sempt mit den Türmen der Wehranlage mini|Erding im Antiquarium mini|Spitalkirche Hl. Geist

742 wurde der Gemeindeteil Altham das erste Mal urkundlich erwähnt: Ein Familienmitglied der Agilolfinger schenkte Altham dem Kloster Benediktbeuern. 788 wurde die Siedlung Ardeoingas das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ortsname wird vom Personennamen Ardeo abgeleitet und bezog sich vor der Gründung der Herzogsstadt Erding 1228 auf das heutige Altenerding. 891 schenkte König Arnulf den Königshof Ardeoingas dem Domkapitel in Salzburg.

Mittelalter 1228 erhielt der von Herzog Ludwig von Bayern gegründete Ort Erding die Stadtrechte zuerkannt; die Stadt (Herzogstadt) wurde als herzoglicher Stützpunkt gegenüber dem Hochstift Freising an der Fernstraße Schongau-München-Landshut angelegt. Die birnenförmige Gestalt der Altstadt ergibt sich aus den beiden Wasserläufen – die Sempt im Osten und der künstlich vertiefte Fehlbach im Westen, was der Stadt gleichsam den Wert einer Wasserfestung gab. Mauer, Graben und Wall sind in kleinen Resten noch vorhanden.

Im Inneren der Altstadt gibt es typische Kennzeichen einer wittelsbachischen Stadtneugründung des 13. Jahrhunderts. Eine langgezogene, etwa 400 Meter lange Nord-Süd-Achse, die nördlich des Schrannenplatzes Lange Zeile heißt und ursprünglich als Straßenmarkt angelegt wurde, in West-Ost-Richtung einen Straßenzug und in der Mitte den Schrannenplatz. Von den ursprünglichen vier Stadttoren (im Westen das Münchner Tor, im Norden das Freisinger Tor und im Süden das Haager Tor) ist nur noch das Osttor, das Landshuter Tor (Schöner Turm), erhalten geblieben. Es war das größte Stadttor, da es zur damaligen Hauptstadt Landshut führte. Ungefähr beim Gasthof zur Post lag die 1648 abgebrannte Stadtburg von Erding. Zusätzlich zur strategischen Bedeutung kam später der Rang als Handelszentrum hinzu, speziell für Getreide und Vieh.

Mit der ersten wittelsbachischen Landesteilung 1255 wurde Erding Niederbayern zugeordnet, bei dem es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts verblieb. Ab 1300 wurde der Erdinger Stadtturm, das Wahrzeichen der Stadt, an zentraler Stelle erbaut.

1503 wurde Erding im bayerischen Erbfolgekrieg von Herzog Albrecht IV. von Bayern-München erobert. Mit Ende des Erbfolgekrieges wurden Ober- und Niederbayern 1506 wieder miteinander vereinigt. Die zwischenzeitlich vom Salzburger Domkapitel zurückerhaltene Hofmark Altenerding wurde von den Grafen von Haag an Johann Jakob Fugger verkauft.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges eroberten, brandschatzten und plünderten die Schweden Erding zweimal – 1632 und 1634. Die Folgen waren eine Hungersnot und der Ausbruch der Pest 1634. 1648 wurde Erding Hauptquartier des schwedischen Generals Wrangel. Die Bevölkerung war größtenteils in die noch unbesetzten Gebiete des Landes – die meisten nach Wasserburg am Inn und Traunstein – geflohen. Als die Kaiserlichen unter General Piccolomini auf Erding von Vilsbiburg und Geisenhausen her vorrückten, wurde die Stadt erneut in Brand gesteckt. Der dritte Wiederaufbau wurde durch eine extra eingeführte Biersteuer finanziert.

Neuzeit Während der napoleonischen Kriege – besonders 1800 bei der Schlacht von Hohenlinden – wurde Erding dazu verpflichtet, Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs, am Nachmittag des 18. April 1945, warfen amerikanische Streitkräfte 50 Sprengbomben ab; die Altstadt wurde getroffen. 120 Menschen fanden den Tod, 24 erlagen in den nächsten Tagen ihren Verletzungen. Es wird angenommen, dass der Angriff eigentlich Freising gegolten habe. Am 1. Mai 1945 wurde die Stadt Erding kampflos an die US-amerikanischen Truppen übergeben.

Anfang 2013 wurde Erding zur Großen Kreisstadt erhoben.Verordnung über die Erklärung der Stadt Erding zur Großen Kreisstadt (EDGrKrV) vom 28. September 2012 (GVBl. S. 492).

Im März 2022 wurden vor der Stadtapotheke in der Langen Zeile 4 zwei Stolpersteine verlegt, im Gedenken an NS-Opfer. (Siehe: Liste der Stolpersteine in Erding)

Eingemeindungen

1924 kam Heilig Blut von der Gemeinde Altenerding zu Erding und 1938 Siglfing von der Gemeinde Oberding. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Altenerding und Langengeisling eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 24.000 auf 36.000 Einwohner – der größte prozentuale Zuwachs aller bayerischen Gemeinden über 20.000 Einwohner im genannten Zeitraum.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Erding von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner 1. Dezember 1840 4.046 1. Dezember 1871 5.278 1. Dezember 1900 6.109 16. Juni 1925 6.944 17. Mai 1939 10.736 13. September 1950 13.760 31. Dezember 1961 19.023 31. Dezember 1970 20.963 31. Dezember 1987 23.933 31. Dezember 1990 25.147 31. Dezember 1991 25.804 31. Dezember 1995 27.695 31. Dezember 1996 28.406 31. Dezember 1998 29.571 31. Dezember 2000 31.165 31. Dezember 2002 32.045 Jahr Einwohner 31. Dezember 2004 32.953 31. Dezember 2005 33.017 31. Dezember 2006 33.500 31. Dezember 2007 33.821 31. Dezember 2008 34.020 31. Dezember 2009 34.410 31. Dezember 2010 34.514 31. Dezember 2011 33.825 31. Dezember 2012 34.402 31. Dezember 2013 35.295 31. Dezember 2014 35.756 31. Dezember 2015 36.159 31. Dezember 2016 36.291 31. Dezember 2017 36.382 31. Dezember 2022 36.813

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik (1960–2017)

Konfessionsstatistik Im Dezember 2020 waren von den Einwohnern 41,7 % katholisch, 10 % evangelisch und 47,3 % gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.Erding Stadt Bevölkerungsstatistik 2020, abgerufen am 5. Februar 2021. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 39,7 % der Einwohner katholisch, 9,9 % evangelisch, und 50,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 25. Januar 2026

2025 gab es 465 Kirchenaustritte (rund 1 Prozentpunkt der Gesamtbevölkerung).Standesamt Erding: Überblick 2025, abgerufen am 25. Januar 2026

Religionen In Erding haben sich auch andere Religionsgemeinschaften niedergelassen, wie zum Beispiel eine Neuapostolische Kirche oder die Zeugen Jehovas. Es gibt auch ein islamisches Zentrum.

Politik Stadtrat Die Stadtratswahl am 15. März 2020 führte bei einer Wahlbeteiligung von 56,8 Prozent (2014: 49,8 Prozent) zu folgendem Ergebnis:

Partei CSU GrüneFW Erding Jetzt SPD AfD ÖDP FDP Die LinkeGesamt Sitze 13 (17) 6 (3) 6 (6) 5 (4) 3 (5) 3 (0) 2 (2) 1 (1) 1 (0) 40 Stimmenanteil 33,8 % (42,5) 16,2 % (8,7) 15,3 % (15,2) 13,2 % (11,4) 7,1 %(13,0) 6,3 %(-) 4,5 %(4,1) 2,2 %(1,7) 1,5 %(-) 100,00 %

mini|Erdinger Rathaus

Bürgermeister 1946: Max Lehmer (CSU) (23. März 1946 bis 1. September 1946) 1946–1948: Max Kraus (CSU) 1948–1966: Hans Schmidmayer (SPD) 1966–1977: Alois Schießl (CSU) 1977–1990: Gerhard „Gerd“ Vogt (CSU) 1990–2008: Karl-Heinz Bauernfeind (UWE) seit 2008: Maximilian Gotz (CSU)

Jugend Die Stadt hat seit 2010 ein Jugendparlament. Die Mitglieder werden alle zwei Jahre von der Jugend der Stadt Erding gewählt.

Wappen und Fahne

Das Wappenbild ist (wie das von Dorfen) in der Wappensammlung von Philipp Apian und im Wappenblatt von Hans Mielich enthalten. Das Stadtwappen wurde nach der Gemeindegebietsreform am 4. August 1978 bestätigt.

Die Erdinger Fahne hat die Farben Weiß-Blau-Weiß.

Städtepartnerschaften Bastia, Korsika, seit 1989

Wirtschaft und Infrastruktur Der Flughafen München spielt eine wesentliche Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt mit aktuell Einwohnern. Die Stadt liegt nach einer Untersuchung des „Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung“ von 2004 in einem der zukunftsträchtigsten Landkreise Deutschlands.

Industrie, Handel und Gewerbe mini|Therme Erding mini|Moderne Erweiterung des Gewandhauses Gruber

Alpha trading solutions, Bild- und Tonträgervertrieb (Rackjobber) Amadeus (CRS), ein Reise-Buchungsunternehmen; in Erding ist das Rechenzentrum Anton Riemerschmid (Unternehmensgruppe), ein Spirituosenhersteller Auer Baustoffe Erdinger Weißbräu mit Fischer's Stiftungsbräu GLS, General Logistics Systems, ein Paketdienst Gewandhaus Gruber, Textilhandelsgeschäft seit 1657 Kraus am Eck, Textilhandelsgeschäft seit 1642, eines der ältesten Bekleidungshäuser in Bayern MTU Aero Engines, Betriebsstätte im Fliegerhorst Erding Regionalverkehr Oberbayern, Betrieb Erding Therme Erding, Wellness- und Erlebnisbad Wolfra, Fruchtsafthersteller Bis 1971 gab es die Erdinger Glockengießerei

Land- und Forstwirtschaft Im Jahr 1999 bestanden 141 landwirtschaftliche Betriebe, 2010 ging die Anzahl auf 96 zurück und 2020 waren es noch 81 Betriebe.

+ Betriebsgrößenstruktur in der LandwirtschaftBayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . PDF, online auf www.statistik.bayern.de, abgerufen am 31. Dezember 2016. Betriebsgröße in ha Anzahl der Betriebe 1999 2010 2020 unter 5 22 7 2 5 bis unter 10 20 8 9 10 bis unter 20 34 21 18 20 bis unter 50 46 33 24 50 oder mehr 19 27 28 Gesamt 141 96 81

Verkehr Straßen Die Stadt liegt an der B 388 München–Passau. Über die Flughafentangente Ost können die A 92 (München–Deggendorf) und A 94 (München–Passau) erreicht werden. Die Nordumfahrung der Stadt hat bisher das Planungsstadium nicht überschritten.

Eisenbahn Der Bahnhof Erding ist Endpunkt der Strecke aus Markt Schwaben. Durch den öffentlichen Personennahverkehr der Region, dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV, ist Erding mit der S-Bahn-Linie S 2 aus München Ost in circa 40 Minuten zu erreichen (50 Minuten ab München Hauptbahnhof).

Linie Linienverlauf

Durch den Erdinger Ringschluss soll eine Bahnverbindung zum Münchener Flughafen und später zur Bahnstrecke München–Simbach hergestellt werden, allerdings ist derzeit mit der Fertigstellung nicht vor 2027 zu rechnen.

Busverkehr Ein zentraler Busbahnhof liegt am Bahnhof in Erding. Insgesamt fahren 22 Buslinien (darunter auch zwei Rufbuslinien) und vier Ruftaxi-Linien des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes im Erdinger Stadtgebiet.