Die Yamato-Klasse () war eine Klasse von zwei Schlachtschiffen der japanischen Marine. Ursprünglich geplant waren fünf Einheiten, von denen aber nur die ersten beiden, die Yamato und die Musashi, tatsächlich als Schlachtschiffe in Dienst gestellt und im Pazifikkrieg eingesetzt wurden. Diese blieben bis heute die größten, am schwersten bewaffneten und am stärksten gepanzerten Schlachtschiffe, die jemals gebaut wurden. Das dritte Schiff, die Shinano, wurde als Flugzeugträger fertiggestellt. Der Bau eines weiteren Schiffes wurde abgebrochen und der Rumpf verschrottet.Lyon: Kriegsschiffe von 1900 bis heute Technik und Einsatz. S. 162.
Keines der beiden Schlachtschiffe geriet je in die Situation, für die sie konstruiert waren – ein Artillerieduell mit einem feindlichen Schlachtschiff –, sondern beide fielen den Angriffen von Dutzenden Flugzeugen zum Opfer. Die Shinano ging bei einem U-Boot-Angriff verloren.
Der japanische Journalist Itō Masanori schreibt dazu in seinem Buch 'The End of the Imperial Japanese Navy' ('連合艦隊の最後: 太平洋海戦史'), dass die japanische Regierung nie wirklich vorhatte, diese Schiffe in einem Krieg einzusetzen, sondern sie nur als Machtdemonstration bei Verhandlungen mit den USA und Großbritannien über ein neues Flottenabkommen einzusetzen, nachdem das Japanische Kaiserreich das Washingtoner Abkommen von 1922 im Jahre 1936 gekündigt hatte.Masanori: The End of the Imperial Japanese Navy. S. 5 ff.
Geschichte
Planung mini|Marineminister Nagano, einer der Befürworter der Schlachtschiffdoktrin und des Baus der Yamato-Klasse Mit dem Austritt Japans aus dem Völkerbund nach dem Mukden-Zwischenfall im März 1933 forderte der japanische Generalstab von den Entwicklern der Marine Entwürfe für ein neues Schlachtschiff. Durch den Austritt aus dem Völkerbund und die anschließende Kündigung der Flottenverträge nicht mehr an die Beschränkungen im Kriegsschiffbau gebunden, sprengten die Anforderungen für die neue Schiffsklasse die Dimensionen aller zuvor geplanten Schlachtschiffe. Eine Hauptartillerie mit Geschützen von mindestens 46 cm und ein Panzerschutz, der aus Entfernungen zwischen 20 und 35 Kilometern abgefeuerten 46-cm-Granaten standhalten sollte, wurden ebenso wie eine Geschwindigkeit von über 30 Knoten verlangt.
Die Idee hinter diesen Anforderungen war, eine Schiffsklasse zu schaffen, welche die zahlenmäßige Überlegenheit der amerikanischen United States Navy, die von den japanischen Planern in Zukunft als wahrscheinlichster Gegner ausgemacht war, durch wenige Schlachtschiffe mit besonders großer Kampfkraft auszugleichen. Da die USA sowohl an den Atlantik als auch an den Pazifik grenzten, mussten ihre Schiffe, um schnell von einem Ozean in den anderen zu gelangen, den Panamakanal benutzen. Folglich konnten amerikanische Schlachtschiffe nie eine bestimmte Breite überschreiten, da sie durch die engen Schleusen des Kanals passen mussten. Da der Aufwuchs des Panzerschutzes und die Vergrößerung des Kalibers der Hauptartillerie aber zwangsläufig auch die Schiffsbreite erhöhten, konnte, so die Theorie, kein amerikanisches Schlachtschiff, das unter den genannten Bedingungen geplant war, je die Kampfkraft der neuen japanischen Schlachtschiffklasse erreichen. Diese Überlegungen waren insoweit auch zutreffend, da die als Konter zur Yamato-Klasse entworfene amerikanische Montana-Klasse die Panamax-Maße erstmals überschritt.
Der Bau war nicht unumstritten, und frühe Befürworter einer Taktik, die Flugzeugträgern den Vorzug gegenüber Schlachtschiffen gab, wie der spätere Oberkommandierende der Kaiserlich Japanischen Marine, Yamamoto, opponierten gegen das Projekt, fanden aber kein Gehör bei ihren Vorgesetzten.
Umsetzung Der Auftrag für Entwicklung erging vom Admiralstab der Marine, unter Führung von Großadmiral (Gensui Kaigun Taishō) Prinz Fushimi Hiroyasu Konteradmiral Fukuda Keijiab 1941 zum Vizeadmiral befördert war für die Planungen verantwortlich. Die Grundlagen der Konstruktion werden Vizeadmiral Hiraga Yuzuru zugeschrieben, der die Pläne für ein vergleichbares Schiff unter der Bezeichnung A140-A bereits Jahre zuvor umrissen hatte. Nach zwei Jahren mit 23 Entwürfen hatte man sich auf 46-cm-L/45-Geschütze und besonders zuverlässige Maschinen festgelegt. So reduzierte sich zwar die Höchstgeschwindigkeit deutlich unter die zunächst geforderten 30 Knoten, jedoch lagen die Maschinenanlagen unter 20 cm dicken Panzerplatten, so dass eine möglichst wartungsarme Maschinenkonfiguration gewählt wurde. Die Funktionalität einiger Ideen für den Brückenaufbau, die man für die Yamato-Klasse vorgesehen hatte, testete man 1936 zunächst bei der Modernisierung des Schlachtschiffs Hiei.
Es wurden schließlich drei große Schiffsmodelle der Yamato mit Längen von vier, sechs und acht Metern hergestellt, um verschiedene Aspekte der Rumpfform zu prüfen.
Da die Schiffsbreite im Verlauf der Planungen ein ungünstiges Verhältnis zur Schiffslänge von 1:6 angenommen hatte, fiel die Rumpfgeschwindigkeit dementsprechend niedrig aus.Garzke: Battleships: axis and neutral battleships in World War II. S. 106. Durch das Zufügen eines Wulstbugs reduzierten die Entwickler den Widerstandswert des Rumpfes um 5 bis 6 % bei voller Fahrt.Andere Quellen, wie Garzke und Dulin, geben den Wert mit bis zu 8 % an. Der Effekt, der bei den Modelltest gemessen wurde, wurde von einem Konstrukteur mit 20 % angegeben, siehe USNTMJ S-83, S. 23. Um das Gesamtgewicht zu reduzieren, führte man das Oberdeck vom Heck kommend zunächst in einer geraden Linie über die Maschinenräume und ging dann zum Bug hin in eine leicht konvexe Linienführung über, so dass das Oberdeck etwa auf Höhe des vorderen Hauptgeschützturms seinen tiefsten Punkt erreichte, bevor es zum Bug hin wieder anstieg.Garzke: Battleships: axis and neutral battleships in World War II. S. 109 f. Dieser Deckssprung wird manchmal als „Kampon-Linie“ bezeichnet.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997: Internationaler Schlachtschiffbau.
Um den Wendekreis der Schiffe zu reduzieren, wählte man eine Heckform, die nicht übermäßig nach achtern verlängert war, wie es bei anderen Schiffstypen zur Erhöhung der Länge üblich war, so dass die Wendigkeit verbessert wurde. Die Schiffe verfügten über zwei Ruder: ein Haupt- und ein Hilfsruder. Das Hilfsruder war vor dem Hauptruder installiert und deutlich kleiner. Es war nicht in der Lage, die Auswirkungen des Hauptruders bei HartruderlegenHartruderlegen bedeutet den größtmöglichen Einschlag des Ruders nach backbord oder steuerbord durch Gegensteuern auszugleichen,Garzke: Battleships: axis and neutral battleships in World War II. S. 108. sondern sollte bei einem Totalverlust des Hauptruders ein gewisses Maß an Steuerkontrolle sicherstellen.
Um das bei der Vernietung von Stahlplatten anfallende Gewicht zu reduzieren, griff man beim Bau der Yamato-Klasse auch auf das in Japan noch relativ selten benutzte Lichtbogenschweißen zurück.
Finanzierung und Geheimhaltung Ein wichtiges Element der Planungen der Marine war die absolute Geheimhaltung der wahren Dimensionen ihrer Schlachtschiffe. Da man den Bau der Schiffe selbst nicht verheimlichen konnte, beschloss man, die Informationen über die technischen Daten zu verschleiern. So beantragte man zunächst bei der japanischen Regierung die Gelder für den Bau von zwei 35.000-Tonnen-Schlachtschiffen, wohlwissend, dass diese Mittel für den Bau der beiden ersten Schlachtschiffe der Yamato-Klasse nicht ausreichen würden. Am 19. Januar 1937 erhielt Marineminister Nagano die Genehmigung für die Finanzierung eines Bauprogramms, das 66 Kriegsschiffe umfasste, darunter die Mittel für den Bau der beiden Schiffe der Yamato-Klasse.Hyde: Scraps of paper: the disarmament treaties between the world wars. S. 286.
Während man ein Schiff in einer marineeigenen Werft in Kure auf Kiel legen wollte, sollte das zweite Schiff von einer privaten Werft in Nagasaki gebaut werden. Um auch hier die wahren Kosten zu verschleiern, wurde mit der Werft ein Vertrag abgeschlossen, der nur einen relativ geringen Betrag auswies. Jedoch übernahm die Marine die Herstellung und Lieferung der Panzerplatten für dieses Schiff aus ihren Werkstätten in Kure umsonst, so dass der der Werft zu zahlende Betrag keine Rückschlüsse auf die Schiffsdimensionen der Musashi zuließ.Yoshimura: Battleship Musashi: the making and sinking of the world’s biggest battleship. S. 41 und folgende. Die Maßnahmen der Marine, die zusätzlich benötigten Gelder zu beschaffen, waren vielfältig. So strich man beispielsweise nach dem Bau von erst acht Schiffen der Ōtori-Klasse das Programm, nachdem die Mittel für 16 Schiffe der Klasse vom Staat bereitgestellt worden waren, um das eingesparte Geld für den Bau von Yamato und Musashi zu verwenden.Willmott: The Last Century of Sea Power S. 620.
Die Konstruktion der Schiffe selbst wurde durch das Errichten von Sichtschutzblenden, verschiedene Grade von Zugangsbeschränkungen und durch umfangreiche Maßnahmen von Polizei und Geheimdienst begleitet. Die Bemühungen zeigten Wirkung, und bis zum Ende des Krieges gingen die Amerikaner von einer deutlich zu geringen Wasserverdrängung und einem zu kleinen Kaliber der Hauptbewaffnung aus.
Technische Beschreibung Schiffsmaße Die Schiffe der Yamato-Klasse hatten eine Gesamtlänge von 263 m, eine Länge zwischen den Loten von 244 m und eine Kielwasserlinie von 256 m. Die Schiffe hatten eine Breite von 38,90 m und einen Tiefgang von 10,40 m. Die Verdrängung lag zwischen 63.314 t und 72.809 t.
Antrieb mini|Schlachtschiff Yamato mini|Schlachtschiff Musashi Die Schiffe waren mit vier Kampon-Dampfturbinen ausgestattet, die jeweils eine Welle antrieben und insgesamt 150.000 Shp (110.325 kW) entwickelten, mit der sie eine Höchstgeschwindigkeit von 27 Knoten (50 km/h) erreichten. Der 325 °C heiße Dampf wurde von zwölf Kampon-Wasserrohrkesseln mit einem Arbeitsdruck von 24 bar geliefert. Die Kessel waren in einer Reihe von jeweils drei Kesseln angeordnet. Das Schiff konnte maximal 6.400 t Heizöl mitführen, was ihnen bei 16 Knoten (29,6 km/h) eine Reichweite von 7.200 Seemeilen (13.300 km) ermöglichte. Liefen alle Maschinen auf voller Leistung, verbrauchten die zwölf Kessel mit ihren je neun Brennern 62,7 Tonnen Treibstoff pro Stunde,USNTMJ: Boilers and Machinery, S-01-12. S. 7. Unter Testbedingungen wurde am 22. Juni 1942 vorübergehend eine Spitzengeschwindigkeit von 28,05 Knoten bei einer Drehzahl der Wellen von 230 Umdrehungen pro Minute erreicht.
Elektrisches System Die acht 600-kW-Generatoren der Yamato-Klasse lieferten Gleichstrom mit einer Spannung von 225 Volt. Vier Generatorräume befanden sich vor, die vier übrigen achtern der Maschinenräume mit je einer Kontrollstation für vier Generatoren. Alle Generatoren waren durch einen Kabelschacht, der in der Schiffsmitte unter Panzerschutz verlief, miteinander verbunden. Die Hälfte der Generatoren wurde mit Dieselkraftstoff betrieben, die übrigen vier waren Turbo-Generatoren, die so ausgelegt waren, dass sie im Notfall alle elektrischen Verbraucher während eines Gefechtes allein mit Energie versorgen konnten.
Drei Batterien mit je 112 Akkumulatorzellen konnten die Schiffssysteme ebenfalls betreiben, für den Notbetrieb der Ruderanlage stand ein zusätzlicher Block zur Verfügung.
Bewaffnung mini|Die beiden vorderen 46-cm-Drillingstürme der Musashi. Das Schiff trägt zum Zeitpunkt der Aufnahme noch keine Radarantennen auf dem Hauptentfernungsmesser. Der Deckssprung ist deutlich zu erkennen. Hauptbewaffnung
Die Hauptbewaffnung der Yamato-Klasse bestand aus neun 46-cm-Geschützen in drei Drillingstürmen, von denen zwei vor und einer hinter den Aufbauten positioniert waren.
Jeder Turm wog mit Panzerung und drei Rohren rund 2.510 TonnenUSNTMJ: O-45. S. 17. und konnte mit einer Geschwindigkeit von 2° pro Sekunde durch Hydraulikpumpen zu den Seiten hin geschwenkt werden. Die Rohrerhöhung konnte mit einer Geschwindigkeit von 10° je Sekunde verändert werden.