mini|Fritz Vahrenholt (2021)Fritz Adolf Vahrenholt (* 8. Mai 1949 in Gelsenkirchen-Buer) ist ein deutscher ehemaliger Politiker (SPD), Chemiker, Buchautor und Manager. Er war von 1991 bis 1997 Umweltsenator in Hamburg, anschließend war er bei verschiedenen Energiekonzernen im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig. Besondere mediale Beachtung fand er durch sein öffentliches Abstreiten vieler wissenschaftlich unumstrittener Forschungsergebnisse der Klimaforschung. Vahrenholt war von 2012 bis Ende 2019 Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, diese trennte sich wegen seiner klima- und energiepolitischen Aussagen von ihm.
Leben Ausbildung Vahrenholt begann im Jahr 1968 das Studium der Chemie und der Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und schloss es 1971 als Diplom-Chemiker ab. Im Jahr 1974 wurde er – ebenfalls an der Universität Münster – zum Doktor der Chemie (Dr. rer. nat.) promoviert. Es folgte ein Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Eine Anstellung als Chemiker in einem Industriebetrieb scheiterte kurzfristig, trotz bereits unterschriebenen Vertrages, nach eigener Mutmaßungvgl. Fritz Vahrenholt: Westfälisch „wilde“ Sechziger- In: Jürgen Böckling (Hrsg.): Denk ich an Münster… Münster 1995. an seiner jüngeren Vergangenheit als Studentenvertreter im Fachbereichsrat für die Jusos.
Beruflicher Werdegang mini|Fritz Vahrenholt (rechts), Henning Voscherau (Mitte) und Alfred Gomolka (1990) In den Jahren 1991 bis 1997 war Vahrenholt Umweltsenator in Hamburg, bereits vorher mehrere Jahre lang dortiger Umweltstaatsrat. Nachdem im Jahr 1997 die Regierung Voscherau nicht wiedergewählt worden war, wechselte Vahrenholt in den Vorstand der Deutschen Shell, wo er unter anderem für die neugegründete Sparte der Erneuerbaren Energien zuständig war. Von 2001 bis 2007 arbeitete er als Vorstandsvorsitzender für REpower Systems und brachte das Windenergieunternehmen im Jahr 2002 an die Börse. Von Februar 2008 bis Juli 2012 war er Vorstandsvorsitzender des RWE-Tochterunternehmens Innogy, das unter seiner Führung jährlich eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investierte. Anschließend wechselte er in den Aufsichtsrat des Unternehmens,. Wirtschaftsmagazin Ruhr, 27. Januar 2012, abgerufen am 13. Februar 2012. bis er am 1. März 2014 dort ausschied. Ab dem 1. August 2012 bis zum Entzug der Geschäftsführung im Jahr 2019 war Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, die sich für den Schutz und die Förderung heimischer Wildtiere einsetzt., abgerufen am 1. April 2012. Grund für die Kündigung war seine Kritik an der Klimapolitik der deutschen Bundesregierung, die er damit begründete, dass „eine Zielzahl Netto-Null für die CO2-Emission global überhaupt nicht erforderlich“ sei, aber zu Gefahren für Wirtschaft und Arbeitsplätze führe. Statt dieser Zielzahl würde es für das Klima ausreichen, wenn die weltweiten Emissionen nach 2030 nicht weiter ansteigen.
Seit 1991 nahm Vahrenholt zudem Lehraufträge an der TU Harburg und der Universität Hamburg wahr. Seit 1999 ist er Honorarprofessor an der Universität Hamburg im Fachbereich ChemieWirtschaftswoche: Köpfe: Fritz Vahrenholt (Quelle: Munzinger-Archiv)..
Familie Von 1976 bis 2019 war Vahrenholt mit Maria Müller-Vahrenholt verheiratet. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Volker und Oliver hervor.
Staatliche Institutionen In den Jahren 1976 bis 1981 war er im Referat für Chemische Industrie beim Umweltbundesamt in Berlin tätig. Von 1981 bis 1984 war er Leitender Ministerialrat unter Holger Börner im hessischen UmweltministeriumFritz Vahrenholt Grüner Querdenker, FAZ vom 25. März 2007 (abgerufen am 25. Mai 2013). in Wiesbaden und 1984 bis 1990 Staatsrat bei der Hamburger Umweltbehörde. In dieser Zeit war Vahrenholt wissenschaftlicher Berater für Rainer Erlers Spielfilm Das schöne Ende dieser Welt. 1990 bis 1991 führte er die Hamburger Senatskanzlei, dann war er von 1991 bis 1997 in Hamburg Senator der Umweltbehörde und Vorsitzender des Aufsichtsrats der HEW.
Während seiner dreizehn Jahre beim Hamburger Senat setzte er nach eigenen Angaben auch in Zeiten zunehmender Deregulierung auf eine umweltpolitische Steuerung:
Zu Vahrenholts vorrangigen Schwerpunkten als Umweltsenator gehörten ein umfangreicher Um- und Ausbau der Stadtentwässerung und der Abfallwirtschaft, die Altlastensanierung, zum Beispiel in der Bille-Siedlung, und die Luftreinhaltung. Außerdem wurden während seiner Amtszeit etliche Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen, darunter 860 Hektar der Kirchwerder Wiesen. Im März 1997 konstatierte er, dass „Hamburgs Luft durch Sanierung von Großfeuerungsanlagen, Modernisierung von Heizungen und eine strikte, gleichzeitig kooperative Genehmigungs- und Überwachungspolitik gegenüber der Industrie in praktisch allen Parametern wesentlich besser geworden ist.“Vorwort in: Umweltbehörde Hamburg (Hrsg.): Luftreinhaltung in Hamburg 1982 bis 2000, Hamburg 1997, Seite 5. Zu dieser Zeit war die Wintersmog-Verordnung bereits mangels Notwendigkeit aufgehoben worden und das Problem der Dioxine-Emission aus der modernisierten Müllverbrennung galt als gelöst.
Industrie Im Jahr 1998 wechselte Vahrenholt zur Deutschen Shell AG. Von 1998 bis 2001 war er als Vorstandsmitglied der Deutschen Shell AG verantwortlich für die Bereiche Chemie, regenerative Energie, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltschutz sowie Stromgeschäft und wechselte 2001 in den Aufsichtsrat. 2001 übernahm er den Vorstandsvorsitz der neu gegründeten REpower Systems, den er bis Ende 2007 innehatte. In dieser Zeit war er Mitglied des Rats für nachhaltige Entwicklung unter Kanzler Gerhard Schröder bzw. ab 2005 unter Kanzlerin Angela Merkel.
Von Februar 2008 bis Juli 2012 arbeitete Vahrenholt als Geschäftsführer der neu gegründeten RWE Innogy GmbH, einer Sparte für Erneuerbare Energien des Energiekonzerns RWE. Den Aufsichtsrat seiner früheren Firma REpower Systems verließ er im Juli 2008.Meldung in der Zeitschrift Sonne, Wind & Wärme. Nr. 11/2008.
Vahrenholt bekleidet mehrere Aufsichtsratsmandate u. a. bei Aurubis, Encavis. Vormals saß er im Aufsichtsrat bei ErSol AG, HEW, Deutsche Shell AG, Hamburger SV (1999–2004)Hamburger Abendblatt vom 23. November 1999 u. v. a. m., Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern AG, REpower Systems AG, Thyssenkrupp, Verbio AG, Kelag, Green Exchange und Putz & Partner Unternehmensberatung AG.
Weitere Tätigkeiten und Mitgliedschaften In den Jahren 2001 bis 2008 war Vahrenholt Mitglied des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Während seiner Zeit als Mitarbeiter des Umweltbundesamtes war er ehrenamtlich in der Kommission Reinhaltung der Luft tätig.
Darüber hinaus ist Vahrenholt Mitglied im Board of Trustees der britischen Denkfabrik Global Warming Policy Foundation, die die menschengemachte Erderwärmung bestreitet.
Vahrenholt ist Gastautor bei der Achse des GutenBeiträge von und über Fritz Vahrenholt bei der Achse des Guten. und Tichys Einblick.Fritz Vahrenholt. In: Tichys Einblick, abgerufen am 30. Dezember 2022.
Anfang 2023 publizierte er sein Buch Die große Energiekrise und wie wir sie bewältigen können, das bei der Präsentation vom ehemaligen Innenminister Otto Schily vorgestellt und inhaltlich unterstützt wurde.
Im Mai 2024 trat Vahrenholt als Redner einer Veranstaltung der rechtskonservativen und wirtschaftsliberalen Kleinpartei Bündnis Deutschland auf.
Vahrenholt wird vom Onlineportal Nius 2026 als Autor geführt und schreibt dort Beiträge.
Zu seinen Hobbys gehört die Pflege und Vermehrung von Kamelien.
Vahrenholt ist Geschäftsführer und Kommanditist einer Ferienwohnanlage.
Energiepolitik und Leugnung klimawissenschaftlicher Erkenntnisse mini|Daten der globalen Temperatur der NASA (gleitendes Mittel über 12 Monate) im Vergleich zur Prognose für die globale Temperatur bis 2030 von Vahrenholt und Lüning aus dem Jahr 2012 (nach Die kalte Sonne, Abb. 73.), Stand Juli 2020
Vahrenholt bestreitet einen wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten globalen ErwärmungFritz Vahrenholt: SPD-Rebell hält Klimaprognosen für übertrieben. In: Berliner Zeitung. 6. Februar 2012.Christopher Schrader: Klimawandel – Welche Rolle spielt die Sonne wirklich? In: Süddeutsche Zeitung. 8. Februar 2012. und setzt sich in Medien und eigenen Veröffentlichungen gegen Klimaschutzmaßnahmen ein. Anfang 2012 veröffentlichte er mit dem Geologen Sebastian Lüning, der bis August desselben Jahres bei RWE Dea als Afrikaexperte und Head of Regional Projects tätig war, das Buch Die kalte Sonne.Fritz Vahrenholt, Sebastian Lüning: Die kalte Sonne. Hamburg 2012.
Auszüge aus dem Buch wurden in einer dreiteiligen Serie mit dem Titel Die CO2-Lüge in der Bild vorabgedruckt.Frank Drieschner, Christiane Grefe & Christian Tenbrock: Fritz Vahrenholt: Störenfritz des Klimafriedens. In: Die Zeit. Nr. 7, 9. Februar 2012. Kernthese des Buches ist, dass nicht nur CO2, sondern vor allem Änderungen der Meeresströmungen und der Sonnenaktivität zur globalen Erwärmung geführt hätten und dass durch abnehmende Sonnenaktivität die zukünftige Erwärmung sehr viel geringer ausfalle als z. B. vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert.
Unter anderem vertritt er die Meinung, dass die Sonne mindestens zu gleichen Teilen wie der durch den Menschen verursachte Kohlendioxid-Ausstoß für die derzeitige globale Erwärmung verantwortlich sei: „Es geht um die Klärung des Problems, welchen Anteil die menschlichen Aktivitäten nun wirklich am beobachteten Klimawandel haben und wie hoch der Beitrag natürlicher Klimaprozesse ist […] Vieles deutet darauf hin, dass unsere Sonne eine bedeutendere Rolle auf der Klimabühne spielt als das CO2, dass beide Effekte sich verstärken, aber auch gegenläufig wirken können“.Vahrenholt/Lüning: Die kalte Sonne, S. 7–8. Er führte (Stand 2012) an, seit 16 Jahren sei ein Stillstand des globalen Temperaturanstiegs zu beobachten und die Berichte des Weltklimarats IPCC seien von Umweltorganisationen wie Greenpeace und WWF beeinflusst.Norbert Lossau: Fritz Vahrenholt: Geht die Klimakatastrophe an der Erde vorbei? In: Die Welt. 7. Februar 2012 (Interview).Toralf Staud: Erderwärmung: Skeptiker im Faktencheck. In: Die Zeit. 8. Februar 2012.
Während es im Zeitraum bis 2018 zu einem sehr schwachen 24. Sonnenfleckenzyklus kam, entsprechend einer geringeren Strahlungsleistung der Sonne, trat in diesen Jahren an Stelle der von Vahrenholt vorhergesagten Abkühlung ein deutlicher Erwärmungsschub der Erdatmosphäre ein.
Vahrenholt meint, die Warnung vor der globalen Erwärmung sei ein Mittel, um Klimaforschern Arbeitsplätze, Prestige und Forschungsgelder zu verschaffen und über Gesetze die Freiheit der Bürger einzuschränken. Der Umweltphilosoph Jens Soentgen und die Kommunikationswissenschaftlerin Helena Bilandzic werteten dies in einer gemeinsamen Veröffentlichung als Verschwörungstheorie.