Tim Berresheim (* 26. Februar 1975 in Heinsberg) ist ein deutscher zeitgenössischer Künstler, der sich in seinen Werken mit der bildenden, computerunterstützten Kunst befasst, zu deren Pionieren er seit 2002 gehört.

Leben Er lebt und arbeitet heute als Künstler und Musiker in Aachen. In seinem Schaffen verknüpft er kunsthistorische Referenzen mit den neuesten Methoden der digitalen und analogen Erstellung von Kunstwerken. Als roter Faden ziehen sich immer wieder Fragmente aus dem unmittelbaren Umfeld und seiner Heimat durch seine Arbeit und bilden so eine Brücke zur Lebenswelt der Betrachtenden. Ein zentrales Moment seiner Bildwelten bleibt die Auseinandersetzung mit dem digital Machbaren. Berresheim betrachtet seine Arbeit als Form einer künstlerischen Gegenwartsarchäologie. So bezeichnet er seine Arbeit im digitalen Raum oft als digitale Höhlenmalerei und -erforschung: als eine Art frühzeitlicher Steinzeitmensch (Aurignacien) arbeitet er mit den ersten groben Werkzeugen in seiner digitalen Höhle: Der Computer als Faustkeil. Denn auch wenn man gemeinhin vom digitalen Zeitalter spricht, stehen wir laut Tim Berresheim doch erst am Anfang und hinterlassen hier erste rudimentäre Zeichen und Spuren. So ist sein Arbeiten in diesem Bereich seit 2002 vor allem vom Jagen und Sammeln geprägt – vor die Höhle zu gehen, die Welt zu entdecken und Fundstücke zu sammeln, ist seit jeher ein wichtiger Aspekt seiner Werke.

Kindheit und Jugend In Heinsberg geboren, geht er im nahegelegenen Wassenberg in die Kath. Grundschule St. Georg und von dort auf das KreisGymnasium Heinsberg. Nach der 10. Klasse wechselt er an das Gymnasium Haus Overbach im Jülicher Stadtteil Barmen. Es ist die Pionierzeit der Heimcomputer, Mitte der 80er Jahre, und Tim Berresheims Interesse an Mathematik und dem computerbasierten Arbeiten ist geweckt. Er verlässt das Gymnasium in der 13. Klasse ohne Abschluss. Um trotzdem seine Fachhochschulreife und damit den Zugang zu einem Studium, zu erlangen, absolviert er 1993 ein Jahr lang ein Praktikum bei der Bauunternehmung Florack in Heinsberg. Nach seiner Ausmusterung zieht er nach Köln, während er im nahegelegenen Gummersbach, in einer ausgelagerten Abteilung der TH Köln, ein Studium der Informatik beginnt und wieder abbricht.

Es folgen zwei Jahre Drehbuchassistenz für Burkhard Driest in Gemmenich (Belgien). Der Schauspieler, Regisseur, Drehbuch- und Romanautor, Maler und Produzent nimmt den jungen Tim Berresheim unter seine Fittiche, bringt ihm Kenntnisse zur Dramentheorie näher und schreibt mit ihm gemeinsam Drehbücher. Es entsteht ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden Männern. Tim Berresheim beendet die Zusammenarbeit, als er beschließt, in Braunschweig Film zu studieren.

Werk Sein künstlerisches Schaffen umfasst Malerei, computerbasierte Kunst, 3D-Renderings, 2D- und 3D-Scans, Fotografie, Kleinskulpturen, Wandarbeiten, Tafelbilder, Fotoabzüge und Augmented Reality. Kunst am Bau, im öffentlichen Raum, hoch oben in der Luft: Es ist insbesondere die Verbindung von analoger Kunst wie Malerei und CGI, die ihn immer wieder fasziniert. Dabei schafft er fließende Übergänge zwischen der analogen und der digitalen Welt und arbeitet dabei mit Künstlern und Materialgebern, wie Thomas Arnolds, Jonathan Meese aber später auch in seiner Reihe „Aus alter Wurzel neue Kraft“ mit den Schülerinnen und Schülern seiner alten Schulen.

Akademischer Werdegang 1999 schreibt er sich zunächst ein an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ein. Hier ist es jedoch üblich, vor dem eigentlichen Studium mit einer einjährigen Orientierungsphase in einer Grundklasse zu starten, in der sein Professor Hartmut Neumann auf Berresheim aufmerksam wird. Das Werk des Professors umfasst die Malerei, Grafik und Fotografie. Diese Begegnung sollte entscheidend sein für Berresheims weiteren Werdegang: So landet er in der Klasse von Johannes Brus und entscheidet sich für die bildende Kunst. Er beginnt mit der klassischen Malerei, doch schon nach einem halben Jahr tauscht er den Pinsel gegen den Computer und beginnt so, Bilder zu kreieren. Da es jedoch an der Hochschule zu dieser Zeit kaum Angebote dazu gibt, wie man computerunterstützte Kunst herstellt, verlässt Berresheim sie ebenfalls ohne Abschluss, um sich dieser Kunst weiterhin autodidaktisch zu nähern.

Als Hartmut Neumann 2022 in den Ruhestand geht, widmet man eine Ausstellung im Museum für Photographie Braunschweig seinem Werk und dem einiger Nachwuchskünstler, die er im Laufe seines Lebens begleitet hatte. Darunter Tim Berresheim, dessen Arbeiten ebenfalls dort ausgestellt werden.

Er wechselt an die Kunstakademie Düsseldorf zu Albert Oehlen, dem deutschen Maler, Objekt- und Installationskünstler, der zu der Zeit bereits sowohl analog als auch digital malte. Dem Wunsch folgend, seine eigenen Methoden und Prozesse weiterzuentwickeln, verlässt er die Kunstakademie schon nach kurzer Zeit wieder. In dieser Zeit zieht er von seinen Interimswohnort Erkelenz nach Aachen.

Erste Ausstellungen Im Kölnischen Kunstverein hat Tim Berresheim 2002 zum ersten Mal die Möglichkeit, seine Arbeiten im Rahmen einer Gruppenausstellung einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei der Ausstellung „Offene Haare, Offene Pferde. Amerikanische Kunst 1933-45“ wird die Galerie (Hammelehle & Ahrens) auf ihn aufmerksam und bietet ihm eine Projektraumausstellung in ihren Räumlichkeiten an.

Gleichzeitig eröffnet er 2002 gemeinsam mit seinem Jugendfreund Michael Bauer, seinen eigenen Ausstellungsraum: „Brotherslasher“ in Köln. Mit dem Künstler verbinden Berresheim einige Parallelen, auch er besuchte die Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste und stammt gebürtig aus dem Raum Heinsberg.

Tim Berresheims zweiten Ausstellungsraum in Köln „FYW“ betreibt er mit Thomas Arnolds und Christian Collmer. Da sich fortan Vieles in Köln abspielt, zieht Tim Berresheim kurzerhand wieder hierher.

Neben Ausstellungen in Deutschland, folgen nun auch die ersten Shows in den Vereinigten Staaten, wie zum Beispiel in Los Angeles und New York.

Musikalisches Arbeiten Tim Berresheim spielt Gitarre seit er 12 Jahre alt ist. Er spielt auch zu Schulzeiten schon in verschiedenen Punkbands, tritt aber selten auf. Später verbindet er die Musik eng mit seiner künstlerischen Tätigkeit. Auch hier arbeitet er mit dem Computer, erstellt Tonkollagen. Zum Beispiel gemeinsam mit seinem Professor von der Kunstakademie, Albert Oehlen, in dem Projekt Wendy Gondeln. Er lernt Jonathan Meese kennen, mit dem in verschiedenen Konstellationen in drei Jahren über 10 LPs entstehen. Neben seinen Soloprojekten und Kollaborationen entstanden seine Musikprojekte Die Wait Watchers, Judenbruch 7175, The Retweeters oder La Velo.

Er gründet 2002 sein eigenes Musiklabel unter dem Namen „New Amerika Tapes & Vinyl“, unter dem er CD-Rs mit Linolschnitten, Vinylplatten, Kassetten und Buchpublikationen herausbringt. Bei der Namensgebung spielt für ihn die Entdeckung unbekannten Terrains eine zentrale Rolle. So sieht er sich selbst in seinem künstlerischen Schaffen immer auf dem Weg zu neuen Ufern.

Aus dem Label New Amerika Tapes & Vinyl werden die Studios New Amerika, die neben Tonträgern auch andere Publikationen wie Kataloge und Kunstbücher veröffentlichen. Die Soundtracks, die Berresheim zu vielen seiner Ausstellungen produziert, werden hier ebenfalls veröffentlicht.

2018 wird die SNA – Studios New Amerika GmbH gegründet. Mit eigener Studiostruktur, Werkstatt und dem Verlag mit festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Covergestaltung Für Markus Schmickler („Palace Of Marvels (queered pitch)“) und Dan Melchior („Melpomene“) kreierte Tim Berresheim eigene Plattencover.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

2026: Tim Berresheim. Ort. Zeit. Kontinuum, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 2024: Neue alte Welt, NRW-Forum Düsseldorf 2023: Der Cicerone und der Phönix, Galerie Elisabeth und Reinhard Hauff, Stuttgart 2022: La Grotta della Fenice – Lo Spaventapasseri, JUBG, Köln 2022: La Grotta della Fenice – Una Passione Inconfessabile, Galerie Falko Alexander, Köln 2020: Aus Alter Wurzel Neue Kraft Teil 3, Mehrere Ausstellungsorte, Heinsberger Land 2020: Störgrösse (AAWNK), Galerie Falko Alexander, Köln 2020: Das Auge im Neuen einüben (AAWNK), Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart 2019: Sleep Walk, Ruttkowski;68, Paris 2018: Suspension of Disbelief, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen 2018: Smashin' Time II, Kunst Raum Riehen, Riehen 2018: Harry Rag, Gallery Belmacz, London 2017: Auf der Pirsch, Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart 2016: Next Step: Cro Magnon 4.0 Cave Paintings, Vitamin, Reutlingen 2016: Aus alter Wurzel neue Kraft, Meliksetian | Briggs, Los Angeles 2016: Hui Buh BBQ, Burg Frankenberg, Aachen 2015: Tim Berresheim. 2003–2015, Ludwig Forum, Aachen 2014: Auge und Welt, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 2012: Traces, Kunstsäle, Berlin 2011: Pondering W.T.F. (No methodology), Kunstverein Leverkusen im Schloss Morsbroich, Leverkusen 2011: Die Dämmerung (mit Hartmut Neumann), Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon, Celle 2010: Radieschen und Erdnuss (mit Markus Oehlen), Kunsthalle Gießen, Gießen 2009: Bobby und Snake (Wonderful Life), Jagla Ausstellungsraum, Köln 2008: Scheuche (Mild), Marc Jancou Contemporary, New York 2007: Violett (Haar), Patrick Painter, Inc., Los Angeles

Gruppenausstellungen (Auswahl) 2023: Surreal Futures, Max-Ernst-Museum, Brühl 2023: Expect the Unexpected. Aktuelle Konzepte für Fotografie, Kunstmuseum Bonn, Bonn 2022: Broken Music Vol. 2 – 70 Jahre Schallplatten und Soundarbeiten von Künstler, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin 2022: The collection: dialogues. Volume 1: The History between persistence and criticism, Collegium – Space for creation, research and exhibition of contemporary art, Arévalo 2022: MUSTERUNG. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst, Kunstmuseum Ravensburg, Ravensburg 2022: Futur 21, Mehrere Industriemuseen des LWL und LVR in Nordrhein-Westfalen 2021: Jetzt oder nie – 50 Jahre Sammlung LBBW , Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart 2021: AR Biennale, NRW Forum, Düsseldorf 2020: MUSTERUNG. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst, Kunstsammlungen am Theaterplatz, Chemnitz 2019: 14. Triennale Kleinplastik Fellbach, Alte Kelter, Fellbach 2019: Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality, Ludwig Forum, Aachen 2019: Black & White & In Between: Contemporary Art from the Frederick R. Weisman Art Foundation, Frederick R. Weisman Museum of Art, Pepperdine University, Malibu 2019: Die Macht der Vervielfältigung – Von prä- zu postdigitaler reproduktiver Kunst, oder von Radierung über Xerox zu Augmented Reality in Südamerika und Deutschland, Leipziger Baumwollspinnerei, Leipzig 2019: Geheimnis der Dinge. Malstücke, Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen 2018: Brisante Träume. Die Kunst der Weltausstellung, Marta Herford und Kunstmuseum Ahlen 2018: O Poder da Multiplicação - Arte reprodutível na América do Sul e na Alemanha: do pré-digital ao pós-digital ou da gravura, passando pelo xerox, até o 3D, Museu de Arte do Rio Grand do Sul, Porto Alegre 2018: Mixed Realities. Virtuelle und reale Welten in der Kunst, Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart 2018: Black & White & IN BETWEEN. Contemporary Art from the Frederick R.Weisman Art Foundation, Carnegie Art Museum, Oxnard 2018: Becoming Animal, Den Frie Udstillingsbygning, Copenhagen und Museet for Religiøs Kunst, Lemvig 2018: Lightbox – 18 aktuelle Positionen. Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon, Celle 2016: Möglichkeit Mensch Körper | Sphären | Apparaturen, Zeppelin Museum, Friedrichshafen 2015: The Digital Museum of Digital Art, Transfer, New York und Satellite Projects, Miami 2015: Better than de Kooning, Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen 2015: A Man Walks Into A Bar..., me Collectors Room, Berlin