mini|hochkant=1.05|Stäbchen, Porzellanlöffel, Teelöffel, Esslöffel, Gabel, Messer, Fisch­messer mini|hochkant=1.05|Gedeck einer groß­bürger­lichen Tafel (Deutsch­land, nach 1888) mini|hochkant=1.05|Feldbesteck der deutschen Bundes­wehr aus den 1980er Jahren mini|hochkant|Löffel im Wappen von Löffingen Mit Essbesteck, Tafelbesteck oder kurz Besteck werden Werkzeuge bezeichnet, die zur Nahrungsaufnahme verwendet werden. Das heute im europäischen Kulturraum gebräuchliche Essbesteck besteht aus Messer, Gabel und Löffel.

Als Teil des Tischgedecks (französisch couvert) werden die einzelnen Besteckstücke nach festgelegten Regeln angeordnet. Ihre korrekte Benutzung bildet einen Bestandteil der Tischsitten. Dabei ist das Essen mit der Gabel eine vergleichsweise neue Sitte, die ihre Ursprünge im Italien des 17. Jahrhunderts hat, sich aber erst im bürgerlichen Europa des 19. Jahrhunderts endgültig durchsetzte.

In Ostasien sind Essstäbchen die vorherrschende Besteckform. Sie finden im Zuge der Globalisierung auch in der westlichen Welt vermehrt Verbreitung.

In den meisten Kulturen weltweit wird hingegen ganz oder teilweise auf Essbesteck verzichtet und mit den Fingern gegessen, meist nach strikten Regeln. Im islamischen Kulturbereich und bei Anhängern des Hinduismus darf nur die rechte Hand zur Nahrungsaufnahme verwendet werden, da mit der linken die Körperreinigung vorgenommen wird und diese daher als unrein gilt.

Das universellste Tafelgerät ist der Löffel, der sowohl in den Kulturen im Gebrauch ist, die Messer und Gabel oder Essstäbchen benutzen, als auch in einigen Regionen, in denen neben den Fingern der Löffel als einziges Besteck zur Verfügung steht.

Besteckarten und ihre Geschichte Löffel Geschichte, Löffel in Aussprüchen und im Aberglauben Der Löffel (mittelhochdeutsch über leffel von althochdeutsch laffan, mittelhochdeutsch laffen: schlürfen, lecken) ist das urtümlichste der Werkzeuge, die als Esslöffel zum Essen, gelegentlich auch zum Trinken genutzt werden und wurden. Es ist schlicht der schöpfenden Hand nachgebildet. Ein Löffel besteht aus zwei Teilen, dem Stiel und der LaffeDuden: Laffe. (Laffe bedeutet eigentlich die Lippe) oder auch Löffelschale, der Höhlung für die Flüssigkeit, die oft aus einem anderen Material und mit einer anderen Technik hergestellt wurde als der Stiel.

Geschichte Löffel wurden bereits aus altsteinzeitlichen Fundstätten geborgen, aus Knochen oder Holz geschnitzt. Aus der Jungsteinzeit gibt es zahlreiche Funde von Löffeln aus gebranntem Ton z. B. aus Gegenden der Trichterbecher- und der Münchshöfener Kultur. Bei Ausgrabungen im alten Ägypten fanden Archäologen ebenfalls unzählige Löffel, die belegen, dass die Menschen vor tausenden von Jahren solche Geräte zum Essen oder zum Vorlegen von Speisen benutzten. Im alten Rom gab es zwei Arten von Löffeln, die größere ligula und das kleinere cochlear. Letzteres besaß einen nadelförmigen Stiel, der beim Verzehr von Schnecken und Muscheln auch eine Spießfunktion, die Funktion der heutigen Gabel, hatte.

Der Begriff Löffel tauchte erstmals in Dokumenten des 8. Jahrhunderts auf, damals hatte jeder Mensch seinen (großen) Löffel stets bei sich.Frank-Rainer Schurich: Wo ist mein großer Löffel?, Das Grundstück, Journal des VdGN, Heft 11/12, 2023, S. 18 ff.

Vielerorts war der Löffel bis ins 19. Jahrhundert hinein neben dem Messer, das häufig nur zum Zerteilen benutzt wurde, das einzige Esswerkzeug und in der Regel aus Holz.

Löffel in Redewendungen, Sagen und Geschichten (Auswahl) Aus der Tatsache, dass die Menschen ihren Löffel stets bei sich trugen, resultiert die Aussage „den Löffel abgeben“, wenn jemand gestorben ist. Der Spruch „jemanden über den Löffel balbieren“ heißt dagegen, ihn betrügen oder ihn übervorteilen. Das soll auf das 19. Jahrhundert zurückgehen, als die Barbiere (Balbiere, Friseure) männlichen Kunden mit eingefallenen Wangen einen Löffel gaben, den sie in den Mund nehmen mussten, damit die Haut beim Rasieren ordentlich straff und damit ein gutes Ergebnis zu erwarten war. Ein Aberglaube lautet, dass, wenn ein „silberner Löffel auf den Boden fällt“, ein Familienangehöriger sterben würde. Ein besonders krasses Beispiel, wie ein Edikt unter Friedrich Wilhelm I. umgesetzt wurde, das Hausdiebstähle mit der Todesstrafe belegte, ist die Sage um das Galgenhaus in Alt-Berlin (Brüderstraße 10). Hier wurde eine Dienstmagd des preußischen Ministers von Happe beschuldigt, einen silbernen Löffel gestohlen zu haben. Nachdem das Todesurteil sogar vor dem Haus in der Öffentlichkeit vollstreckt worden war, fand sich der Löffel im Stall, eine Elster hatte ihn dorthin verschleppt. Im Jahr 1996 verurteilte ein dänisches Gericht einen Politiker (Torben Nimb-Sörensen) zu einer Bewährungsstrafe, weil er nachweislich auf der königlichen Jacht Dannebrog drei Löffel aus dem Tafelsilber hat mitgehen lassen.

Entwicklung, Materialien und Spezialisierung nach Anwendungsgebiet In Deutschland entstand die Löffelmacherei als Zweig der metallverarbeitenden Industrie im 15. Jahrhundert in der Nähe von Eisenerzgewinnung und -verhüttung. Ihre Blütezeit hatte sie im 17. und 18. Jahrhundert. Ursprünglich wurden die Löffel roh aus einem Stück geschmiedet und dann mit der Feile bearbeitet, wobei ein Löffelmacher 30 bis 40 Stück pro Tag fertigen konnte. Im frühen 18. Jahrhundert konnten Löffel bereits aus Blech geschnitten und kalt verformt werden, wodurch sich die Herstellungsgeschwindigkeit verdoppelte. Schließlich wurden Platteneisen vorgeschmiedet, ein Arbeiter vollendete die Form und anschließend wurden die Löffel verzinnt und poliert.

Das Besteck in der heutigen Form eines einheitlich gestalteten Bestecksatzes ist eine relativ späte Erscheinung; an der bürgerlichen Tafel hat es sich erst im 19. Jahrhundert durchgesetzt. Inventarmäßige Quellen des 18. Jahrhunderts zählen silberne Löffel und getrennt davon Paare von Messern und Gabeln auf. Die Laffe des Löffels war im 16. Jahrhundert noch rund, und den kurzen, stabförmigen Stiel umfasste man mit der ganzen Faust. Später wird der Stiel flacher und länger, die Laffe ovaler. Diese Entwicklung ist bei silbernen Löffeln früher zu beobachten als beim Zinnlöffel, der mit runden Laffen bis ins 19. Jahrhundert gefertigt wurde.

Kunsthandwerkliche Löffelmacher stellten gemeldete Löffel her, mit Verzierungen und Inschriften versehen, vorwiegend als wertvolles Geschenk und familiäres Erbstück. Bis in die Neuzeit hinein blieb er ein recht kostbarer Besitzgegenstand und wurde deshalb auch vererbt (wer also „den Löffel abgibt“,den Löffel abgeben im Wiktionary stirbt). In manchen Gegenden Europas ist heute noch der Brauch üblich, dass der Taufpate einem Kind seinen ersten silbernen Löffel schenkt.

Für den Verzehr von Kaviar, gekochtem Ei und anderen schwefelreichen Lebensmitteln wurden Löffel vergoldet oder Löffel aus Horn, Bein oder Perlmutt verwendet, die sich nicht auf den Geschmack auswirken können und sich nicht – wie häufig bei Verwendung von Silberlöffeln beobachtet – durch den Schwefel verfärben. Ebenso sind Salzlöffel entweder nicht aus Silber oder mindestens die Laffe ist vergoldet. Bei Löffeln aus Edelstahl tritt das Problem der Verfärbung nicht auf.

Vor allem in Asien sind Löffel aus Keramik oder Porzellan weit verbreitet. Diese sind meist unten abgeflacht, was sich ursprünglich von selbst aus dem Brennvorgang ergab.

Die historischen Löffelritter führten einen Löffel als Wappenzeichen.

Liste der Löffel-Arten

Messer Überblick mini|hochkant=0.8|Messerbank mit Messer

Das Messer – anfangs aus scharfkantigen Steinen – ist wohl ebenso alt wie der Löffel, allerdings weniger als Esswerkzeug, sondern zum Erlegen von Wild und zum vorherigen Zerkleinern in mundgerechte Portionen, die dann mit den Fingern gegessen wurden. Das Messer war wie der Löffel ein persönlicher Gegenstand; man trug beide zusammen in einem Lederfutteral, dem Besteck, am Gürtel. Im antiken Rom kam das Messer schon ab etwa 90 v. Chr. als Essgerät bei Tisch in Mode. Die beiden wesentlichen Bestandteile eines Messers sind eine Klinge mit scharfer Schneide und ein die Hand schützender Griff.

Insgesamt werden von deutschen Klingenfabrikanten im 21. Jahrhundert etwa 2000 verschiedene Klingenformen für den Weltmarkt hergestellt. Die heutige Form der Dessertmesser und Tafelmesser zeigt eine Tendenz zur Zivilisierung: Das vordere Ende der Schneide (die Spitze) ist abgerundet und die Schneide selbst kann mit einer kleinen Zahnung (Säge oder Welle) ausgeführt sein. Auch sind verschiedene spezielle Messer wie Steakmesser für gebratenes Fleisch in Verwendung, die meist etwas schärfer als die üblichen Besteckmesser sind. Für Fisch gibt es eigene Messer, ohne Zahnung und mit stumpfer Schneide. Beim vorschriftsmäßigen Auflegen des Bestecks bei Tisch zeigt die Schneide immer zum Teller und nie vom Teller weg. Auch nach dem Essen zeigt die Schneide zum Esser und nie zum Gegenüber – früher wurde das als feindlicher Akt ausgelegt.Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation. Bern 1969, S. 164 ff. und 170 ff. hat anhand zahlreicher Belege aus den Manierenschriften die in den Tischsitten enthaltenen Rituale und Tabus herausgearbeitet

Liste der Messer-Arten

Gabel Beschreibung, Geschichte Eine Gabel besteht aus drei Teilen, dem Griff oder Stiel, an dem die Gabel angefasst wird, den Zinken und dem dazwischen liegenden Schiff, das Stiel und Zinken verbindet. Schiff und Zinken zusammen werden Kelle genannt.

Kleine zwei-, drei- oder vierzinkige Gabeln sind in Europa schon aus römischer Zeit, etwa aus einem Schatzfund in Vienne, bekannt. Von Byzanz aus gelangten sie wohl durch Heirat zwischen Fürstenhäusern in das Italien der Spätrenaissance.

In der Bibel (1. Sam. 2, 13) wird erwähnt, wie Priester bei der Opferhandlung gegen die Vorschriften verstießen und mit einer Gabel mit drei Zinken Opferfleisch aus dem Kessel holten. Tranchiergabeln-ähnliche Gabeln benutzten Quellen zufolge die Römer zur Zeit der Antike zum Aufspießen von Fleisch. Essstäbchen und fünfzinkige Gabeln dienten nur zum Vorlegen; überwiegend aß man mit den Händen. Von Byzanz, dem ehemaligen Oströmischen Reich, gelangte die Gabel im Frühmittelalter zu den Normannen, die intensive Handelsbeziehungen mit den Byzantinern unterhielten. Das beweisen Funde von zwei- und dreizinkigen Fleischgabeln aus HaithabuPetra Westphalen: Die Eisenfunde von Haithabu. S. 158–160, ISBN 978-3-529-01410-9. und Birka. Dabei waren große Gabeln der Wikinger eher Küchenwerkzeuge; zudem waren sie anders konstruiert, denn sie hatten seitliche Zinken. Der erste Bericht über Gabeln in Mitteleuropa stammt aus dem 11. Jahrhundert vom Hof des Dogen Orseolo II. in Venedig. Der Kirchenlehrer Petrus Damiani berichtete, dass eine Prinzessin aus Byzanz sie eingeführt habe. Er verurteilte diese neue Mode als „sündhafte Verweichlichung“.Gert von Paczensky, Anna Dünnebier: Leere Töpfe, volle Töpfe. Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. München 1994, S. 318.