Linux Mint ist eine Linux-Distribution für Desktop-Computer und Laptops. Sie wird in zwei parallelen Editionen entwickeltː die Ubuntu-basierte Ausgabe (kurz: Linux Mint) und die Debian-basierte Mint-Ausgabe (LMDE). Die Hauptausgabe ist in den drei Varianten Cinnamon-, MATE- und Xfce-Edition erhältlich, die sich nach der vorinstallierten Desktop-Umgebung richten. LMDE bietet hingegen ausschließlich die Cinnamon-Umgebung. Gründer und Maintainer von Linux Mint und LMDE ist Clément Lefèbvre.linuxmint.com
Historie Linux Mint wurde von Clément Lefèbvre im Jahr 2006 gestartet und auf Basis von Ubuntu entwickelt, um beliebte und frei verfügbare Software besser in eine Distribution zu integrieren. Ursprünglich bezeichnete der Name „Linux Mint“ Lefèbvres Website , auf der er eigene Artikel über Linux veröffentlichen wollte. Den Namen wählte er, weil er damit die Bedeutung von „Frische und Technologie, die funktioniert“ verband ().“” Vgl. Q&A: Clement Lefebvre. Zuletzt abgerufen am 3. April 2026. Neben quelloffener freier Software sollte dies vor allem auch für proprietäre, nicht-freie, aber beliebte Software wie z. B. Adobe Flash oder die überwiegende Zahl von Multimedia-Codecs (wie MP3 oder H.264) gelten. In der sehr populären Mutterdistribution Ubuntu dagegen wurde – zum damaligen Zeitpunkt – freie und nicht-freie Software aus politischen und ideologischen Gründen strikt voneinander getrennt; nicht-freie Software wurde in ein optionales Zusatzangebot ausgelagert. Linux Mint hatte mit diesem zunächst an beliebter nicht-freier Software orientierten integrativen Konzept Erfolg. Damit erweiterten sich aber auch die selbstgesteckten Ziele und Ambitionen.
Im Mai 2014 entschieden sich die Entwickler von Linux Mint, der Stabilität und Integration aller Komponenten noch größeres Gewicht als vorher zu geben. Seit Mai 2014 beruhen sämtliche Linux-Mint-Veröffentlichungen nur noch auf der aktuellen Ubuntu-Long-Term-Support-Codebasis (LTS). Die Debian-Editionen beruhen seit August 2014 ebenfalls auf der jeweiligen Debian-stable-Codebasis. Dies soll eine hohe Stabilität beider Ausgaben und damit Vorbedingungen für eine besonders gute Integration aller Komponenten in Linux Mint gewährleisten. Gleichzeitig versprachen die Entwickler, die wesentlichen und für Endanwender wichtigen Desktop-Programme trotz der stabilisierten Codebasis von Zeit zu Zeit zu aktualisieren. Die zweite Veröffentlichung unter den neuen Regeln, Linux Mint 17.1 Rebecca, brachte Ende November 2014 neuere Versionen der wichtigsten Anwenderprogramme mit.
Konzept Als Fenster zum Anwender setzt Linux Mint auf den Einsatz eigens entwickelter Desktop-Umgebungen wie Cinnamon. Damit soll der erreichte Grad der Integration innerhalb der Distribution dem Nutzer in einfacher und benutzerfreundlicher Form zugänglich gemacht werden. Cinnamon startete als Fork der Gnome Shell, um eine Benutzeroberfläche zu schaffen, die moderne Konzepte von Gnome 3 mit der traditionellen Bedienung von Gnome 2 verbindet. Auch an der Entwicklung von MATE, der Weiterentwicklung der 2010 eingestellten Benutzeroberfläche Gnome 2, sind die Entwickler beteiligt. Linux Mint ist eine der wenigen Distributionen, die ihre bevorzugten Desktop-Umgebungen auf der Basis der eigenen Bedürfnisse und zum Erreichen der selbstgesteckten Ziele eigens entwickeln.
Das Gesamtpaket nach den Regeln des neuen Konzeptes vom Mai 2014 inklusive einer stabilen Codebasis, Integration aller Komponenten, Updates wichtiger Anwender-Programme, Benutzerfreundlichkeit und Desktop-Umgebungen wird – mit Abstrichen bei der Bereitstellung der neuesten Anwenderprogramme – von Fachmedien (u. a. The Register, Ars Technica) von sehr gut bis teils enthusiastisch bewertet.
Umfang der Distribution Allgemein Linux Mint enthält im Gegensatz zu den im Hauptteil nur aus freier Software bestehenden Linux-Distributionen Ubuntu und Debian bereits Codecs für verschlüsselte DVDs, MP3 oder DivX sowie Plug-ins wie Oracle Java. Zudem ist NDISwrapper für die Unterstützung von WLAN-Karten ohne eigenen Linux-Treiber vorinstalliert und es gibt einige Programme und Anleitungen, um die Kommunikation mit Windows-Systemen auf dem gleichen oder anderen Computern zu vereinfachen. Technisch benutzt man die Paketquellen von Ubuntu bzw. Debian (letzteres für LMDE) sowie eine weitere eigene mit den veränderten und zusätzlichen Paketen. Dadurch sind für die Benutzer von Linux Mint alle Aktualisierungen von Ubuntu bzw. Debian ebenfalls verfügbar.
Zur Software, die spezifisch für Linux Mint entwickelt wurde und wird, gehören die Desktop-Umgebung Cinnamon und die MintTools, die unter anderem das Systemmenü MintMenu enthalten. Dieses ist im Aufbau angelehnt an die Menüs des SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) oder auch von Microsoft Windows Vista. Besonderheiten sind hier die Möglichkeit, das Menü selbst zu durchsuchen, Optionen, um sowohl zuletzt genutzte Dateien und Ordner als auch ausgewählte Ordner anzuzeigen und um favorisierte Programme prominent zu platzieren. Dazu gibt es unter dem Namen Romeo ein Paketverzeichnis nach Art von Debian unstable, aus dem die selbst entwickelten Programme (wie die Komponenten der Desktop-Umgebungen Cinnamon und MATE) erst in die beiden Ausgaben Linux Mint und LMDE übernommen werden, wenn sich diese als hinreichend stabil erwiesen haben.
Beide Ausgaben von Linux Mint – die Hauptausgabe und LMDE – lagen bis einschließlich Linux Mint 19 sowohl in einer 32-Bit- als auch einer 64-Bit-x86-Version vor. Seit Linux Mint 20 werden von der Hauptausgabe nur noch 64-Bit-Versionen bereitgestellt, LMDE ist mit Version 6 weiterhin zusätzlich als 32-Bit-Version verfügbar. Für die Installation besteht die Wahl zwischen mehreren DVD-Installationspaketen (mittels herunterladbarer ISO-Dateien), die jeweils eine andere vorkonfigurierte Desktop-Umgebung mitbringen.
Desktop-Umgebungen Als offizielle Desktop-Umgebungen der Hauptausgabe von Linux Mint werden wahlweise Cinnamon, MATE und Xfce ausgeliefert. LMDE wird ausschließlich mit Cinnamon vorkonfiguriert angeboten. Alle anderen Desktop-Umgebungen lassen sich in beiden Ausgaben von Linux Mint immer auch mittels Paketverwaltung nachträglich installieren, dann allerdings ohne ausgefeilte Vorkonfiguration. Darüber hinaus war bis einschließlich Version 18.3 auch eine Variante mit KDE verfügbar. Einige Systemanwendungen von Gnome 2 finden sich in MATE und Cinnamon als eigene Abspaltungen wieder:
+ Funktion Gnome Cinnamon MATE Dateimanager Nautilus Nemo Caja Bildbetrachter Eye of GNOME xviewer (X-App) Eye of MATE Fotoorganisation gThumb pix (X-App) Dokumentenbetrachter Evince xreader (X-App) Atril Terminalemulation Gnome Terminal Gnome Terminal MATE Terminal Archivverwalter File Roller/Archive Manager File Roller Engrampa Texteditor gedit xed (X-App) pluma Fenstermanager Metacity/Mutter Muffin Marco Medienspieler Totem/Gnome Videos xplayer (X-App)
Cinnamon Um den Nutzern die neuen Funktionen von Gnome 3, aber auch ein vertrautes Aussehen des Desktops anzubieten, wurden die Mint Gnome Shell Extensions (MGSE) eingeführt, die eine Taskleiste sowie ein Startmenü bereitstellen. Da es sich bei den MGSE lediglich um Plugins der Gnome-Shell handelte, stießen sie bald an ihre Grenzen. Deshalb wurde beschlossen, die MGSE in einen Fork der Gnome-Shell mit dem Namen Cinnamon (englisch für Zimt) umzuwandeln, der ab Version 13 von Linux Mint eingebettet wurde.
MATE Bis einschließlich Version 11 von Linux Mint wurde mit Gnome 2 nur eine Desktop-Umgebung verwendet. Der Versionssprung auf Gnome 3 war mit größeren Veränderungen verbunden. Um verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, kam es zu einer Aufspaltung, bei der MATE als Fork von Gnome 2 weiterentwickelt wird, während Cinnamon Gnome 3 integrierte.
Xfce Die Xfce-Edition beinhaltet ähnlich der Cinnamon- und der MATE-Edition die X-Apps.
Systemanforderungen 64-Bit Linux Mint LMDE Minimum Empfohlen Minimum Empfohlen Arbeitsspeicher 2 GB 4 GB 2 GB 4 GB Festplattenplatz 20 GB 100 GB 20 GB 100 GB Bildschirmauflösung 1024 × 768 >1024 × 768 1024 × 768 >1024 × 768 32-Bit Linux Mint bis 19.3 Tricia LMDE Minimum Empfohlen Minimum Empfohlen Arbeitsspeicher 512 MB 1 GB 1 GB 2 GB Festplattenplatz 9 GB 20 GB 15 GB 20 GB Bildschirmauflösung 800 × 600 1024 × 768 800 × 600 1024 × 768 Prozessor ohne PAE nicht unterstützt voll unterstützt Die genannten Zahlen gelten für die Desktop-Umgebungen MATE und Cinnamon. Den geringsten Hauptspeicherverbrauch aller Editionen zeigen LMDE MATE und LMDE Cinnamon mit 282–285 MB direkt nach der Installation (Stand 2014).
Ab Linux Mint Version 20 ist die 64-Bit-Prozessorarchitektur x64 (AMD64 und Intel 64) Voraussetzung. Bis Version 19.3 wurde auch die 32-Bit-x86-Architektur unterstützt, allerdings nur mit Physical Address Extension (PAE). PAE ist bei x86-Prozessoren ab i686 normalerweise vorhanden, also ab dem Pentium Pro bzw. Pentium II von Intel bzw. dem Athlon von AMD. Wenige ältere Prozessoren wie der Pentium M „Banias“ aus der Zeit 2003/2004 machen ihre Unterstützung für PAE nicht kenntlich, wobei seit Linux Mint „Qiana“ und „Rebecca“ ein Parameter für den Linux-Kernel funktioniert, der PAE manuell aktiviert und daher für betroffene Systeme die Installation und den Betrieb ermöglicht.
Alle x86-Prozessoren vor dem Pentium Pro bzw. dem Athlon unterstützen PAE grundsätzlich nicht. Für diese Prozessoren ist die Hauptausgabe von Linux Mint ab Version 17.2 ungeeignet. Die „Linux Mint Debian Edition“ hingegen unterstützt in der 32-Bit-Version Prozessoren ohne PAE „out-of-the-box“. LMDE ist eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, ältere Rechner mit solchen Prozessoren mit einem aktuellen Betriebssystem auszustatten.
Linux Mint (Ubuntu-Ausgabe) Seit 2014 beziehungsweise ab Linux Mint 17 basieren alle Versionen ausschließlich auf LTS-Versionen von Ubuntu, die alle zwei Jahre veröffentlicht werden – die Codebasis von Linux Mint basiert daher immer für zwei Jahre auf der aktuellen Ubuntu-LTS-Version. Frühere Linux-Mint-Versionen basierten hingegen auf den halbjährlich veröffentlichten regulären Ubuntu-Ausgaben.
Neben den zweijährlichen großen Distributionsupdates gibt es bis zum Erscheinen der nächsten Ubuntu-LTS-Version jeweils drei Zwischenversionen von Linux Mint. Diese erscheinen etwa im Abstand von sechs Monaten, da sie den sogenannten Point-Releases von Ubuntu folgen. Damit erhalten die Nutzer alle fehlerbereinigten Versionen von Programmen derselben Ubuntu-LTS-Codebasis über einen vereinfachten Upgrade-Mechanismus, zusammengefasst als neue Unterversion. Für Neuinstallationen werden aktualisierte Abbilder (ISO-Images) veröffentlicht. Zudem können diese Zwischenversionen bei Linux Mint, im Gegensatz zur LTS-Basis, auch neuere Hauptversionen der Mint-Eigenentwicklungen (wie Cinnamon) sowie neue Versionen einer begrenzten Auswahl besonders populärer Programme und des Linux-Kernels enthalten. Auf neuere Hardware-Treiber und damit eine zukunftsfähigere Gerätekompatibilität müssen Nutzer nicht verzichten, dafür gibt es einen von Ubuntu entwickelten automatischen Updatemechanismus, der dem Anwender geeignete Treiber zur Verfügung stellt.
Versionsgeschichte Siehe: Versionsgeschichte von Linux Mint
LMDE (Debian-Ausgabe)