Die Wirtschaft in der Stadt Emden in Ostfriesland ist seit Jahrhunderten geprägt vom Seehafen der Stadt. Dieser war im 20. Jahrhundert auch Basis für Industrieansiedlungen wie beispielsweise den Nordseewerken (1903) und dem Volkswagenwerk Emden (1965).
Emden hat eine überdurchschnittliche Arbeitsplatzdichte und versorgt weite Teile Ostfrieslands mit Arbeitsplätzen. Entsprechend hoch ist die Zahl der Einpendler.
Hafen
In Emden befindet sich ein Seehafen an der Mündung der Ems in die Nordsee. Es handelt sich dabei um den westlichsten Seehafen Deutschlands. Der Hafen hatte bereits um 1600 große Bedeutung, die aber in den folgenden Jahrhunderten abnahm. Seit dem späten 19. Jahrhundert erfolgten ein großzügiger Ausbau und Industrieansiedlungen.
Der drittgrößte Autoverladehafen Europas in Emden schlägt fast ausschließlich Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns um. Hinzu kommen unter anderem Forstprodukte, Baustoffe und zunehmend auch Windenergieanlagen. Außerdem besteht ein Fährverkehr nach Borkum.
Industrie mini|Emder Produkt: VW Passat mini|Emder Produkt: Fregatte Hessen der Deutschen Marine bei der Ausrüstung (2004)
Größter Arbeitgeber in Emden ist das ansässige VW-Werk. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten handelt es sich um den größten industriellen Produktionsstandort westlich von Bremen und nördlich des Ruhrgebietes. Das Werk zählt heute etwa 8.100 Beschäftigte und nahm nach neunmonatiger Bauzeit 1965 die Produktion auf, zunächst mit dem VW Käfer. Hier lief 1978 der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Montageband. Seit 1978 wird im Emder Werk der VW Passat produziert, die Fabrik ist das Leitwerk für dieses Modell. Neben der Limousine wird auch das Kombi-Modell Variant in Emden hergestellt, letzteres ausschließlich in der Seehafenstadt. Der VW-Konzern entschied sich seinerzeit aufgrund der Lage als westlichster Seehafen Deutschlands und wegen des vorhandenen Flächenreservoirs in den Poldern für Emden als Produktionsstandort. Im Industriepark Frisia, auf dem Gelände einer abgerissenen Erdölraffinerie vor den Toren des VW-Werkes, haben sich inzwischen mehrere Zulieferfirmen angesiedelt.
Zweitgrößter industrieller Arbeitgeber in Emden und drittgrößter in Ostfriesland nach VW und Enercon waren bis 2009 die Nordseewerke. Seinerzeit verkaufte Thyssen Krupp die Werft an die SIAG-Gruppe, die dort Fundamente für Offshore-Windenergieanlagen herstellte. SIAG hatte 2012 rund 700 Beschäftigte.www.oz-online.de: Nordseewerke: Ab Donnerstag wird verhandelt, Ostfriesen-Zeitung, 8. März 2012, abgerufen am selben Tag Nach einem weiteren Eigentümerwechsel wurde im Jahr 2015 über das Vermögen der Nordseewerke das Insolvenzverfahren eröffnet und die Gesellschaft aufgelöst. Ende 2016 wurde der Bau von Schiffsteilen durch die Nordseewerke Emden Shipyard aufgenommen, die im August 2018 in die Insolvenz ging. Nach dem Einstieg der norwegischen Fosen Yards wird die Werft seit Anfang 2019 als Fosen Yard Emden GmbH weitergeführt. Diese meldete im Juni 2022 Insolvenz an.
Als Werftbetrieb verblieb das seit 2015 zur im Schifffahrtssektor spezialisierten Hamburger Gesellschaft Seafort Advisors gehörende Unternehmen Emder Werft- und Dockbetriebe mit 110 Beschäftigten sowie Außenstellen von Blohm und Voss sowie HDW mit zusammen etwa 220 Beschäftigten.www.iaw.uni-bremen.de: Beschäftigung, Auftragslage und Perspektiven im deutschen Schiffbau, PDF-Datei, S. 60, abgerufen am 8. März 2012 Seinen in Emden verbliebenen Standort mit etwa 220 Mitarbeitern will ThyssenKrupp Marine Systems schließen.
Neben den Industrie-Beschäftigten auf den Werften und im VW-Werk gibt es noch eine Reihe anderer Unternehmen in der Stadt, vornehmlich des Bausektors, des Maschinenbaus und der Lebensmittelindustrie. Es existiert noch eine kleine Zahl an fischverarbeitenden Betrieben. Zudem gibt es eine Anzahl von Schiffsausrüstungsbetrieben und anderen Werftzulieferern, darunter im Bereich der Navigations- und Kommunikationstechnik (siehe auch unten: Unternehmen und Behörden).
Dienstleistungen Emden erfüllt für das nähere Umland eine Funktion als Einkaufsstadt. Dabei befindet sich die Stadt in Konkurrenz zu Nachbarstädten, insbesondere Aurich und Leer. Im Gegensatz zu diesen beiden Städten fehlt Emden aber ein gutes Stück des potenziellen Umlandes aufgrund der Lage an Ems und Dollart. Als größte Stadt Ostfrieslands hat Emden dennoch eine wichtige Funktion im ostfriesischen Einzelhandel. Im Stadtteil Larrelt, am Beginn der Autobahn 31, befindet sich das größte Einkaufszentrum Ostfrieslands, das Dollart-Center.
Es gibt eine Reihe Firmen, die dem Sektor industrienahe Dienstleistungen zuzurechnen sind. Dabei handelt es sich teilweise um Dependancen von Firmen, deren Sitz außerhalb Emdens liegt. Neben den Hafendienstleistern wie Umschlagbetrieben existiert noch eine kleine Anzahl an Reedereien.
Energie mini|Gasanlandestation, gemeinsam betrieben von StatoilHydro und ConocoPhillips
Im Bereich alternativer Energieerzeugung wurden seit den 1990er Jahren im Windpark Rysumer Nacken eine Reihe kleiner bis großer Windenergie- und Photovoltaikanlagen errichtet. Unter anderem stehen in Emden mehrere Anlagen der zurzeit leistungsfähigsten Windenergieanlage der Welt, der E-126 von Enercon. Enercon fertigt zudem in einem Betontürme-Fertigteilewerk im Emder Hafen, das 2005 seinen Betrieb aufgenommen hat.
Am Rysumer Nacken, einer der Nordsee abgerungenen, aufgespülten Fläche im äußersten Westen Emdens an der Knock, befindet sich seit Mitte der 1970er Jahre eine Erdgas-Anlandestation. Diese empfängt das Gas aus norwegischen Feldern in der Nordsee. Damit wird über Emden ein wesentlicher Teil des deutschen Gas-Importes angeliefert.
Von den 1950er bis in die 1990er Jahre produzierte das Emder Kraftwerk Strom, zunächst aus Steinkohle, später aus Erdgas. Dann wurden der letzte Block des Kraftwerkes (früher Preußen Elektra, heute zu E.ON) abgeschaltet. Im Frühjahr 2006 hat der Energiekonzern das Kraftwerk Emden 4 (Leistung 400 MW) wieder in Betrieb genommen. Basis ist weiterhin Erdgas. Zudem gibt es seit 2005 ein Biomasse-Kraftwerk im Emder Hafen.
Bei der Nutzung regenerativ erzeugter Energien setzt die Seehafenstadt nicht allein auf Wind, sondern in zunehmendem Maße auch auf Solarenergie. So wurden unter anderem öffentliche Gebäude wie Schwimmbäder oder eine mehrere hundert Meter lange Lärmschutzwand an der A 31 mit Solarkollektoren ausgerüstet. Die Stadt erhielt 2005 den Deutschen Solarpreis für ihre Bemühungen auf dem Feld der Nutzung regenerativ erzeugter Energie. Die Stadt sei „sowohl in Deutschland als auch in Europa (…) Vorbild bei der Nutzung erneuerbarer Energien“, hieß es zur Begründung.
Tourismus In den vergangenen Jahren wurde auch der Tourismus als Standbein entwickelt. Dabei herrschen Tagestouristen vor, die im Zuge eines Urlaubes an der Küste Emden besuchen. Die Touristen besuchen dabei vor allem die kulturellen Einrichtungen Emdens. Des Weiteren wurde (und wird) insbesondere der Wassertourismus ausgebaut. Beim Fahrradtourismus arbeitet die Stadt eng mit den umliegenden Kreisen zusammen.
Als Beginn der touristischen Entwicklung Emdens können dabei die 1980er Jahre gelten. In diesem Jahrzehnt fand nicht nur eine Hinwendung zum historischen Erbe der Stadt auf städtebaulichem Gebiet statt, indem der Stadtteil Constantia gänzlich neu errichtet und mit Grachten versehen wurde. Auch die weitere touristische „Infrastruktur“ wurde ausgebaut. Gleichwohl wurden in den 1970er Jahren mit der Errichtung der Nordseehalle sowie des Neuen Theaters auch bereits Grundsteine gelegt. Das erste der im Ratsdelft liegenden Museumsschiffe, das Feuerschiff Amrumbank, machte 1984 dort fest. 1988 kam der Seenotkreuzer Georg Breusing hinzu. Weiter befindet sich der Museumslogger Stadt Emden im Ratsdelft. Die Emder Kunsthalle wurde 1986 eröffnet. Otto Waalkes eröffnete in dieser Zeit sein Otto-Huus. Im Jahre 1989 wurde zudem das Regionale Umweltbildungszentrum Ökowerk Emden im Stadtteil Borssum gegründet.
Einen Schub erhielt die touristische Entwicklung auch noch einmal in den 1990er Jahren. In diese Zeit fallen der Startschuss für das Emder Filmfest (1990), die Eröffnung der Johannes a Lasco Bibliothek (1995) und die „Umwandlung“ des Emder Stadtfestes in das Delftfest, bei dem der historische Hafenteil in den Blickpunkt rückt. Auch das Matjesfest wurde in dieser Zeit etabliert.
Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ist vor allem der 2005 abgeschlossene, zweijährige Umbau des Ostfriesischen Landesmuseums zu nennen. Die Errichtung eines kombinierten Hallen- und Freibades (Friesen-Therme Emden) mit Wellness-Angeboten (Eröffnung: Dezember 2006) erweitert zudem das Angebot für Einheimische, aber eben auch für Gäste.
Neben dem Nutzen als kulturelle Errungenschaften für die Emder und die Ostfriesen dienen die genannten Einrichtungen auch den Touristen, die einen Urlaub an der Küste verbringen. Insbesondere an Tagen mit eher „schlechtem Wetter“ sind die kulturellen Einrichtungen Emdens Ziele von Ostfriesland-Touristen. Der Ausbau der Wassersport-Infrastruktur wurde und wird ebenfalls vorangetrieben. Hierbei profitiert Emden von seiner Lage als Schnittstelle zwischen dem nordwestdeutschen und dem niederländischen Binnen-Wasserstraßennetz bei gleichzeitigem Zugang zur Hochsee.
Die Ausweisung von Ferienwohnungen und Ferienhäusern sowie die Errichtung des Parkhotels Upstalsboom in Emden sind wirtschaftliche Zeichen der touristischen Entwicklung. Ein Campingplatz befindet sich in der Nähe des Seedeiches an der Knock.
Emden liegt an den folgenden Rad- und Fernwanderrouten: North Sea Cycle Route, Internationale Dollard Route und Dortmund-Ems-Kanal-Route.
Im Zuge der Förderung des Tourismus in Emden, aber auch der Erhöhung der Lebensqualität im Stadtzentrum, wurde seit Ende der 1990er Jahre / Beginn dieses Jahrtausends das Projekt „Alter Binnenhafen“ entwickelt. Ein Teilprojekt hiervon wird auch „Wasserstadt am Hafentor“ genannt. Die inzwischen längst nicht mehr für den Warenumschlag genutzten historischen Teile des Emder Hafens (Ratsdelft, Falderndelft, Alter Binnenhafen, Eisenbahndock) sollen dabei einer neuen Nutzung zugeführt werden.
mini|links|Die ersten Häuser der „Wasserstadt“ (v. l.): Stadtverwaltung neben „Kapitänshäusern“ (Wohnungen) und Reedereikontor
Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen geplant: Bau von mehreren Bürogebäuden (u. a. für eine Reederei), eines Gebäudes für die Emder Stadtverwaltung sowie von Eigentumswohnungen (mit eigenem Yachthafen) auf der Westseite des alten Hafenteils. Mit dem Bau dieser Gebäude wurde bereits begonnen. Die ersten Eigentumswohnungen sowie das Reedereigebäude sind bereits bezogen. Später soll ein Hotel hinzukommen. Anlegen einer Promenade rund um den historischen Hafen, mit ca. 250 Bootsliegeplätzen sowie 45 Wohnmobil-Stellplätzen (teils fertiggestellt). Entwicklung eines neuen Stadtviertels mit Gartenhofhäusern und Steganlagen auf der Ostseite des historischen Hafens (zurzeit laufen vorbereitende Erdarbeiten). Neue kulturelle und gastronomische Einrichtungen, darunter ein Hotel im gehobenen Segment (in Planung).
Die bislang bekannt gewordene Investitionssumme allein für die Gebäude auf der Westseite des Binnenhafens sowie Promenade/Stell-/Liegeplätze beläuft sich auf etwa 35 Millionen Euro, davon rund acht Millionen Euro öffentliches Kapital.
Landwirtschaft