Die Bruniaceae sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Bruniales innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Diese Familie umfasst etwa zwölf Gattungen mit etwa 75 Arten, die alle nur in Südafrika vorkommen.
Verbreitung und Evolution Die Arten dieser Familie kommen ausschließlich im Florenreich der Kapflora vor, bis auf eine Art nur in den südafrikanischen Provinzen West- und Ostkap, also der Florenregion Kap. Nur die auf der „Msikaba-Sandstein-Formation“ gedeihende Art Raspalia trigyna kommt auch außerhalb dieses Gebietes in einem kleinen Habitat im Süden der Provinz KwaZulu-Natal vor. Diese Arten sind typische Elemente der Fynbos-Vegetation. Einige Arten sind sogar endemisch auf Sandsteingebieten des Tafelberges bei Kapstadt.
Pollenfunde zeigen, dass es sich um eine alte Familie handelt, die es schon im frühen Tertiär und in der späten Kreidezeit gab, also zwischen 65 und 97,5 Millionen Jahren. Die Hauptentwicklungszeit der Familie lag zwischen 18 und 3 Millionen Jahren vor heute, gleichzeitig stellte sich das auch heute in diesem Gebiet vorherrschende mediterrane Klima ein. Der Holztyp der Bruniaceae ist sehr ursprünglich, aber die anderen Merkmale nicht.
Beschreibung Vegetative Merkmale Die Bruniaceae sind immergrüne, klein- und hartlaubige („heideartige“, „ericoide“) Sträucher, selten sind es Bäume. Die (meist fünfzeilig) wechselständigen, ganzrandigen, parallelnervigen Laubblätter tragen an der Spitze Drüsen. Nebenblätter treten allenfalls in Form von Drüsenhaaren auf.
mini|Audouinia capitata mini|Kopfige Blütenstände von Berzelia lanuginosa mini|Brunia noduliflora Generative Merkmale Die Blüten stehen selten einzeln, aber meist in ährigen oder kopfigen Blütenständen und sind oft von Hüllblättern umgeben. Die meist kleinen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vier- oder fünfzählig. Die Kronblätter sind meist genagelt. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf pfeilförmigen Staubblättern vorhanden, die häufig mit den Kronblättern verwachsenen sind (außer bei Audouinia). Meist zwei, oder nur bei Audouinia drei, Fruchtblätter sind zu einem, meist unterständigen Fruchtknoten verwachsen, selten ist nur ein Fruchtblatt vorhanden (Berzelia, Mniothamnea).
Es werden Spaltfrüchte (ähnlich Achänen oder einsamigen Nüsse) oder Kapselfrüchte gebildet, an denen der Kelch oft erhalten bleibt. Die sehr kleinen Samen sind oft von einem Arillus umgeben.
Die Chromosomenzahlen betragen n = 10-11 (21, 23).Bruniaceae Berchtold & J. Presl auf der Steven’s Angiosperm Phylogeny Website.
Systematik Die Familie Bruniaceae wurde 1825 von Robert Brown in Augustin Pyrame de Candolle: Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis, 2, S. 43 erstveröffentlichtR.Br. ex DC.: Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis. Band 2: Calyciflorarum Ordines X. Treuttel et Würtz, Paris 1825, S. 43: Eingescannt bei botanicus.org.. Typusgattung ist Brunia , deren botanischer Name den englischen Schiffsarzt Alexander Brown (fl. 1692–1698) ehrt.
Nach APG IIIBirgitta Bremer, Kåre Bremer, Mark W. Chase, Michael F. Fay, James L. Reveal, Douglas E. Soltis, Pamela S. Soltis, Peter F. Stevens et al., Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Bd. 161, Nr. 2, 2009, , S. 105–121, doi:10.1111/j.1095-8339.2009.00996.x. und R. C. Winkworth et al. 2008Richard C. Winkworth, Johannes Lundberg, Michael J. Donoghue: Towards a resolution of campanulid phylogeny, with special reference to the placement of Dipsacales. In: Taxon. Bd. 57, Nr. 1, 2008, , S. 53–65. werden die beiden Familien Bruniaceae und Columelliaceae in die reaktivierte Ordnung Bruniales gestellt. Die Stellung dieser beiden Familien im System wurde lange diskutiert. Beispielsweise bei Backlund 1996 wurden sie zu den Dipsacales gestellt.
Ein Synonym für Bruniaceae ist Berzeliaceae .
Tribus und Gattungen Die Familie der Bruniaceae umfasst drei Tribus mit etwa zwölf Gattungen und etwa 75 Arten. Tribus Linconieae : Sie steht im Kladogramm an der Basis. Mit der einzigen Gattung: Linconia: Mit etwa 2-3 Arten. Tribus Audouinieae: Mit drei Gattungen: Audouinia : Mit etwa fünf Arten. Thamnea : Mit etwa sieben Arten. Tittmannia : Mit etwa vier Arten. Tribus Brunieae : Mit etwa acht Gattungen: Berzelia : Mit etwa acht Arten. Brunia : (manchmal Schneebüsche genannt) Mit etwa 7-37 Arten. Man beachte, dass Linnaeus unter Brunia nodiflora die heutige Widdringtonia nodiflora , eine Art der Zypressengewächse (Cupressaceae) verstand. Brunia nodiflora auct. non dagegen wird heute besser als Brunia noduliflora bezeichnet. Lonchostoma : Mit etwa fünf Arten. Mniothamnea (die bis zu vier Arten werden auch zu Brunia gestellt) Nebelia : Mit etwa sechs Arten. Pseudobaeckea : Mit etwa drei Arten. Raspalia : Mit etwa elf Arten. Staavia : Mit etwa neun Arten.
Nutzung Brunia albiflora wird als Schnittblume verwendet.
Quellen Die Familie der Bruniaceae bei der APWebsite. (Abschnitt Systematik und Beschreibung) Bruniaceae DC. in L. Watson and M. J. Dallwitz: DELTA: The Families of Flowering Plants. (Abschnitt Beschreibung)
Literatur Marcus Quint, Regine Claßen-Bockhoff: Ancient or recent? Insights into the temporal evolution of the Bruniaceae. In: Organisms Diversity & Evolution. Bd. 8, Nr. 4, 2008, , S. 293–304, doi:10.1016/j.ode.2008.03.001. Marcus Quint, Regine Claßen-Bockhoff: Floral ontogeny, petal diversity and nectary uniformity in Bruniaceae. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Bd. 150, Nr. 4, 2006, , S. 459–477, doi:10.1111/j.1095-8339.2006.00482.x. Marcus Quint, Regine Claßen-Bockhoff: Phylogeny of Bruniaceae based on matK and ITS sequence data. In: International Journal of Plant Sciences. Bd. 167, Nr. 1, 2006, , S. 135–146. A. V. Hall: Evidence of a Cretaceous alliance for the Bruniaceae. In: South African Journal of Science. Bd. 83, Nr. 1, 1987, , S. 58–59.
Einzelnachweise Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018.
Weblinks
Eintrag des biodiversityexplorer.org des Iziko – Museum von Cape Town. (englisch) Informationen zur Familie in der Artbeschreibungen von Brunia albiflora und Artbeschreibung von Raspalia trigyna bei plantzafrica (englisch)
Kategorie:Bedecktsamer Kategorie:Magnoliopsida