Jordan Grand Prix war ein irisch-britischer Motorsport-Rennstall, der zwischen 1991 und 2005 an insgesamt 250 Grand-Prix-Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft teilnahm. Davor war das Team bereits in den unteren Rennklassen Formel 3 und der internationalen Formel-3000-Meisterschaft an den Start gegangen. Gründer und langjähriger Teamchef war der Ire Eddie Jordan. Mit Giancarlo Fisichella, Heinz-Harald Frentzen und Damon Hill gewannen drei Fahrer je mindestens ein Formel-1-Rennen für das Team, für Fisichella war es der erste Sieg in der Formel 1. Darüber hinaus gewannen vier Fahrer, die ihr erstes Formel-1-Rennen für Jordan absolvierten – Michael Schumacher (1991), Rubens Barrichello, Eddie Irvine (beide 1993) und Ralf Schumacher (1997) – im weiteren Verlauf ihrer Formel-1-Karriere mit anderen Teams Rennen. Mit Damon Hill, Thierry Boutsen und Jean Alesi bestritten zudem drei ehemalige Grand-Prix-Sieger ihr jeweils letztes Formel-1-Rennen bei Jordan. Die meisten Rennen für das Team fuhr Barrichello, der 64-mal in einem Jordan an den Start ging. 2004 verkaufte Eddie Jordan das Team. Nach mehreren Eigentümer- und Namenswechseln tritt der Rennstall seit Beginn der Saison 2021 als Aston Martin F1 Team an.

Geschichte

Die Anfänge Eddie Jordan war in den 1970er-Jahren als Rennfahrer in der Formel 3 aktiv. 1979 ging er zudem bei einem Formel-2-Rennen an den Start; bei den „Donington 50.000“ in Donington Park fuhr er für das irische Team Derek McMahon Racing einen March 792. Zu Beginn des folgenden Jahres gründete er seinen eigenen Rennstall, der zunächst die Bezeichnung Eddie Jordan Racing trug. Zum ersten Rennen der Saison 1981 meldete sich das Team mit Eddie Jordan als Fahrer zur Formel-2-Europameisterschaft; Jordan trat aber nicht an. Das Team engagierte sich zunächst regelmäßig in der Formel 3, bevor es 1985 in die Internationale Formel-3000-Meisterschaft wechselte.

Als herausragend gilt die Saison 1983 der britischen Formel-3-Meisterschaft, in der sich der für Jordan fahrende Martin Brundle einen engen Zweikampf mit Ayrton Senna vom Konkurrenzteam West Surrey Racing lieferte. Am Ende musste sich Brundle mit lediglich neun Fahrerpunkten weniger als Senna geschlagen geben. Beide Fahrer debütierten bereits im Folgejahr in der Formel 1: Senna bei Toleman, Brundle bei Tyrrell. 1986 wiederum fuhr der Brasilianer Maurizio Sandro Sala für Jordan insgesamt fünf Rennsiege ein, lag aber am Ende dennoch weit hinter dem späteren Meister Andy Wallace zurück. 1987 dagegen konnte Johnny Herbert für Jordan den F3-Titel endlich gewinnen. Das F3-Engagement von Jordan endete mit Ablauf der Saison 1989, in der der Schwede Rickard Rydell beim Auftaktrennen in Thruxton noch ein letztes Rennen gewinnen konnte.

Formel 3000 mini|Jean Alesis Reynard 89D aus der F3000-Saison 1989

Im ersten Jahr des Formel-3000-Engagements fuhr Jordans Pilot Thierry Tassin nur einen Meisterschaftspunkt ein. Sein bestes Formel-3000-Ergebnis erzielte das Team in diesem Jahr beim Curaçao Grand Prix im Oktober 1985, den Claudio Langes als Dritter beendete. Allerdings zählte das Rennen nicht zur Meisterschaft. In den folgenden zwei Jahren setzte Jordan zahlreiche zahlende Fahrer ein, die nur geringe Erfolge erzielten. 1988, im vierten Jahr des Engagements, gewann Johnny Herbert das erste Formel-3000-Rennen für Jordan. 1989 fuhr unter anderem Jean Alesi für das Team. Der Franzose, der im gleichen Jahr bei Tyrrell in der Formel 1 debütierte, lag am Saisonende mit 39 Punkten gleichauf mit seinem Landsmann Érik Comas, konnte aber mehr Rennsiege vorweisen als dieser und gewann somit den Meistertitel. 1990 wurde Eddie Irvine für Jordan Dritter und 1991 Damon Hill Siebter der Fahrerwertung. Danach gab Jordan das Engagement in der Formel 3000 auf, um sich gänzlich auf die Formel 1 zu konzentrieren.

Neben Herbert, Alesi, Irvine und Hill fuhren mit Paolo Barilla (1988), Martin Donnelly (1988–1989), Heinz-Harald Frentzen, Emanuele Naspetti (beide 1990) und Vincenzo Sospiri (1991) in der F3000 noch weitere Fahrer für Jordan, die später den Schritt in die Formel 1 schafften. Im Jahr 1986, der zweiten Saison von Jordan in der F3000, war das einzige vom Team eingesetzte Fahrzeug zudem für jeweils ein einziges Rennen von den ehemaligen Formel-1-Fahrern Kenny Acheson, Tommy Byrne und Jan Lammers gesteuert worden.

In den Jahren 1985 bis 1987 setzte Jordan in der F3000 Chassis von March ein, von 1988 bis 1990 solche von Reynard. In der letzten Saison 1991 wurden die Chassis von Lola geliefert. Motorenseitig setzte Jordan bis 1988 zunächst auf die bewährten Cosworth-DFV-Aggregate. Danach folgten zwei Jahre mit Mugen-Honda-Motoren, ehe 1991 nochmals der DFV-Motor verwendet wurde.

Formel 1

1991: Erfolge im Debütjahr

Zur Saison 1991 stieg das Jordan-Team in die Formel 1 ein und konnte sich bald finanzielle Unterstützung durch Fujifilm, den Getränkehersteller 7Up sowie die irische Tourismusförderung sichern. Das Einsatzfahrzeug, der Jordan 191, war das erste Rennauto, das das Team selbst konstruiert hatte. Die Entwicklungsarbeit wurde weitgehend von Gary Anderson geleistet. Als Antrieb verwendete Jordan einen Cosworth-Achtzylinder. Anders als bei den übrigen Cosworth-Kundenteams war es allerdings nicht ein vergleichsweise leistungsschwacher DFR-Motor, sondern ein Triebwerk der HB-Generation, die 1990 exklusiv von Benetton eingesetzt worden war.

Stammfahrer des neuen Teams waren Andrea de Cesaris, der dem Team zusätzliche Sponsorgelder von Marlboro Italia mitbrachte, sowie Bertrand Gachot. Als Gachot im Spätsommer 1991 in London wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Taxifahrer im März des Jahres angeklagt und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ersetzte Jordan ihn auf Vermittlung Norbert Haugs durch den deutschen Rennfahrer Michael Schumacher, der beim Großen Preis von Belgien sein Formel-1-Debüt gab. Für das folgende Rennen wechselte Schumacher zu Benetton; Jordan vergab Gachots vakantes Cockpit für den Rest der Saison an Roberto Moreno bzw. Alessandro Zanardi.

Die Debütsaison wurde zu einem Erfolg für Jordan Grand Prix. Das Team war der erfolgreichste Neueinsteiger der letzten zehn Jahre. De Cesaris beendete fünf Rennen in den Punkterängen, Gachot drei. Zudem fuhr Gachot beim Großen Preis von Ungarn die schnellste Rennrunde. Michael Schumachers Einsatz für Jordan sorgte für Aufsehen: Schumacher qualifizierte sich auf der für ihn unbekannten Strecke für den siebten Startplatz. Im Rennen konnte er allerdings nicht einmal eine Runde beenden, da er einen Kupplungsdefekt erlitt.

Jordan schloss die Saison mit 13 Meisterschaftspunkten als Fünfter der Konstrukteurswertung ab.

1992: Leistungstief mit Yamaha-Motoren miniatur|Jordan 192 mit Yamaha-Motor In seiner zweiten Saison erzielte das Jordan-Team nur wenige Erfolge. Jordan änderte zu Saisonbeginn die technische Ausstattung und setzte nun statt des Cosworth-Motors einen Zwölfzylindermotor von Yamaha ein, der 1991 im Brabham BT60Y ohne Erfolg geblieben war. Der Wechsel hatte in erster Linie finanzielle Gründe: Das Team, das durch die Aufwendungen der Debütsaison in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, erhielt den wenig begehrten Yamaha-Motor kostenlos. Gary Anderson passte das vorhandene Chassis an den neuen Motor an; das Auto erhielt nun die Bezeichnung Jordan 192. Fahrer waren Stefano Modena und Maurício Gugelmin.

Im Vergleich zum Debütjahr waren die Rennergebnisse, die das Sasol Jordan Yamaha Team in seinem zweiten Jahr erreichte, eine Enttäuschung. Beobachter werteten den Verlauf der Saison 1992 als „Desaster“.Alan Henry: Autocourse 1992/93 London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1, S. 86. Beim Auftaktrennen in Südafrika verfehlte Modena die Qualifikation; Gleiches galt für die Rennen in Monaco, Ungarn und Portugal. Die Nichtqualifikation in Monaco war für das Team besonders enttäuschend, weil hier Roberto Moreno im unterlegenen S921 des schlecht organisierten Andrea-Moda-Formula-Teams problemlos die Startberechtigung erhielt. Nach Ansicht von Gary Anderson waren die Nichtqualifikationen für Modena demotivierend: „Aufgrund seines Temperaments war Modena nicht in der Lage, die Probleme mental zu überwinden. Sie stauten sich auf und verschlechterten seine Motivation zunehmend.“ Insgesamt kam Modena nur viermal ins Ziel, das erste Mal Anfang September beim Großen Preis von Belgien. Mit seinem sechsten Platz im letzten Rennen der Saison erzielte er den einzigen Weltmeisterschaftspunkt für Jordan in diesem Jahr. Gugelmin qualifizierte sich zu jedem Rennen. Elfmal fiel er technisch bedingt aus. Sein bestes Ergebnis war der siebte Platz beim Großen Preis von San Marino.

1993 und 1994: Die Hart-Jahre links|mini|Thierry Boutsen im Jordan 193 beim Großen Preis von Großbritannien 1993 mini|Eddie Irvine im Jordan 194 beim Großen Preis von Großbritannien 1994

Mit Ablauf der Saison 1992 trennte sich Jordan von Yamaha. Jordan hatte in dem südafrikanischen Mineralölkonzern Sasol einen Sponsor gefunden, der bereit war, einen Exklusivmotor für das irisch-britische Team zu finanzieren. Das Triebwerk wurde von Hart Racing Engines konstruiert, einem privaten Unternehmen, das in den 1980er-Jahren Turbomotoren für kleinere Formel-1-Teams bereitgestellt hatte. Konstrukteur war Brian Hart; das Triebwerk war ein 3,5 Liter großer Zehnzylindermotor.

Im ersten Hart-Jahr erlebte das Team viel Unruhe. Zwar wurde eines der Autos bei jedem Rennen von Rubens Barrichello gefahren, das zweite Auto hingegen wurde nacheinander von fünf Piloten gefahren, die überwiegend aus finanziellen Gründen verpflichtet wurden. Ivan Capelli wurde nach zwei Rennen durch Thierry Boutsen ersetzt, der zehn Rennen im Jordan 193 bestritt. Auf Boutsen folgten Marco Apicella und Emanuele Naspetti (ein Rennen), und zum Ende der Saison hin ermöglichte Jordan seinem ehemaligen Formel-3000-Piloten Eddie Irvine das Formel-1-Debüt. Auch letzteres war eigentlich lediglich ein Paydriver-Einsatz gewesen, bei dem Eddie Jordan auf die Unterstützung lokaler Sponsoren für den etablierten Fahrer der japanischen F3000 einerseits und auf dessen Streckenkenntnis in Suzuka andererseits baute.

In der Saison 1993 erzielte das Team drei Weltmeisterschaftspunkte, die alle auf den Großen Preis von Japan entfielen: Barrichello fuhr auf Platz fünf die ersten Punkte seiner Karriere ein; hinter ihm konnte Irvine mit Platz sechs gleich in seinem ersten Formel-1-Rennen punkten. Daneben erregte Barrichello durch einen sehr engagierten Einsatz beim Großen Preis von Europa in Donington Aufsehen, als er bei widrigen Streckenverhältnissen lange auf einem Podestplatz lag, ehe er kurz vor dem Ziel ausfiel.

Erste nennenswerte Erfolge erzielte das Jordan-Team 1994, als Rubens Barrichello beim Grand Prix des Pazifik den ersten Podestplatz und in Spa-Francorchamps seine erste Pole-Position in einem Jordan erringen konnte und mit 19 Punkten Sechster der Fahrerwertung wurde. Überschattet wurde die Saison allerdings auch bei Jordan von teils schwerwiegenden Zwischenfällen. Zum einen wurde Eddie Irvine in Brasilien nach einer Kollision mit Jos Verstappen, Éric Bernard und Martin Brundle vom Sportgericht der FIA als Schuldiger ausgemacht und für ein Rennen gesperrt. Diese Sperre wurde aber nach Widerspruch von Jordan gegen das Urteil überraschend auf drei Rennen verlängert, sodass Irvine schließlich zunächst von Aguri Suzuki und dann von Andrea De Cesaris vertreten wurde. Zum anderen erlitt Rubens Barrichello beim Freitagstraining zum Großen Preis von San Marino einen schweren Unfall, der ihn für den Rest des schicksalsträchtigen Rennwochenendes ausfallen ließ und heute gelegentlich als schlechtes Vorzeichen gedeutet wird.

1995 bis 1997: Podiumsplatzierungen mit Peugeot-Motoren miniatur|links|Rubens Barrichello im Jordan 195 beim Großen Preis von Großbritannien 1995 mini|Der Jordan 196 aus der Saison 1996