Die Chinesische Volksbank (; kurz , englisch People’s Bank of China, kurz PBC, PBOC) ist die Zentralbank der Volksrepublik China und verantwortet die Geld- und Währungspolitik für die chinesische Währung Renminbi. Sie wurde am 1. Dezember 1948 in Shijiazhuang gegründet und hat seit 1949 ihren Hauptsitz in Peking. Die Institution übernahm in den ersten 30 Jahren ihres Bestehens die Rolle einer Geschäfts- und Zentralbank, wobei sie lediglich ein ausführendes Staatsorgan war. Im Zuge eines langwierigen Transformationsprozesses wandelte sich die PBoC zu einer Institution, die sich ganz auf die traditionellen Zentralbankaufgaben konzentriert, wobei sie noch immer dem Staatsrat unterstellt ist.

Geschichte Gründung Die Chinesische Volksbank wurde noch vor Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Dezember 1948 durch den Zusammenschluss der drei regionalen Zentralbanken Huabei Bank, Beihai Bank und Xibei Farmer Bank gegründet. Genauso wie ihre Vorgänger finanziert sie maßgeblich den Krieg der Kommunisten gegen die nationale Guomindang-Regierung. Der Gründungssitz war in Shijiazhuang (Hebei).Geschichte der PBoC. Abgerufen am 9. Dezember 2009.

Vorreformperiode (1949 bis 1978) 1949 übernahm die Kommunistische Partei, die eine Verstaatlichungs- und Zentralisierungsstrategie im Bankensektor verfolgte, in China die Macht. In diesem Jahr wurde der Sitz der PBoC nach Peking verlegt, wo sich bis heute ihr Hauptsitz befindet. Die ausländischen Banken wurden derart in ihrem Handlungsspielraum beschnitten, dass sie nach und nach abwanderten. Die Notenbank und andere staatliche Banken sowie private Finanzinstitute wurden zerschlagen und in die Organisationsstruktur der PBoC eingegliedert. Märkte für Aktien, Anleihen und andere Finanzderivate wurden geschlossen. Ergebnis dieser Zentralisierung war ein Bankensystem nach sowjetischem Vorbild, in dem es nur noch eine Bank gab. In diesem Monobankensystem übernahm die PBoC, wie es in Zentralverwaltungswirtschaften üblich war, sowohl die Aufgaben einer Zentralbank als auch die einer Geschäftsbank.Xiumin Chen: Problemkredite und die chinesische Bankenreform in Anbetracht von asymmetrischer Information und institutionellen Anreizen. Dissertation, Frankfurt am Main 2005, S. 15–16.

Institutionelle Einordnung der PBoC während der Vorreformperiode Die PBoC war zeitweise lediglich eine Abteilung des Finanzministerium beziehungsweise ein Ministerium selbst, welches wie alle anderen Ministerien dem Staatsrat untergeordnet war. Die PBoC war somit ein ausführendes staatliches Organ, das bei der Ausübung ihrer Tätigkeit an Ziele und Planvorgaben der Regierung gebunden war.

Neben der PBoC existierten zwei weitere staatliche Institutionen, die auch heute noch Bestandteil des chinesischen Bankensystems sind. Die Bank of China (BOC) war für den Geldtransfer mit dem Ausland zuständig und stand unter der Leitung und Kontrolle der PBoC. Zu ihren Aufgaben zählte die Abwicklung der Außenhandelsfinanzierung und des internationalen Zahlungsverkehrs sowie die Durchführung von Devisengeschäften. Die People’s Construction Bank of China (PCBC) war für Infrastrukturprojekte verantwortlich und ein Organ des Finanzministeriums. Ihre Aufgaben waren die Überwachung von Bauprojekten, die Überprüfung des Budgets und die Sicherstellung, dass die Finanzmittel entsprechend der Investitionsplanung der Regierung verwendet wurden.Daiwei Huang: Der chinesische Bankensektor im Zeichen des WTO-Beitritts. Berichte des Arbeitsbereiches Chinaforschung Nr. 17, Oktober 2002, S. 5.

Aufgaben der PBoC während der Vorreformperiode Während ihrer institutionellen Frühphase war die PBoC für die Produktion und Emission von Banknoten und Münzgeld, für die Steuerung des Geldangebotes und Kontrolle des Umlaufs von Banknoten und Münzgeld, für die Vergabe von Krediten an andere (staatliche) Wirtschaftseinheiten, für die Errichtung eines elektronischen Zahlungsverkehrssystems, für die landesweite Devisenbewirtschaftung, für die Festsetzung von Spar- und Kreditzinsen, für die Verwaltung von Währungsreserven und für die Verwaltung der Konten des Finanzministeriums verantwortlich.Daiwei Huang: Der chinesische Bankensektor im Zeichen des WTO-Beitritts. Berichte des Arbeitsbereiches Chinaforschung Nr. 17, Oktober 2002, S. 4–5.

Reformen ab 1979 Im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Reform- und Öffnungspolitik hat China seit 1979 in einem langwierigen Transformationsprozess von mehr als 20 Jahren sein Bankensystem erheblich umstrukturiert und erweitert. Ziel war dabei die Dezentralisierung des Finanzsektors.Daiwei Huang: Der chinesische Bankensektor im Zeichen des WTO-Beitritts. Berichte des Arbeitsbereiches Chinaforschung Nr. 17, Oktober 2002, S. 7.

1979 bis 1993 Der elfte Kongress der Kommunistischen Partei Chinas vom 18. bis zum 22. Dezember 1978 markiert einen Wendepunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas. Zum einen sollten Märkte zu einer effizienteren Verwendung von Ressourcen führen, um die gesamtwirtschaftliche Produktion und den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen. Zum zweiten wurde China infolge der Öffnungspolitik 1980 Mitglied im Internationalen Währungsfonds und in der Weltbank.Xiumin Chen: Problemkredite und die chinesische Bankenreform in Anbetracht von asymmetrischer Information und institutionellen Anreizen. Dissertation, Frankfurt am Main 2005, S. 41, 42. Einhergehend mit diesen Entwicklungen galt es ein Bankensystem zu schaffen, dass die Volksrepublik China bei diesem Entwicklungsprozess unterstützt. Das bis dahin existierende Monobankensystem war für diese Unterstützung ungeeignet, sodass Diversifikationen im chinesischen Bankensystem erfolgen mussten. Während der ersten Reformperiode wurden die kommerziellen Geschäftsbankaufgaben der PBoC auf die folgenden vier unabhängigen aber im Staatseigentum stehenden Institute verteilt: Agricultural Bank of China (ABoC) Bank of China (BoC) People’s Construction Bank of China (PCBoC) Industrial and Commercial Bank of China (ICBoC). Damit verlor die PBoC völlig ihre Geschäftsbankfunktionen und war von nun an ausschließlich mit den Aufgaben einer Zentralbank betraut. Ihre Aufgabenschwerpunkte lagen nun auf der Geldpolitik und der Finanzaufsicht. Das bisherige Monobankensystem wurde somit abgeschafft und der Aufbau eines zweistufigen Bankensystems eingeläutet. Die PBoC war jedoch nach wie vor direkt dem Staatsrat untergeordnet, das heißt, sie blieb eine Regierungsbehörde, deren Auftrag zuvorderst darin lag, die industriepolitisch bestimmten Kreditpläne umzusetzen.Stefan Brehm: Die Integration der VR China in eine globale Finanz- und Währungsordnung. LIT Verlag, Tübingen 2007, S. 34–36. Darüber hinaus wurden weitere Geschäftsbanken gegründet, die nicht im Besitz des Zentralstaates waren. Mit ihnen ist das bisherige staatliche Bankenmonopol in der Volksrepublik China gebrochen und es entwickelte sich ein gewisser Bankenwettbewerb. Jedoch scheiterte dieser Versuch der beabsichtigten Trennung von Zentralbank- und Geschäftsbankfunktionen aufgrund personeller Verflechtungen und Interessenskollisionen.Daiwei Huang: Der chinesische Bankensektor im Zeichen des WTO-Beitritts. Berichte des Arbeitsbereiches Chinaforschung Nr. 17, Oktober 2002, S. 8–9.

1994 bis 1997 Einen zweiten Anlauf zur Trennung der Zentralbank- und Geschäftsbankenfunktionen und damit ein vorläufiges Ende struktureller Veränderungen der PBoC stellten die Reformen des Bankensystems ab 1994 dar. Das 1995 in Kraft getretene Zentralbankgesetz (ZBG), welches in seiner Ausgestaltung auf Elemente des amerikanischen Federal Reserve Bank System zurückgreift, definierte erstmals ausdrücklich die geldpolitische Autorität der PBoC als Zentralbank. Diesem Gesetz zufolge soll die PBoC in ihren Entscheidungen nicht durch Lokalregierungen, Verwaltungen oder Einzelpersonen beeinträchtigt werden. Diese rechtliche Grundlage spricht der PBoC offiziell und verbindlich eine exponierte Stellung innerhalb des chinesischen Bankensystems zu und setzt ein signifikantes Zeichen hinsichtlich der Bedeutung der PBoC. Gleichzeitig untersagt das ZBG der PBoC explizit die Finanzierung von Haushaltsdefiziten und die Kreditvergabe an Organisationen der Zentral- und Lokalregierungen. Ziel der Reformen der 90er Jahre ist demnach eine Reduzierung der Einflussnahme unterschiedlichster politischer Instanzen auf die Zentralbank.Daiwei Huang: Der chinesische Bankensektor im Zeichen des WTO-Beitritts. Berichte des Arbeitsbereiches Chinaforschung Nr. 17, Oktober 2002, S. 11–12.

Ab 1997 Vor dem Hintergrund der Asienkrise wurde Ende 1997 eine neue Phase der Umwandlung des chinesischen Bankensystems eingeleitet. Die Autorität und Unabhängigkeit der PBoC wurde weiter gestärkt und damit einhergehend erfolgte eine Verstärkung der Aufsicht und Kontrolle der Banken. Um die Wirksamkeit der Bankenüberwachung durch die PBoC und ihrer Kreditpolitik zu erhöhen, wurde die Organisationsstruktur der PBoC verändert. Die bisherigen 31 Zweigstellen der PBoC auf der Provinzebene wurden nun auf 9 Filialen reduziert. Diese neugegründeten Filialen sind nun jeweils zuständig für einen größeren Raum, in dem Provinzgrenzen überschritten werden. Durch die neue Organisationsstruktur sollte die Einmischung lokaler Regierungen und sogenannter Provinzfürsten in die Tätigkeiten der PBoC verhindert und die Umsetzung ihrer Zentralbankpolitik effektiver realisiert werden.Maximilian J.B. Hall: The international Handbook on Financial Reform. Edward Elgar Publishing Limited, Cheltenham 2003, S. 75.

Aus den Erfahrungen der Asienkrise wurde deutlich, wie wichtig ein funktionsfähiges Überwachungssystem für die Stabilität des gesamten Finanzsektors ist. Um eine klare Trennung zwischen monetären Aufgaben und Aufsichtsaufgaben zu erzielen, wurde die PBoC ab 1998 zunehmend von ihren Aufsichtsaufgaben entlastet. 1998 wurden die Aufsichtsaufgaben bezüglich der Versicherungsunternehmen auf die China Insurance Regulatory Commission (CIRC) und die Aufsichtsaufgaben bezüglich der Wertpapiergesellschaften auf die China Securities Regulatory Commission (CSRC) übertragen. Im Frühjahr 2003 wurde die Zentralbank durch Übertragung der Aufsichtsbefugnis für Kreditinstitute auf die China Banking Regulatory Commission (CBRC) vollständig von ihren Aufsichtsaufgaben entlastet und kann sich nunmehr ganz auf ihre monetäre Funktion konzentrieren. Die drei Aufsichtsbehörden sind wie auch die PBoC direkt dem Staatsrat der Volksrepublik China unterstellt.Xiumin Chen: Problemkredite und die chinesische Bankenreform in Anbetracht von asymmetrischer Information und institutionellen Anreizen. Dissertation, Frankfurt am Main 2005, S. 48.

Infolge der Reformen ist ein neues chinesisches Bankensystem entstanden, welches sich im Vergleich zur Vorreformperiode grundlegend verändert hat. Anstelle eines Monobankensystems hat sich eine vielfältige Bankenlandschaft entwickelt, in der das politische vom kommerziellen Bankwesen getrennt ist. Unter dem Dach der PBoC und unter der Kontrolle diverser Aufsichtsbehörden agieren und ergänzen sich staatliche Sonderinstitute (sog. Policy Banks), staatlich geführte Geschäftsbanken (sog. Big Four), landesweit als Kapitalgesellschaften operierende Geschäftsbanken (sog. nationale Geschäftsbanken), Kreditgenossenschaften, ausländische Banken und städtische Banken, die aus städtischen Kreditkooperationen entstanden sind und deren Geschäftstätigkeit sich hauptsächlich auf Städte konzentriert (sog. City Banken).Xiumin Chen: Problemkredite und die chinesische Bankenreform in Anbetracht von asymmetrischer Information und institutionellen Anreizen. Dissertation, Frankfurt am Main 2005, S. 52 f.