mini|Tabla-Paar mini|Tabla Solo, Mayank Bedekar
Die Tabla (Hindi: तबला tablā aus „Trommel“) ist ein Schlaginstrument der nordindischen Musik. Sie besteht aus zwei kleinen Kesseltrommeln, deren Felle mit einem charakteristischen kreisrunden Auge versehen sind und mit den Fingern beider Hände gespielt werden. Sie verfügt über ein großes Klangspektrum. Die Tabla wird sowohl in der klassischen Hindustani-Musik gespielt, als auch in volkstümlicher und religiöser Musik eingesetzt, hauptsächlich in Indien, Pakistan und Bangladesch. In der afghanischen Musik ist die Tabla ein weit verbreitetes Rhythmusinstrument. Seit den 1960er Jahren wird sie wegen ihres Klangs auch im westlichen Pop und Jazz verwendet.
Entstehung Das Wort geht auf das Arabische aṭ-ṭabl zurück, mit dem in der arabischen Musik allgemein Trommeln und Pauken bezeichnet werden. Auf Persisch heißt die Trommel tinbal (wovon die Trommelnamen timba und timbales abgeleitet sind), die regionale Bezeichnung für verschiedene Trommeln im Maghreb ist t'bol.
Der Trommeltyp kam mit der von den Muslimen eingeführten, paarweise gespielten Palasttrommel naqqara nach Nordindien. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Tabla vermutlich aus den von der naqqara abgeleiteten, kleineren Kesseltrommelpaaren vom Typ der duggi. Der Aufbau der mehrlagigen Felle mit Stimmpaste ist indischen Ursprungs und entspricht den älteren indischen Trommeln pakhawaj und mridangam. Eine Legende führt ihre Erfindung auf den Persisch sprechenden Amir Chosrau (1253–1325) zurück, der eine pakhawaj in der Mitte zerlegt haben soll. Bis ins 18. Jahrhundert wurden die Tabla, die sarinda und andere indische Instrumente auch in der persischen Musik gespielt.
Bauform mini|Links Dayan, rechts Bayan, auf Ringen mit Stimmhammer mini|Stimmpaste auf einer Bayan Das Tabla-Set besteht aus zwei Trommeln.
Die kleinere Trommel ist die eigentliche Tabla und wird auch als दायाँ Dāyāṁ, Dayan (wörtlich „rechts“, oder दाहिना Dāhinā, Siddha, Chattū) bezeichnet. Sie wird mit der dominanten Hand gespielt und ist meist aus einem etwa bis zur Hälfte ausgehöhltem zylindrischen Stück Holz (लकड़ी Lakṛī), meist Teak- oder Palisanderholz (Shisham) gefertigt. Die zylindrischen Holzklötze zwischen Korpus und Riemen ermöglichen ein Justieren der Fellspannung. Der Klang der Dayan ist hoch und glockenartig. Ihr Stimmumfang ist begrenzt. Um den gesamten Tonumfang abzudecken, gibt es sie in Größen von 12 bis 15 cm Kesseldurchmesser.
Die größere Trommel wird als बायाँ Bāyāṁ, Bayan („links“, oder डग्गा Daggā, डुग्गी Ḍuggī, Dhama) bezeichnet und wird mit der nichtdominanten Hand gespielt. Sie hat einen tiefen, bassigen Klang, ähnlich der ihr verwandten Pauke. Messing (पीतल Pītal), Kupfer (ताँबा tāmbā) und Lehm (मिट्टी miṭṭī) sind die bevorzugten Materialien zur Herstellung der Bayan. Manchmal wird aus Kostengründen auch Aluminium oder Stahl verwendet. In Teilen Punjabs und Bengalens findet man auch Bayans aus Ton oder Holz. Der Felldurchmesser der Bayan liegt zwischen 22,5 und 24 cm.
Beide Trommeln sind mit kompliziert aufgebauten Fellen (पुड़ी Puṛī) bespannt. Sie bestehen aus drei Lagen sonnengetrockneter Ziegenhaut, die am Rand durch einen verflochtenen Wulst aus Tierhautstreifen (गजरा Gajrā) fest miteinander verbunden sind. Dieser Wulst dient dazu, die Trommelfelle durch die Riemen (बद्धी Baddhī oder तसमा tasmā) auf den Korpus zu spannen und am unteren Rand der Trommel mit einem kleineren Ledestreifenwulst (कुंडल Kuṃḍal) zu fixieren. Die untere und obere Ziegenhaut des Schlagfells sind bis auf einen Ring ausgeschnitten und bedecken somit nicht das ganze Puri. Nur die mittlere Ziegenhaut ist das eigentlich schwingende Fell. Der äußere dieser Ringe wird चाँटी Chānṭī oder किनार Kinār genannt. Auf ihm werden viele Schläge ausgeführt, wie der Primärschlag nā. Der innere Ring heißt लव Lav, मैदान maidān oder सुर Sur und dient z. B. zur Ausführung des Schlages tā.
Das Augenfälligste der Trommeln sind die schwarzen Punkte (स्याही Syāhī, wörtlich „Tinte“; sonst genannt Shāī oder गाब Gāb) in der Mitte (bei der Dayan) beziehungsweise etwas aus der Mitte gerückt (bei der Bayan) auf den Fellen. Das Syahi ist eine ausgetrocknete und ausgehärtete Stimmpaste. Die Stimmpaste enthält Stärke (Kleber), Eisenstaub und andere Zutaten. Die genaue Zusammensetzung variiert von Instrumentenbauer zu Instrumentenbauer (Tabla Wala) und gehört meist zum Betriebsgeheimnis. Die Herstellung des Syhai ist ein langwieriger Prozess: Erst wird eine dünne Schicht Stimmpaste aufgetragen. Wenn sie ausgetrocknet ist, wird diese poliert und kontrolliert gebrochen, um daraufhin eine weitere Schicht aufzutragen, sie zu trocknen, zu polieren und kontrolliert zu brechen. Üblicherweise wird dieser Vorgang drei- bis elfmal wiederholt. Durch das Brechen entstehen die charakteristischen kleinen Risse in dem Syahi. Das Syahi besteht somit nicht aus einem massiven Block, sondern aus vielen kleinen Teilen, die nur nach unten mit der Ziegenhaut aber nicht untereinander verbunden sind. So hat das Syahi eine gewisse Flexibilität. Der Zweck des Syahi ist es, die Masse des Fells zu erhöhen. Das Syahi der Bayan befindet sich etwas außerhalb des Zentrums des Fells, damit der Spieler mit dem Handgelenk Druck auf das Fell ausüben kann. Das Syahi hat größten Einfluss auf den Klang – kleinste Unterschiede in der Beschaffenheit verändern die Klarheit, Tonhöhe und die tonalen Möglichkeiten der Trommeln.
Das Puri ist ein physikalisches Federpendel. Das Syahi stellt die Masse dar, die Ziegenhaut die Feder. Das Keenar unterdrückt natürliche Obertöne. Dadurch hat die Tabla im Gegensatz zu den meisten anderen Trommeln eine definierte Tonhöhe mit ganzzahligen Obertönen.
Die Trommeln werden mit einem kleinen Stimmhammer (हथौड़ी Hathauṛī) gestimmt. Dazu schlägt der Tablaspieler bei der Dayan mit dem Hammer vorsichtig auf die zylindrischen Stimmklötze गट्टा Gaṭṭā aus Holz. Deren Position bestimmt über die ledernen Spannriemen (बद्धी Baddhī oder तसमा tasmā) die Spannung des Fells. Tiefere Position der Stimmhölzer bedeutet in der Regel höhere Spannung und damit höherer Ton. Das Stimmen der Bayan wird dagegen durch vorsichtiges, kreisrundes Schlagen mit dem Stimmhammer auf den das Fell umgebenden Spannwulst vollzogen. Gelegentlich werden hier auch flache hölzerne Stäbchen zwischen Trommelkessel und Spannriemen geklemmt. Dann bestimmt deren Anzahl und Position die Stimmung.
Spieltechnik mini|Tabla-Spieler in Kathmandu Zum Spielen werden die Trommeln in Ringe (गिडरी Giḍrī) gestellt, damit sie den nötigen Halt haben und der Korpus unbeeinträchtigt schwingen kann. Der Spieler sitzt meist im Schneidersitz vor den Trommeln. Jede Trommel wird mit einer Hand gespielt. Die höhere Trommel wird auf den Grundton des begleiteten Instruments gestimmt, sodass das Tablaspiel die Melodie des Solisten unterstützt. Die Bayan kann eine Quarte niedriger gestimmt werden.
Die rechte, höhere Trommel erlaubt, neben dem Grundton des offen schwingenden Fells noch bis zu drei weitere harmonische Obertöne zu erzeugen. Der Trommler schlägt dazu die Trommel an einem bestimmten Punkt (am Rand oder zwischen Stimmpaste und Rand) mit dem Zeigefinger an und berührt gleichzeitig mit dem Ringfinger das Fell, so dass ein klingender Flageolettton entsteht. Andere Schlagtechniken sind der geschlossene Anschlag mit einem Finger und der gedämpfte Anschlag mit dem Daumenballen.
Die Basstrommel wird mit den Fingerkuppen angeschlagen während das Handgelenk auf dem Fell liegt. Durch Veränderung des Drucks auf das Fell entstehen die charakteristischen Glissandi und Bassmelodien.
Tabla-Spieler bedienen sich zur Bezeichnung der einzelnen Schläge und Schlagkombinationen eines Systems von Sprechsilben (Bols), so dass man jedes Muster nicht nur spielen, sondern auch sprechen kann, zum Beispiel: Dha titi kite dha ge na tun na dha ti dha ge dhin na ge na
Die Beziehung zwischen Silbe und Anschlagstechnik ist allerdings nicht eindeutig. Sie variieren je nach Schule (Gharana), Stil und Geschwindigkeit eines Stückes. Nichtsdestotrotz besitzen Silben, die einen Schlag auf der hohen Dayan repräsentieren, einen dentalen Anfangsvokal. Sprechsilben, die einen Klang der Bayan darstellen, beginnen dagegen mit einem velaren Laut. Im Prinzip lassen sich folgende Anschlagstechniken unterscheiden. Auf der Basstrommel erfolgt ein geschlossener, nicht klingender Anschlag (ke oder kat). ein offener Anschlag (ge); dieser Anschlag kann durch gleichzeitigen Druck mit dem Ballen auf das Trommelfeld in der Tonhöhe variiert werden. Auf der hohen Trommel erfolgen offene Anschläge tun, tin und na. Diese haben eine definierte Tonhöhe, wobei tun der tiefste, na der höchste Ton ist. geschlossene Anschläge ti, te oder tit. Anschläge mit dem Ballen Auf beiden Trommeln: Werden die Schläge der hohen Trommel zusammen mit ge auf der Basstrommel ausgeführt, entstehen die Bols: tun → dhun, tin → dhin, na → dha, tit → dhet.
Der Wechsel von Schlägen mit und ohne Bass, ist ein wesentliches Mittel, die Struktur des Tals darzustellen. Bassmelodie und Glissandi können schriftlich nur schwer fixiert werden, werden aber bei der Rezitation einer Komposition imitiert. Es handelt sich bei der Trommelsprache der Tabla, weniger um ein schriftliches als um ein mündliches Notationssystem. Die Rezitation der Anschlagsilben dient auch dem Auswendiglernen von Kompositionen. Auch in einem Tablasolo können Stücke, bevor sie gespielt werden, stimmlich vorgetragen werden.
Verwendung Grundlage des Spiels sind rhythmische Zyklen (Tala), die den Rahmen für vielfältige rhythmische Variationen und virtuose Improvisation bieten.
Die Tabla ist das Standard-Perkussionsinstrument in der klassischen nordindischen Musik (im Gegensatz zur südindischen Musik, wo vor allem die zweiseitig bespannte Trommel Mridangam Verwendung findet). Die Tabla kann als begleitendes Instrument für ein Melodieinstrument, etwa Sitar gespielt werden. Dann ist es ihre Aufgabe den Tala zu verdeutlichen, indem sie dessen festgelegtes Muster (Theka) spielt, und rhythmische Verzierungen anzubringen, insbesondere um die Hauptbetonung des Tala hervorzuheben.
Falls die Tabla solistisch gespielt wird, begleitet sie ein Melodieinstrument, traditionell das Streichinstrument sarangi, häufig das indische Harmonium, beide wiederholen ständig eine kurze, auf- und absteigende Melodiephrase (lahara, „Welle“). Der Tablaspieler improvisiert nach den Regeln des Tala oder verwendet komponierte Stücke. Er kann die Betonungen gegen den zugrundeliegenden Tala verschieben und Gegen- und Kreuzrhythmen verwenden, die erst nach längerer Zeit wieder aufgelöst werden. Die Laharamelodie dient den Zuhörern als Orientierung innerhalb des Tala. Ein Tablasolo kann ein kurzes Intermezzo in einem Konzert sein oder über eine Stunde dauern, die Begrenzung liegt nur in der Kreativität und der Repertoirekenntnis des Spielers.
Die Tabla ist ferner ein Begleitinstrument des klassischen Tanzes Kathak und der religiösen Gesänge der Hindus (Kirtan und Bhajan), Muslime (Qawwali) und Sikhs. Auch die Filmmusik von Bollywood verwendet sie gern.
Wegen des breiten Ton-Repertoires wird sie seit den 1960er Jahren in westlichen Fusion-Musikprojekten, im Jazz und in der Weltmusik eingesetzt. Als bedeutendster Tablaspieler bis zu seinem Tod 1976 galt Ahmed Jan Thirakwa. Der im Jahr 2000 verstorbene Alla Rakha trug maßgeblich dazu bei, die Tabla auch als Soloinstrument zu etablieren. Seither wird in erster Linie Zakir Hussain genannt, der außerhalb Indiens vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen John McLaughlin bekannt geworden ist. Andere (im Westen) bekannte Spieler sind Trilok Gurtu, Anindo Chatterjee, Swapan Chauduri, Talvin Singh, Tari Khan und Ustad Shaukat Hussain Khan.
Mehrere, im Halbkreis aufgestellte und unterschiedlich gestimmte Dayans ergeben eine Tabla Tarang. Dieser selten zu hörende Trommelsatz mit einem Tonumfang von zwei Oktaven wird als Melodieinstrument eingesetzt.
Gharana