mini|hochkant|Damensattel-Turnier, Irland, 2006
Der Damensitz (auch Seitsitz) ist eine Variante, beim Reiten auf einem Pferd zu sitzen, bei der sich beide Beine auf einer Seite des Pferdes befinden – normalerweise links. Dafür wird ein spezieller Sattel benötigt, der Damensattel genannt wird. Moderne Damensättel haben zwei Hörner, an denen die Oberschenkel anliegen, und nur einen Steigbügel.
Der Damensitz hat seinen Ursprung in der Antike und wurde im Mittelalter in Europa entwickelt, um Frauen auch mit langen Röcken das Reiten zu ermöglichen.
Reiten im Damensitz Der Seitsitz kann in den Quersitz und den Schrägsitz unterschieden werden.Michaela Otte: Geschichte des Reitens von der Antike bis zur Neuzeit. FN Verlag, 1994, ISBN 3-88542-255-7, S. 184.
Beim Quersitz sitzt die Reiterin quer zur Bewegungsrichtung, sodass sie kaum auf das Pferd einwirken kann. Es können keine Hilfen über den Sitz oder die Schenkel gegeben werden. Auch differenzierte Zügelhilfen sind erschwert, da die Reiterin nicht nach vorne gewendet ist. Nur Stimmhilfen kann die Reiterin unbeeinträchtigt geben.
Im Schrägsitz sitzt die Reiterin in Bewegungsrichtung, wobei sich beide Beine auf einer Seite des Pferdes befinden. Eine weitgehend normale Einwirkung über den Sitz ist möglich, allerdings fehlt das rechte Bein zur Hilfengebung. Die Reiterin sitzt senkrecht auf dem Pferd, wobei die Wirbelsäule der Reiterin über der des Pferdes zentriert ist. Schultern und Hüften sollen parallel zu denen des Pferdes ausgerichtet sein. Sie sind weder verdreht noch seitlich verschoben. Die Hände sind senkrecht, beide Zügel sind gleich lang und stehen gleichmäßig an, die Hände werden meist etwas breiter geführt. Eine lange Gerte ersetzt das fehlende rechte Bein.Merkblatt: Reiten im Damensattel. RID - Reiten im Damensattel e.V., Januar 2021, abgerufen auf damensatteldeutschland.de am 11. Oktober 2025 (PDF). Die Reiterin sitzt im Damensattel etwas weiter hinten als in einem normalen Sattel. Da sich beide Beine auf derselben Seite des Pferdes befinden, besteht die Gefahr einer ungleichmäßigen Belastung des Pferderückens, was dem Pferderücken schaden würde. Auch müsste der Sattelgurt fester angezogen werden, damit der Sattel nicht verrutscht. Der korrekte Sitz ist entscheidend für das Geraderichten, das Gleichgewicht und die Sicherheit. Er wird in Damensattel-Prüfungen bewertet.
Gebogene Linien werden rechts und links unterschiedlich geritten. Nach rechts wird der Oberkörper normal in Bewegungsrichtung gedreht und die Schultern sind parallel zu den Pferdeschultern. Nach links bleibt die rechte Schulter hingegen hinten und nur der Kopf wird in Bewegungsrichtung gewendet. So wird ein „Spin-Out“ vermieden. Verdreht sich der Oberkörper nach links, kann das einen Sturz kopfüber rückwärts nach rechts zur Folge haben. Die linke Hüfte bleibt vorn, während die rechte Hüfte und Schulter hinten bleiben. Aus Pferdesicht ist ein Damensattel angenehm. Da es nicht möglich ist, mit den Beinen zu klammern, müssen die Hilfen feiner gegeben werden. Leichttraben wird vermieden, da es durch die einseitige Belastung durch den einen Steigbügel den Sattel aus dem Gleichgewicht bringen kann.Merkblatt: Wettbewerbe im Damensattel. RID - Reiten im Damensattel e.V., Juli 2016, abgerufen auf damensatteldeutschland.de am 11. Oktober 2025 (PDF).
Zum Reiten im Damensattel trägt die Reiterin eine gewöhnliche Reithose mit Reitstiefeln. Darüber trägt sie entweder Habits, die praktische englische zweiteilige Reitkleidung, meist aus Tweed, bestehend aus einem Sicherheits-Reitrock und einer Reitjacke, oder ein Reitkleid. In beiden Fällen lässt sich der Rock mit einem Knopf lösen, nach vorne öffnen und wird zur Schürze über den Beinen. Die Reiterin sitzt dann im Sattel auf der Reithose, die einen besseren Kontakt zum Pferd ermöglicht als eine zusätzliche Stofflage dazwischen. Zum Aufsteigen benötigt sie entweder Hilfe oder eine hohe Aufsteighilfe.
Bei manchen Behinderungen kann ein Damensattel hilfreich sein.Merkblatt: Wettkampfordnung für Menschen mit Behinderung im Pferdesport. Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR), August 2024, abgerufen auf dkthr.de am 11. Oktober 2025 (PDF). Ein Beispiel ist die Belgierin Barbara Minneci, die bei den Paralympics 2016 mit ihrer gescheckten Tinker-Stute Barilla im Damensattel für Aufmerksamkeit sorgte.Silke Rottermann: Introducing Barbara Minneci: Para-dressage’s Ambassador of Good Equitation. Eurodressage, 20. Januar 2020, abgerufen am 11. Oktober 2025.
Damensattel Für den Damensitz wird ein spezieller Sattel benötigt, der es der Reiterin ermöglicht, seitlich anstatt rittlings auf dem Pferd zu sitzen. Ein Damensattel wird auf die Sattellage, dem Bereich hinter dem Widerrist aufgelegt und mit dem Sattelgurt befestigt. Ein Damensattel ist länger als ein normaler Sattel und muss an die Rückenlänge des Pferdes angepasst werden. Moderne Damensättel haben Sicherheits-Steigbügelhalterung und eine flache Sitzfläche, die den Entlastungssitz ermöglicht.Merkblatt: Der moderne Damensattel. RID - Reiten im Damensattel e.V., Februar 2021, abgerufen auf damensatteldeutschland.de am 11. Oktober 2025 (PDF).
Geschichte des Damensattels Bereits im Altertum ritten Menschen im Seitsitz. So gibt es beispielsweise Darstellungen der keltischen Göttin Epona im Quersitz. Da es keinen geeigneten Seitsitz-Sattel gab, konnte jedoch nur im Schritt geritten werden. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts saßen Frauen und Männer demzufolge auf gleiche Weise zu Pferd. Frauen trugen zum Reiten Hosen, in Europa meist unter dem Rock. Der Quersitz wurde im Mittelalter bei den Frauen des Adels erst im 14. Jahrhundert mit dem Aufkommen von geeigneteren Sätteln für den Quersitz gebräuchlich.Michaela Otte: Geschichte des Reitens von der Antike bis zur Neuzeit. FN, 1994, ISBN 3-88542-255-7, S. 180–182.
Sambue mini|hochkant=0.6|Sambue Der Sambue kam im 14. Jahrhundert auf. Dabei handelte es sich um ein mit Stroh gepolstertes Reitkissen mit einer hölzernen Lehne. Dazu gehörte eine Fußstütze, die „Planchette“ genannt wurde. Der Sitz war quer zum Pferd, erlaubte keine Einwirkung der Passagierin und das Pferd musste geführt werden. Schwungvolle Gangarten mit Schwebephase konnten nicht gesessen werden, nur Schritt und Tölt waren möglich. Aus diesem Grund wurden Zelter mit weichen und bequem zu sitzenden Gängen bevorzugt und waren entsprechend wertvoll. Der Sambue war daher vorwiegend beim Adel verbreitet. Der Sambue war außerdem sehr unsicher, und es gab nicht selten tödliche Unfälle, wie etwa den der französischen Königin Isabella von Aragón. Bei schnellen Ritten durch unwegsames Gelände saßen Frauen deshalb nach wie vor rittlings auf dem Pferd.
Anna von England (1366–1394) wandte sich nach vorne, nahm die Zügel selber in die Hand und stellte nur einen Fuß auf die Fußstütze, um sicherer zu sitzen.Agnes Strickland: Berengaria of Navarre. Anne of Bohemia. Lea & Blanchard, 1841, S. 309.
Gabelsattel mini|hochkant|Gabelsattel, J. Herring, 1845 Katharina von Medici (1519–1589) wird der Schrägsitz zugeschrieben. Im Schrägsitz hat die Reiterin ihre Schultern parallel zu den Pferdeschultern und kann auf das Pferd einwirken. Katharina von Medici schlug ihr rechtes Bein über den Sattelknauf und verwendete für den linken Fuß einen Steigbügel statt der Fußstütze (Einhornsattel). Dadurch konnte sie sicherer sitzen als auf dem Sambue und dennoch einen langen Rock tragen. Um 1580 wurde am französischen Königshof der Sattelknauf durch eine Gabel mit zwei Hörnern ersetzt, so dass der rechte Oberschenkel zwischen den beiden Hörnern zu liegen kam und einen stabileren Sitz erlaubte.
Der Damensattel ist in der Regel linkssitzig, d. h. die Beine sind auf der linken Seite des Pferdes. Der rechtssitzige Damensattel kommt aus der Falknerei, weil die Falken während der Jagd auf der linken Hand geführt werden. Im Gabelsattel war es zwar möglich, zu galoppieren, doch für das Springen und Jagdreiten war er nur schlecht geeignet. So waren es die Jagdreiterinnen, die über die Jahrhunderte zur Weiterentwicklung des Damensattels beitrugen. Es war nicht einfach, im Gabelsattel korrekt zu sitzen. Um den Zug der Beine auf der linken Seite auszugleichen, neigte die Reiterin dazu, zu weit nach rechts zu sitzen, so dass der Schwerpunkt nicht mehr in der Mitte lag. Die Gabel bot zu wenig Halt und die Hilfengebung war erschwert. Dennoch war der Gabelsattel vor allem beim englischen Adel weit verbreitet und englische Reitlehren rieten Frauen noch in den 1830ern, auf öffentlichen Straßen nicht zu galoppieren. Aufgrund des unsicheren Gabelsattels trauten sie kaum einer Reiterin zu, bei einer Jagd querfeldein den Hunden folgen zu können.Erica Munkwitz: Vixens of Venery: Women, Sport, and Fox-Hunting in Britain, 1860-1914. In: Critical Survey. Vol. 24, No. 1, Sporting Victorians (2012), S. 74–87, hier S. 75.
Auf dem europäischen Kontinent saßen viele Frauen weiterhin rittlings zu Pferd,Conrad von Hochstetter: Militair- und Civil-Reiter-Schule neuerer Zeit zur gründlichen Anleitung in der einzig wahren Reiter Praxis: mit 14 Steindrucken. Bergmann, Berlin 1839, S. 220 f., à L'Amazone siehe S. 222 (Digitalisat). beispielsweise Katharina die Große (1729–1796) und Wilhelmine von Preußen (1751–1820).
Drei-Horn-Sattel mini|hochkant=0.6|Drei-Horn-Sattel Das dritte Horn, das „leaping head“ oder „Springhorn“, wurde gegen Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden und machte den Damensattel viel sicherer.Damensattelreiten. Swiss Equestrian, abgerufen am 11. Oktober 2025. Es ist nach unten abgewinkelt, legt sich über den linken Oberschenkel und sorgt für einen festeren Sitz. Im Drei-Horn-Sattel ist es möglich, Hindernisse zu springen.Mervyn Richardson: Horsemanship; Or The Art of Riding and Managing a Horse: Adapted for the Guidance of Ladies and Gentlemen, on the Road and in the Field. Longman, Brown, Green, and Longmans, London 1853, S. 84 (Beschreibung des dritten Horns), S. 94 (Beschreibung des Springens) ().
Mit der Erfindung des Drei-Horn-Sattels breitete sich in England ab 1860 die Jagdreiterei unter den Frauen der Oberschicht aus. Insbesondere das Springen im Damensattel führte jedoch zu Unfällen, bei denen sich die Reiterinnen verletzten, weil sie aufgrund ihrer ungeeigneten, bauschigen Kleidung, die sich am Sattel verfing, nicht vom Pferd loskamen. Daher wurde der Sicherheitsreitrock entwickelt, der im Falle eines Sturzes nicht am Sattel hängen bleibt.
Auf dem Kontinent breitete sich der Drei-Horn-Sattel langsamer aus, besonders in Frankreich, Spanien und Deutschland saßen die Frauen vor allem bei Jagden weiterhin rittlings, auf „deutsche Art“, zu Pferd. Hierfür wurde meist ein langer geteilter Rock getragen, der auf- und zugeknöpft werden konnte.Clara Brockmann: Briefe eines deutschen Mädchens aus Südwest. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912, S. 118 (Digitalisat). Elisabeth von Österreich, genannt Sisi, war eine hervorragende Reiterin, die im Drei-Horn-Sattel sowohl schwere Jagden in England mit Bay Middleton als auch Hohe Schule in der Spanischen Hofreitschule in Wien ritt.Dieter Nagl: Sisi, die wilde Reiterin. Die Presse, 15. Januar 2019, abgerufen am 4. Oktober 2025 (Beleg für Drei-Horn-Sattel).Martin Haller: Sisi – die Kaiserin im Sattel. Hofreitschule News, 6. Juli 2018, abgerufen am 4. Oktober 2025.Martin Haller: Kaiserin Elisabeth, Monarchin, Reiterin, Pferdefrau. ProPferd.at, 5. November 2016, abgerufen am 4. Oktober 2025.
Moderner Damensattel