Sergei Anatoljewitsch Torop, besser bekannt als Vissarion oder Wissarion ( beziehungsweise , wissenschaftliche Transliteration ) (* 14. Januar 1961 in Krasnodar), ist der Gründer einer religiösen Bewegung und Ökosiedlung in der sibirischen Taiga. Er wird von seinen Anhängern als Wiederkunft Jesu von Nazaret betrachtet. Der ehemalige Handwerker und Polizeibeamte gründete nach einem Erweckungserlebnis im Jahre 1991 die „Kirche des Letzten Testaments“. Mittlerweile siedeln über 4000 Anhänger in dieser ökologisch-spirituell orientierten Gemeinschaft.
In westlichen Ländern ist er hauptsächlich durch Filmdokumentationen und Zeitungsberichte bekannt. Von den Medien wird Torop auf Grund seiner äußeren Erscheinung – er trägt lange weiße (früher rote) Gewänder und lange, dunkle, glatte Haare, die viele Menschen an das Aussehen Jesu erinnern – auch als „Jesus Sibiriens“ oder „Messias der Taiga“ bezeichnet.
Leben Sergei Anatoljewitsch Torop kam 1961 als Sohn Nadeschda Torops und des Bautechnikers Anatoli Torop zur Welt, die seinen eigenen Angaben nach nicht religiös waren. Durch den engen familiären Kontakt zu seinem Onkel Wiktor, der dem Malen sehr zugetan war, entwickelte Torop bereits im Kindergarten ein ungewöhnliches zeichnerisches Talent. Im Jahre 1968 trennten sich seine Eltern, und während sein Vater in Krasnodar blieb, zog die Mutter mit Sergei und dessen Schwester in die sibirische Siedlung Schuschenskoje, wo mehrere Verwandte lebten. Dort ging sie eine Beziehung zu einem Mann namens Nikolai ein und die vier – Sergei, seine Schwester, seine Mutter sowie deren Freund – zogen noch im gleichen Jahr in das Nachbardorf Iljitschowo.
In Iljitschowo wurde Sergeis Schwester Irina geboren, bevor die Familie im Sommer 1972 nach Krasnodar zurückkehrte. Auch dort blieb sie nicht sesshaft, und es folgten mehrere weitere Umzüge zurück nach Sibirien, unter anderem im Sommer 1973 in die Kleinstadt Uschur und schließlich im Sommer 1975 nach Minussinsk. In jener Stadt im Süden der Region Krasnojarsk am Oberlauf des Jenissei beendete Torop die zehnjährige Schule. Anschließend leistete er seinen Wehrdienst ab, währenddessen er bei einem Bautrupp in der Mongolei diente. Nach der Beendigung des Dienstes kehrte er im Sommer 1981 nach Krasnodar zurück, zog aber schon im Januar 1982 erneut nach Minussinsk. Dort absolvierte er in den folgenden Monaten eine Ausbildung zum Metallarbeiter und Verkehrspolizisten und lernte die zu jenem Zeitpunkt vierundzwanzigjährige Ljuba (* 1960) kennen. Am 24. November 1984 heiratete das Paar.
Torop verdiente sich neben seiner beruflichen Tätigkeit noch als Maler und Zeichner Geld zum Lebensunterhalt: Er fertigte in seiner Freizeit zahlreiche Pastellzeichnungen von Heiligen, Stillleben, Personen und abstrahierten menschlichen Charaktereigenschaften an. Im Frühling 1990 erhielt er vom Kirchenvorsteher der Gemeinde in Nikolo-Petrowka den Auftrag, die dortige Kirche mit Malereien auszuschmücken, woraufhin er zwei überlebensgroße Gemälde von Maria und von Nikolaus von Myra anfertigte, die an der Eingangspforte befestigt werden sollten. Ljuba hatte derweil den Wunsch geäußert, nach Krasnodar zu reisen, um die Familie ihres Ehemannes kennenzulernen. Torop war jedoch nicht in der Lage, genügend Geld für eine solche Reise zurückzulegen, bis er Ende des Jahres 1990 für einige seiner Werke eine größere Summe erhielt. Im Mai 1991 wurde ihm für die Schaffung von Heiligenbildern in einer Abakaner Kirche erneut eine hohe Entlohnung zuteil. Wenige Tage später erhielt er jedoch vom Kirchenvorsteher aus Nikolo-Petrowka die Nachricht, dass mehrere Gemeindemitglieder nicht mit seinen Werken einverstanden seien. Torop weigerte sich, seine Gemälde zu verändern und war so gezwungen, sie zurückzunehmen und den bereits erhaltenen Lohn zurückzuzahlen, wodurch die Familie erneut kaum finanzielle Mittel besaß.
Wissarion ist, nach der einvernehmlichen Trennung von seiner ersten Frau Ljubow, mit der er fünf Kinder hat, jetzt mit Sofia (* 1988) verheiratet.
Am 22. September 2020 wurde Wissarion in seinem Domizil vom russischen Geheimdienst verhaftet und in ein Gefängnis überführt. Die Anklageschrift wirft ihm finanzielle und seelische Ausbeutung vor.
Gemeinschaftsgründung Bereits in den 1980er Jahren hatte Torop eigenem Bekunden zufolge mehrere „helle Momente“, in denen er gewahr wurde, für Höheres bestimmt zu sein. Im Mai 1991, einen Tag nach der Lohnrückzahlung an die Kirche von Nikolo-Petrowka, sah er im Fernsehen eine Dokumentation über Friedhöfe in Russland, auf denen im Zuge der Wirren während der Auflösung der Sowjetunion Heiligtümer geschändet und zerstört worden waren und meint, im Anschluss in seiner Malerwerkstatt die Erweckung erfahren zu haben. Torop ließ diese später folgendermaßen beschreiben:
Torop nannte sich in der Folge Wissarion und sieht sich seither als Reinkarnation Jesu Christi. Wenige Monate später, am 18. August 1991, dem Tag des Augustputsches in Moskau, hielt er im Dorf Gorodok unweit von Minussinsk seine erste Predigt vor 33 Zuhörern.
Innerhalb weniger Wochen gelang es ihm, mehrere Dutzend Jünger oder Anhänger um sich zu sammeln, wobei nicht klar ist, ob diese ihm folgten, weil sie ihn tatsächlich für den Messias hielten, oder lediglich, weil ihnen seine Ideen, Einstellungen und Wesenszüge zusagten. Gemeinsam mit seinen „Jüngern“ siedelte sich Torop in einer weiten Taigaebene am Rande des Sajangebirges im südlichen Zipfel der Region Krasnojarsk an. Der nächstgrößere Ort ist die 70 Kilometer westlich gelegene Siedlung Kuragino. Das Siedlungsgebiet der Gemeinschaft liegt fast 1000 Kilometer westlich des Baikalsees und wird vom Kasyr, dem rechten Quellfluss des Jenissei-Nebenflusses Tuba, durchflossen. In den folgenden Jahren kauften die Mitglieder der Gemeinschaft die Flächen umliegender Dörfer auf, um zu expandieren, und die ursprünglichen Bewohner zogen in andere Gebiete. Als Hauptorte etablierten sich die vier Dörfer Petropawlowka, Tscheremschanka, Scharowsk und Guljajewka, welche alle am Kasyr liegen.
Innere Organisation In der „Zone“, wie die umgangssprachliche Eigenbezeichnung lautet, wurden schlichte Holzhäuser errichtet und man begann, Subsistenzwirtschaft zu betreiben. Zu diesem Zweck besitzt jedes Grundstück etwa 2500 Quadratmeter Ackerland, auf denen Gemüse und Kräuter angebaut werden. Ziegen und Kühe dienen als Milchlieferanten und Pferde als Arbeitstiere. Auf Gemeinschaftsfeldern außerhalb der Siedlungen baut man Kartoffeln und Getreide an und bringt Heu ein. Die Mitglieder der Gemeinschaft leben in der überwiegenden Mehrheit vegan, zumindest aber vegetarisch. Drogen, einschließlich Alkohol und Tabak, werden nicht konsumiert. 1995 gab Wissarion der Gemeinschaft die Bezeichnung „Ökopolis Tiberkul“ (nach dem gleichnamigen See), um den ökologisch-spirituellen Grundgedanken zu betonen. Die Mitglieder der Gemeinschaft, die aus allen Schichten der Gesellschaft stammen, suchen zumeist ein neues, mit der Natur verbundenes Lebensgefühl, schlicht und losgelöst von der Industriegesellschaft. Innerhalb der Gemeinschaft gibt es keine sozialen Absicherungen, die jedoch auch kaum vonnöten sind, da kein Geld im Umlauf ist und so keine sozialen Unterschiede bestehen. Anfang des Jahres 2006 errichtete man in der Region einen Mobilfunkmasten, um per Mobiltelefon die Kommunikation in der dünn besiedelten Taiga zu erleichtern. mini|links|Zentrales Siedlungsgebiet der „Kirche des Letzten Testaments“ Heutzutage zählt die Ökopolis Tiberkul, die sich mittlerweile über 35, bis zu 100 Kilometer auseinander liegende Dörfer und Ansiedlungen erstreckt und der gut 4000 Menschen angehören, zu den größten Selbstversorger-Projekten der Welt. Ferner wurde von Wissarion ein neuer Kalender eingeführt, der die „Ära der Morgenröte“ beschreibt und mit seiner Geburt im Jahre 1961 einsetzt.
Über das Jahr verteilt werden drei große Feste gefeiert, zu denen sich die Bewohner aller Dörfer der Ökopolis versammeln. Am 14. Januar, dem Geburtstag Wissarions, wird das Neujahrsfest zelebriert. Dem Frühlingsfest am 14. April ist eine Fastenwoche vorgelagert und das Sommerfest fällt auf den 18. August, den Jahrestag seiner ersten Predigt.
Bei der medizinischen Versorgung werden naturheilkundliche Verfahren präferiert. In Petropawlowka existiert allerdings ein medizinisches Zentrum, das, ebenso wie alle Zahnarztpraxen der Siedlungen, mit modernen elektrischen Geräten ausgestattet ist. Waren die Gebäude anfangs noch schlichte Holzbauten, ist man nun bestrebt, sie fantasievoller umzubauen und zu schmücken, mit dem Ziel, märchenhaft-idyllische Dörfer zu gestalten. In Zukunft soll zum Schutze der Wälder auch kein Holz mehr zum Bau verwendet werden, sondern Lehm und Stroh.
Die Gemeinschaft toleriert in gewissem Rahmen Polygamie. Der Grund dafür ist laut den Bekundungen der Mitglieder, dass es in den Siedlungen mehr Frauen als Männer gebe und sich die Frauen ohne Partner „schlecht verwirklichen“ könnten. Diese Form des Zusammenlebens wird innerhalb der Ökopolis als „Dreieckfamilie“ bezeichnet.
Offiziell wird verlautbart, dass in der Ökopolis absolute Glaubens- und Religionsfreiheit herrsche und es wird angegeben:
Gleichzeitig werden jedoch Liturgien abgehalten, deren Mittelpunkt die Verehrung des Himmlischen Vaters (der Gott des Neuen Testaments) ist. Er vertritt zudem die Ansicht:
Wissarion bezeichnete die von ihm gegründete Gemeinschaft anfangs als „Gemeinde des einheitlichen Glaubens“, später als „Kirche des Letzten Testaments“ (wobei das Letzte Testament die Gesamtheit der Schriften seit 1995 darstellt), dann als „Weltfriedenspol“. In russischer Sprache existieren bislang (Januar 2019) 27 Bände. Wissarion selbst wird von seinen Anhängern als Die Wahrheit, Das Wort oder Der Lehrer bezeichnet. Als Chronist der Gemeinschaft fungiert Wissarions Vertrauter Wadim Redkin (* 1958), der alle Ereignisse innerhalb der Ökopolis dokumentiert und sie in Jahresbüchern zusammenfasst. Die Gemeinschaft „Weltfriedenspol“ führt auch ein eigenes Symbol. Es handelt sich um ein christliches Kreuz, eingefasst in einen aus Blüten zusammengesetzten Kreis.
Modellsiedlung mini|Der von Igor Mokhov gestaltete und am 7. Januar 1998 im Zentrum der Modellsiedlung aufgestellte Holzengel. Er wird von einem Kreuz in einem Kreis und darüber von einem kleinen Modell der Erde bekrönt. Die kleinen Glocken an den Flügeln läuten dreimal täglich zur Glorifizierung Gottes. Schon im September 1994 legte Torop nach mehrtägigem Fußmarsch durch die Taiga in den Bergen südlich des Sees Tiberkul jenen Ort fest, an dem die Modellsiedlung der Gemeinschaft entstehen sollte. Verantwortlich für die Konstruktion, die sich über mehrere Jahre hinzog, war Sergei Tschewalkow, ehemaliger Oberst der sowjetischen Raketentruppen und Lehrer an einer der Militärakademien in Moskau. Um mit der Errichtung beginnen zu können, mussten Dutzende Nadelbäume gefällt werden. Hierzu wurden auf Verheißung Wissarions nur einfache Sägen verwendet, um das Gleichgewicht der Natur nicht zu zerstören. Das Baumaterial schaffte man mit Pferdewagen und speziellen Holzschlitten heran.