mini|hochkant|Venus von Laussel, Musée d’Aquitaine, Bordeaux mini|hochkant|Detail des Kopfes mini|hochkant|Detail des rechten Arms und Horn mini|hochkant|Zum Vergleich: Venus von Berlin (Kopie), Museum für Vor- und Frühgeschichte, Berlin

Die Venus von Laussel (auch Venus mit Horn; ) ist eine etwa 25.000 Jahre alte und ungefähr 42 cm hohe, in Kalkstein gekratzte und gemeißelte Darstellung einer Frau. Das Halbrelief () stammt aus der archäologischen Kultur des Gravettien. Es wurde im Jahr 1911 zusammen mit anderen Reliefs und Kleinfunden in einem Seitental der Vézère als Bestandteil des Abri von Laussel nahe der Gemeinde Marquay (Département Dordogne) von dem Arzt J.-G. Lalanne gefunden und befindet sich heute im Musée d’Aquitaine in Bordeaux, Frankreich.

Die Darstellung gehört thematisch und chronologisch zwar zu den Venusfigurinen, ist jedoch im Gegensatz zu diesen kein jungpaläolithisches Kleinkunstwerk, sondern ein in den Kalkstein-Felsen eingemeißeltes Halbrelief.

Beschreibung und Deutung Die Figur war wohl ursprünglich mit rotem Ocker bemalt, von dem noch Spuren erhalten sind. In der rechten Hand hält die nackte Frau ein Horn, das oft als das eines Wisents interpretiert wird. Es ist mit 13 Einkerbungen versehen, was mitunter als die Anzahl der weiblichen Zyklen im Jahr gedeutet oder mit den Mondphasen in Zusammenhang gebracht wird.Venus von Laussel – Foto + Kurzinterpretation Andere Interpretationen gehen vom Horn eines Steinbocks aus; die dann als 13 Jahresringe anzusprechenden Kerben verweisen nach dieser Auffassung auf das optimale Bejagungsalter bei Steinböcken.R. Dale Guthrie: The Nature of Paleolithic Art, Chicago 2005. S. 366–371, S. 260 Der Kopf ist gesichtslos; die linke Hand liegt auf dem Bauch, dessen Nabel erkennbar ist. An der rechten Hüfte befindet sich ein Y-förmiges Zeichen.

Fundsituation Das Relief befand sich auf einem mehrere Kubikmeter großen Felsblock, der aus dem Felsdach herausgebrochen war. In der unmittelbaren Nähe wurden vier weitere Reliefs auf ca. 40 bis 50 cm großen, transportierbaren Kalksteinplatten gefunden. Aufgrund der räumlichen Nähe der fünf Reliefs wurde dieser Ort als eine Art Cella interpretiert, also als ein primitives Heiligtum.

Weitere Reliefs Bei den wichtigsten weiteren Reliefs der Fundstätte von Laussel handelt es sich um folgende Darstellungen: die Venus von Berlin (). Dieses Relief wurde an das Museum für Völkerkunde in Berlin verkauft und ist während des Zweiten Weltkriegs verschollen. Auch hier ist eine Frau mit einem Horn dargestellt. Eine relativ schlechte Kopie dieses Reliefs befindet sich im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, eine weitere im Musée d’Aquitaine in Bordeaux. Die beste erhaltene Kopie befindet sich in der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg. eine männliche Person in Jägerpose (). Diese klassische Interpretation ist umstritten, es kann sich genauso gut um eine junge weibliche Person handeln. eine Frau mit einer Kopfbedeckung (). ein Relief mit zwei Personen, eine davon ist sicher weiblich (). Möglicherweise ist eine Entbindung dargestellt.

Literatur Jean-Gaston Lalanne: Découverte d’un bas-relief à représentation humaine dans les fouilles de Laussel. In: L'Anthropologie, Band 22, 1911, S. 257–260 Jean-Gaston Lalanne, Jean Bouyssonie: Le gisement paléolithique de Laussel. Fouilles du Dr Lalanne. In: L’Anthropologie, Band 50, 1941–46, S. 1–163 Henri Delporte: L’image de la femme dans l’art préhistorique. Ed. Picard, Paris 1979, ISBN 978-2-70840-440-3 Alain Roussot: La Vénus à la corne et Laussel, Éditions Sud-Ouest, Bordeaux 2000, ISBN 978-2-87901-324-4

Weblinks

Venus von Laussel und weitere Reliefs – Fotos + Infos

Einzelnachweise

Kategorie:Archäologischer Fund (Frankreich) Kategorie:Archäologischer Fund (Jungpaläolithikum) Kategorie:Gravettien Kategorie:Marquay (Dordogne)