mini|Außenansicht von Nordwesten mini|Langhaus mini|Rückansicht Der Dom Maria Himmelfahrt, auch Marienpfarrkirche, Dompfarrkirche, Bozner Dom oder Propsteikirche Maria Himmelfahrt genannt, ist die Stadtpfarrkirche der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen und Bischofskirche der römisch-katholischen Diözese Bozen-Brixen. Sie liegt zwischen Waltherplatz und Pfarrplatz. Während der Bischof seit 1964 in Bozen residiert, verblieben seine Kathedra und das Domkapitel in Brixen; Maria Himmelfahrt fungiert somit neben dem Brixner Dom als Konkathedrale.

Geschichte Ersturkundlich wird die Marienkirche in einer Traditionsnotiz des oberbayerischen Klosters Ebersberg aus den Jahren 1078–1082 genannt, als „in cimiterio Pozane ecclesie“, also am Friedhof der Kirche, ein Rechtsakt vollzogen wurde.Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). (PDF; 2,6 MB). In: Der Schlern. 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 449–474, hier S. 457–458. Nach den Angaben der sog. „Bozner Chronik“, einer annalistischen Aufzeichnung des 14. Jahrhunderts, wurde diese im romanischen Stil gebaute Kirche im Jahr 1180 erneut. Der Legende nach hat ein Bozner Fuhrmann an dieser Stelle ein wundersames Gnadenbild der Muttergottes aufgefunden. Diese Liebe Frau vom Moos soll im Sumpfland des Eisacks gelegen haben, dessen Flussbett sich damals wesentlich näher am heutigen Dom befand. Die Statue, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, befindet sich heute in der geosteten barocken Gnadenkapelle hinter dem Hochaltar der Kirche. Die mittelalterliche Kirche wurde auf den Resten einer frühchristlichen Basilika aus dem 5. oder 6. Jahrhundert errichtet.Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. Band 2: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau. 7. Auflage, bearb. von Magdalena Hörmann-Weingartner. Athesia-Tyrolia, Bozen/Innsbruck/Wien 1991, ISBN 88-7014-642-1, S. 13ff. Hier wurde auch der spätantike Votivstein eines Secundus Regontius und von dessen Sohn Severinus aus dem beginnenden 4. Jahrhundert gefunden.Karl Maria Mayr: Der Grabstein des Regontius aus der Pfarrkirche in Bozen. In: Der Schlern. 23 (1949), S. 302–303; Maria M. Ausserhofer: Die römischen Grabsteine in Südtirol. In: Der Schlern. 50 (1976), S. 458 mit Abb. 7. mini|hochkant|Grundriss mini|Dachstuhl Im Jahr 1195 – anlässlich eines Gütertauschs zwischen dem oberbayerischen Reichskloster Tegernsee und der bischöflichen Kirche Trient – wird der 1181 erstmals als Priester von Bozen erwähnte Rudolf als Pfarrer (Pleban) von Bozen bezeichnet, wann in der Zeit dazwischen die Marienkirche zur Pfarrkirche erhoben wurde, ist auf Grund der spärlichen Quellenlage nicht klar.Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). (PDF; 2,6 MB). In: Der Schlern. 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 449–474 (besonders S. 449ff. und 466). 1259 brachte Graf Meinhard II. die Kirchenvogtei an sich; ab dieser Zeit fungierte die Pfarrkirche auch als Memorialkirche der tirolisch-görzischen Regenten und ab 1363 der habsburgischen Landesfürsten. Dieser österreichische Jahrtag (der jarttæg … der herschafft von Ósterreich) wurde nach einer Regelung von 1435 in der Oktav nach Maria Himmelfahrt von der gesamten Priesterschaft des sog. „Deutschen Anteils“ des Trienter Bistums begangen.

Um 1300 wurde mit dem Neubau der Hallenkirche im spätgotischen Stil begonnen, um den gesteigerten Anforderungen der demografisch und baulich stark wachsenden Territorialstadt Bozen gerecht zu werden. Aus dem 14. Jahrhundert stammt das wertvolle, mit Skulpturen verzierte Leitacher Törl an der Nordseite der Kirche, ein Seitenportal, an dem der Weinausschank der Leitacher Bauern zu festgesetzten Terminen erfolgte.Otto Kletzl: Das Leitacher Törl an der Pfarrkirche von Bozen. In: Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum. 18 (1939), S. 615–641. 1471 wird mit dem örtlichen Zimmermannsmeister Hans Strobel die Eindachung des Langhauses (dachwerch auff dem lanngkhaus) vertraglich vereinbart. Dieser Neubau wurde 1519 mit der Errichtung des spätgotischen Turms nach Plänen des Augsburger Dombaumeisters Burkhard Engelberg und von Hans Lutz von Schussenried abgeschlossen.Franz Bischoff: „Der vilkunstreiche Architector und der Statt Augspurg Wercke Meister“. Burkhard Engelberg und die süddeutsche Architektur um 1500: Anmerkungen zur sozialen Stellung und Arbeitsweise spätgotischer Steinmetzen und Werkmeister (= Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen. Band 18). Wissner, Augsburg 1999, ISBN 3-89639-157-7 (Online-Besprechung).

Aus derselben Zeit stammt die spätgotische Kanzel aus Sandstein mit den Reliefs der vier Kirchenväter und der vier Evangelistensymbole, die 1514 von süddeutschen Steinmetzen unter der Leitung von Dombaumeister Hans Lutz von Schussenried angefertigt worden war.Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Bolzanos (= Die Kunstdenkmäler des Etschlands. Band 3/2). Filser, Wien-Augsburg 1926, S. 105. Die Kanzel wurde beim Bombenangriff der Alliierten am 13. Mai 1944 beschädigt, anschließend abgetragen und im Kreuzgang von Kloster Muri-Gries eingelagert und 1949 wieder aufgebaut.Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 2. Athesia, Bozen 2006, ISBN 88-6011-021-1, S. 52–62.mini|hochkant|links|Titelblatt des Urbars der Pfarrkirche von 1453–1460 (frühneuhochdeutsch)Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (1453–1460) ist ein vom damaligen Kirchpropst Christof Hasler d. J. angelegtes Urbar- und Rechtsbuch von Vnser lieben frawn werch der pharrchirchen ze Potczen überliefert, in dem der umfassende Grundbesitz der Pfarrkirche und ihre Rechtstitel verzeichnet sind. Die Handschrift wird von der Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg verwahrt, wohin sie 1871 gelangt ist.Hannes Obermair: „Hye ein vermerkt Unser lieben frawn werch ...“: Das Urbar und Rechtsbuch der Marienpfarrkirche Bozen von 1453/60 (= bz.history 2). Bozen 2005. Ab 1511 wurde die Pfarrkirche zeitweise dem St.-Georgs-Ritterorden in Kloster Millstatt inkorporiert.Christine Tropper: Von Bozen bis Wiener Neustadt – Ein Beitrag zur Verwaltung der inkorporierten Pfarren durch den St. Georgs-Ritterorden im Kärntner Landesarchiv. In: Werner Drobesch, Elisabeth Lobenwein (Hrsg.): Politik- und kulturgeschichtliche Betrachtungen. Quellen – Ideen – Räume – Netzwerke. Festschrift für Reinhard Stauber zum 60. Geburtstag, Klagenfurt u. a. 2020.

1717 wurde auf Anregung von Fürstbischof Johann Michael von Spaur ein Stiftskapitel errichtet, das seit 1723 von einem infulierten Propst geleitet wurde. Dieser trug bei feierlichen Anlässen Infel, Ring und Stab eines Abtes. Der letzte (infulierte) Propst von Bozen war Monsignore Josef Kalser, als bekanntester Kanonikus gilt Michael Gamper. Das Kollegiatkapitel wurde 1951 das letzte Mal personell aufgestockt. Der 1967 ernannte Dekan und Pfarrer von Bozen Josef Rier (bis 1989) wurde in den 1980er-Jahren zum Ehrenkanonikus ernannt.Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 1. Athesia, Bozen 2006, ISBN 88-6011-020-3, S. 87–98.

Die Pfarrkirche, die unmittelbar südwärts am Pfarrplatz gelegene, ehemalige St.-Nikolaus-Kirche und das Pfarrhaus (Propsteigebäude) wurden 1943/44 bei alliierten Luftangriffen auf die Operationszone Alpenvorland schwer getroffen.Hierzu im Detail Anton Maurer: Baugeschichte der Bozner Pfarrkirche (= Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst). Athesia, Bozen 1945. Während von der Nikolauskirche nur mehr die Grundmauern bestehen, wurde die Pfarrkirche in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach denkmalpflegerischen Prinzipien (Sichtbarmachung der Ergänzung bzw. Rekonstruktion) wiederhergestellt und am 8. April 1950 unter Propst Josef Kalser wiedereröffnet.Vgl. den Bericht der Tageszeitung Dolomiten vom 11. April 1950, S. 5 (Digitalisat). Im heutigen Dom waren viele Fresken, die Farbfenster und das Altarbild verloren gegangen. Bei den Wiederaufbauarbeiten stieß man auch auf die Reste der bereits genannten frühchristlichen Kirche. Die Rosette an der Westseite stellt ebenso eine Ergänzung dar, die nicht auf dem Ursprungsbestand beruht.

Der Kirchturm hatte die Bombenangriffe schadlos überstanden, musste aber ab Mitte der 1970er-Jahre restauriert werden. Die Arbeiten kosteten mehr als 1,03 Mio. Euro und wurden 1986 abgeschlossen.Josef Gelmi: Die kirchliche Präsenz in Bozen von 1900 bis heute. In: Der Schlern. 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten. S. 506–527, besonders S. 519.

Im Dezember 2008 hatten sich einige der buntglasierten Dachziegel gelöst. Im Frühjahr 2009 wurde eine Arbeitsgruppe zur Finanzierung der Dachsanierung (ca. 850.000 Euro) begründet, die 2010 abgeschlossen werden konnte.Renovierung Domdach Das Land Südtirol und die Stiftung Südtiroler Sparkasse unterstützten die Arbeiten.

Bauinschrift mini|Bauinschrift des frühen 16. Jahrhunderts An der Südseite der Pfarrkirche ist eine exakte Kopie der aus örtlichem Sandstein gefertigten frühneuhochdeutschen Bauinschrift des Turmaufsatzes eingelassen. Das Original befindet sich im durchbrochenen Turmhelm der Kirche. Die Schriftform entspricht einer spätgotischen Minuskel. Die sechszeilige Inschrift lautet:

Anno d[omi]ni 1501 anfang / des paws am 18 tag winte[r] / monet durch maiste[r] hanns / lutz stainmetz vo[n] schusenriet / volent des 16 tag herbst / monet anno d[omi]ni 1519.

Übertragung in heutiges Deutsch: „Im Jahr des Herrn 1501 am 18. Tag des Wintermonats begann der Bau durch Meister Hans Lutz, Steinmetz von Schussenried, vollendet am 16. Tag des Herbstmonats im Jahr des Herrn 1519.“ Turm und Turmbauinschrift finden sich in ähnlicher Form auf zwei Porträts des Meisters Hans Lutz von Schussenried im Bozner Stadtmuseum. Historischer Friedhof Der alte Bozner Friedhof erstreckte sich ursprünglich um die Stadtpfarrkirche, an ihrem nördlichen, östlichen und südlichen Teil. Der Friedhof ist erstmals im späten 11. Jahrhundert in einer Traditionsnotiz von Kloster Ebersberg als in cimiterio Pozane ecclesie bezeugt.Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten. Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Athesia, Bozen 1995, S. 449–474, hier: S. 457–458 (= Der Schlern. 69). Er wurde 1547 ausgebaut, 1789 durch Kaiser Joseph II. geschlossen, jedoch bis 1826 weiterverwendet.

Im November 1826 wurde ein neuer klassizistischer Friedhof mit Arkadengängen und Freskomalereien im Nazarener-Stil von Giuseppe Craffonara südlich von Pfarrkirche und Propsteigebäude eingeweiht; er wurde von der Pfarrei direkt verwaltet und erfüllte bis 1930–1932 seinen Zweck.Andreas Stolzenburg: Giuseppe Craffonara (1790–1837). Ein Maler zwischen Klassizismus und Purismus. 2 Bde. (Deutsche Hochschulschriften. Band 543/1–2). Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach/Frankfurt am Main/Washington 1994, bes. Bd. 1, S. 64–86. Ab diesen Jahren fanden die Beerdigungen endgültig im neuen Oberauer Friedhof statt.Dienstcharta der Bestattungs- und Friedhofsdienste, Okt. 2008, Stadtgemeinde Bozen (PDF; 16 MB). In der Folge verfiel die alte Friedhofsanlage zusehends und wurde zudem im Zweiten Weltkrieg durch Luftbombardements ab 1943 stark beschädigt. 1951/52 wurden die verbliebenen Arkaden abgerissen, die neogotische Friedhofskapelle als letzter Überrest 1973 beseitigt. Das Areal wurde in den Jahren 1991–1993 mit dem neuen Pastoralzentrum der Kurie Bozen-Brixen nach Plänen von Architekt Othmar Barth überbaut.

Ausstattung mini|Innenansicht der dreischiffigen Hallenkirche Die Stadtpfarrkirche wurde von der Bürgerschaft der Stadt mit zahlreichen Zuwendungen bedacht. Sie gehört zu den Kirchen mit den meisten Sitzplätzen im Alpenraum.