Münchhausen ist ein deutscher Film des Regisseurs Josef von Báky aus dem Jahre 1943, der dem Genre des phantastischen Films zugerechnet werden kann. Die Hauptrolle in diesem dritten abendfüllenden deutschen Farbfilm ist mit Hans Albers besetzt; das Drehbuch stammt von Erich Kästner.

Handlung Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Lügenbarons Hieronymus von Münchhausen, teilweise basierend auf den Lügengeschichten Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande von Gottfried August Bürger.Gottfried August Bürger: Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen: [Wie er dieselben bey der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt.] Mit e. Anh. älterer Lügendichtungen. Hrsg. von Irene Ruttmann. Nachdr. d. 2. Ausg. London 1788, Reclam Stuttgart 1969 Die Handlung beginnt für den Zuschauer scheinbar in der Vergangenheit, auf einem Fest in Rokoko-Kostümen auf Schloss Bodenwerder, bis plötzlich ein elektrischer Lichtschalter und aktuelle PKW-Modelle verraten, dass die Geschichte als Rahmenhandlung aus der Gegenwart heraus erzählt wird. Als der Baron von einer jungen Frau eindeutig bedrängt wird, bittet er sie, am nächsten Tag mit ihrem Verlobten zum Tee zu erscheinen, und erzählt beiden dann im Beisein seiner deutlich älteren Frau die „wahre Geschichte“ seines vermeintlichen Vorfahren, des berühmten Lügenbarons. Der Film geht nun zurück in das 18. Jahrhundert, wo der Baron in Begleitung seines Dieners Christian im Auftrag des Prinzen von Braunschweig an den russischen Hof Katharinas der Großen geht und dort in Intrigen und ein Liebesabenteuer mit der Zarin verstrickt wird.

mini|links|Hans Albers beim Flug auf der Kanonenkugel; Graffiti auf der Gasdruckregelstation August Bebel Straße in Potsdam-Babelsberg

Der Baron warnt den Zauberer Cagliostro vor einer drohenden Verhaftung und erhält dafür von diesem die ewige Jugend. Münchhausen wird danach von der Zarin als Regimentskommandeur in den Krieg gegen die Türken zur Belagerung von Otschakow geschickt. Er nimmt einen wunderlichen Schnellläufer in seine Dienste auf. Auf einer Kanonenkugel fliegt Münchhausen unfreiwillig in die Festung und wird von den Türken gefangen genommen; in Konstantinopel trifft er, nunmehr persönlicher Knecht des Sultans, seine beiden Diener Christian und den Läufer wieder. Mit ihrer Hilfe gewinnt er gegen den Sultan die Wette, binnen einer Stunde eine Flasche Tokajer vom Hofe Maria Theresias in Wien holen zu lassen.

Münchhausen erhält daraufhin seine Freiheit wieder, darf aber nicht, wie vom Sultan versprochen, die schöne italienische Prinzessin Isabella d’Este mitnehmen, die er daraufhin mit Hilfe eines von Cagliostro erhaltenen magischen Unsichtbarkeits-Ringes aus dem Harem befreit. Er gelangt mit ihr und seinem Diener mit dem Schiff nach Venedig, wo er den alternden Casanova trifft. Mit der Familie d’Este, die Isabella mit einem älteren Mann verheiraten will, gerät er in Konflikt. Bei einem Duell mit dem Bruder der Prinzessin demütigt er diesen, indem er dessen Kleidung mit seinem Degen völlig zerfetzt. Münchhausen und Christian fliehen anschließend mit einem Heißluftballon, der sie bis auf den Mond bringt. In einer surrealistischen Landschaft begegnen sie dort dem Mondmann und seiner Frau sowie weiteren Pflanzenmenschen, die ihren Kopf vom Körper lösen können. Ein Tag auf dem Mond hat allerdings die Länge eines Jahres auf der Erde, wodurch sein Diener Christian rasch altert und alsbald stirbt. Der ewig jugendliche Baron kehrt jedoch auf die Erde zurück.

Die Handlung springt wieder 200 Jahre vor in die Gegenwart. Münchhausen gibt dem jungen Paar zu erkennen, dass er keineswegs bloß Nachfahr des berühmten Lügenbarons, sondern selbst der Protagonist der erzählten Lebensgeschichte ist. Die jungen Leute sind schockiert und verabschieden sich auf der Stelle. Der Baron aber, der ewigen Jugend satt, gibt diese freiwillig zurück und altert schlagartig. Seinem Wunsch gemäß kann er nun zusammen mit seiner Frau sein Alter genießen.

Hintergrund und Besonderheiten Der mit großem Aufwand, Starbesetzung und in der noch neuen Agfacolor-Technik produzierte Farbfilm wurde von dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels selbst aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Ufa-Filmstudios in Auftrag gegeben. Die Dreharbeiten begannen am 13. April 1942 mit Atelier- und Geländeaufnahmen in den Babelsberger Studios in Potsdam. Nach einer Unterbrechung für die Außenaufnahmen in Venedig von Anfang bis Mitte September 1942 filmte man weitere Szenen im Atelier. Der letzte Drehtag war am 16. Dezember 1942. Die Produktionskosten betrugen rund 6,6 Millionen Reichsmark (ursprünglich waren als Budget 4,57 Millionen Reichsmark (RM) eingeplant). Der Film war damit einer der teuersten Filme des Dritten Reiches. Nach einem Monat hatte er allerdings erst 119.000 RM eingespielt.

Verfasser des Drehbuchs des von Eberhard Schmidt produzierten Films war der Schriftsteller Erich Kästner. Kästner – obwohl eigentlich mit Berufsverbot belegt – schrieb das Drehbuch im Auftrag des Reichsfilmintendanten Fritz Hippler und mit einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels. Beide waren der Ansicht, Kästner sei ungeachtet seiner Verfemung durch das Regime der geeignetste Autor. Er schrieb das Drehbuch unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“. Dieser Name fand im Vorspann allerdings keine Erwähnung. Noch vor der Uraufführung des Films erging die ausdrückliche Anweisung an die Journalisten: „Der Schriftsteller Erich Kästner oder sein Pseudonym Berthold Bürger sind in der Presse nicht zu erwähnen.“„Vertrauliche Presse-Informationen“, auf Karteikarten periodisch herausgegeben vom Dr. Ernst Dröscher Verlag, Karte Nr. 751 mit Datumsangabe 5. Januar 1943 (Exponat im Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen) Das Pseudonym "Bürger" ist eine Anspielung auf Gottfried August Bürger und damit eine Tarnung und gleichzeitig ein literarischer Hinweis auf den Stoff. Aufgrund seiner Funktion als Unterhaltungsfilm finden sich keine propagandistischen Andeutungen. Es sind im Gegenteil in den Dialogen sogar liberale und tolerante Äußerungen zu finden, die allerdings zunächst herausgeschnitten wurden. Sogar potentiell subversive Äußerungen sind zu hören, wenn z. B. Münchhausen zu seinem Diener im Hinblick auf eine defekte Uhr sagt „Die Zeit ist kaputt“ oder Casanova zur Prinzessin „Seien Sie trotzdem vorsichtig. Die Staatsinquisition hat zehntausend Augen und Arme; und sie hat die Macht, Recht und Unrecht zu tun – ganz wie es ihr beliebt …“.

Es findet sich keine negative Darstellung Russlands, mit dem sich das Dritte Reich damals im Krieg befand. Historisch korrekt ist allerdings, dass das Land während der im Film geschilderten Epoche von einer gebürtigen Deutschen regiert wird, nämlich von Katharina der Großen.

Zugleich sind in der Person des italienischen Hochstaplers und Zauberers Graf Cagliostro, der im Gegensatz zum idealistischen und abenteuerlustig-urwüchsigen Münchhausen die Prinzipien von Macht, Eroberungssucht („Polen“) und Gerissenheit verkörpert und sich allerlei Schliche zur Durchsetzung seiner Pläne bedient, unterschwellig antisemitische Stereotype erkennbar; dies umso mehr, als die Rolle des Grafen mit Ferdinand Marian besetzt wurde, dessen Verkörperung des Jud Süß in Veit Harlans gleichnamigem Hetzfilm dem deutschen Publikum noch in frischer Erinnerung war und entsprechende Assoziationen auch im Film Münchhausen zu wecken geeignet war.

Überraschend für die Entstehungszeit und -umstände sind, zumindest im Vergleich mit Hollywood, wo damals der rigide Hays Code herrschte, zahlreiche sexuelle Anspielungen und mehrere Szenen, die Frauen mit nacktem Oberkörper zeigen. Dies war jedoch in deutschen Filmen der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich; z. B. findet sich auch im Film Der Postmeister (1940) eine Einstellung mit einer barbusigen Frau.

Ferner sind die zahlreichen, gemessen an den damaligen technischen Möglichkeiten, spektakulären Spezialeffekte erwähnenswert, für die Konstantin Irmen-Tschet verantwortlich zeichnete. Der Film gilt als einer der Höhepunkte des Schaffens von Hans Albers, der die Hauptrolle spielte. Münchhausen wird gelegentlich mit den wenige Jahre zuvor entstandenen amerikanisch/britischen Fantasy-Filmen Der Zauberer von Oz (1939) und Der Dieb von Bagdad (1940) verglichen, mit denen er offenbar rivalisieren sollte. Die üppigen Filmbauten stammen von Emil Hasler und Otto Gülstorff, die umfangreichen und vielfältigen Kostüme von Manon Hahn.

Neben Hans Albers, der eine Gage von 360.000 Reichsmark bekam, wurde eine Auswahl von Star-Schauspielern aufgeboten, bei denen man allerdings gewisse „Eigenheiten“ tolerieren musste. Leo Slezak hatte eine jüdische Ehefrau, Hubert von Meyerinck und Wilhelm Bendow waren bekannt für ihre Homosexualität, und Brigitte Horney war eng mit dem kurz zuvor in den Selbstmord getriebenen Schauspieler Joachim Gottschalk befreundet. Weiters hatte der Film die Freiheit, schwarze Deutsche, welche sonst aus der Gesellschaft größtenteils ausgeschlossen waren, in Statistenrollen als orientalistisch dargestellte Untertanen zu besetzen. Neben Marie Nejar und Theodor Wonja Michael traten eine Reihe weiterer schwarzer Schauspieler auf, wobei in der Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt, Münchhausens Hausdiener aus Anlass des Rokoko-Festes zum Kammermohr geschminkt auftritt, was eine komödiantische Pointe zur Folge hat.

Der Film wurde am 3. März 1943 anlässlich der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Ufa uraufgeführt, die als „Betriebsappell“ im Berliner Ufa-Palast am Zoo stattfand.Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1992, ISBN 3-446-15214-8. Zunächst hielt sich das Publikumsinteresse in Grenzen. Bis Ende 1944 hatte der Film jedoch 18,7 Millionen Zuschauer erreicht und war damit einer der erfolgreichsten Kinofilme der Zeit des Nationalsozialismus.

Nach einem ersten Rekonstruktionsversuch 1978 konnte erst nach der Wende mit Hilfe osteuropäischer Archive ein verschollen geglaubter Teil des Films aufgefunden werden. Diese längere Fassung wurde am 1. April 1991 im ZDF ausgestrahlt (Redaktion Jürgen Labenski). Die Ansage dazu übernahm Ilse Werner, die auch im Film mitspielt. Somit wurde der Film seiner Originalfassung weiter angenähert, jedoch fehlten weiterhin ca. 15 Minuten, die mit der ersten Kürzung im Juni 1943 verloren gegangen sein mussten (Originale Länge des Films: 3662 Meter, längste bekannte Fassung nach Kürzung ca. Juni 1943, entspricht der Fassung von 1991: 3225 Meter).

Während der Recherchen anlässlich der Restaurierung des Agfacolor-Films wurde 2016 eine 35-mm-Kopie der verschollen geglaubten Premierenfassung im Gosfilmofond of Russia entdeckt. Sie enthält die bislang nur von Standfotos bekannte Szene am Braunschweiger Hoftheater. Diese Fassung, die inzwischen den von früheren Filmen bekannten Falschfarbton Magenta aufweist (allgemeiner bekannt als Rotstich), ist offensichtlich die Premierenfassung, ist 3590 Meter lang und wurde 2017 aufwändig restauriert. Seit 29. März 2019 ist sie – gemeinsam mit den anderen Fassungen – im Handel.Projekt Münchhausen auf murnau-stiftung.de, abgerufen am 24. Mai 2019. Ihre Laufzeit beträgt 131 Minuten.

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