Altweilnau ist ein anerkannter Erholungsort und Ortsteil der Gemeinde Weilrod im südhessischen Hochtaunuskreis.
Geographie mini|Altweilnau vom Schloss Neuweilnau aus gesehen.
Altweilnau liegt oberhalb des Weiltals im östlichen Hintertaunus, auf Höhe, inmitten für die Region typischen Mischwälder und Felder. Kleine Straßen führen zu den Nachbarorten Neuweilnau, Rod an der Weil, Oberlauken und Merzhausen. Altweilnau ist aus Richtung Westen (Idstein, Bad Camberg, Bundesautobahn 3) wie Osten (Usingen, Bad Nauheim, Bundesautobahn 5) über die Bundesstraße 275 zu erreichen. Am Fuße von Altweilnau fließt die namensgebende Weil durch das idyllische Weiltal, dem der Weiltalweg, ein Rad- und Wanderweg folgt.
Geschichte Ortsgeschichte Die Burg Altweilnau, deren Ruine bis heute erhalten ist, wurde bekanntermaßen 1288 erstmals erwähnt. Erbauer waren die Grafen von Diez, von denen sich ein Zweig in der Folge Grafen von Weilnau nannte. Der wohl bedeutendste Tag in der Geschichte Altweilnaus ist der 18. Mai 1336 – es wurden die Stadtrechte durch den Kaiser Ludwig IV. verliehen, welcher sie aber neun Tage später auf Drängen der Grafen von Nassau teilweise wieder aufhob.
Der Ort war Teil des frühen Eisenverarbeitungsquartiers an der Weil: Für das 15. Jahrhundert ist dort eine Waldschmiede nachgewiesen, an der die Häuser Nassau-Oranien, Eppstein und Cronberg Rechte besaßen.
Die Planungen für eine Weiltalsperre in den 1950er und 1960er Jahren hätten dazu geführt, dass der Ort direkt an diesem See gelegen wäre. Die Planungen wurden 1969 eingestellt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Altweilnau, Finsternthal, Mauloff, Neuweilnau und Riedelbach zum 1. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis zur neuen Gemeinde Weilnau, bevor diese Gemeinde am 1. August 1972 mit mehreren bis dahin selbstständigen Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Weilrod zusammengeschlossen wurde. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Weilrod wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Der letzte Bürgermeister von Altweilnau war Ernst Butz (* 1937, † 3. Januar 2012). Der Sozialdemokrat war von 1965 bis 1970 im Amt.
Die Grafen von Weilnau
Zwischen den Kornkammern des Limburger Beckens im Lahngau auf der einen Seite und der Wetterau, staufisches Einflussgebiet und Sitz bedeutender Grafengeschlechter, auf der anderen Seite konnte das schmale Band der Herrschaft Weilnau trennende und verbindende Eigenschaften annehmen. Die Grafen von Diez besaßen – wohl in der Nachfolge der Konradiner – die Grafenrechte im Niederlahngau, der bis Rod an der Weil reichte und deren Mittellauf einschloss. Da die gräflichen Brüder Gerhard und Heinrich von Diez als treue Vasallen des römisch-deutschen Königs Philipp von Schwaben galten, tauschten sie am 15. Januar 1207 ihr mainzisches Lehen, die Vogtei in Castell, gegen Reichsland im Hintertaunus. Gerhard von Diez nannte sich hiernach bereits 1208 auch Graf von Weilnau.Helfrich Bernhard Wencks: Hessische Landesgeschichte. Mit einem Urkundenbuch und geographischen Charten. Band 1 (Darmstadt 1783), S. 542. Wahrscheinlich besaß die Burg eine Güter- und Titeltrennung. Dies lässt sich allerdings erst 1249–1282 unter Heinrich I. von Weilnau feststellen, der hier residierte. Seitdem unterscheiden die Quellen eine ältere Diezer und eine jüngere Weilnauer Linie des Grafenhauses. mini|Evangelische Kirche
Heinrich I. von Weilnau stand König Wilhelm von Holland nahe und diente Erzbischof Werner von Mainz als Vertrauensmann, in dessen Gefolge er 1261 mit zur Krönung König Ottokars nach Prag zog. Weitere Urkunden nennen ihn als Zeugen und Schiedsrichter des Erzbischofs.
Während er es zu Ansehen und Wohlstand brachte, nutzten seine Söhne nicht das Glück der Stunde. Vier von ihnen erlangten zwar bedeutende geistliche Ämter, doch der Stammhalter, Gerhard von Weilnau, verschuldete sich und den mit Diez gemeinschaftlichen Familienbesitz. Sein Sohn Heinrich II. tätigte zwar nur noch Verkäufe aus weilnauischem Besitz, einem Ausverkauf des Familienvermögens wollte die Diezer Linie wohl aber nicht länger ruhig zuschauen, und so hielt Graf Gerhard IV. von Diez 1302 die Besitzanteile vertraglich fest. Die Stammburg und die dazugehörigen Flecken blieben in diezischem Besitz. Für die Weilnauer, ab sofort Neu-Weilnauer Linie, ließ Graf Gerhard auf dem gegenüberliegenden Rödelnberg die Burg Neu-Weilnau errichten.
Mit dem Erlöschen der älteren Diezer Linie im Mannesstamm 1388 ergaben sich auch Veränderungen für Alt-Weilnau. Da die Erbtochter Jutta, Gräfin von Diez, mit Adolf von Nassau-Dillenburg vermählt war, kam die gesamte Grafschaft in nassauische Hände, jedoch besaß sie je zur Hälfte, wie vormals im diezischen Grafenhaus, eine andere Linie.
Burggeschichte Die erste urkundliche Erwähnung der Grafschaft unter dem Namen Wilnawe ist auf 1208 datiert. Hier wird auch von der Burg Altweilnau berichtet, die zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden haben muss, wie man bei einer dendrochronologischen Untersuchung des Holzes im Bergfriedinneren herausfand. Bewohnt ist sie sicher bis 1563.
Auf der kleinen Felsnase erhebt sich eine regelmäßige dreieckige Ausläuferanlage mit einem hohen runden Bergfried. Das Kellergewölbe mit Zugang nach außen ist heute zugeschüttet. Im Nordosten hatte man einen etwa 14 Meter breiten Halsgraben aus dem Fels gesprengt, hier dürfte wohl auch der Hauptzugang gelegen haben. Der Turm stand frei, während sich vermutlich im Südosten ein Palas an die Ringmauer schmiegte.
Reste der Altweilnauer Stadtmauer sind wahrscheinlich auf die mittelalterliche, aus der Stadtrechtsverleihung resultierende Befestigung zurückzuführen. Alten Unterlagen zufolge verfügte die Anlage über sieben Türme. Wahrscheinlich ist einer dieser Türme der 1340 erbaute und heute noch gut erhaltene quadratische Torturm mit seinem steilen Walmdach.
Er ist in drei Etagen aufgeteilt und hatte in früherer Zeit unter anderem die Bedeutung einer Art Zeitansage. Es wurde der Tag, die Nacht und zur Mittagszeit geläutet. Heute ist er in privater Nutzung und unter dem Dach wacht ein Turmfalkenpärchen über die Einwohner Altweilnaus.
Bei Restaurierungsarbeiten 1980 wurde die ursprüngliche Mauerstärke von 2,65 m wiederhergestellt. Aus einem Protokoll vom 25. August 1980 heißt es:
mini|hochkant|Der Bergfried der Burgruine Altweilnau
Burgruine Altweilnau Die Burg Altweilnau wurde um 1200 von den Grafen von Diez erbaut. Im Jahre 1336 erhielt Altweilnau für neun Tage Stadtrechte und hatte zentralörtliche Bedeutung. Durch den Dreißigjährigen Krieg verfiel die Burg zunehmend. Steine der Anlage wurden in den Häusern Altweilnaus verbaut. Heute noch gut erhalten und zu besichtigen sind ein runder Bergfried (Durchmesser: 8 m, Wandstärke: 26 m, Höhe: 17,60 m) mit Aussichtsplattform, Teile der Ringmauer sowie ein Torturm mit Walmdach aus dem Jahre 1340. Ein alter Steinaufgang und eine gusseiserne Wendeltreppe führen hinauf zur offenen Aussichtsplattform des Bergfrieds. Diese bietet einen Rundblick über das Weiltal, den Ort Altweilnau sowie das Nassauer Schloss Neuweilnau.
Bergbau Am 10. Dezember 1593 erhielt Peter Sorge das Recht, hier in Altweilnau nach Blei schürfen zu dürfen. 1679 begann der Betrieb und 15 Jahre später wurde in Stollen und Schächten nach silberhaltigem Blei gesucht. Dies hielt bis 1720 an, in diesem Jahre wurde der letzte Bergmann ins Kirchenbuch eingetragen. 1818 begann erneut die Erschließung eines Grubenfeldes – das Königsholz. Die Stollen gingen bis zu 400 m in den Berg hinein und zum Abtransport gab es mehrere Schächte. Ab 1899 wurde die Bleichzeche I mit 6 Stollen erschlossen und mit dem Abbau von hochwertigen Bleiglanzerzen begonnen. „Das Blei war so schwer gewesen, dass man gerade mal einen klumpen Blei auf ein Pferdefuhrwerk laden konnte, um dieses dann nach Wilhelmsdorf zur Bahn zu transportieren.“ So der Bericht eines Einheimischen, der dies aus damaliger Zeit noch in Erinnerung hatte.
Im Jahre 1921 wurde ein Wünschelrutengänger mit der Suche nach neuen Adern beauftragt. Dieser stellte eine Erzader fest, doch solche konnte trotz aufwendiger Suche nicht entdeckt werden. Daher wurde 1924 der Bergbau wegen Unrentabilität eingestellt. Bergbauunglücke sind aus der gesamten Betriebszeit nicht überliefert.
Das Haupterz war hier Bleiglanz. Kupfererze und Zinkblenden traten nur ganz vereinzelt auf.
Die stillgelegten Minen sind heute das Quartier von Fledermäusen. Im Winter besucht der Fledermausbeauftragte des Kreises die Stollen und zählt die heimisch gewordenen Tiere. Eine märchenhafte Erzählung berichtet von kleinen Berggeistern, die hier in früherer Zeit den Arbeitern unter Tage bei der knochenharten Arbeit geholfen haben wollen.
Wüstung Landstein mini|Kirchturmruine Landstein Auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils Altweilnau liegt die Wüstung Landstein. siehe Hauptartikel: Landstein (Wüstung).
Geschichte im Zeitraffer Zeit Ereignis 1203/1204 Das Holz für das Gebälk im Bergfriedinneren wird geschlagen. 1208 Die Burg muss bereits existiert haben, der Ort wird zum ersten Mal erwähnt. 1213/15 Eine Mühle wird zum ersten Mal erwähnt. 1234 Die Erbismühle wird benannt. vor 1319 Es gibt eine Waldeisenschmiede bei Altweilnau. 1326–ca. 1500 Es werden Adlige Rose von Weilnau benannt. 18. Mai 1336 Burg und Tal werden benannt. Der Kaiser verleiht dem Ort die Stadtrechte 27. Mai 1336 Die Stadtrechte werden aufgehoben. 1340 Das Tor wird genannt. um 1435 Die Kapelle und die Pfarrei nach Merzhausen werden erwähnt. 1434 Die erste Schmiede wird errichtet. 1455 Die Mappesmühle wird errichtet. 1486 Altweilnau erhält eine eigene Pfarrei mit Riedelbach und Oberlauken. 15.–17. Jh. Der Ort erhält ein eigenes Stadt- und Gerichtssiegel. um 1535 Landstein, Treisberg und Finsternthal werden zur Kirche Altweilnau verwiesen. 1609 Die Burg zu Altweilnau ist laut einem Protokoll bereits verfallen. 1609–1967 In Altweilnau findet regelmäßig Schulunterricht statt. 1631 Die Herrschaft zu Altweilnau wird nassauerisch ab ca. 1650 Blei und Silber werden abgebaut. 1669 Oberlauken wird kirchlich abgetrennt. 1672 Riedelbach wird kirchlich abgetrennt. 1833 Die Pfarrei Neuweilnau wird mit Altweilnau vereinigt. um 1850 Die eisenindustrielle Produktion wird eingestellt. 1856 Die Pfarrei Neuweilnau wird verselbständigt. 1865 Eine neue Kirche wird erbaut. 1862 Wegen Baufälligkeit wird die Kapelle geschlossen. 1895 Die Treppe im Bergfried wird repariert. 1913 Ein neues Schulhaus wird erbaut. 1925 Es gibt Reparaturarbeiten im Burgbereich. 1970 Die Pfarreien Altweilnau und Neuweilnau werden vereinigt. 1970 Altweilnau wird ein Teil der Großgemeinde Weilnau. 1972 Mit der Auflösung von Weilnau wird Altweilnau ein Teil der Großgemeinde Weilrod. 1980–1986 Es gibt Restaurierungsarbeiten an der Burgruine.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Altweilnau angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Usingen ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt IdsteinAbtrennung der Justiz Justizamt Usingen bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ObertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Usingen) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1932: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis