Josef Dirnbeck (* 5. Jänner 1948 in Rotenturm an der Pinka) ist ein österreichischer römisch-katholischer Theologe und Schriftsteller.

Leben Josef Dirnbeck wurde am 5. Jänner 1948 in dem südburgenländischen Ort Rotenturm an der Pinka geboren.Dirnbeck, Josef, Mag. theol., freier Schriftsteller. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2024/2025. Vierundsiebzigster Jahrgang, Band 1, A–O. Walter de Gruyter, München 2025, ISBN 978-3-11-138202-9, S. 167. Er besuchte das Bischöfliche Seminar Mattersburg und den humanistischen Zweig des Bundesrealgymnasiums und Bundesgymnasiums Mattersburg, wo er im Jahr 1966 die Matura ablegte.Johann Werfring: Das Bischöfliche Seminar Mattersburg 1954–1998. St. Martins-Verlag, Eisenstadt 2026, ISBN 978-3-900120-15-3, S. 101. Anschließend studierte er in Wien und Graz Theologie. Sein Studium schloss er mit einer Arbeit im Fachbereich Bibelwissenschaft ab.Josef Dirnbeck: Vorläufiges über mich. In: Burgenländisches Leben 1–2/1980, S. 22.

Über seine Studentenjahre rund um das Jahr 1968, die Dirnbeck als eine „ungemein anregende und aufregend schöne“ Zeit empfand, schrieb er rückblickend im Jahr 2026: „Wir waren die Kinder des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die »Kinder von Marx und Coca Cola« waren unsere Brüder und Schwestern.“Josef Dirnbeck: Zeitenwende. Meine Jahre in Wien. In: Martin Jäggle, Christine Mann (Hrsg.): Lebensgeschichten von Wiener Theologiestudierenden in der Umbruchszeit der Sechzigerjahre. LIT Verlag, Wien 2026, ISBN 978-3-643-51270-3, S. 31 f.

Bereits als Student begann Josef Dirnbeck zu publizieren.Josef Dirnbeck: Aufgaben für Laientheologen. In: Diakonia 2/1970, S. 118–124.Josef Dirnbeck: Der Prügelknabe. Erzählung. In: Anton Grabner-Haider: Jesus N. Biblische Verfremdungen – Experimente junger Schriftsteller. Benziger Verlag, Zürich 1972, ISBN 978-3-545-23018-7. Sein erstes Buch, das er gemeinsam mit dem Grazer Studentenseelsorger Martin Gutl verfasste, wurde ein Erfolg.Josef Dirnbeck, Martin Gutl: Ich begann zu beten – Texte für Meditation und Gottesdienst. Styria, Graz 1973, ISBN 3-222-10745-9. Zwei Monate nach dessen Erscheinen wurde eine zweite Auflage gedruckt, ein Jahr später erschien das Buch auch in finnischer Übersetzung.Aloin rukoilla. Tekstejä mietittäväksi ja kuunnel-tavaksi. Suomen Lähetysseura, Helsinki 1974. ISBN 951-624-138-7. In der Folge veröffentlichte Dirnbeck eine Fülle von Werken, die inhaltlich und formal oft völlig unterschiedlich waren. Zur Frage, wie dies alles zusammenpasse, sagte der Autor, seiner Ansicht nach interessiere sich einer, der sich nur für Theologie interessiert, nicht wirklich für sie: „Der Nur-Theologe ist der Nicht-Theologe.“Ingeborg Fasching: Der Nur-Theologe ist der Nicht-Theologe. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Josef Dirnbeck. In: Multimedia Nr. 3, 7. Februar 1982, S. 3.

In einem Interview mit der Zeitschrift Kirche Intern wurde er gefragt, wie es komme, dass seine Texte so breite Resonanz finden, von kirchenkritischen Katholiken bis zu den Hörern von Radio Vatikan. Dirnbecks Antwort: „Da müsste man eigentlich fragen: Wie kommt es, dass das Evangelium von Konservativen geschätzt wird und zugleich von kritischen Geistern? Ich versuche nicht, etwas aus mir heraus zu schreiben, sondern nur das zu sagen, was das Evangelium sagt, und das weiterzugeben, was ich als die Botschaft verstanden habe.“Wolfgang Bahr: Josef Dirnbecks geöffnetes Wort. In: Kirche Intern 11/1989, S. 44.

Theologische Schriften Josef Dirnbecks Bücher erschienen vor allem in österreichischen, deutschen und Schweizer Verlagen. Einzelne Titel wurden auch in andere Sprachen übersetzt.Zum Beispiel: Ksiazka o aniolach – O dobrych mocach, które nas chronia i prowadza. Swety Wojciech, Poznan 2011, ISBN 978-83-7516-306-3; Padelatelé Ježíše – Jak to vlastne bylo se synem Božím. Fontána Verlag, Tschechien 2007, ISBN 978-80-7336-393-2; Via Crucis de nuestro tiempo. Editorial Berit, Madrid 1987.

Dirnbeck trat ebenso als Verfasser zeitgemäßer Meditationen und Gebete in Erscheinung wie auch als Sachbuchautor, der es versteht, komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen. In dem Buch Die Jesusfälscher steht unseriöse Jesusliteratur auf dem „Prüfstand“.Josef Dirnbeck: Die Jesusfälscher. Ein Original wird entstellt. Pattloch-Verlag, Augsburg 1994, ISBN 978-3-629-00642-4. Dirnbecks Ziel war es, „das falsche Spiel mit dem wahren Jesus“ zu entlarven und die Vertreter abstruser Theorien „mit ihren eigenen Waffen“ zu schlagen.Mit eigenen Waffen schlagen. Josef Dirnbeck über die Jesus-Fälscher. In: Vorarlberger Kirchenblatt, 6. März 1994, S. 9. Nach Ansicht des österreichischen Theologen Wolfgang Beilner ist dies dem Autor tatsächlich gelungen. In einer Buchbesprechung schrieb der Salzburger Ordinarius für Neutestamentliche Bibelwissenschaft: „Das Buch enthält eine seltene Mischung: dem Sachbuch angemessene Sprache und Darstellung mit durchaus seriösem Inhalt. Wer sich schnell und recht zuverlässig über den Wust der derzeit herumgehenden einschlägigen Publikationen informieren will, sollte ganz bestimmt zu den »Jesusfälschern« greifen.“Wolfgang Beilner: Bücher im Gespräch – Dirnbeck, Josef: Die Jesusfälscher. Ein Original wird entstellt. In: Die Zeit im Buch 3/1994, S. 98 f.

Jesus und das Tuch ist eine kritische Studie über die Diskussion zur Echtheit des Turiner Grabtuchs und schildert den „Glaubenskrieg über ein Stück Stoff“.Josef Dirnbeck: Jesus und das Tuch – Die „Echtheit“ einer Fälschung. Edition Va Bene, Klosterneuburg 1998, ISBN 978-3-85167-073-8. Dirnbecks eigener Beitrag zu dieser Diskussion besteht darin, dass er mit bibeltheologischen Argumenten „die Existenz eines Grabtuchs Christi in Frage stellt“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Der Autor sei davon überzeugt: „Wenn das biblische Zeugnis ernstgenommen und sachgemäß interpretiert werde, könne man zu keinem anderen historisch gesicherten Ergebnis kommen.“Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 1998, S. 3.

In der Dokumentation Reibebaum Krenn beleuchtete Dirnbeck die Hintergründe, die zum Rücktritt des umstrittenen Sankt Pöltner Bischofs Kurt Krenn geführt hatten.Josef Dirnbeck: Reibebaum Krenn – Vom Papstfrühstück zu den Bubendummheiten. Edition Va Bene, Klosterneuburg 2004, ISBN 978-3-85167-169-8.Interview mit Josef Dirnbeck: Fall Krenn war abzusehen. In: Nürnberger Zeitung, 17. September 2004. Die Wiener Zeitung bescheinigte dem Verfasser, ihm sei eine „pointierte Bilanz der Ära Krenn“ gelungen. Heiner Boberski: Dirnbeck: Reibebaum Krenn – Pointierte Bilanz der Ära Krenn. In: Wiener Zeitung, 18. November 2004, S. 5.

In dem Buch Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens geht Dirnbeck der Frage nach, wie es zu jenen grauenvollen Gewalttaten im Namen des Glaubens kommen konnte, und gibt einen profunden Überblick über die Geschichte der Ketzer- und Hexenverfolgungen.Josef Dirnbeck: Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens. Pattloch-Verlag, München 2001, ISBN 978-3-629-00845-9.

Nachdichtungen poetischer Texte aus der christlichen Tradition – vom Magnificat bis zum Dies irae – präsentierte der Autor in dem auffallend bibliophil gestalteten Bändchen Hymnen der Kirche.Josef Dirnbeck: Hymnen der Kirche. Lateinische Texte und deutsche Nachdichtungen. Styria-Verlag, Graz/Wien/Köln 1978, ISBN 978-3-222-11023-8.

In dem Buch Du bist schön, meine Freundin legte Dirnbeck eine Nachdichtung des Hoheliedes vor, jenes Buches aus der Hebräischen Bibel mit Liebesliedern, die der Tradition zufolge von König Salomo verfasst wurden.Du bist schön, meine Freundin. Das Hohelied der Bibel. Nachgedichtet von Josef Dirnbeck. Herder-Verlag, Wien 1983, ISBN 978-3-210-24706-9.

Eine besondere Spezialität von Josef Dirnbeck sind heiter-besinnliche Texte, die allgemein menschliche, aber auch religiöse Themen in unterhaltsamer Art und Weise aufgreifen. Typische Beispiele sind Die Unterhose des Propheten,Josef Dirnbeck: Die Unterhose des Propheten und andere Neuigkeiten für Fromme. Audio-Cassette. Autoren-Edition, Rotenturm an der Pinka 1991. Der Esel von Bethlehem,Josef Dirnbeck: Der Esel von Bethlehem. Bemerkungen einer grauen Eminenz. Lorenz-Senn-Verlag, Tettnang 1991, ISBN 978-3-88812-058-9 und Wer zum Fest lacht, lacht am besten.Josef Dirnbeck: Wer zum Fest lacht, lacht am besten. Otto Müller Verlag, Salzburg 2000, ISBN 978-3-7013-1022-7. In dem Werk Gott lacht. Ein fröhlicher Crashkurs des christlichen Glaubens spürte der Autor den Zusammenhängen zwischen Glauben und Humor nach.Josef Dirnbeck: Gott lacht. Ein fröhlicher Crashkurs des christlichen Glaubens. Pattloch-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-629-02122-9.

Lyrik und Prosa Josef Dirnbeck schrieb immer wieder auch Lyrik und Prosa. Texte, die er in Lesungen vortrug, die aber auch in Literaturzeitschriften abgedruckt wurden bzw. im Hörfunk zu hören waren. Angefangen von seinen ersten Gedichten Auch ich gab Orpheus einen Tritt aus den Jahren 1969–1972Wortmühle 2/1979, S. 107–110. bis zu Alles für den Hugo, einer Erzählung über den tragischen Tod einer Religionslehrerin.Texte – Neue Literatur aus Österreich, ORF 6. Mai 2013.

Zu Dirnbecks wichtigsten Arbeiten auf literarischem Gebiet zählen Gedichtzyklen zu den Seckauer Fresken von Herbert BoecklJosef Dirnbeck: Siehe ich sah. Herbert Boeckls „Seckauer Apokalypse“. Regie: Nikolaus Eder. ORF-Fernsehen 1. November 1982. und zu Aquarellen von Elfriede Ettl, einer katholischen Ordensfrau, die eine Schülerin von Oskar Kokoschka war.Sonnengesang. Das Lied des heiligen Franziskus in Text und Bild. Bilder: Elfriede Ettl. Texte: Josef Dirnbeck. Herausgegeben von den Schwestern vom Göttlichen Erlöser, Eisenstadt 1998.

Der Roman Aschermittwoch oder Quo vadis, Hochwürden? hat das Leiden in und an der Kirche zum Thema. Erzählt wird die Geschichte eines Priesters, der eines Tages still und heimlich verschwindet und seine Gemeinde in Stich lässt, weil ihn seine Arbeit als Seelsorger körperlich und seelisch kaputtmacht.Josef Dirnbeck: Aschermittwoch oder Quo vadis, Hochwürden? Roman. Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1994, ISBN 978-3-7721-0158-8.

In dem Buch mit dem Titel Der Wahnsinn hat Methode präsentierte Dirnbeck „hintergründige Gedanken zu Cartoons und Karikaturen“.Josef Dirnbeck: Der Wahnsinn hat Methode. Momente der Betroffenheit. Herder-Verlag, Wien 1985, ISBN 978-3-210-24804-2, S. 4.

Eine bibliophile Rarität ist das Blutdruckbuch, das Josef Dirnbeck gemeinsam mit dem burgenländischen Künstler Herbert Schügerl produzierte.Blutdruckbuch. Vierundzwanzig mit Blut gedruckte Holzschnitte von Herbert Schügerl mit Gedichten von Josef Dirnbeck, erschienen in einer einmaligen, mit 33 Exemplaren limitierten Auflage. Edition Hesebri, Kemeten 1982.

Zeitungen und Zeitschriften Breiten Raum in Dirnbecks Schaffen nahm seine Tätigkeit für Printmedien ein. Der Autor war Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Zeitschriften in Österreich und Deutschland. Für Kirche In, ein von Pfarrer Rudolf Schermann herausgegebenes christlich-ökumenisches Magazin, schrieb Dirnbeck regelmäßig eine Kolumne, in welcher er Vorgänge in Kirche und Gesellschaft kritisch kommentierte.Josef Dirnbeck: Offen gesagt. In: Kirche In, 1995–2018. Der Autor war auch lange Zeit Redakteur beim Burgenländischen Jahrbuch.Burgenländisches Jahrbuch. Herausgegeben vom Pastoralamt der Diözese Eisenstadt. Redaktion: Franz Buchberger und Josef Dirnbeck. Jahrgänge 1983–2011.

Hörfunk und Fernsehen Dirnbeck verfasste zahlreiche Manuskripte für Radio- und Fernsehsendungen, die von verschiedenen Sendeanstalten in Österreich und Deutschland ausgestrahlt wurden. Ab 1975 war er beim Österreichischen Rundfunk (ORF) Mitarbeiter der Abteilung Religion im Hörfunk. Ab 1976 arbeitete er beim ORF auch in TV-Sendungen mit.Ingeborg Fasching: „Der Nur-Theologe ist der Nicht-Theologe“. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Josef Dirnbeck. In: Multimedia. Zeitschrift für kritische Medienarbeit, 7. Februar 1982, S. 3.