mini|Solidus des Usurpators Johannes mini|Insignien des Primicerius notariorum (Westreich) mini|Solidus mit Abbildung Theodosius II. und Valentinians III. auf dem Revers mini|Insignien des Comes domesticorum equitum und des Comes domesticorum peditum und Schildzeichen der Hofarmee/Palatini (Westreich) mini|Insignien des Magister officiorum (Westreich) mini|Einheitsbezeichnungen und Schildzeichen der Truppen (Comitatenses) unter dem Kommando des Magister equitum (Westreich) mini|Einheitsbezeichnungen und Schildzeichen der Truppen des Magister militum per Orientem (Ostreich) mini|Einheitsbezeichnungen und Schildzeichen der Einheiten unter dem Kommando des Magister militum Praesentalis I (Ostreich) mini|Rückseite des keltischen Desborough-Mirror mit aufgeprägten Spiralsymbolen mini|Schildzeichen der Mauri Osismiaci (Westreich), die Darstellung eines mutmaßlich keltischen Motivs, das dem im 7. Jahrhundert entstandenen Yin-Yang-Symbol sehr ähnlich war mini|Präfekturen, Diözesen und Provinzen zur Zeit der Reichsteilung von 395 mini|Befehlshaber der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr. mini|Kommandostruktur der Ostarmee um ca. 395 n. Chr. laut der Notitia Dignitatum Orientis.Notitia Dignitatum, Oriens I: Liste der duces. mini|Kommandostruktur der Westarmee um ca. 410–425 n. Chr. laut der Notitia Dignitatum Occidentis.A. H. M. Jones 1964, S. 610. mini|Kapitelseite des Comes Britanniarum (Westreich) mini|Kapitelseite des Comes Africae (Westreich) mini|Kapitelseite des Comes per Isauriam (Ostreich) mini|Kapitelseite des Dux Foenicis, siehe auch Vadomar (Ostreich) mini|Insignien des Comes largitionum (Ostreich) mini|Insignien des Praefectus praetorio per Illyricum (Ostreich) mini|Kapitelseite des Vicarius Hispaniae (Westreich)
Die Notitia dignitatum ist ein spätrömisches Staatshandbuch, das in seiner heutigen Textgestalt vermutlich zwischen 425 und 433 entstanden ist. Allerdings ist anzunehmen, dass die Aufzeichnungen im Kern auf das Jahr 395 zurückgehen bzw. auf noch ältere Quellen zurückgreifen. Der Text gewährt einen Überblick über die administrative Gliederung des spätantiken Römischen Reiches, die militärischen und zivilen Dienststellen sowie die Verteilung der Einheiten des Heeres in der West- und Osthälfte des Reiches. Überliefert wurde sie durch eine frühmittelalterliche Handschrift. Die Notitia enthält jedoch sehr viele nachweisbar veraltete bzw. ungenaue Angaben.Dietz 1979, S. 127 Sowohl die Überlieferungsgeschichte als auch die in diesem Werk deutlich zur Schau gestellte Einheit des Imperiums zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die römische Welt bereits mitten im Umbruch befand, machen die Notitia Dignitatum zu einer diffizilen Quelle für die Verwaltung sowie die Truppenverteilung in beiden Reichshälften. Mit aller gebotenen Vorsicht gewährt sie dennoch einen detaillierten Einblick in die Administration des spätantiken Reiches.»Verzeichnis aller Ämter der zivilen wie auch der militärischen«. Die Notitia Dignitatum als Quelle für die spätantike Verwaltungs- und Militärgeschichte. Rom im Umbruch. Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, Nr. 3/20, 2020, S. 8–9.
Überlieferungsgeschichte Die Notitia dignitatum wurde, zusammen mit elf weiteren spätantiken Dokumenten, in einer karolingischen Handschrift der Bibliothek des Speyerer Domstifts überliefert. Dieser sogenannte Codex Spirensis aus dem 9. oder 10. Jahrhundert war ein Sammelband mit Abschriften von rund einem Dutzend antiken und zwei frühmittelalterlichen Werken zur Geographie, Verkehrs- und Verwaltungsgeschichte. Mehrere davon enthielten Miniaturen, die auf spätantike Illustrationen zurückgingen. Die beiden umfangreichsten Werke waren:
die Notitia dignitatum, und das Itinerarium Antonini, ein Straßenverzeichnis aus der Zeit Kaiser Caracallas.
Der Codex Spirensis wurde zunächst während des Konzils von Basel (1431–1437) von italienischen Humanisten entdeckt, geriet danach aber wieder in Vergessenheit, bis ihn Beatus Rhenanus um 1525 in der Dombibliothek wiederfand. Der Codex befand sich im Juni 1550 noch in Speyer. Seit 1566 ist er nicht mehr nachweisbar und die Notitia ist nur mehr in mehreren illustrierten Kopien der Speyrer Handschrift überliefert. Diese heute noch vorhandenen Abschriften sollen alle auf den karolingischen Pergamentcodex zurückgehen. Diese vier Abschriften befinden sich heute in:
Oxford (Bodleian Library, Ms. Canon. Misc. lat. 378), entstanden um 1440; Paris (Bibliothèque nationale de France, lat. 9661), entstanden etwa zur selben Zeit; Trient (Biblioteca Comunale, W 3103), entstanden um 1484 (ohne Abbildungen) und München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm 10291), um 1542 für Pfalzgraf Ottheinrich angefertigt.
Die Besonderheit der Münchner Handschrift liegt darin, dass am Ende der Notitia Dignitatum ein zweites Set Abbildungen angefügt worden ist. Die in der Originalabschrift der Notitia erhaltenen Abbildungen waren dem Auftraggeber nicht nahe genug an der frühmittelalterlichen Buchmalerei des karolingischen Codex, so dass er ein zweites Set der Illustrationen in Auftrag gab – mit der Auflage, die Abbildungen möglichst detailgetreu wiederzugeben. Die maßgebliche Ausgabe der Notitia dignitatum wurde 1876 von Otto Seeck publiziert.»Verzeichnis aller Ämter der zivilen wie auch der militärischen«. Die Notitia Dignitatum als Quelle für die spätantike Verwaltungs- und Militärgeschichte. Rom im Umbruch. Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, Nr. 3/20, 2020, S. 8–9.
Bezeichnung Der Name leitet sich aus dem Textanfang des Dokumentes ab: Notitia dignitatum continet omnium tam civilium quam militarium dignitatum utriusque imperii occidentis orientisque („Aufzeichnung der Würdenträger, enthält alle Würdenträger, sowohl die zivilen als auch die militärischen, des westlichen und des östlichen Reiches“).
Die vielgliedrige Struktur des spätrömischen Heeres spiegelte sich auch in den Einheitsbezeichnungen wider. Die klassischen Legionen führten ihre Beinamen teilweise weiter, hinzu kamen noch – meist unter den Tetrarchen Diokletian und Maximian – neu aufgestellte Legionen. Ein Teil von ihnen wurden nach
altrömischen Göttern (Herculii, Martii, Solenses, Dianenses, Minervii), Kaiserdynastien (Constantiani, Jovii, Valentiniani, Theodosiani), germanischen oder asiatischen Stammesformationen (Alamanni, Batavi, Franci; Brisigavi, Persae, Transtigrani), Ethnien (Gentiles, Alpini, Dalmatae), Ausrüstung (Lancearii, Sagittarii, Funditores, Balistari, Clibanari, Cornutti, Cetrati, Scutari, Tubantes, Dromedarii), oder Spezialkräften bzw. deren Eigenschaften (Exploratores, Defensores, Victores, Vindices, Tonantes, Feroces, Musculari) benannt.
In der Notitia Dignitatum stößt man weiters auf Statusnamen (equites promoti seniores), Tiernamen (leones iuniores) und geographische Begriffe (thebaei). Man nutzte auch die für eine bestimmte Ethnie typiasche Kampfesweise zur Benennung von Einheiten. Die mauri stellten immer die leichte Reiterei, da dies offensichtlich seit jeher eine Spezialität dieses nordafrikanischen Volkes war. In der Notitia Dignitatum werden auch Spezialeinheiten genannt und führen daneben ein Ethnonym, das auf deren militärische Tradition hinweist. Dazu gehören etwa dalmatinische und batavische Reiter oder nervische, tungrische und parthische Bogenschützen.Etwa der Equites octavo Dalmatae, die Equites Batavi seniores, die Equites sagittarii Parthi seniores oder die Sagittarii Tungri. Not. Dig. Oc. VII 174, 167, 41, 186. Diese den verschiedenen Völkern zugeschriebenen Fähigkeiten scheinen allgemein bekannt gewesen zu sein, dass man eine Einheit auch einfach „Bataver“ oder „Dalmater“ benennen konnte und jedem Kundigen sofort klar sein musste, dass es sich um Kavallerieeinheiten handelte.Andreas Popescu: Die Franken und das Römische Militär : Identität in Gallien und dem Rheinland in der Spätantike. Dissertation, Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Bonn, 2017, S. 17 und 33. PDF
Entstehung In der Forschung umstritten sind Entstehungsumstände und Zweck der Notitia dignitatum. Man ist sich weitgehend nur darin einig, dass ihr Ost-Teil in der heute noch existierenden Fassung wohl zwischen den Jahren 394–396 (etwa die Zeit des Todes von Kaiser Theodosius I.) entstand. Da das Reich bereits geteilt administriert wird, darf von einer Aufstellung nach 395 n. Chr. ausgegangen werden. Die Namen der Militäreinheiten deuten zudem deutlich auf eine Abfassung der pars Oriens unter Theodosius I. (379–394) hin. Zwei nach Theodosius und seinen Nachfolger im Osten, Arcadius (395–408) benannte Reitereinheiten in Ägypten (die ala Theodosiana und die ala Arcadiana), werden als erst kürzlich ausgehoben angeführt und auch die in der Notitia bereits genannte ägyptische Provinz Arcadia wurde erst kurz vor 398 n. Chr. eingerichtet. Der Vergleich der in der Notitia genannten administrativen Details und Ränge der hohen Würdenträger spricht eventuell sogar für eine Datierung der pars Oriens in das Jahr 401 n. Chr. Dies kann bislang jedoch nicht zweifelsfrei bestätigt werden, weshalb eine Datierung des Ostteils für die Zeit um das Jahr 400 n. Chr. angenommen werden kann.»Verzeichnis aller Ämter der zivilen wie auch der militärischen«. Die Notitia Dignitatum als Quelle für die spätantike Verwaltungs- und Militärgeschichte. Rom im Umbruch. Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, Nr. 3/20, 2020, S. 9–10. Die östliche Notitia hat dann wahrscheinlich als Modell für die Abfassung ihres westlichen Teils gedient. Die späteren Ergänzungen für die Westhälfte des Reiches datieren bis in die Jahre zwischen 420 und 430, wobei diese nicht einheitlich und vollständig sind. Anscheinend wurde versucht, so die West-Notitia zu aktualisieren, was aber offenbar nur unvollständig gelang. Die Truppenliste West gibt daher unterschiedliche Zustände bezüglich der Armee wieder, wie sie zu verschiedenen Zeiten Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts, nach den Militärreformen von Diokletian (285–305) und Konstantin I. (306–337). bestanden haben könnten. Dieses Dokument (die früheste vollständig illustrierte Kopie der verlorenen Originaldaten stammt aus dem Jahr 1542) ist aber unvollständig und stellenweise auch sehr schwer zu interpretieren. Die im Mittelalter kopierte Version stammt ursprünglich wohl aus Westrom, da die Osthälfte offensichtlich nicht überarbeitet worden ist. Nachweislich sind in der Notitia noch Garnisonseinheiten und Lager aufgelistet, die zur Jahrhundertwende nicht mehr existiert haben. Auf der anderen Seite wurden wiederum Kastelle, die im späten 4. Jahrhundert noch mit regulären Truppen besetzt waren, nicht angeführt. Einige der Ortsnamen konnten auch archäologisch nicht nachgewiesen werden.Pat Southern 2006, S. 255.
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