mini|Bericht über den Luftschutz, 1940
Die Liste von Bunkeranlagen in Bochum dokumentiert vorhandene und abgegangene Bunkeranlagen in Bochum und der eingemeindeten Stadt Wattenscheid aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges.
Geschichte
Erste Bunkeranlagen entstanden schon ab 1928, insbesondere ab 1933 beim Bochumer Verein.
Die systematische Errichtung von Luftschutzbunkern begann nach dem 10. Oktober 1940 auf einen Sondererlass Hitlers hin. Insbesondere wurden Hochbunker und Tiefbunker, Luftschutzstollen und Luftschutzräume gebaut. Die schweren, flächendeckenden Bombenangriffe begannen im Mai 1943. Unter diesem Druck waren auch einzelne Produktionsbereiche der Rüstungsindustrie unterirdisch angelegt worden. Der schwerste Bombenangriff in der Geschichte der Stadt Bochum während des Krieges erfolgte am 4. November 1944, als 10.000 Sprengbomben und über 130.000 Brandbomben die Stadt binnen einer Stunde trafen. Es starben als Folge dieser Bombennacht 1.300 Menschen. Insgesamt fielen auf Bochum 550.000 Bomben, die über 4.000 Menschen töteten.
mini|Selbstbau von Luftschutz-Stollen In Bochum (wahrscheinlich auch für Wattenscheid) waren nur für einen Teil der Bevölkerung relativ bombensichere, stabile Schutzräume fertiggestellt. Die Mehrzahl musste splitterschutzsichere Luftschutzkeller, Selbsthilfestollen oder andere Schutzwerke, wie Deckungsgräben, aufsuchen. Eine Liste der Stadt Bochum führt für das alte Stadtgebiet (also ohne Wattenscheid) folgende Bauwerke auf:Stadtarchiv Bochum, BO 12/00024 Art der LuftschutzräumeAnzahlFassungsvermögen Tunnel/Hochbunker 10 35.000 Tiefbunker 5 6.250 Stollen 21 5.320 Krankenhausstollen 4 4.100 Alte Bergstollen 4 5.100 Stollen von Zechen usw. 370 24.000 Selbsthilfestollen 1.093 75.522 Luftschutzkeller 10.070 131.840 Splitterschutz und Deckungsgräben 62 4.510 Öffentliche Luftschutz-Räume alter Art 81 3.983 Erweiterte Selbstschutz in Schulen / öffentlichen Gebäuden 144 25.210 Selbsthilfe Deckungsgräben 140 5.537 Im Verwaltungsbericht 1938–1948 der Stadt Bochum finde sich eine Auflistung von 17 Hoch- und Tiefbunker aus Bochum (siehe Liste unten), sowie fünf weiter aus Hattingen. Für diese Bunkerbauten wurden 37.578 Tonnen Zement, 4.755 Tonnen Rundeisen, 185.293 Tonnen Kies und Sand sowie 350.000 Stück Ziegelstein verbaut. Dazu waren die Transportleistung von 326.200 LKW Stunden notwendig bei über 60 LKWs. Von 1940 bis 1942 betrug die Beschäftigtenzahl im Bunkerbau in der Mitte 500 Man. mini|Eintrag in die Gewerbeauflistung, Adressbuch von Bochum 1950
Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg Die Hoch- und Tiefbunker sind aufgrund ihrer soliden Bauweise kaum abreißbar. Nach dem Krieg fanden sie teilweise eine andere Nutzung. Der Hochbunker an der Baarestraße und der Tiefbunker am Imbuschplatz dienten als Unterkünfte für Ausgebombte und Flüchtlinge, und waren bis wenigstens 1952 als solche genutzt. Im Bunker Baarestraße wurden 1952 55 Familien mit 87 Personen und im Bunker Imbuschplatz 18 Familien mit 31 Personen im Verwaltungsbericht erwähnt.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1948–1952, S. 101
Der Tiefbunker am Westfalenplatz diente eine Zeit lang als Hotel, wobei die Ruhe angepriesen wurde. Der Hochbunker am Springerplatz wurde schon früh mit Fenster versehen, und war als Leihamt, Notschlafstätte, Kunstort und inzwischen als private Fachschule im Einsatz. Die neueste Veränderung war die Umwandlung des Bunkers an der Baarestraße zu einem Veranstaltungsort des Bochumer Künstlerbundes.
Ab Oktober 1947 begann man den Umbau von Luftschutz-Deckungsgräben zu Behelfswohnungen, um dringend benötigten Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen. Durch das Einsetzen von Zwischenwänden ließen sich, je nach Größe 1 bis 2 Drei-Zimmer-Wohnungen herrichten.
Eine Anzahl der errichteten Stollen wurden in Verkennung der damit verbundenen Gefahren in unmittelbarer Nähe oder gar unter Wohnbebauung oder gewerblichen Gebäuden errichtet. Durch die unterlassene Wartung brachen etliche ein und verursachten Schäden an Gebäuden. Gerade bei Stollen, die mit öffentlich geförderten Mitteln errichtet wurden, stellte sich hier nun auch die schwierige Frage der Haftung.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1938–1948, S. 143
Zeit des Kalten Krieges
In der Zeit des Kalten Kriegs wurden verschiedene öffentliche Gebäude Bochums so ausgestattet, um einen Teil der Bevölkerung vor ABC-Waffen schützen zu können. Beispiele sind einige Parkhäuser in der Innenstadt aus den 1960er Jahren und ein Keller im Gebäude NA der Ruhr-Universität Bochum aus den 1960er Jahren. Auch hier würde im Falle eines Krieges nur für einen geringen Teil der Bochumer Bevölkerung Schutz zur Verfügung stehen.
Liste
Zeit des Nationalsozialismus
Bezeichnung Ortsteil Bemerkungen Abbildung Hochbunker Bahnhofstraße, auch als Hochbunker Wibbeltstraße geführtHochbunker Wibbeltstraße Westenfeld Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. Der Bunker steht zum Verkauf. 200x200px|zentriert| Hochbunker Am Pumpwerk (früher: Alter Marktplatz) Dahlhausen Bauzeit vom 8. Dezember 1940 bis 17. November 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.200 m³ und Betonarbeiten 3.744 m³.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1938–1948, S. 118 Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert|Bochum-Dahlhausen Hochbunker Baarestraße Stahlhausen Bauzeit vom 20. Januar 1941 bis 25. November 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.160 m³ und Betonarbeiten 5.211 m³. Der Bunker hatte in der Mitte des Bunkers eine Durchfahrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten das Gebäude als Unterkünfte für Ausgebombte und Flüchtlinge für bis zu 55 Familien mit 87 Personen (1952). Das Gebäude wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. Inzwischen ist es nach einem Umbau ein Veranstaltungsort des bochumer künstlerbundes.Eintrag bei den Bochum-Fonds 200x200px|zentriert|Baarestraße Hochbunker Bismarckplatz Wattenscheid Der Bunker wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. 200x200px|zentriert| Hochbunker Boltestraße Werne Bauzeit vom 27. Dezember 1940 bis 30. Juni 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.445 m³ und Betonarbeiten 5.901 m³. Am 4. August 1944 detonierte eine 1-Tonnen-Bombe an der Tür zur Marktseite. Mehrere Menschen starben, weitere wurden verletzt.https://www.der-bunker.org/das-gebaeude/ Bis 1955 diente das Bauwerk als behelfsmäßiges Jugendwohnheim für junge Arbeiter.Bochumer Jahresschau 1955, Filmbericht über die Arbeit des Rates und der Verwaltung Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert Hochbunker GertrudisplatzHochbunker Gertrudisplatz Wattenscheid Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig mit weißen Vögeln bemalt. 200x200px|zentriert|Friedrich-Ebert-Straße Hochbunker Günnigfelder Straße 82 Günnigfeld Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) mit einem „Fachwerk“ farbig bemalt. Teilweise wird dies fälschlich als Tarnbemalung interpretiert. 200x200px|zentriert|Günnigfelder Straße Hochbunker Hammer Straße Wattenscheid Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) im griechischen Stil, Kunstwerkname „Akropolis“ farbig bemalt. 200x200px|zentriert| Hochbunker Hans-Sachs-StraßeHochbunker Hans-Sachs-Straße Gerthe Bauzeit vom 5. Juli 1941 bis 23. Dezember 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.300 m³ und Betonarbeiten 5.765 m³. Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert|Gerthe Hochbunker Langenstuken Langendreer Bauzeit vom 12. Dezember 1940 bis 29. Juli 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.250 m³ und Betonarbeiten 3.640 m³. 200x200px|zentriert|Langenstuken Hochbunker Marienstraße, Ecke Pohlbörgerstraße Wattenscheid Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert|Marienstraße Hochbunker Moltkemarkt (heute: Springerplatz), umgebaut zum Zentralmassiv Springerplatz Griesenbruch Bauzeit vom 28. Dezember 1940 bis 6. September 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 2.380 m³ und Betonarbeiten 6.260 m³. Hier befand sich nach dem Krieg zuerst das städtische Leihamt. Später gab es hier eine Obdachlosenschlafstätte, danach den Veranstaltungsort Bastion. 200x200px|zentriert|Springerplatz Hochbunker Wiemelhauser Straße (heute: Universitätsstraße 60) Wiemelhausen Bauzeit vom 19. Mai 1941 bis 22. Juni 1942. Ausgeführte Erdarbeiten 2.150 m³ und Betonarbeiten 4.770 m³. Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. Der denkmalgeschützte Bunker wurde entkernt und dient nun als Sockel des Exzenterhaus. 200x200px|zentriert|Universitätsstraße Hochbunker Haldenstraße, Ecke Zechenstraßehttps://www.bochumer-bunker.de/html/haldenstr_.html Innenstadt Bauzeit vom 29. August 1941 bis 28. März 1944 [sic]. Ausgeführte Erdarbeiten 2.400 m³ und Betonarbeiten 9.900 m³. Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert Hochbunker Gahlensche Straße (an der Ecke Wattenscheider Straße, Ecke Jütenstraße) Hamme Bauzeit vom 24. April 1941 bis 18. April 1942. Ausgeführte Erdarbeiten 2.300 m³ und Betonarbeiten 4.770 m³. Bei einem Angriff drängten sich die Schutzsuchenden in den Bunker. Schleusen- und Drucktüre waren bei dem Einschlag noch nicht geschlossen. Sowohl vor als auch innerhalb des Bunkers kamen über 300 Menschen ums Leben. Noch heute erkennt man die Schäden am Eingangsbereich. Der Bunker wurde im Rahmen der Aktion Schöneres Bochum (1974–1979) farbig bemalt. 200x200px|zentriert|Jütenstraße Tiefbunker Amtsplatz Hamme Bauzeit vom 22. November 1940 bis 2. April 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 5.755 m³ und Betonarbeiten 3.189 m³. Links auf dem Bild ist die Revisionsabdeckung über den ehemaligen nordwestlichen Eingang zu sehen 200x200px|zentriert Tiefbunker Platz der S.A. (heute: Imbuschplatz) Innenstadt Bauzeit vom 13. Dezember 1940 bis 24. Juli 1941. Ausgeführte Erdarbeiten 5.700 m³ und Betonarbeiten 3.185 m³. Der Bunker ist unter der westlichen Hälfte des damaligen Platzes der S.A. errichtete worden.