mini|Blick von Süden über Teile von Ellwangen Ellwangen (Jagst) ist eine Stadt im Osten Baden-Württembergs, etwa 17 Kilometer nördlich von Aalen. Sie ist mit rund 25.000 Einwohnern (Stand Dezember 2024) nach Aalen und Schwäbisch Gmünd die drittgrößte Stadt des Ostalbkreises und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Sie gehört zur Region Ostwürttemberg.
Seit dem 1. Februar 1972 ist Ellwangen eine Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Adelmannsfelden, Ellenberg, Jagstzell, Neuler, Rainau, Rosenberg und Wört besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
Die Stadt war von 1803 bis 1806 Sitz der Regierung von Neuwürttemberg. Von 1812 bis 1817 bestand die Katholische Landesuniversität Ellwangen. Sehenswert sind die spätromanische Basilika St. Vitus, das weitläufige Schloss ob Ellwangen und die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg.
Geographie Geographische Lage mini|hochkant|Luftbild aus nördlicher Richtung Ellwangen liegt am Oberlauf der Jagst. Der hier etwa zehn Meter breite Fluss durchfließt das Territorium der Stadt in nordnordwestlicher Richtung. Von Rainau kommend, erreicht er das Stadtgebiet im Südwesten und ändert seine Fließrichtung zwischen den zur Stadt gehörenden Dörfern Schrezheim und Rotenbach für einen Kilometer nach Ostnordosten; ab hier liegt die Kernstadt an seinem rechten Ufer. Er wendet sich auf Höhe der Stadtmitte wieder in Richtung Nordnordwest und fließt danach weiter durch den Stadtteil Rindelbach in Richtung Jagstzell. Das Stadtgebiet, dessen größter Teil östlich der Jagst liegt, erstreckt sich über eine Fläche von 127,43 km² und hat Anteil an den Naturräumen Östliches Albvorland und Schwäbisch-Fränkische Waldberge, die beide zum Schwäbischen Keuper-Lias-Land gehören, sowie am Mittelfränkischen Becken, einem Teilraum des Fränkischen Keuper-Lias-Landes.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009. Die Landschaftsgrenze vom Keupergebiet der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge zum Albvorland verläuft nahe am östlichen und südöstlichen Rand der Kernstadt. Der Bereich der Kernstadt erreicht im Osten auf den Anhöhen des Schlossbergs und des Schönenbergs noch die Hochfläche des Lias.
Nachbargemeinden Die folgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Ellwangen (alle Ostalbkreis). Jagstzell Ellenberg Stödtlen Rosenberg 100px|zentriert TannhausenUnterschneidheim Neuler Rainau Westhausen
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Ellwangens besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten vier Gemeinden Pfahlheim, Rindelbach, Röhlingen und Schrezheim mit ihren jeweils zugehörigen Ortsteilen und Weilern. Diese vier Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung; das heißt, sie haben je einen von der Bevölkerung der Ortschaft bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher an der Spitze.
Zur Kernstadt und zu den Stadtteilen gehören eine Vielzahl meist räumlich getrennter Wohnplätze oder Ortsteile mit eigenen Namen. Diese haben oft eine lange eigenständige Geschichte. In der Kernstadt unterscheidet man darüber hinaus Wohngebiete, die im Zuge ihrer Bebauung einen eigenen Namen bekamen, doch sind die Grenzen hierbei oftmals nicht genau festgelegt.
Zur Kernstadt gehören Braune Hardt, Schloss ob Ellwangen und Schönenberg Zu Pfahlheim gehören: Beersbach, Buchhausen, Halheim, Hammermühle, Hardt, Hirlbach, Hochgreut, Hofstetten, Pfeifhäusle und Sonnenhof Zu Rindelbach gehören Borsthof, Eigenzell, Gehrensägmühle, Holbach, Kalkhöfe, Kellerhaus, Rabenhof, Rattstadt, Rotkreuz, Scheuensägmühle, Schönau, Schönenberg, Stocken, Stockensägmühle und Treppelmühle Zu Röhlingen gehören: Dettenroden, Elberschwenden, Erpfental, Haisterhofen, Killingen, Neunheim, Neunstadt, Rötlen, Schafhof, Steigberg, Süßhof und Wagnershof Zu Schrezheim gehören Altmannsrot, Altmannsweiler, Bahnmühle, Eggenrot, Engelhardsweiler, Espachweiler, Glassägmühle, Griesweiler (früher Klapperschenkel), Hinterlengenberg, Hintersteinbühl, Lindenhäusle, Lindenhof, Lindenkeller, Ölmühle, Rotenbach, Schleifhäusle und Vorderlengenberg
Raumplanung Ellwangen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Ostwürttemberg. Zum Mittelbereich Ellwangen gehören neben der Stadt Ellwangen selbst zehn Gemeinden im Norden des Ostalbkreises, Adelmannsfelden, Ellenberg, Jagstzell, Neuler, Rainau, Rosenberg, Stödtlen, Tannhausen, Unterschneidheim und Wört.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ellwangen.
Geologie Im Norden und Westen des Gemeindegebiets ist der Stubensandstein des Mittleren Keuper prägend. Sandsteinbänke mit wechselnden Mergeleinschaltungen führen zu engräumigem Bodenwechsel, der für die Schwäbisch-Fränkischen Waldberge typisch ist.Geologisches Landesamt Baden-Württemberg: Bodenübersichtskarte von Baden-Württemberg, Titelblatt von Tätigkeitsbericht 1990–1992, Freiburg i. Br. 1993, . Ellwangen liegt am südlichen Rand dieses Waldgebietes an der Landschaftsgrenze zwischen Keupergebiet und Albvorland.
Zwischen der Kernstadt Ellwangen und dem wenig südöstlich gelegenen Stadtteil Neunheim befindet sich eine der für den süddeutschen Raum typischen Schichtstufen. Stufenbildend ist hier der Schwarze Jura (anderer Name: Lias); der leicht verwitternde Knollenmergel darunter lässt steile Hänge entstehen. Wenige Meter über dem Niveau der Jagst liegt der Ellwanger Bahnhof in der Kernstadt auf 433 m, der Schönenberg – ebenso wie der wenig niedrigere Schlossberg ein Vorsprung der Lias-Hochebene – auf Meter.
Weiter östlich liegen die Stadtteile Röhlingen und Pfahlheim auf der Schwarzjura-Hochfläche. Hier überwiegen Pelosol-Braunerden und Pelosole aus Tonmergelgesteinen.Geologisches Landesamt in Baden-Württemberg: Geologische Übersichtskarte von Baden-Württemberg. Maßstab 1:200.000, 4. Aufl. 1962 (unveränd. Nachdruck der 2. Aufl. aus dem Jahr 1935).
Diese Lias-Hochebene fällt mit einem für die hiesige Schichtstufenlandschaft typischen Gefälle von 1 % von den Anhöhen am Schönenberg und Schlossberg nach Südosten ab. Sie ist eine alte danubische Flachlandschaft mit nur geringen Höhenunterschieden. Vom Jagsttal aus fällt der geologische Wechsel zur Hochfläche kaum auf, weil das Flusstal das Landschaftsbild dominiert. Die beträchtlichen Höhenunterschiede waren ein großes Hindernis für den Straßenbau und für die Anfang des 20. Jahrhunderts geplante, aber dann nie gebaute Bahnverbindung nach Pfahlheim.
Besonders auf den fruchtbaren und deshalb waldarmen Böden der Liashochebene wird intensiv Ackerbau betrieben. Dagegen sind die Böden in den Keuperbergen des Virngrunds nährstoffarm und werden deshalb überwiegend forstwirtschaftlich genutzt.
Klima Die Werte der Wetterstation Ellwangen (439 m) sind typisch für den gesamten Naturraum Schwäbisch-Fränkischer Wald. Das Klima hat deutlich subkontinentalen Charakter mit relativ geringen Niederschlägen und hohen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Die mittlere Monatstemperatur beträgt hier im Januar −1,2 °C, im Juli 16,9 °C. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,7 °C. In den Keuperwaldbergen des Ellwanger Gemeindegebietes herrscht an etwa 140–160 Tage im Jahr eine Tagesmitteltemperatur von mindestens 10 °C. Spätfröste sind im Virngrund gewöhnlich und teilweise heftig. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in den Keuperwaldbergen schwankt je nach Teilraum. In den niedrigeren Lagen beträgt sie etwa 750–900 Millimeter.
Geschichte Frühgeschichte Während der Kelten- und Römerzeit war das Gebiet der heutigen Gemeinde Ellwangen vermutlich nur schwach besiedelt. Der Limes, die Nordgrenze des Römischen Reiches, verlief nur wenige Kilometer südlich der Kernstadt. Ursprünglich wurde der Limes im zweiten Jahrhundert als Palisadenzaun errichtet, wenig später durch eine Steinmauer ersetzt. Der Palisadenzaun verlief mitten durch den (nach ihm benannten) heutigen Ortsteil Pfahlheim. In der Nähe von Pfahlheim findet man heute bei Halheim noch die Überreste eines römischen Kastells, dessen Kontur durch Bepflanzung sichtbar gemacht wurde.
Die zweite Spur menschlicher Niederlassungen stammt aus dem fünften Jahrhundert. Damals wurde das Alamannendorf Pfahlheim gegründet, dessen Überreste noch heute in Form von Gräberfeldern zu erkennen sind. Im siebten Jahrhundert wurde auch im Tal der Jagst eine Alamannensiedlung gegründet. Diese erhielt den Namen des abschüssigen Wiesenhanges, auf dem sie sich befand (siehe -wang), und wurde als „Siedlung beim Weideland des Alaho“ benannt. Etwas später wurde das Kloster Ellwangen gegründet und damit der Virngrund dauerhaft besiedelt.Die Anfänge von Siedlung und Kloster Ellwangen, Stadt Ellwangen.
Städtische Geschichte Kloster Ellwangen mini|Die Stiftskirche des Klosters und heutige Basilika St. Vitus
Ellwangen entstand im 7. Jahrhundert als eine alamannische Siedlung am Stelzenbach. Im Grenzwald Virgunna zwischen Franken und Schwaben gründeten Hariolf und Erlolf (Bischof der französischen Stadt Langres) im Jahr 764 (750?) auf einem Hügel neben der Ansiedlung ein Benediktinerkloster. Die beiden Brüder entstammten einer bairisch-alamannischen Adelsfamilie. Diese war an einer Vielzahl von Klosterneugründungen im heutigen süddeutschen Raum beteiligt, so z. B. in Murrhardt, Schäftlarn und Neumünster. Allerdings musste die Familie wenige Jahre nach der Gründung ihr Kloster Ellwangen dem fränkischen König Karl dem Großen übertragen. Somit wurde das Ellwanger Kloster Königskloster. Erstmals erwähnt wurde das Kloster bereits am 8. April 814 in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (Elehenuuang). Seit 817 gehörte das Kloster zu den Reichsabteien. Aufgrund dieser Rechtsstellung begann das Kloster rasch zu wachsen und zählte schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts weit über 100 Mönche. Die wirtschaftliche Entwicklung konnte damit zunächst nicht Schritt halten, insbesondere weil die Stiftungen urbaren Landes in der Region während der Gründungsphase des Klosters Ellwangens immer noch mehrheitlich an das Kloster Fulda gingen.Winfried Böhne: Zur frühmittelalterlichen Geschichte Ellwangens nach Fuldaer Quellen. In: Ellwangen 764–1964. Schwabenverlag Ellwangen, 1964, S. 73–106.
Der als Slawenapostel bekannte Byzantiner/Grieche Method von Saloniki soll aufgrund einer Verschwörung der bayerischen Bischöfe etwa zweieinhalb Jahre (870–873) im Kloster-Gefängnis inhaftiert gewesen sein. Für Ellwangen als Haftort sprechen unter anderem der Hinweis der Vita Methodii, wonach Method nach Schwaben verbannt wurde, und die Verwicklung des ehemaligen Ellwanger Abt-Stellvertreters Bischof Ermenrich von Passau in die Affäre. Method wurde 873 nach Intervention von Papst Johannes VIII. freigelassen.Franz Grivec: Der heilige Methodius in Ellwangen. In: Ellwangen 764–1964. Schwabenverlag Ellwangen, 1964, S. 153–159.
Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Wohnbereich der zum Kloster gehörenden Laien die Stadt, deren Bewohner jedoch unter der Oberhoheit des Abtes standen. Das Kloster wurde spätestens ab 1124 exemt, das heißt, es unterstand direkt dem Papst. Seine Äbte waren ab 1215 Reichsfürsten. Als Vögte sind um 1337 die Grafen von Oettingen nachgewiesen, denen der Abt 1381 dieses Amt abkaufte.Eugen Weis: Bürger zu Ellwangen unter Abt und Propst. In: Ellwangen 764–1964, Schwabenverlag Ellwangen, 1964, S. 168–178.
Der Abt vergab die städtischen Ämter jeweils für ein Jahr gegen eine Gebühr. Dies betraf sowohl den Stadtschultheißen als auch die Mitglieder des Gerichts, die zugleich den Rat bildeten. Selbst das Hirtenamt und das Amt des Bannwarts wurden auf diese Weise besetzt. mini|Fürstpröpstliche Residenz Schloss ob Ellwangen, Ansicht von 1627
Fürstpropstei Ellwangen