mini|Ziehbrunnen im Hof des Klosters Wald mini|Bäuerlicher Hausbrunnen mit Quellspeisung (Naturstudie)
Brunnen sind von Menschen gemachte Bauwerke z. B. zur Wassergewinnung aus Grundwasserleitern oder auch Quell-Fassungen (-> Brunnenstube), aber auch Tröge, in denen Quell- oder einem Fließgewässer abgeleitetes Wasser aufgefangen und gesammelt wird, um z. B. daran oder daraus zu trinken oder sich damit oder darin erfrischen zu können sowie früher auch zum (gemeinsamen) Wäsche-Waschen; daneben sind z. B. Springbrunnen usw. zur städtebaulichen Gestaltung und Aufwertung, auch zur Verbesserung des Stadtklimas (Kühlung) zu nennen.
Zur Förderung aus dem Grundwasser kommen verschiedene Pumpenarten zum Einsatz: früher Handpumpen, heute meist elektrische Tauch- und Saugpumpen; daneben, auch historisch, sind andere mechanische Einrichtungen wie Brunneneimer oder Wasserkünste zur Wasserförderung verbreitet.
Eine besondere Form sind artesische Brunnen, bei denen der Brunnen in einen gespannten Grundwasserleiter abgeteuft ist, sodass keine Einrichtungen zur Wasserförderung benötigt werden; dasselbe gilt für Quellfassungen, Wasserleitungen und andere Brunnen, die durch natürlichen oder künstlichen Wasserdruck in der Zuleitung gespeist sind.
Aufgrund ihrer Bedeutung für die menschliche Kultur sind Brunnen vielfältige Motive in der Überlieferung und in der Literatur.
Geschichte, Wortherkunft Trinkwasser ist die Voraussetzung für auch das menschliche Überleben – über die Menschheitsgeschichte wurden zeitweilige Lager und Siedlungen in der Nähe von Wasserstellen wie Quellen, Flüssen und Süßwasserseen errichtet.
Vom mesolithischen Wohnplatz Friesack in Brandenburg sind drei Gruben bekannt, die von Jägern und Sammlern zur Gewinnung von Trinkwasser angelegt wurden (Wasserlöcher). Auf diese Funktion deuten Schöpfgefäße aus einem Schildkrötenpanzer und aus Birkenrinde, die auf den Grubensohlen entdeckt worden sind.Bernhard Gramsch: Mesolithische Wasserlöcher in Brandenburg In: Harald Koschik (Hrsg.) Brunnen der Jungsteinzeit. Internationales Symposium in Erkelenz, 27. bis 29. Oktober 1997. Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland Heft 11, 1998, S. 17–23.
Im Mittelmeerraum sind Brunnen seit etwa 8000 v. Chr. nachgewiesen, wie in Atlit-Yam (Israel) oder Kissonerga-Mylouthkia und Shillourocambous auf Zypern, wo sie im massiven Sandstein abgeteuft wurden.Yosef Garfinkel, Ariel Vered, Ofer Bar-Yosef: The domestication of water: the Neolithic well at Sha'ar Hagolan, Jordan Valley, Israel. Antiquity, Sept. 2006. Aus dem präkeramischen Neolithikum (ca. 7000 v. Chr.) gibt es drei Brunnen in Atlit Yam (Israel). In Mitteleuropa sind Holzbrunnen seit der frühen Starčevo-Kultur (etwa 6000 v. Chr.) bekannt, von einem Fundplatz bei Slavonski Brod in Kroatien.Kornelija Minichreiter: Slavonski Brod: Galovo – deset godina arheoloških istraživanja (= ten years of archaeological excavations). Institut za arheologiju, Zagreb 2007.
Eine Reihe von Zeugnissen des Bandkeramischen Brunnenbaus belegt die Verbreitung dieser Art der Wasserversorgung seit der ersten bäuerlichen Besiedlung Mitteleuropas. Der früheste bandkeramische Brunnen ist in einer Siedlung der ältesten Bandkeramik von Mohelnice (Mähren) nachgewiesen. Von den Bohlen liegen Dendrodaten vor, die auf die Jahre 5540 bis 5460 v. Chr. hinweisen. Neben der ersten Phase des Brunnens von Plaußig werden Eythra zwei (im Tagebau Zwenkau),Ingo Campen: Zwei weitere Bandkeramische Brunnen aus dem Tagebau Zwenkau. In: Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen. 6, 1998/1999, S. 42–47. Brodau und Dresden-Cotta ins 53. vorchristliche Jahrhundert (zwischen 5300 und 5200 v. Chr.) datiert. Eine Ballung von datierten Brunnen gibt es um 5100 v. Chr., wie im Falle von Erkelenz-Kückhoven, Eythra 1 und dem Brunnen von Altscherbitz. Der 2007 entdeckte Brunnen von Niederröblingen (Landkreis Mansfeld-Südharz) fügt sich in diesen Brunnenhorizont der jüngeren Bandkeramik ein.Steinzeitlicher Brunnen entdeckt – Einen seltenen Fund machten Archäologen bei Niederröblingen in Sachsen-Anhalt: sie entdeckten einen über 7.000 Jahre alten Brunnen. auf: www.archaeologie-online.de, abgerufen am 14. Oktober 2022.
Europas tiefster steinzeitlicher Brunnen (über 15 m tief) (etwa 5100 v. Chr.) wurde bei Merzenich-Bürgewald entdeckt und im Block geborgen. auf: www.archaeologie-online.de, 8. Juli 2011. Aus der Schnurkeramik sind Brunnen mit einer Auskleidung aus Flechtwerk bekannt.
Die Wortherkunft im Deutschen ist mittelhochdeutsch brunne, althochdeutsch brunno, eigentlich „(Auf)wallender“, „Siedender“, dabei verwandt mit „brennen“.
Sprichwörter
Kategorien von Brunnen Grundsätzlich wird der Oberbegriff Brunnen im deutschen Sprachgebrauch für alle Arten von Bauwerken verwendet, welche an eine künstliche oder natürliche Wasserversorgung angeschlossen sind (bzw. bei stillgelegten Brunnen angeschlossen waren). Dabei werden die Arten von Brunnen je nach Betrachtungsweise nach der Art ihrer Errichtung (Brunnentyp) sowie in Konstruktion (Bauweise) und auch nach ihrer Funktion (Nutzung) unterschieden. Themenbezogen können Brunnen auch in symbolische Gruppen kategorisiert werden, wie nach Material, Motiv oder räumlicher Zuordnung. Eine Sonderform von Brunnen sind Wasserspiele – eine meist kombinierte Art von Springbrunnen, Wasserspeiern und Kaskaden, welche in ihrer Darstellung über die Definition eines Einzelbrunnens hinausgehen.
Unterscheidung nach Brunnenarten Die Brunnenarten unterscheiden sich bei dieser Betrachtung nach ihrer Art der Errichtung des Brunnens. Die Regeln dafür sind in Deutschland und Österreich in der jeweiligen Trinkwasserverordnung festgelegt und werden je nach Brunnentyp landesspezifisch unterschiedlich überwacht. Bezeichnet wird der Oberbegriff auch als Wasserfassung (Brunnenfassung). Hausbrunnen – werden meist auf Privatgrundstücken errichtet Beispiel: Heideborn Hausbrunnen in der Oberlausitz Bohrbrunnen – durch verrohrte oder unverrohrte Flachbohrung errichtet Quellfassung – künstlich angelegte Einfassung einer Wasserquelle, auch Brunnenstuben Ziehbrunnen – historischer Brunnentyp, bei dem mithilfe der Konstruktion Wasser an die Oberfläche befördert wird Rammbrunnen – meist in der Landwirtschaft verwendeter Typ (auch als Schlagbrunnen bezeichnet), Errichtung durch Schlagen eines Rohres in die wasserführende Bodenschicht
Unterscheidung nach Konstruktion (Bauweise) Artesischer Brunnen Bohrbrunnen, wie Zhuotong-Brunnen Brunnenhaus Gewebefilterbrunnen Heronsbrunnen Horizontalfilterbrunnen Laufbrunnen, wie Marktbrunnen Notbrunnen, z. B. Straßenbrunnen in Berlin Pferdeschwemme oder Wette (Schwemme) Sodbrunnen, wie meist bei Burgbrunnen Springbrunnen Zisternenbrunnen, wie Kump oder Stufenbrunnen
Unterscheidung nach Funktion (Nutzung) Burgbrunnen Dorfbrunnen Brunnen an Mineralquellen, auch Sauerbrunnen Reinigungsbrunnen, wie Şadırvan Schluckbrunnen Sperrbrunnen Trinkbrunnen/Trinkwasserspender Weide- und Pferdebrunnen/TränkeZierbrunnen oder Schmuckbrunnen alle Arten von: Springbrunnen, Fontänen, Wandbecken, Brunnenschalen und -becken, Wasserspeiern und Wasserwänden o. ä. (weiterführend auch Wasserspiele)
Unterscheidung nach Themenbezogen können Brunnen auch in symbolische Gruppen eingeordnet werden: Material: Art des Brunnenbaumaterials Motiv: Themen-Brunnen Standort: Brunnen-Listen Zuordnung nach Ort Zuordnung nach Staat
Brunnen zur Wassergewinnung und als Nutzbrunnen Ziehbrunnen Unter einem Tiefbrunnen (oder Ziehbrunnen) versteht man eine meist senkrechte, vom Menschen geschaffene Öffnung im Erdreich oder im Gestein, die entweder klein und verrohrt oder aber groß und durch die natürliche Festigkeit des Umgebungsmaterials erhalten sein kann (begehbare Brunnen). Im Norddeutschen nannte man gegrabene Brunnen früher auch Sodbrunnen oder lediglich SodJohann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. 1773 bis 1858, im Rheinland war der Begriff „Pütz“ (von franz. puits) gebräuchlich. Aus modernen engen Bohrungen wird das Wasser durch technische Hilfsmittel (Winde oder Pumpe, z. B. Schwengelpumpe) nach oben gefördert.
Ziehbrunnen sind seit dem frühen Neolithikum nachgewiesen (Zypern) als urtümliche Schächte, die im Erdreich durch Holzkonstruktionen (Holzkastenbrunnen) stabilisiert wurden. Solche Schöpfeinrichtungen dienen zur Erleichterung der Wasserbeschaffung, insbesondere beim Tränken von Viehherden. Bekanntes Beispiel sind die Brunnen der Puszta, die es so im gesamten Steppengürtel Eurasiens und anderswo gibt. Neben dem Einsatz der Hebelwirkung über den Schwingbaum, an dem Gegengewichte die Arbeit erleichtern, sind Räder, Seile und Zugtiere (Büffel, Esel, Kamele) im Einsatz. Dagegen sind die in Mitteleuropa gebräuchlichen Ziehvorrichtungen weniger effektiv: Dabei wurde ein Zugseil auf einem verhältnismäßig kleinen Rundholz aufgewickelt oder über eine Umlenkrolle gezogen, die an einem zweischläfrigen Galgen aufgehängt war („Galgenbrunnen“).
Der Gemeindeziehbrunnen war auf dem Flachlande vor der Gründung von Feuerwehren und dem Anlegen von Löschwasserteichen häufig eine der wenigen Möglichkeiten der Wasserentnahme für eine Brandbekämpfung. Am Brunnen mussten große Eimer mit Ziehkette vorgehalten werden.
Quellbrunnen
mini|Hochstrahlbrunnen in Wien (1873), direkt druckgespeist aus Gebirgsquellen
Quellfassungen sind oft unmittelbar oder in näherer Umgebung mit einem Brunnenbau erschlossen. Selbst wenn sie als Wasserschloss für die Einspeisung in die Druckleitung ausgebaut sind, kann das Überwasser noch einen Brunnen befüllen. Bei überdachtem Ausbau spricht man auch von einem Brunnenhaus.
Im weiteren Sinne quellgespeist sind auch die großen Wasserleitungsversorgungen der bergnahen Städte, die seit den antiken Hochkulturen über die römischen Fernleitungen mit ihren Aquädukten bis heute üblich sind. Eine der bedeutendsten solchen Anlagen, die noch in Betrieb sind, sind die Wiener Hochquellwasserleitungen.
Artesischer Brunnen Ein artesischer Brunnen ist ein Brunnen, aus dem Grundwasser durch Überdruck aufsteigt.
Qanate mini|Austritt eines Foggara-Kanals in einer Oase in Marokko Eine besondere Brunnenform stellen die vor allem im Iran, in Afghanistan und im westlichen Teil Pakistans verbreiteten Qanate dar, bei denen es sich um unterirdisch verlaufende horizontale Wassersammelstollen mit oft hunderten vertikalen Zugangsschächten handelt; sie dienen überwiegend der Bewässerung kilometerweit entfernter Felder. Qanate kann man in fast allen Ländern am Persischen Golf sowie in Afghanistan, Pakistan, Syrien, am Rande der Taklamakan und im gesamten Maghreb sowie auf den Kanarischen Inseln finden. Daher gibt es viele verschiedene Bezeichnungen für sie: Auf Persisch heißen sie Kariz bzw. Karez (). In Oman werden sie Faladsch genannt, im Maghreb lautet ihr Name Foggara, was so viel wie „unterirdischer Stollen“ bedeutet. In Marokko sind auch die Bezeichnungen Rhetara, Khettara oder Hattara gebräuchlich.
Stufenbrunnen mini|Stufenbrunnen Agrasen Ki Baoli, New Delhi Auf dem gesamten Indischen Subkontinent, vor allem in den Bundesstaaten Gujarat, Rajasthan und Uttar Pradesh, spielten Stufenbrunnen (vavs, baolis) eine große Rolle bei der öffentlichen Wasserversorgung. Streng genommen handelt es sich um eine Kombination eines Brunnens mit einer Zisterne: Ein runder Brunnenschacht wurde bis auf das Grundwasserniveau hinuntergeführt; eine seitliche Treppe, die in der Monsunzeit auf unterschiedlichen Niveaus von Regenwasser bedeckt war, führte zum Wasser hinunter, wodurch das Wasserholen erheblich erleichtert wurde (siehe auch Rani Ki Vav, Chand Baori).
Gezeitenbrunnen