Ein Bahnbetriebswerk, auch kurz Betriebswerk (abgekürzt Bw oder BW, abgekürzter Plural: Bw-en) im Zeitalter der Dampflokomotiven war für die Wartung der im Schienenverkehr eingesetzten Lokomotiven zuständig. Es hatte eine große Bedeutung für einen reibungslosen Betriebsablauf. Bahnbetriebswerke verfügten über eine Vielzahl von Anlagen, um diese Wartungsaufgaben erfüllen zu können. Die Bw benötigten deshalb viel Personal – sie stellten meistens einen der größten Arbeitgeber der Region dar. Wurden Lokomotiven in größerer Entfernung des Bahnbetriebswerkes eingesetzt, geschah dies in einem dem Betriebswerke angeschlossenen Lokbahnhof.
Die Geschichte und die heutige Bedeutung dieser Einrichtungen wird im Artikel Bahnbetriebswerk dargestellt.
miniatur|hochkant=1.1|Lokbehandlungsanlagen im Bahnbetriebswerk Ottbergen, 1976 miniatur|hochkant=1.1|Bahnbetriebswerk Tübingen (Mai 1970) miniatur|Lokomotivremise Bahnhof Stuttgart
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Aufgaben
Aufrüsten miniatur|Versorgung der Schmierstellen einer Dampflok
Bevor eine Dampflok auf die Strecke durfte, musste das Lokpersonal viele Vorbereitungsarbeiten durchführen. Zum festgelegten Dienstantritt meldete sich das Lokpersonal – Lokführer und Heizer – bei der Lokleitung des jeweiligen Betriebswerkes. Dort bekamen sie die Schlüssel zu ihrer Lokomotive, ein Reparaturbuch, einen Strecken- und Fahrplan sowie ein Verzeichnis der Langsamfahrstellen. Nach Erledigung aller Formalitäten gingen Lokführer und Heizer zu ihrer Dampflok, die entweder im Lokschuppen oder auf einem Freigleis abgestellt war. Nach der Besteigung des Führerstandes begann der Lokführer mit den wichtigsten Kontrollen: Reglerprüfung, Dichtigkeit der Ventile, Wasserstandsanzeigen und Bremstest. Der Heizer kontrollierte die Ausrüstung sowie die Brennstoffvorräte. Erst nach Durchführung dieser Kontrollen begann das Personal mit seiner eigentlichen Aufgabe.
Der Heizer begann mit dem Anheizen der Lok, dann fuhr die Dampflok zu einer Untersuchungsgrube. Während der Lokführer unter der Lok nach etwaigen Schäden suchte, musste der Heizer – ausgerüstet mit Ölkanne und Ölspritze – alle Schmierstellen der Lok versorgen (siehe Bild).
Waren alle Kontrollen durchgeführt und der Betriebsdruck des Kessels erreicht waren, konnte die Lok aus dem Lokschuppen fahren und sich auf die Drehscheibe begeben. Nach Freigabe der Gleise durch das Stellwerk trat die Lok offiziell ihren Dienst an und begab sich auf die Strecke.So funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 142–148.Beruf Lokführer, S. 57–71.
Abrüsten miniatur|Ein Ringlokschuppen
Auf den letzten Kilometern bis zum Endbahnhof begann der Heizer bereits mit dem Abrüsten, indem er das Feuer je nach Streckenerfordernis langsam herunterbrennen ließ. Nach Ankunft des Zuges an der Endstation bzw. dem planmäßigen Ende des Lok-Laufweges stellte der Heizer bei Personenzügen fallweise die Dampfheizung ab und die Lokomotive wurde vom Zug abgekuppelt und fuhr zum Betriebswerk. Dort wurden zuerst in der Bekohlungsanlage die Kohlevorräte aufgefüllt. Für Maschinen mit Öl- und Kohlestaubfeuerung gab es in den Betriebswerken, die derartige Maschinen beheimateten oder sie versorgten, entsprechende Bunkeranlagen. Danach rollte die Maschine zu einer Schlackegrube, wo der Kessel durch Betriebsarbeiter ausgeschlackt wurde, indem die Verbrennungsrückstände (Asche und Schlacke) aus der Feuerbüchse entfernt, in der Grube abgelöscht und zwischengelagert wurden. Das Ausschlacken war eine ziemlich schmutzige Arbeit. Nach dem vollständigen Ausschlacken ging es weiter zum Wasserkran, wo die Wasservorräte ergänzt wurden. Die nächste Station war die Besandungsanlage zur Auffüllung der Bremssandvorräte, was bei kleineren Betriebswerken in Handarbeit – mit Hilfe von Leitern und Eimern – an dem zuoberst auf dem Kessel befindlichen Sanddom ausgeführt wurde.
Nachdem die Lokomotive so für den nächsten Einsatz betriebsbereit war, wurde sie entweder im Lokschuppen oder auf einem Freigleis abgestellt und vom Heizer noch gereinigt. Reparaturen wurden vom zuständigen Personal während der Ruhezeit erledigt. Maschinen, die kurzfristig wieder eingesetzt werden sollten, wurden warm abgestellt, wofür ein Schuppenheizer in der Feuerbüchse ein Ruhefeuer unterhielt.So funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 149–152.
miniatur|Eine Lokomotive der Baureihe 52.80 auf der Drehscheibe im Eisenbahnmuseum Bw Dresden-Altstadt
Auswaschen Der Kessel einer Dampflok musste in regelmäßigen Abständen von Verdampfungsrückständen gereinigt werden. Dies geschah im Bahnbetriebswerk zu genau festgelegten Terminen. Wie weit zwei Termine auseinander lagen, bestimmten die Qualität des Kesselspeisewassers, die Häufigkeit der Einsätze und die Beanspruchung der Lok durch die jeweils befahrenen Strecken. Das Auswaschen einer Dampflokomotive bestand aus sechs Arbeitsschritten:
Zuerst musste der Dampf und nach dem Abkühlen des Kessels das Wasser im Kessel abgelassen werden. Danach konnte mit der Reinigung des Kessels begonnen werden, wobei durch spezielle Waschluken außen an der Kesselwand mit einem scharfen Wasserstrahl die auf dem Kesselboden befindlichen Kalkablagerungen und der Schlamm in Schlammsammeleinrichtungen gespült wurden. Anschließend wurde der Stehkessel von oben nach unten ausgewaschen. Notfalls mussten übermäßige Kalkanhaftungen abgestoßen werden. Danach wurde der Kessel gefüllt und wieder angeheizt.
Bereits während der letzten Fahrt der Lok vor der festgelegten Reinigung begannen die Vorbereitungen für das Auswaschen.So funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 152–156.
Frist- und Planarbeiten Während die Betriebsarbeiter mit dem Auswaschen einer Lokomotive beschäftigt waren, erledigten Schlosser Frist- und Planarbeiten. Diese Arbeiten waren notwendig, um die Maschine zwischen den Hauptuntersuchungen möglichst lange betriebsfähig zu halten. Um die Abstellzeit der Maschine möglichst kurz zu halten, wurden diese Arbeiten über das ganze Jahr verteilt. Zu den wichtigsten Arbeiten gehörten dabei die halbjährliche Bremsrevision, das vierteljährliche Standprüfverfahren und eine jährliche Hauptbremsenuntersuchung. Sonstige Arbeiten sind in der nachfolgenden Tabelle angeführt.So funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 156.
ArbeitFristBremsprüfungnach spätestens 4 TagenBetriebsbremsprüfungtäglichSandstreuer reinigennach spätestens 4 TagenAchslager schmierennach spätestens 4 TagenÖlstellen kontrollierennach spätestens 4 TagenZentralschmierung prüfennach spätestens 4 TagenKuppelkasten reinigen und Ölleitungen kontrollierennach spätestens 4 TagenSchlingerkeile und Stehkesselträger ölen nach spätestens 4 TagenFederspannschrauben und Ausgleichhebel prüfentäglichBremsgestänge schmieren, Ölbohrungen reinigennach spätestens 4 TagenTreibstangenlager schmierennach spätestens 4 TagenStangenlager und Gelenkbolzen prüfentäglichSteuerung überprüfennach spätestens 4 TagenSpurkranzschmierung prüfennach spätestens 4 Tagen Arbeit FristWerkzeuge und Geräte überprüfennach spätestens 4 TagenKesselspeiseeinrichtungen prüfennach spätestens 4 TagenEntwässerungsventile überprüfennach spätestens 4 TagenDampf- und Warmwasserleitungen überprüfennach spätestens 4 TagenFeuerbüchse kontrollierentäglichWasserstandsanzeiger prüfentäglichAbschlammeinrichtungen prüfentäglichKesselsicherheitsventile prüfentäglichAschkasten- und Rauchkammerspritze prüfennach spätestens 4 TagenRauchfänger und Funkenfänger überprüfentäglicheinfache Dichtigkeitsprüfung durchführennach spätestens 4 TagenFederspannschrauben, Drehzapfen, Tragfedern,Achslager und Schmierstellen des Tenders prüfennach spätestens 4 TagenKontrolle der Trieb- und Kuppelstangen180 TageSo funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 153.
Sondereinsatzzüge Neben der Wartung aller Lokomotiven sind einige Bahnbetriebswerke auch für die Unterhaltung von Sondereinsatzzügen zuständig. Die wichtigsten Einheiten sind Hilfszüge bzw. Dienstextrazüge (Schweiz) (z. B. zum Wiederaufgleisen von entgleisten Fahrzeugen) und Schneeräumfahrzeuge. Außerdem gab es Feuerlöschzüge, um Brände (durch z. B. Funkenflug aus der Lok) am Bahndamm und in der nahen Umgebung so schnell wie möglich löschen zu können. Für den reibungslosen Ablauf in einem Bahnbetriebswerk werden Schlepp- bzw. Rangierlokomotiven benötigt, die Waggons und nicht fahrbereite Triebfahrzeuge bewegen. Fast jedes Bahnbetriebswerk hatte verschiedenste Sonderfahrzeuge.So funktioniert das Bahnbetriebswerk, S. 126–139.
Anlagen 700px|Bahnbetriebswerk
Betriebsanlagen Für die Wartung einer Dampflokomotive brauchte man eine Vielzahl unterschiedlicher Anlagen.
Wasserversorgung Der Betrieb von Dampflokomotiven verbraucht neben Kohle oder Öl auch große Mengen Kesselwasser. Deshalb spielte die Wasserversorgung eines Betriebswerks eine wichtige Rolle. Um dies gewährleisten zu können, hatten fast alle Bahnbetriebswerke ein eigenes Bahnwasserwerk. Diese Wasserwerke waren mit verschiedenen Anlagen zur Wassergewinnung ausgestattet (Pumpen, Leitungen, Wasserbehälter und Entnahmestellen). Manche Bahnbetriebswerke hatten zwei verschiedene Wasserwerke: Ein Bahnwasserwerk, das Nutzwasser für den Betrieb der Maschinen bereitstellte und ein Trinkwasserwerk, das Wasser für die Angestellten des Betriebswerks speicherte. Durch den Anschluss an das regionale Wassernetz entfielen bei vielen Bahnbetriebswerken die Trinkwasserwerke. Das Wasser wurde aus Quellen, Brunnen und Teichen entnommen und anschließend gereinigt. Nutzwasser für den Betrieb von Dampflokomotiven musste hohe Qualitätsanforderungen erfüllen. Deshalb entwickelten die Bahnwasserwerke eigene Filteranlagen, die das Wasser für den Betrieb brauchbar aufbereiteten. Insbesondere waren der Salzgehalt und der Härtegrad des Wassers für die Verwendbarkeit ausschlaggebend. miniatur|Dampflok nimmt Wasser von einem Wasserkran auf Nach der Reinigung des Nutzwassers wurde es in einen Wasserturm gepumpt und dort gespeichert. Diese Anlagen hatten unterschiedliche Formen, es gab keine einheitliche Bauform. Alle Wassertürme besaßen mehrere Steig- und Fallrohre. Die Wassertürme versorgten alle Anlagen mit Nutzwasser, darunter auch die Wasserkräne. Mit Hilfe dieser Vorrichtungen wurden die Wasservorräte von Dampflokomotiven ergänzt (entweder Tender oder Wasserkasten). Wasserkräne befanden sich meistens in der Nähe der Untersuchungsgruben oder bei der Bekohlungsanlage. Es gab auch hierbei unterschiedlichste Bauformen, allerdings wurden sie nach und nach durch Einheitsbauformen ersetzt.
Größere und mittlere Bahnbetriebswerke besaßen ein eigenes Labor, das die Wasseraufbereitung ständig überwachte, ganz besonders wurde dabei die Aufbereitung des Kesselspeisewassers überprüft. Das Labor bestimmte den Salzgehalt, den pH-Wert und die Zusammensetzung des Kesselspeisewassers. Das Lokpersonal hatte dem Labor in regelmäßigen Abständen Proben des Kesselspeisewassers zu bringen. Neben den Wasserkontrollen war das Labor auch für die Kontrolle von angelieferten Schmierölen und Fetten zuständig.
Lokschuppen miniatur|Ringlokschuppen am Bahnhof Amstetten