mini|VEB Mikromat, Brigade „Gründung der DDR“, Dresden (1970)
Brigade, auch Arbeitsbrigade, war in den Planwirtschaften der realsozialistischen Staaten die Bezeichnung für die kleinste Arbeitsgruppe („Arbeitskollektiv“) in den Betrieben und Verwaltungen, die eine Aufgabe im Produktionsprozess ausführte.
Hintergrund Beim Begriff Brigade handelt es sich um eine Bedeutungsentlehnung aus dem Russischen (). Das deutsche Wort bezeichnete ursprünglich nur einen „militärischen Großverband der Landstreitkräfte“ (siehe Brigade bzw. Brigadier). Gleiches passierte in anderen europäischen Sprachen, die in Staaten unter sowjetischem Einfluss gesprochen wurden (vergleiche beispielsweise ).
In der DDR gab es Brigaden in fast allen Volkseigenen Betrieben und in Genossenschaften wie Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH). und Produktionsgenossenschaften der Binnenfischer. Der Leiter einer Brigade hieß Brigadier. Jede Brigade führte ein Brigadetagebuch. Das Zusammenwirken der Mitglieder der Brigaden erfolgte außer im Arbeitsprozess auch in der Freizeit. Am 3. Januar 1959 rief die Jugendbrigade „Nikolai Mamai“ aus dem Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld zu einem Wettbewerb unter dem Motto „Auf sozialistische Weise arbeiten, lernen und leben“ auf.
In der Pionierorganisation Ernst Thälmann war die Pionierbrigade eine Organisationseinheit unterhalb der Pioniergruppe.Statut der Pionierorganisation, Punkt IV.1 (DDR-Lexikon)
Schulklassen bzw. Pioniergruppen pflegten oft patenschaftliche Beziehungen zu Patenbrigaden.
Die Brigade in der bildenden Kunst der DDR Im Sinne der Aufforderung, zur künstlerischen Arbeit in die Betriebe zu gehen, um das Leben der „Werktätigen“ kennenzulernen, unterhielten viele bildende Künstler in der DDR intensive Kontakte zu Brigaden. Sie stellten ihre Eindrücke in ihren Werken dar, wobei auch „Brigadebilder“ als spezifische Formen des Gruppenbilds entstanden, häufig in der Sonderform einer Diskussionshandlung.Lothar Lang: Malerei und Grafik in der DDR. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig (Reclams Universal-Bibliothek Band 955), 1983, S. 88–91
Beispiele für Brigadebilder
Jutta Damme: Ausflug einer Brigade (1972; Öl, 130 × 200 cm)
Walter Dötsch: Brigade Nicolai Mamai, Schmelzer Nationalpreisträger Hübner hilft seinen Kollegen (1961, Öl; Kunstsammlung des Landes Sachsen-Anhalt)Bitterfelder Weg: Helden für das Kollektiv Fritz Eisel: Besprechung (1981; Öl, 55 × 50 cm; Kunstsammlung der Wismut GmbH, Chemnitz) Erhard Grossmann: Brigade von LJW Prenzlau (1966/67; Öl, 160 × 240 cm; Kunstarchiv Beeskow) Hans-Jürgen Haberkorn: Meine Begegnung mit dem CKB (1981; Öl; 133 × 168; vormalige Kunstsammlung des VEB Chemiekombinat Bitterfeld im Industrie- und Filmmuseum Wolfen)Hans ‐ Jürgen Haberkorn (*1944), "Meine Begegnung mit dem CKB", 1981 :: Industrie- und Filmmuseum Wolfen :: museum-digital:sachsen-anhalt Armin Münch: Forschungskollektiv Dr. Möck (vier Pinselzeichnungen)Eine Prise mehr Optimismus. ND-Gespräch mit dem Forschungskollektiv Dr. Moeck über den Grafikzyklus von Armin Münch. In: Neues Deutschland, Berlin, 7. Dezember 1970, S. 4 Willi Neubert: Diskussion im Neuereraktiv (1969; Mischtechnik, 190 × 230 cm; Neue Nationalgalerie Berlin) Wilhelm Schmied: Diskussion Mansfelder Bergleute (um 1962, Öl)
Siehe auch Brigade der sozialistischen Arbeit Brigade der besten Qualität Brigade der hervorragenden Leistung
Weblinks
Sozialistische Brigaden, Deutscher Fernsehfunk vom 28. Oktober 1965. (Video im ARD-Retro-Angebot in der ARD Mediathek)
Literatur Jörg Roesler: Die Produktionsbrigaden in der Industrie der DDR. Zentrum der Arbeitswelt?, in: Hartmut Kaelble; Jürgen Kocka; Hartmut Zwahr (Hg.): Sozialgeschichte der DDR, Stuttgart, 1994, S. 144–170. Jörg Roesler: Die Brigaden, der Meister, die Werkleitung und der Plan. Arbeitsregime und Arbeitsklima in den volkseigenen Betrieben der DDR, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft II/2009. Merve Lühr: Erinnern an die Arbeit im Kollektiv. Retrospektive Deutungen des Brigadelebens in der DDR. Leipzig 2025, ISBN 978-3-96023-628-3.
Einzelnachweise
Kategorie:Kollektivismus Kategorie:Wirtschaftsorganisation (DDR) Kategorie:Wirtschaftssprache (DDR) Kategorie:Wirtschaft (Sowjetunion)