mini|Die Rochuskirche (2014) mini|Die Rochuskirche vor der Renovierung im Jahre 2000 Die Pfarrkirche St. Rochus und Sebastian (allgemein Rochuskirche genannt) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße an der Landstraßer Hauptstraße am Rochusmarkt. Die Pfarre liegt im Dekanat 3 des zur Erzdiözese Wien gehörenden Vikariates Wien Stadt. Sie trägt das Patrozinium der heiligen Rochus und Sebastian und steht unter Denkmalschutz ().
Geschichte mini|Die Rochuskirche auf einem Gemälde von René Biegler (19. Jahrhundert)
Die Kirche wurde ab 1642 an der Stelle einer früheren Rupertikapelle als Klosterkirche der Unbeschuhten Augustiner-Eremiten erbaut und während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 vollständig zerstört. 1687 begann man mit dem Bau der neuen Kirche im barocken Stil. Die Fassade wurde 1718–1721 gestaltet, seither hat sich das äußere Erscheinungsbild der Kirche nicht mehr wesentlich verändert. 1783 wurde sie Landstraßer Pfarrkirche. Im Jahr darauf wurde die bisherige Pfarrkirche, die Nikolaikirche, die sich unmittelbar davor an der Stelle des heutigen Rochusmarkts befand, abgerissen.Wien Museum (Hrsg.): Schöne Aussichten. Die berühmten Wien-Bilder des Verlags Artaria. Mit Beiträgen von Reingard Witzmann und Sándor Békési. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-85033-098-5, S. 124. Das Kloster wurde 1812 aufgehoben.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 2–5 Zwei Flügel des ehemaligen Kreuzgangs südöstlich der Kirche sind noch erhalten. Ab dem Jahr 2000 wurde die Kirche umfassend renoviert. Im Zuge der Renovierung wurde der gelbe Anstrich („Schönbrunner Gelb“) durch Grau und Weiß ersetzt (Befund).
Die Führung und Seelsorge der römisch-katholischen Pfarre St. Rochus und Sebastian ist seit 1979 dem Oratorium des Hl. Philipp Neri anvertraut.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 5 Mit Mai 2024 sind dort zehn Priester, ein Diakon und ein Novize im Oratorium tätig; Pfarrer ist seit 31. März 2009 P. Florian Calice CO.
In Österreich wurde die Pfarre Ende November 2006 medial bekannt, als mehrere österreichische Printmedien von der pfarrinternen Entscheidung berichteten, dass der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren errichtete provisorische Volksaltar wieder durch den barocken Hochaltar als Zelebrationsaltar ersetzt werden sollte. Durch diese Änderung steht der Priester während der Eucharistiefeier teilweise in derselben Richtung wie das Volk („mit dem Rücken zum Volk“). In der Rochuskirche wird gelegentlich die heilige Messe auch nach dem Messbuch von 1962 („tridentinische Liturgie“) gefeiert.
Architektur mini|Statue des heiligen Augustinus mit Mönchen und Putti Kirchenäußeres Die Fassade wurde laut Dokumenten, die im Zuge einer Renovierung 1835 in den Turmhelmen gefunden wurden, vom Militäringenieur namens Kollmann und einem sonst nicht weiter bekannten Architekten und Steinmetz Kaspar Offel errichtet und 1721 fertiggestellt. Der Name des zweitgenannten Architekten führe oft zu Verwechslungen mit Anton Ospel, der zeitgleich die Kirche des Spanischen Spitals in der Boltzmanngasse in Wien-Alsergrund plante. Gesichert ist jedoch, dass der Bildhauer Georg Anton Eberl die Statuen an der Fassade schuf. Der figurale Schmuck der dreiachsigen Doppelturmfassade macht die Kirche eindeutig zu einer der Kirche der beschuhten Augustiner: an der Spitze des von einem Korbbogen umfassten Dreiecksgiebels befindet sich eine Statue des heiligen Augustinus. Dieser wird durch die beiden heiligen Mönche Thomas von Villanova und Nikolaus von Tolentino flankiert. Beide tragen die Ordenskleidung der Augustiner mit „weiten Ärmeln“. Eine Putte reicht Augustinus ein Fassadenmodell der alten Rochuskirche, die zweite Putte reicht ihm ein aufgeschlagenes Buch. In den Kartuschen an den Basen der Türme sind jeweils drei goldene Sterne, das Stemma der Familie Neri, in Erinnerung an den heiligen Philipp Neri.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 8
Bis 1816 befand sich im großen Giebelfeld, in dem sich heute eine Uhr und ein Wappenbild der Stadt Wien befinden, eine Darstellung des Mose mit einer auf einer Stange befestigten ehernen Schlange. Mit Hilfe der Schlangenplage, unter der die Israeliten während der Flucht durch die Wüste zu leiden hatten, wird die Pest behandelt, die den unteren, von sechs Pilastern gegliederten Teil der Fassade bestimmt. Unterhalb des Giebelfeldes befindet sich eine hohe Attikazone.
Die dreiachsige Fassade auf einem hohen Sockel ist durch sechs Riesenpilaster gegliedert. In den beiden Seitenachsen befinden sich übereinander jeweils zwei Nischen mit Heiligenfiguren, in der Mittelachse ein Fenster über einer Portalnische. Die Nischenfiguren wurden 1721 geschaffen: in der Mitte Maria mit dem Kind, links oben der heilige Ulrich, links unten der heilige Sebastian, rechts die heilige Rosalia, darunter der heilige Rochus. Über dem Fenster sind ein Relief mit Putten und das kaiserliche Wappen angebracht.
Die Fassade ist durch die Thematik der Pest sehr stark mit dem Hochaltarbild verbunden. In beiden scheinen dieselben Heiligen und Maria als Fürsprecherin für das von Pest geplagte Volk auf.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 8
Kircheninneres mini|Innenansicht Richtung Hochaltar Die frühbarocke Kirche ist einschiffig. Sie ist dem Typus nach eine Wandpfeilerkirche mit eingestellten Bögen. Diese tragen, mit Ausnahme des vierten Jochs, Emporen mit Balustraden. Der Chor ist durch einen Triumphbogen baulich leicht vom Kirchenschiff abgesetzt. Über dem Kirchenschiff ist ein Tonnengewölbe mit Gurtbögen und Stichkappen. Das Gewölbe weist Reste von Stuckdekoration vom Ende des 17. Jahrhunderts auf. Die große Kartusche mit dem kaiserlichen Wappen am Scheitel des Triumphbogens, die von zwei Engeln getragen wird, ist der letzte Rest dieser Stuckdekoration.
Das kräftige und vielfach profilierte Gebälk tragen Doppelpilaster, die aus rotem Stuckmarmor bestehen. Im vierten Joch ist durch die fehlenden Emporen ein Querschiff angedeutet. Der Chor ist etwas schmäler und niedriger als das restliche Kirchenschiff. Die Rückwand wird gänzlich durch den Aufbau des Hochaltars eingenommen. Auch das Eingangsjoch mit der Orgelempore ist eingezogen.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 9
Ausstattung mini|Der Altar der Rochuskirche Presbyterium Hochaltar Der dreigeschoßige Hochaltar wurde 1689 von Kaiser Leopold I. gestiftet. Im Sockelgeschoß führen zwei Türen links und rechts von der Altarmensa in die dahinterliegende Sommersakristei. Der gesprengte Giebel mit reich verkröpftem Gebälk wird von mächtigen, gestaffelten Pilastern und Spiralsäulen getragen. Der Giebel wird in der Mitte vom kaiserlichen gekrönten Doppeladler bekrönt. Die Säulen sind mit Bandornamenten, Akanthusschnitzwerk, Blumengirlanden und Voluten verziert. Die Wände im Altarraum sind durch einfache rote Stuckmarmorpilaster gegliedert und in blasser Elfenbeinmarmorierung gehalten.
Das Hochaltarbild wurde 1690 von Kaiser Leopold I. persönlich beim bedeutenden österreichischen Barockmaler Peter Strudel in Auftrag gegeben. Im unteren Viertel des Bildes sind kranke Menschen neben Sterbenden zu sehen. Über sie sind Trauernde gebeugt. Es soll an die Pestepidemie in Wien 1679 erinnern. Im Hintergrund lässt sich der Wiener Stephansdom erkennen. Links darüber sind auf einer voluminösen Wolkenbank einige bekannte Pestheilige abgebildet: betend der heilige Ulrich von Augsburg, rechts von ihm steht der heilige Sebastian, dahinter die heilige Rosalia mit einem Rosenkranz auf dem Kopf. Rechts vor ihr ist der heilige Rochus mit Pilgerstab und in schwarzem Gewand. Der Hund links des heiligen Rochus mit Brot im Maul steht für die Hunde, die die nach der Ansteckung Verstoßenen mit Brot versorgt haben. Die Personengruppe wird durch Papst Gregor den Großen, dargestellt mit Papstkreuz und Tiara.
Während der Pilgerstab des heiligen Rochus schräg zur Muttergottes zeigt das Papstkreuz von Papst Gregor fast senkrecht in den oberen Teil des Altarbildes, in dem überirdisch wirkendes Licht vorherrscht. Auf der rechten oberen Bildhälfte ist die heilige Maria umgeben von Engeln zu sehen, wie sie bei ihrem Sohn links darüber, Fürsprache einlegt. Sie blickt zur heiligen Dreifaltigkeit auf, während sie mit ihren Händen abwärts auf die Stadt Wien zeigt. Jesus hat seinen Kopf zum neben ihm sitzenden Gott Vater gedreht und ist in der Darstellung gerade dabei aufzustehen, um zu Maria zu eilen, um dadurch die Gewährung der Bitten zu verbürgen.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 10
Das ovale Bild im Altaraufsatz wurde ebenfalls von Peter Strudel gemalt. Es zeigt die Glorie des heiligen Augustinus, der umgeben von Engeln, auf einer Wolke schwebt.
Der Tabernakel ist vergoldet und mit Rokoko-Ornamenten verziert. Er ist in einen zentralbauartigen Architekturprospekt eingelassen. Darüber befindet sich ein Aussetzungsthron mit einem beweglichen Zelebrationskreuz und zwei Engelfiguren.
mini|hochkant|Das Gnadenbild
Das gekrönte Bild der „Mutter vom Guten Rat“ in goldenem Strahlenkranz ist ein zentrales Objekt am Hochaltar. Es ist eine Nachbildung des Freskos in der Augustiner-Eremitenkirche in Genazzano östlich von Rom. Laut der Legende wurde das Original auf die Mauer einer Kirche in Scutari in Albanien gemalt. Als die Osmanen das Land besetzt und unter anderem auch diese Kirche zerstört hatten, soll sich das Bild von der Wand losgelöst haben, über Meer und Land bis nach Genazzano geschwebt sein, wo es in der dortigen Augustinerkirche am 25. April 1467 wieder auftauchte. Das Fresko könnte aus der Hand des Künstlers Antonio Vivarini sein. Eine Kopie dieses Bildes wurde 1754, unter Beteiligung des Priors Kaspar Scheurer,Ferdinand Leopold Miksch: Der Augustinerorden und die Wiener Universität: Ein Beitrag zu "600 Jahre Universität Wien" (Fortsetzung und Schluss). In: Augustiniana, Band 17 (1967), S. 65. gemeinsam mit den Gebeinen des heiligen Bonatus (Donatus) von Rom nach Wien gebracht. Anfangs stand das Bild auf dem Altar des heiligen Bonatus (Donatus), es wurde jedoch auf Wunsch von Kaiserin Maria Theresia, die im Rahmen von Ausfahrten in den Wiener Prater des Öfteren vor dem Gnadenbild eine Andacht hielt, im Jahr 1759 auf den Hochaltar übertragen. Der Tabernakelaufbau ist wahrscheinlich aus diesem Anlass neu gestaltet worden. Der Rahmen des Gnadenbildes ist aus vergoldetem Kupfer gefertigt. Das krönende Marienmonogramm wird von zwei Füllhörnern der Gnade flankiert. Rund um das Bild ist ein goldener Strahlenkranz, der einen Teil des Altarblattes verdeckt. Der Rahmen und der Strahlenkranz wurden 1823 vom Landstraßer Anton Ballauf gestiftet.Huberta Eiselberg, Elisabeth Garms, Paul Bernhard Wodrazka u. a., 2013, S. 14f
Die vier monumentalen Figuren heiliger Herrscher sollen an die Habsburgische Altarstiftung erinnern. Die Statuen wurden in der Schule des Hofbildhauers Peter Strudel gefertigt. Links, in Rüstung, mit bodenlangem Mantel sowie Krone und Reichsapfel ist Kaiser Heinrich II. (* 973; † 1024) dargestellt. Rechts von ihm ist Markgraf Leopold III. in Brustharnisch und Hermelinfell sowie mit Fürstenhut, Fahne und Kirchenmodell dargestellt. Auf der rechten Altarseite sind der heilige Wenzel von Böhmen (* 908; † 929) in Harnisch und mit wehendem Mantel sowie der heilige Stephan von Ungarn (* 969; † 1038) in ungarischer Tracht dargestellt. Auch die Statuen auf dem Altaraufsatz stammen aus der Schule von Paul Strudel. Flankiert von zwei Engeln, Palmwedeln und Siegeskränzen steht oben in der Mitte eine Statue des heiligen Josefs. In der rechten Hand hält der Heilige als Attribut ein brennendes Herz, das zur Erbauungszeit als Symbol für den heiligen Joseph galt. In der linken Hand trägt er den blühenden Lilienstab.