mini|hochkant=1.8|Wohngebiet der Pocumtuc und benachbarter Stämme um 1600

Die Pocumtuc oder Pocumtuck waren Algonkin sprechende Indianer, die im heutigen westlichen Massachusetts und den angrenzenden Gebieten von Connecticut, Vermont und New Hampshire lebten. Um 1600 schätzte man ihre Zahl auf mehr als 5.000 Personen. In der frühen Phase der europäischen Besiedlung bildeten die Pocumtuc, zusammen mit mehreren benachbarten Stämmen, eine lose Stammes-Konföderation, die sogenannte Pocumtuc-Konföderation.

Nach mehreren Kriegen und schweren Epidemien schlossen sie sich im 18. Jahrhundert als Teil der Abenaki der sich neu formierten Wabanaki-Konföderation im Norden sowie der Mahican-Konföderation im Westen an und hatten bald ihre separate Identität verloren.

Wohngebiet Das Wohngebiet der Pocumtuc erstreckte sich entlang des Connecticut Rivers (Quonnenektacut – „Langer Fluss“) im westlichen Massachusetts, etwa von der Grenze zu Connecticut nordwärts bis in das südliche Vermont und das südwestliche New Hampshire. Ihr Hauptdorf trug den Stammesnamen und lag in der Nähe des heutigen Deerfield, deshalb nannte man sie auch oft Deerfield Indianer. Wie andere Neuengland-Stämme waren sie halbsesshaft und wanderten saisonal zwischen relativ gleichbleibenden Orten. Ihre Hauptnahrung war von Frauen angebauter Mais sowie Fisch und Wild.

Bevölkerung Es ist anzunehmen, dass die Pocumtuc um das Jahr 1600 mehr als 5000 Stammesangehörige hatten.Einzelangaben bei Sherburne Friend Cook: The Indian Population of New England in the Seventeenth Century. University of California Press 1976, S. 57. Doch bereits nach dem King Philip’s War (1675–1676) gab es kaum noch Überlebende, denn in den vergangenen 75 Jahren hatte eine ununterbrochene Folge von verheerenden Epidemien und Kriegen gegen die Irokesen und Engländer den Stamm nahezu vernichtet. Eine kleine Gruppe, die aus etwa 600 geflohenen Pocumtuc und Nipmuck bestand, fand Zuflucht im Mahican-Dorf bei Schaghticoke am Hudson River. Eine weitere Gruppe zog nach Norden zu den Westlichen Abenaki, entweder nach Missisquoi oder nach Saint Francis in Québec. Nach und nach gingen auch die Pocumtuc und Nipmuck aus Schaghticoke zu den Westlichen Abenaki. Vermutlich sind heute einige der in Vermont und Québec lebenden Westlichen Abenaki Nachfahren der Pocumtuc.Pocumtuc History: Population

Zugehörige Gruppen Die Pocumtuc bestanden aus mehreren Gruppen, die meist nach ihrem Hauptdorf benannt waren und sich Anfang des 18. Jahrhunderts meist den Abenaki oder Mahican anschlossen:

Agawam, auch Ag(g)awom(e), Agawanus, Onkowam, Igwam oder Auguam:nicht zu verwechseln mit den Agawam in der Nähe des heutigen Ipswich am Ipswich River, MA, die zur Penacook-Konföderation zählten, sowie den Agawam nahe Wareham, Massachusetts, die am Agawam River und Wareham River im Südosten, MA, lebten und zur Wampanoag-Konföderation (oder Wôpanâak) gehörten Ihr gleichnamiges Hauptdorf lag nahe dem heutigen Agawam, direkt gegenüber von Springfield, Massachusetts. Sie lebten am Unterlauf des Westfield River (früher: (West) Agawam River, der Oberlauf war als Woronoake River bekannt), sowie am Westufer des Connecticut River. Sie wurden manchmal jedoch als Nipmuck betrachtet. Mayawaug („wo Pfade, Flüsse oder Grenzen zusammenkommen“)Vgl. zu den Namen auch das alphabetisch sortierte Wörterbuch von R. A. Douglas-Lithgow: Native American Place Names of Connecticut. 1909, Neuauflage Applewood Books 2001. Ihr Hauptdorf lag im Tal des Connecticut River nahe dem heutigen (West) Suffield im Norden von Connecticut. Nameroke: Ihr gleichnamiges Hauptdorf lag nahe dem heutigen Enfield im Norden von Connecticut, östlich von Mayawaug. Mattabesic Nonotuck, auch Nonotuc, Nanotuck oder Nonotucke („inmitten des (Connecticut) Flusses“):die benachbarten Nipmuc sprachen den L-Dialekt, andere Stämme am Connecticut River, wie die Pocumtuc-Konföderation, sprachen jedoch den R-Dialekt, so dass es für die Siedlungen sowie das Fluss-Tal verschiedene Schreibvarianten überliefert haben - wie Nonotuck (Northampton) und Norvottuck (Hadley, Hatfield). Das gleichnamige Hauptdorf lag nahe dem heutigen Northampton im Westen von Massachusetts und waren wahrscheinlich mit den Norvottuck identisch. Norvottuck, auch Norwottuck, Norwotog, Nalvotogy, Nalwotogg oder Nolwotogg („inmitten des (Connecticut) Flusses“): Sie lebten beiderseits des Connecticut Rivers in der Umgebung des heutigen Hatfield sowie Hadley im Westen von Massachusetts, ihr gleichnamiges Hauptdorf lag nahe Hadley, waren wahrscheinlich mit den Nonotuck identisch. Pachasock: Sie lebten entlang des Oberlaufs des Westfield River in der Nähe des heutigen Westfield sowie West Springfield im Südwesten von Massachusetts und nannten ihr Stammesgebiet daher auch Woronoco („Land der Flusswindungen“). Peskeompscut: Ihr Hauptdorf lag bei ihren bevorzugten Fisch- und Lachsfanggründe am Connecticut River bei Peskeompscut („Große Wasserfälle“) und der heutigen Gemeinde Turners Falls in der Stadt Montague im Norden von Massachusetts. Pocumtuc, auch Pocumtuck, Pocomtook, Pocutuc oder Pokamtakuke: Ihr Hauptdorf Pocumtuck befand sich in der Nähe des heutigen Deerfield im Tal des Connecticut River im Nordwesten von Massachusetts, daher wurde oftmals die gesamten Pocumtuc-Konföderation als Deerfield Indians bezeichnet. Scitico, auch Squitkko: Ihr gleichnamiges Hauptdorf lag östlich des heutigen Enfield im Norden von Connecticut, somit östlich von Nameroke und Mayawaug. Sqawkeag, auch Squaeg oder Squakheag: Ihr gleichnamiges Hauptdorf befand sich nahe dem heutigen Northfield im Norden von Massachusetts, manchmal jedoch als Nipmuck betrachtet. Woronoake, auch Woronoco, Woronock, Woronoake oder Waranoke („Land der Flusswindungen“): Ihr Stammesgebiet Woronoco erstreckte sich entlang des Oberlaufs des Westfield River sowie dessen Nebenflüssen im Südwesten von Massachusetts und bewohnten drei Dörfer, jeweils unter der Führung eines Sachems oder Sagamore.The Westfield StoryPocumtuc History: Subtribes

Kultur Wie ihre Nachbarn waren auch die Pocumtuc halbsesshaft und zogen im Jahres-Zyklus zu den Hauptnahrungsquellen. Sie betrieben Feldbau in den fruchtbaren Flussniederungen und pflanzten Mais, Bohnen und Squash. Ihr Wohngebiet war außerdem reich an Wild und im Frühling zogen große Fisch-Schwärme den Connecticut River und seine Nebenflüsse hinauf. Bestimmte Stellen am Fluss, wo man die Fische möglichst leicht fangen konnte, waren gefragte Lagerplätze. Fische, die in den Zeiten des Überflusses gefangen wurden, trocknete man auf Gerüsten in der Sonne oder über rauchendem Feuer und verzehrte sie später.

Neben der stark frequentierten Nord-Süd-Handelsroute entlang des Connecticut Rivers gab es auch mehrere wichtige Ost-West-Verbindungen quer durchs Pocumtuc-Wohngebiet, zum Beispiel den Mohawk-Trail, der die Indianer des Binnenlandes mit denen an der Atlantik-Küste verband. Damit hatten die Pocumtuc gute Handelsbeziehungen zu anderen Stämmen und Zugang zu Waren aus dem Inland und von der Küste.

Mit den benachbarten Mohawk im Westen führten sie fast ununterbrochen Krieg. Ihre größeren Dörfer waren deshalb stark befestigt und alle Pocumtuc-Stämme hatten sich zum wechselseitigen Schutz in einer lockeren Konföderation verbündet.Pocumtuc History: Culture

Geschichte mini|Überfall der Pocumtuc auf Deerfield (Massachusetts) Die europäische Besiedlung des Binnenlandes drang schnell nach Norden und Westen vor. Agawam wurde 1636 besiedelt, aber Pocumtuc (Deerfield), den Connecticut River weniger als 60 Kilometer flussaufwärts, wurde erst 1669 gegründet, und zu dieser Zeit gab es noch weite unbesiedelte Gebiete zwischen den westlichen Außenposten der Kolonien und dem Connecticut-Tal. Deshalb hatten die Indianer im Landesinneren eine spätere Berührung mit der europäischen Kultur als ihre Nachbarn an der Küste.

Der Krieg zwischen den Mohawk einerseits und den Mahican und Pocumtuc andererseits über die Kontrolle des wildreichen Berglands zwischen dem Hudson und Connecticut River bestand allerdings schon viele Jahre vor dem Eintreffen der Europäer. Die Pocumtuc waren mit den Mahican durch eine gemeinsame Sprache und Kultur eng verbunden und demzufolge auch am Konflikt der Mahican mit den Mohawk beteiligt. Ein Zwischenfall aus dem Jahre 1606 ist bekannt, als eine größere Kriegerschar der Mohawk das befestigte Pocumtuc-Dorf bei Deerfield angriff.

Holländer und Engländer Die Holländer betraten um 1610 das Land der Pocumtuc und eine ihrer ersten Aufgaben war es, einen Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln. Sie wollten mit allen Stämmen Handel treiben und benötigten sieben Jahre für einen brüchigen Waffenstillstand. Als die Mohawk jedoch erkannten, dass Holländer und Mahican neue Handelsverbindungen in das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms zu ihren Feinden, den dortigen Algonkin und Wyandot, erschlossen, griffen sie 1624 erneut zu den Waffen.

Auch die Alliierten der Mahican, die Pocumtuc und Sokoki, wurden in diesen Krieg hineingezogen. Im Jahr 1628 erlitten die Mahican eine Niederlage und mussten sich auf die Ostseite des Hudson Rivers zurückziehen. Die Mohawk richteten danach ihre Aufmerksamkeit auf die Verbündeten der Mahican und griffen die Sokoki-Dörfer im Norden an. Die Pocumtuc wurden durch die Dörfer der Mahican am oberen Housatonic Rivers und im westlichen Massachusetts relativ gut vor den Mohawk geschützt.

Eine verheerende Pocken-Epidemie suchte in den Jahren 1633 bis 1635 das gesamte südliche Neuengland heim und mindestens 500 Pocumtuc fielen ihr zum Opfer. Um 1633 reisten englische Händler aus Boston und Plymouth nach Westen und erreichten den Connecticut River. Ihren ersten ständigen Handelsposten errichteten sie südlich des Stammesgebiets der Pocumtuc beim heutigen Windsor in Connecticut und unterbrachen damit alle Pelzlieferungen an die Holländer flussabwärts zum unteren Connecticut River.

Die Holländer sahen ihren Pelzhandel in der Region gefährdet und befestigten im Gegenzug ihren Handelspostens beim heutigen Hartford. Die Engländer wiederum errichteten Fort Saybrook an der Mündung des Flusses und damit waren die Holländer von Neuamsterdam völlig abgeschnitten. Weitere englische Siedlungen folgten und bald war das gesamte Tal des unteren Connecticut Rivers gegen den Widerstand der Pequot von britischen Kolonisten besetzt.Pocumtuc History: History

Pequot- und Wappinger-Krieg Im Jahre 1637 wurden die Pequot im Pequot-Krieg von den Engländern vernichtend geschlagen. Danach konnten die Kolonisten das gesamte Connecticut widerstandslos besiedeln, während die Mohegan unter ihrem Sachem Uncas und mit englischer Unterstützung zum beherrschenden Stamm der Region aufstiegen. Die plötzliche Macht der Mohegan führte zur Unruhe bei den benachbarten Stämmen und im Jahr 1640 zur Bildung einer Allianz zwischen Pocumtuc, Narraganset und Mattabesic. Trotzdem besiegten die Mohegan 1643 die Narraganset bei Shetucket, unterwarfen mehrere Mattabesic-Stämme im westlichen Connecticut und alle mussten an die Mohegan Tribut zahlen.

Die Briten und Holländer rüsteten gleichermaßen die mit ihnen verbündeten Stämme mit Schusswaffen aus und in der Folgezeit eskalierte die Gewalt im südwestlichen Neuengland. Die Wappinger am unteren Hudson River flüchteten vor den Mohawk zu den Holländern, wurden jedoch von holländischen Soldaten bei Pavonia angegriffen, die 80 Wappinger töteten. Damit kam es zum Ausbruch des Wappinger-Kriegs (1643–1645), in den außer den Wappingern die Lenni Lenape in New Jersey und einige Gruppen der Metoac im westlichen Long Island verwickelt wurden. Die Holländer ersuchten die Mahican und Mohawk um Hilfe und sogar englische Kolonisten aus Connecticut unterstützten die Holländer. 1645 wurden die Lenni Lenape geschlagen und erlitten schwere Verluste. Einige von ihnen gingen zu den Mahican, während andere von den Pocumtuc aufgenommen wurden.

Irokesenkriege