mini|hochkant=1.4|Schloss Sully-sur-Loire von Südwesten gesehen mini|hochkant=1.4|Blick über den Basse-Cour zum Schloss Das Schloss Sully-sur-Loire steht in dem französischen Ort Sully-sur-Loire am Ostrand der Sologne. Es zählt zu den Schlössern der Loire und wurde gemeinsam mit dem Tal der Loire im Jahr 2000 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Sein Vorgängerbau wurde von den Herren von Sully errichtet, die dort schon seit dem 9. Jahrhundert ansässig waren. Als Guy VI. de La Trémoïlle durch Heirat mit der Alleinerbin in seinen Besitz kam, begann er ab 1395 damit, die vorhandene Burg umfassend zu verändern. Sein Nachkomme, Claude de La Trémoïlle, verkaufte die durch die Hugenottenkriege beschädigten Gebäude 1602 an Maximilien de Béthune, der die Wehranlage in ein repräsentatives Schloss umbauen ließ. Der Minister Heinrichs IV. schrieb dort mit vier Sekretären seine bekannten Memoiren, die gegen Ende 1638 im nach ihm benannten Tour de Béthune gedruckt wurden, obwohl der Titel angibt, sie seien in Amsterdam erschienen.

Mehr als 350 Jahre lang blieb die Anlage im Besitz der Familie de Béthune, ehe sie 1962 an das Département Loiret veräußert wurde.

Nachdem das Wasserschloss im September 1928 unter Denkmalschutz gestellt worden war, folgte im April 1944 die Aufnahme seines Parks und seiner Wassergräben in die Denkmalliste. Zuvor war die Anlage im Juli 1934 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und zählte bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs rund 30.000 Besucher.

Beschreibung

mini|Schematischer Grundriss des Schlosses mini|Luftbild des Schlosses

Basse-Cour

Östlich des Schlosses liegt auf einer eigenen Insel der sogenannte Basse-Cour (deutsch: äußerer Burghof). Die ihn umgebende niedrige Mauer ist das noch erhaltene Fundament einer früheren, wesentlich höheren Ringmauer. Auf dem unbebauten Areal befanden sich früher die Wirtschaftsgebäude und die Stiftskirche Saint-Ythier samt Stiftsgebäude. Heute steht dort eine zwei Meter hohe Statue aus weißem Carrara-Marmor, die den ersten Herzog von Sully, Maximilien de Béthune, darstellt. Die Figur wurde 1642 von Pierre II. Biard im Auftrag Rachels de Conchefilet ursprünglich für das Schloss Villebon gefertigt. Sie zeigt den Minister Heinrichs IV. einen Lorbeerkranz tragend und einen Marschallsstab haltend.

Schlossgebäude

Die Schlossanlage erhebt sich auf trapezförmigem Grundriss am südlichen Ufer der Loire. Sie ist allseitig von breiten Wassergräben umgeben, die von der Sange gespeist werden. Die Architektur vermittelt zwar immer noch einen trutzigen Eindruck und besitzt auch noch einige wehrhafte architektonische Elemente, doch hatte die Anlage aufgrund zahlreicher Umbauten seit dem 17. Jahrhundert keine militärische Funktion mehr.

Die Gebäude gruppieren sich um einen Innenhof, dessen Südseite von einer schmalen wehrgangartigen Galerie – der sogenannten Galérie d'Agréement – mit zwei Geschossen und Steildach aus dem 17. Jahrhundert sowie einer Kurtine im Westen begrenzt wird. Als Baumaterial für das Mauerwerk wurden Quader aus Kalksandstein verwendet, während die Dächer mit Schindeln aus Schiefer gedeckt sind.

Portalturm

Eine steinerne Bogenbrücke an der Westseite des Basse-Cour führt zum viereckigen Portalturm des Schlosses aus dem 15. Jahrhundert. Seine drei Geschosse erheben sich auf einem viereckigen Grundriss und werden von einem abgeknickten Walmdach abgeschlossen. Zur Innenhofseite besitzt der Bau einen schmalen, fünfeckigen Treppenturm mit fünf Geschossen. Über dem Rundbogenportal ist auf der Seite zum Basse-Cour das Wappen der Familie de Béthune zu sehen.

Petit Château und Flügel Ludwigs XV.

mini|Der Portalturm (Mitte) mit dem Flügel Ludwigs XV. (links) und dem Petit-Château (rechts)

Südlich des Portalturms schließt sich das Petit Château an, ein dreistöckiges Gebäude mit Steildach. Sein oberstes Geschoss besitzt an der Nordost-Fassade einen Wehrgang auf einer auskragenden Steinkonsole. Im Erdgeschoss des Gebäudes liegt ein ehemaliges Arbeitszimmer Maximilien de Béthunes,Einige Veröffentlichungen geben fälschlicherweise an, bei diesem Raum handele es sich um das Schlafzimmer Béthunes. während in der ersten Etage sein Schlafzimmer zu besichtigen ist. Beide Räume wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts restauriert und zeigen den Baubestand des 18. Jahrhunderts. Ihre bemalten Balkendecken stammen jedoch noch aus dem 16. Jahrhundert.

Nördlich des Portalturms schließt sich ein unmöbliertes, zweistöckiges Gebäude mit Steildach an, das Flügel Ludwigs XV. genannt wird und an seinem nördlichen Ende an den Donjon grenzt. Es wurde erst 1923 nach historischen Vorbildern, aber nicht originalgetreu neu errichtet, nachdem sein Vorgängerbau 1918 abgebrannt war.

Tour d’Artillerie und Tour de Béthune

An der südlichen Ecke des Innenhofs steht als Verbindung zwischen westlicher Kurtine und südlicher Galerie der Tour d'Artillerie (deutsch: Artillerieturm), der seinen Namen seiner Verwendung als Plattform für Kanonen verdankt. Der Rundturm besitzt fünf Meter starke Mauern und einen Außendurchmesser von 15 Metern. 1606 an der Stelle eines ruinierten Vorgängerturms von 1363J. Mesqui: Histoire monumentale de la ville et du château de Sully-sur-Loire, Seite 132. errichtet, besaß er von je her nur ein oberirdisches Geschoss, um sein Dach zu militärischen Zwecken nutzen zu können.

Dem Petit Château schließt sich an dessen südlichem Ende ein hoher Rundturm mit vier Geschossen und einem abschließenden abgeknickten Kegelhelm an. Er bildet die südöstliche Ecke der Schlossanlage. Sein heutiger Name, Tour de Béthune, erinnert an Maximilien de Béthune, der in diesem Turm einen Teil seiner Memoiren „Mémoires des sages er royalles – Oeconomies royales d’Estat“ drucken ließ. Zu Béthunes Zeiten wurde der Turm noch Tour de la Sange genannt. Mit einem Durchmesser von zwölf Metern besitzt er im Dachgeschoss einen auskragenden, rundherum laufenden Wehrgang auf Steinkonsolen sowie Maschikulis (Pechnasenreihen) und stammt aus dem Jahr 1440.

Donjon

mini|Der Donjon von Norden gesehen (2005)

Der DonjonObwohl es sich bei dem Wohnbau des Schlosses Sully-sur-Loire nicht um einen französischen Wohnturm des Mittelalters handelt, hat sich in der Fachliteratur für ihn die Bezeichnung des Donjons durchgesetzt. Die Bezeichnung Logis wäre jedoch treffender. vom Ende des 14. Jahrhunderts ist der älteste erhaltene Teil der Schlossanlage. Er besitzt drei oberirdische Geschosse, die von einem Steildach abgeschlossen werden. An den vier Ecken des 39 × 16 Meter messenden Gebäudes steht jeweils ein vorspringender, viergeschossiger Rundturm mit einem Durchmesser von 11,50 Metern.J. Mesqui: Histoire monumentale de la ville et du château de Sully-sur-Loire, Seite 116. Nur die beiden östlichen Ecktürme zeigen heute noch die Form wie zu ihrer Errichtungszeit. Von einem abgeknickten Kegelhelm bekrönt weisen ihre vierten Geschosse einen auskragenden Wehrgang mit kleinen Fenstern, Maschikulis und Schießscharten auf. Den beiden westlichen Ecktürmen fehlt hingegen das vierte Geschoss, und während der nordwestliche Turm einen flachen Kegelhelm besitzt, präsentiert sich der südwestliche vollkommen dachlos. Allen gemein ist aber, dass sie in dem Donjon zugewandten Mauerabschnitt eine schmale Wendeltreppe aufweisen und ihre Geschosse keine Gewölbedecken, sondern flache Decken aus Holz besitzen.

Der Donjon, auch Grand Château genannt, ist über einen ebenerdig gelegenen Torbau an seiner Südseite zu betreten. In früheren Zeiten war der Eingang nur über eine Zugbrücke erreichbar, da der Donjon zum Innenhof hin durch einen heute zugeschütteten Wassergraben zusätzlich geschützt war. Der Torbau wird an seiner West- und Ostseite von zwei schmalen Rundtürmen flankiert, von denen der östliche die drei Donjongeschosse durch eine Treppe in seinem Inneren miteinander verbindet, während sich im Erdgeschoss des westlichen Turms eine Kapelle befindet.

Das oberste Geschoss des Donjons besitzt auf kräftigen Steinkonsolen auf allen Seiten einen auskragenden Wehrgang mit Schießscharten, der an der südwestlichen Giebelwand aber nur noch rudimentär erhalten ist. Die großen Kreuzstockfenster des Gebäudes stammen jedoch nicht aus der Errichtungszeit des Baus, sondern sind das Resultat eines umfassend Umbaus zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Auch die einstigen Gewölbe im Kellergeschoss sind heute nicht mehr erhalten.

Im Inneren sind alle drei Geschosse durch eine Trennwand jeweils in einen großen Saal mit etwa 300 Quadratmetern Grundfläche und einen etwas kleineren Salon geteilt. Im Erdgeschoss befindet sich der Gardensaal (französisch: Salle des gardes), auch Wachensaal genannt, der eine zum Teil mit Dukatengold bemalte, kassettierte Holzdecke besitzt. Ihm schließt sich östlich ein Raum an, der heute als Museumskasse und -shop genutzt wird.

mini|Der Große Saal (2005)

Die zweite Etage wird größtenteils vom Großen Saal (französisch: Grand Salle) eingenommen, der als Fest- und Repräsentationssaal diente und einige Male auch als Theater fungierte. Sein Kamin an der Südostwand stammt aus dem 15. Jahrhundert und weist in seiner oberen Kamineinfassung eine Wandbemalung auf, die das Schloss Rosny zeigt. Östlich des Großen Saals befindet sich das sogenannte Prunkzimmer, das Schlafzimmer der Herzöge von Sully mit flandrischer Tapisserie und Holzbalkendecke im italienischen Stil sowie einer Tapete aus blauem Damast.

mini|links|hochkant|Der Dachstuhl

In der Wand zum Innenhof befindet sich versteckt hinter einer Holzvertäfelung eine schwere Eisentür aus dem 16. Jahrhundert, die zu einem kleinen Kabinett führt. Dieses nimmt die erste Etage des westlichen Flankierungsturms im Portalbau ein. Wurde von dort in der Anfangszeit des Schlosses die Zugbrücke des Portals bedient, diente der Raum später erst als Arbeitszimmer und dann als Schatzkammer der Schlossherren. Heute befindet sich dort ein Oratorium mit einer Kopie des Grabmals Maximilien de Béthunes und seiner zweiten Frau Rachel de Conchefilet, das die sterblichen Überreste des Paars beherbergt.

Das dritte mehr als 16 Meter hohe Geschoss des Donjons ist vornehmlich durch seinen außergewöhnlichen Dachstuhl bekannt, der Grand Galetas genannt wird.www.richesheures.net Stand: 29. Dezember 2006. Das hohe Gebälk aus Kastanienholz besitzt die Form eines auf den Kopf gestellten Schiffskiels und ist ohne Verwendung chemischer Mittel heute noch frei von Holzwurm und sonstigen Holzschädlingen. Es gilt als großes Meisterwerk der mittelalterlichen Zimmermannskunst und ist darüber eines der wenigen Beispiele, die aus jener Zeit vollständig erhalten sind. Der gute Zustand des Dachstuhls resultiert zum Teil aus einer besonderen Bearbeitungsmethode des verwendeten Holzes, die aus dem Schiffbau stammte. Nachdem das Holz in Salzwasser gelegt worden war, wurde es jahrelang getrocknet und mit Alaun behandelt. Darüber hinaus sorgte die ungewöhnliche Konstruktion des Dachstuhls für eine dauerhafte und gute Belüftung der Balken, so dass diese bis heute keine sonst üblichen Umwelteinflüsse aufweisen.

Aus kunsthistorischer Sicht ist neben dem Gebälk aber auch eine Tapisserie-Serie des 17. Jahrhunderts erwähnenswert. Die sechs aus einer Pariser Werkstatt stammenden Wandbehänge mit dem Namen Tenture de Psyché zeigen den Mythos von Psyche und wurden bis zum März 1994 noch im Schloss Rosny-sur-Seine aufbewahrt.

Garten- und Parkanlage

Das 25 Hektar große Gartenareal liegt östlich des Basse-Cour und ist von dort über eine Steinbrücke zu erreichen. Die symmetrisch angelegten Beete des einstigen Barockgartens sind jedoch nicht mehr erhalten. Anstatt dessen wird die Fläche heute fast vollständig von Wald eingenommen. Lediglich die vorhandenen Wege erinnern durch ihre Lage zueinander noch an die Gestaltung als Lustgarten.

Baugeschichte

Vorgängerbauten bis zum Ende des 14. Jahrhunderts