299x299px|mini|Lage
Langenzenn (fränkisch: „Langadsen“W. Wiessner: Stadt und Landkreis Fürth, S. 61.) ist eine Stadt im nordwestlichen Landkreis Fürth in Mittelfranken. Als einziges Unterzentrum im Landkreis Fürth ist Langenzenn insbesondere wegen der weiterführenden Schulen für den nördlichen Landkreis von zentraler Bedeutung.Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Landesentwicklungsprogramm Bayern 2006. München, 2006.
Geografie Geografische Lage Der Ort liegt an der Zenn, einem von mehreren Flüssen, die in die im Osten gelegene Regnitz fließen. Diese Flüsse und größeren Bäche haben das leicht wellige Hügelland geprägt, das als Rangau bezeichnet wird. Die Ortsmitte liegt auf . Im Süden begrenzt der hohe Dillenberg das Gemeindegebiet.
Geologisch liegt Langenzenn im mittelfränkischen Becken des fränkischen Keuper-Lias-Lands. Entlang des Zenngrunds erstrecken sich Lehrberg-Schichten des mittleren Gipskeupers, südlich und nördlich Blasensandstein des Sandsteinkeupers.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Sowohl der Sandstein als Baumaterial wie auch die Tone zur Ziegelherstellung wurden seit dem Mittelalter abgebaut.
Langenzenn ist Teil der Metropolregion Nürnberg und gehört damit zur Planungsregion Industrieregion Mittelfranken. Gut erreichbar sind die größeren Städte Fürth, Erlangen und Nürnberg.
Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 4633 Hektar. Davon sind 51 % landwirtschaftliche Nutzfläche (350 ha Dauergrünland und 1595 ha Ackerland) und 29 % bewaldet. Die Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen einen Anteil von 16 % ein.Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung:
Nachbargemeinden Wilhermsdorf (6,3 km) Großhabersdorf Cadolzburg (7,36 km) Veitsbronn (6,29 km) Puschendorf (4,41 km) Emskirchen (8,19 km) Hagenbüchach (4,41 km)
Gemeindegliederung Es gibt 23 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Neumühle zählt zum Gemeindeteil Langenzenn und Heinersdorfer Mühle zum Gemeindeteil Heinersdorf. Fallmeisterei ist eine Wüstung auf dem Gemeindegebiet.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Horbach (Gemarkungsteil 1), Keidenzell, Kirchfembach, Langenzenn und Laubendorf. Die Gemarkung Langenzenn hat eine Fläche von 12,104 km². Sie ist in 5219 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2319,13 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Alizberg, Gauchsmühle, Hardhof, Lohmühle und Wasenmühle.
Geschichte Vorgeschichte Die ersten Belege für Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet stammen aus der Mittelsteinzeit (um 10.000–6000 v. Chr.). Funde aus dieser Zeit, überwiegend Pfeilspitzen und kleine Werkzeuge, wurden im Hardgraben, in Stinzendorf, Erlachskirchen und Wittinghof entdeckt.
Mit Beginn der Sesshaftwerdung in der Jungsteinzeit begann der Mensch mit der Urbarmachung der Landschaft. Die dichten Wälder wurden in Ackerland verwandelt. Aus dieser Zeit wurden verschiedene Steinbeile, Pfeilspitzen und Werkzeuge gefunden, die im Heimatmuseum besichtigt werden können.
Auf dem Stadtgebiet Langenzenns liegen 13 Grabhügel aus der Hallstattzeit (um 1200–750 v. Chr.). Dies lässt auf eine relativ dichte Besiedelung in dieser Zeit schließen. Das am gründlichsten untersuchte Hügelgrab liegt im Hardwald und wurde 1896 von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg unter Leitung von Wilhelm Bernett freigelegt. Dieser Grabhügel hatte einen Durchmesser von 30 bei einer Höhe von 2,5 Metern und bestand hauptsächlich aus sauber geschichteten Sandsteinquadern, die aus einem eine Stunde weit entfernten Steinbruch stammten. Geschätzte 1100 Fuhren waren hierfür notwendig. Nach der Untersuchung wurde der Grabhügel fast vollständig abgetragen; die Steine wurden zur Ausbesserung von Wegen verwendet.
Den frühesten Hinweis auf eine Befestigung und damit auf eine dauerhafte Ansiedlung ist ein 1980 auf dem Marktplatz gefundener Eichenpfahl, der vom Rheinischen Landesmuseum Trier auf das Jahr 497 datiert wurde.
Frühes Mittelalter mini|Otto I. bei seinem Sieg über Berengar II. 961 Langenzenn entwickelte sich höchstwahrscheinlich aus einem Königshof mit benachbarter Marktsiedlung. Letztere wurde bereits 903 erwähnt, als König Ludwig IV. neben anderen Gütern auch „Zenna“ Bischof Erchanbald von Eichstätt übertrug. Der Ortsname leitet sich von dem gleichlautenden Gewässernamen ab, dem das angelsächsische Wort „dānian“ (feucht sein) zugrunde liegt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 127 f.
Am 16. Juni 954 hielt der deutsche König und spätere Kaiser Otto I. in „Cinnam“ einen großen Reichstag ab mit dem Ziel, die Verschwörung seines Sohnes Liudolf, des Erzbischofs von Mainz Friedrich und Konrads des Roten, Ottos Schwiegersohn, sowie etlicher weiterer Adliger zu beenden. Ottos Bruder Herzog Heinrich I. von Bayern behauptete, die Verschwörer hätten mit den zu dieser Zeit ins Land einfallenden Ungarn paktiert, was Liudolf abstritt. Er hätte lediglich den freien Abzug erkauft. Im Laufe der Versammlung unterwarfen sich Friedrich und Konrad dem König, während Liudolf in der Nacht davoneilte und erst später in Regensburg von Otto gestellt und unterworfen wurde. Nachdem das Land wieder geeint war, konnte Otto am 10. August 955 die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld vernichtend schlagen. Allein die Möglichkeit, den höchsten Reichsadel mitsamt Gefolge versorgen zu können, lässt auf eine nicht unerhebliche Wirtschaftskraft Langenzenns zu dieser Zeit schließen.
Vom Königshof zur Stadt Im Jahre 1021 ging Langenzenn durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs II. mit Herzogenaurach an das Erzbistum Bamberg. Kurz vorher hatte er es von einem Grafen Chunrad zurückerhalten. Die vorherigen Besitzverhältnisse liegen im Dunkeln.
Die Nürnberger Burggrafen bauten im 13. Jahrhundert ihr Herrschaftsgebiet zielstrebig aus. Auch Langenzenn wurde um 1248 von den Zollern (später: Hohenzollern) erworben. Dadurch entstanden in der Region neue Verwaltungsgebiete, für die häufig die Königshöfe als Verwaltungs- und Gerichtssitze dienten. So wurde auch Langenzenn ein Amt.
Im Jahr 1331 wurde der Ort erstmals urkundlich als „Langencenne“ bezeugt zur besseren Unterscheidung von Ober- und Unternzenn und Zennhausen (bei Neuhof an der Zenn). In der Folgezeit erhielt Langenzenn auch das Marktrecht.
mini|hochkant|Der Lindenturm, ein Teil der Stadtbefestigung Das Stadtrecht erhielt Langenzenn um 1360. Ebenfalls in dieser Zeit wurde das Halsgericht von Cadolzburg nach Langenzenn verlegt. Damit erhielt die Stadt neben der niederen Gerichtsbarkeit, die sie schon seit den Zeiten als Königshof innegehabt haben dürfte, auch die hohe Gerichtsbarkeit. Damit durfte in Langenzenn über schwere Straftaten gerichtet und die Todesstrafe ausgesprochen und vollzogen werden. Noch heute erinnert der Galgenberg im Osten Langenzenns daran. Die Aufgaben und Verfahren des hohen Gerichts waren in der Brandenburgische[n] Peinliche[n] Halsgerichtsordnung geregelt, die die Markgrafen Kasimir und Georg von Brandenburg-Kulmbach zunächst nach Vorbild der Bambergischen Peinlichen Halsgerichtsordnung erließen und die später die von Kaiser Karl V. auf dem Augsburger Reichstag erlassene Constitutio Criminalis Carolina ergänzte. Aus dieser Zeit sind noch viele Prozessakten erhalten geblieben mit etlichen Todesurteilen wegen Inzucht, Totschlag, Diebstahl und Mord. Von 1569 bis 1592 wurden zwölf Hexenprozesse durchgeführt und zehn Frauen und ein Mann als Hexen/Hexer verbrannt.Namensliste der Opfer der Hexenprozesse Langenzenn (PDF-Datei; 65 kB)
Das Münzrecht erhielt die Stadt am 20. Januar 1361 von Kaiser Karl IV. Damit hatte Langenzenn alle Rechte einer mittelalterlichen Stadt und war ein wichtiges Zentrum der Region.
1382 wurde in Langenzenn ein Spital gegründet. Der älteste Teil des Spitalgebäudes ist der Haupttrakt im Süden aus dem Jahr 1536. Der Stifter war möglicherweise der damalige Bamberger Domherr Johannes von Seckendorff.Kurt Sellner: In: Heimatgruß Nr. 71. Dezember 2007.
Während des Städtekriegs wurde Langenzenn 1388 von durchziehenden Armeen eingeäschert. Auch die 1280 erbaute Marienkirche wurde vollständig niedergebrannt. Nur eine hölzerne Marienstatue konnte, schwarz von Ruß, jedoch unversehrt, aus der Kirchenruine geborgen werden. Die „Schwarze Maria“ war von da an und auch nach der Reformation bis 1580 Ziel von Wallfahrten. 1842 wurde sie verkauft, ihr Verbleib ist unbekannt.Kurt Sellner: In: Heimatgruß Nr. 72. Langenzenn, Dezember 2008.
Eine Urkunde von 1414 belegt, dass Langenzenn einen vom Markgrafen ernannten Vogt hatte. Zum Stadtvogteienamt gehörten neben Langenzenn die Orte Burggrafenhof, Dürrnbuch, Dürrnfarrnbach, Heinersdorf, Horbach, Keidenzell, Kirchfarrnbach, Laubendorf, Lohe, Oberulsenbach, Raindorf, Retzelfembach, Seukendorf, Siedelbach und Veitsbronn.
1464 wurden die Ämter Cadolzburg, Langenzenn und Roßtal zum Oberamt Cadolzburg zusammengefasst, in dem Langenzenn der einzige Ort mit Stadtrecht war.
Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zogen unter anderem Johann T’Serclaes von Tilly, Wallenstein und Ottavio Piccolomini mit ihren Armeen durch das Gebiet. Die Stadt wurde wiederholt (etwa im Herbst 1631 ) geplündert; viele Bürger flohen nach Nürnberg. Zur Wiederbesiedelung trugen nicht zuletzt die österreichischen Exulanten bei, die sich nach dem Krieg dort niederließen. mini|Die Vogtei Langenzenn (1710) Dem Stadtbrand von 1720 fiel das Rathaus von 1612 zum Opfer. Ein neues, noch heute bestehendes Rathaus wurde zwischen 1721 und 1727 errichtet.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Langenzenn ca. 150 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Stadtvogteiamt Langenzenn aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte der Rat Langenzenn. Grundherren waren das brandenburg-ansbachische Kastenamt Cadolzburg (Ratshaus, Amtshaus, 12 Güter, ca. 130 Häuser) und das Klosteramt Langenzenn (Klosteranlage, 3 Häuser).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 135.
Markgraf Karl Alexander verkaufte 1791 seine beiden Fürstentümer Bayreuth und Ansbach, zu dem auch Langenzenn gehörte, an Preußen. Durch die damit verbundene Verwaltungs- und Gerichtsreform verlor Langenzenn 1797 sein Stadtvogteienamt und das Halsgericht. Ersetzt wurden sie durch das Justizamt Cadolzburg und das Kammeramt Cadolzburg, wodurch Exekutive und Legislative zum ersten Mal getrennt waren. Eine Sonderstellung behielt Langenzenn dennoch, da es als kreisunmittelbare Stadt direkt der neu gegründeten Kreisdirektion Schwabach unterstellt war. Langenzenn erhielt auch ein Stadtgericht, einen Justiz- und einen Polizeibürgermeister.
mini|400px|Langenzenn um 1800 Nachdem Preußen im Vierten Koalitionskrieg Napoléon unterlegen war, fiel das Fürstentum Ansbach 1806, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, an das Königreich Bayern.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Langenzenn gebildet, zu dem Alizberg, Gauchsmühle, Neumühle, Lohmühle und Wasenmühle gehörten. Wenig später entstand die Munizipalgemeinde mit einem Magistrat III. Klasse Langenzenn, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Cadolzburg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Cadolzburg (1919 in Finanzamt Cadolzburg umbenannt).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 230. Dadurch verlor sie ihre Kreisunmittelbarkeit und das Stadtgericht. Mehrere Versuche seitens Langenzenns, ein königliches Amt zurückzuerhalten, verliefen erfolglos.Kroner: Langenzenn. S. 89 f.
Ab 1862 gehörte Langenzenn zum Bezirksamt Fürth (1939 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Cadolzburg (1879 in Amtsgericht Cadolzburg umbenannt), seit 1931 ist das Amtsgericht Fürth zuständig. Die Finanzverwaltung wurde am 1. Januar 1929 vom Finanzamt Fürth übernommen. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 11,681 km².