Gewa (), auch Geva, ist ein zwischen Afula und Beit Scheʾan in der Jesreʿel-Ebene gelegener Kibbuz im Nordwesten Israels. Er wurde bereits am 17. Dezember 1921Mordechai Naor: Eretz Israel, S. 114. von russischen und polnischen Einwanderern gegründet. Der Kibbuz gehörte zu den ersten fünf jüdischen Siedlungen, die im Herbst 1921 in der Jesreʿel-Ebene gegründet wurden.
Geschichte Die Geschichte von Gewa hat auch eine deutsche Komponente, die ihren Anfang nahm mit einer Praktikantenausbildung in einem jüdischen Siedlungsprojekt im brandenburgischen Ort Halbe und über Gewa und Beit Alfa zum gescheiterten Gründungsversuch der Kvuza Zvi führte, wie die Berichte der Zeitzeugen Schlomo Ettlinger und Siegfried Hirsch belegen.
Ettlinger ging im Sommer 1921 nach Palästina. Er nahm verschiedene Arbeiten an, bevor er sich einer aus Halbe nachgekommenen Gruppe und einigen anderen Mitgliedern des Blau-Weiß anschloss, die zusammen mit Mitgliedern des HaSchomer haZaʿir nach Gewa gingen. Zu dieser deutschen Gruppe, die Gewa mitgründete, gehörten laut Ettlinger Adolf Marx, Max Hirsch und seine Frau Bella Birk, Karl Steinschneider, Georg Brumm, Walter Joel, Fritz Neumann, Siegfried Hirsch, Jossel Nussbaum, Arthur Israelowitz und Anna Stern.Zu einigen dieser Personen siehe: Landwerk Halbe: Pioniere für Palästina und Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen, S. 86 ff.
Bei Ettlinger und Siegfried Hirsch erfährt man wenig über die Entwicklung von Gewa; der Kibbuz scheint für die Gruppe eher eine Art Basisstation gewesen zu sein, von der aus sie die Besiedelung von Beit Alfa vorbereitete. Siegfried Hirsch referiert ein paar Eindrücke vom Zusammenleben der Gruppe und beschreibt die schweren Drainagearbeiten, wobei diese aber breitere Teile des ʿEmeq (Jesreʿel-Ebene) betrafen und weniger Gewa alleine. Die Drainagearbeiten wurden im Auftrag der Renania [], einer Tochtergesellschaft des Jüdischen Nationalfonds ausgeführt und auch bezahlt. Leiter dieser Gesellschaft waren Theodor Zlocisti und Joseph Loewy, die gelegentlich auch vorbeischauten und von Hirsch als „Bundesbrüder“, Mitglieder im Kartell Jüdischer Verbindungen also, bezeichnet wurden, dem auch viele der deutschen Gewa-Pioniere angehörten.Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen, S. 87
Ende 1922/Anfang 1923 verließen die deutschen Pioniere Gewa und zogen weiter nach Beit Alfa.Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen, S. 88
Émile Vandervelde berichtet von den Lebensverhältnissen im Jahr 1929.
Ein weiteres Mal geriet Gewa 1933 in den Fokus deutscher Interessen. Um die Nationalsozialisten davon zu überzeugen, dass die Lösung der Judenfrage in der Auswanderung der deutschen Juden nach Palästina liege, reisten damals der deutsche Zionist Kurt Tuchler und der hochrangige SS-Offizier Leopold von Mildenstein, jeweils begleitet von ihren Ehefrauen, durch Palästina und kamen dabei auch nach Gewa.
1995 hatte der Kibbuz 547 Einwohner, im Jahr waren es Einwohner. Er liegt auf einer Höhe von 15 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Einwohner leben hauptsächlich von der Landwirtschaft (Mandeln, Citrusfrüchte, Rinderhaltung, Fischzucht) und Maschinenbau (pneumatischer Anlagenbau). Der Tourismus spielt kaum eine Rolle.
Der 2016 verstorbene Shimon Peres lebte zeitweilig in Gewa. Sandra Demmelhuber: Trauer um Shimon Peres, BR24, 28. September 2016
Literatur Mordechai Naor: Eretz Israel. Das zwanzigste Jahrhundert, Könemann, Köln 1998, ISBN 3-89508-594-4. Siegfried Hirsch: Alija eines Agronomen (1922). In: Eli Rothschild (Hrsg.): Meilensteine. Vom Wege des Kartells Jüdischer Verbindungen (K.J.V.) in der zionistischen Bewegung, eine Sammelschrift im Auftrag des Präsidiums des K.J.V. Tel Aviv 1972, S. 85–91. Schlomo Ettlinger: Die Kwuzah Zwi. In: 50 Jahre Blau Weiss, S. 12–13. Bei der Publikation handelt es sich um ein sechsunddreißigseitiges Heft in deutscher Sprache, zusammengestellt von F. W. Pollack für das Komitee der 50-Jahr-Feier des Blau-Weiss. Das Treffen fand am 18. und 19. Mai 1962 in Naharija statt.
Weblinks
Webpräsenz des Kibbuz Axel Meier: Die Artikelserie "Ein Nazi fährt nach Palästina", Bundeszentrale für Politischen Bildung, 18. November 2014.
Einzelnachweise
Kategorie:Kibbuz Kategorie:Gemeindegründung 1921 Geva