mini|Russische Eisenbahntruppen bei einem Wettbewerb (2016) mini|Getarnter russischer UK-25-Schienen­verlege­kran (2021) mini|Feldbahnübung Pritzwalk–Parchim–Sternberg Eisenbahntruppen sind Militärabteilungen, die auch als Eisenbahnpioniere bezeichnet werden. Sie bauen, reparieren, betreiben oder zerstören militärisch relevante Eisenbahnstrecken und die dazugehörende Infrastruktur.

Geschichte Die Aufstellung von Eisenbahntruppen wurde bei den meisten Großmächten mit dem Aufkommen, dem raschen Ausbau und der wachsenden Bedeutung des Eisenbahnnetzes veranlasst, als die Vorteile der Eisenbahn für den Transport von Truppen, schweren Waffen und Nachschub erkannt wurden. Ursprünglich geschah das im deutschsprachigen Raum unter der Bezeichnung „Feldeisenbahnwesen“. In vielen Staaten gab es im Frieden keine oder nur sehr kleine Einheiten dieser Art. Die ersten derartigen Einheiten wurde 1859 von Frankreich im Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg aufgestellt.

Sezessionskrieg Im Sezessionskrieg wurde seitens der Nordstaaten sämtliche Eisenbahnstrecken General McClellan mit uneingeschränkter Vollmacht unterstellt. Anfangs formierte MacClellan ein Konstruktionskorps aus einfachen Soldaten, doch erkannte er bald, dass die mangelhafte Vorbildung der Truppen für technische Arbeiten ein militärisch organisiertes Korps mit technisch vorgebildeten Bauingenieuren und Arbeitern erforderte. Im Laufe des Krieges wuchs diese Truppe auf etwa 25.000 Mann an. Sie war in Bauabteilungen mit Unterabteilungen für Strecken- und Brückenbau sowie in Betriebsabteilungen eingeteilt.

Die Bauabteilungen hatten die Aufgabe, neue Linien zu bauen, zerstörte Bahnanlagen zu reparieren oder gegebenenfalls auch zu zerstören. Die Betriebsabteilungen sorgten für die Beschaffung und richtigen Einsatz des Betriebsmaterials und den Betriebsdienst. Unter Umständen wurden für größere Bauten Zivilarbeiter herangezogen, so beispielsweise bis zu 1.400 Zimmerleute beim Bau der Etowah- und der Chattahoocheebrücke.

Der große und oft entscheidende Einfluss, den diese Eisenbahnabteilungen im Sezessionskrieg auf den Kriegsverlauf ausübten, veranlasste die europäischen Staaten, ähnliche Formationen zu bilden.

Deutschland Preußen mini|Zwillingsdampflokomotive mit Hilfstender auf einer Pionierbrücke bei der Heeresfeldbahnübung 1909

Preußen schuf 1866 bei der Mobilmachung im Deutschen Krieg drei Eisenbahnabteilungen, die aus je zwölf vom Handelsministerium zur Verfügung gestellten Eisenbahntechnikern und einem Militärdetachement von etwa 50 Mann bestanden. Das II. Eisenbahnregiment war dabei mit der Königlich Preußischen Militäreisenbahn bei Berlin verbunden. Diese dem Militärfiskus gehörende Bahn wurde von der Königlichen Direction der Militäreisenbahn verwaltet.

Die Tätigkeit der Eisenbahnregimenter war ähnlich derjenigen der amerikanischen Bauabteilungen, während besondere, vom Handelsministerium formierte Betriebskommissionen den Betriebsdienst auf den okkupierten Bahnen regelten.

Die Erfahrungen aus dem Deutschen Krieg führten zur Planung einer ständigen militärischen Organisation des Feldeisenbahnwesens, mit dem schon im Frieden ein Stamm von im Eisenbahnwesen ausgebildetem Personal bereitgehalten werden sollte, was aber bis zum Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 nicht erreicht werden konnte. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde der Transport von Truppen, deren Bewaffnung und des Nachschubs per Eisenbahn bereits ein Bestandteil der Mobilmachung und der Operationsführung. In etwa vier Wochen konnten dabei in 1.492 Zügen aus den deutschen Staaten insgesamt etwa 630.000 Mann, 170.000 Pferde sowie 18.000 Geschütze und Fahrzeuge in das Grenzgebiet und nach Frankreich gebracht werden. In Preußen wurde daher mit Allerhöchster Kabinettsorder (A.K.O.) vom 19. Mai 1871 das Eisenbahn-Bataillon Nr. 1 in Berlin aufgestellt.

Bayern mini|Denkmal für die Gefallenen der Bayerischen Eisenbahntruppe In Bayern gab es bis zum Ersten Weltkrieg das Königlich Bayerische Eisenbahn-Bataillon. Es wurde im August 1914 ausgehend von seinen 569 Soldaten im Frieden auf die Kriegsstärke von 3105 Soldaten und 163 Pferden aufgestockt und zum ersten und einzigen Mal mobilgemacht. Aus den drei Kompanien im Frieden wurden so in kurzer Zeit 12 Kompanien, 15 mobile Bahnhofskommandanturen, eine Panzerzugbesatzung, eine Militärbetriebsabteilung und die Dienststelle eines Stabsoffiziers der Eisenbahntruppen gebildet. Die Eisenbahntruppen wurden in nachweislich etwa 878 Kriegsformationen aufgeteilt. Bis 1918 entstanden dabei auch 14 Baukompanien und 14 Betriebskompanien allein aus dem Münchener Eisenbahn-Bataillon. Während die Truppen- und Materialbewegungen über große Entfernungen zum Standard gehörten, entwickelte sich das Feldbahnen-System zu einem unverzichtbaren Transportmittel im Stellungs- und Grabenkrieg.

An die Bayerische Eisenbahntruppe erinnert heute ein Denkmal auf dem Gelände des Bundeswehrverwaltungszentrums in München, Dachauer Straße 128, Ecke Hedwig-Dransfeld-Allee. Es ist öffentlich zugänglich.Gerhard Willhalm: Denkmal für die Gefallenen der Bayerischen Eisenbahntruppe, CC BY-NC 4.0.

Deutsches Reich 1870 wurden wieder Feldeisenbahnabteilungen formiert und zwar fünf preußische und eine bayerische. Diese waren jedoch wesentlich besser ausgestattet als 1866: Jeweils 20 Ziviltechniker, 4 Offiziere und etwa 200 Vorarbeiter und Soldaten standen pro Abteilung zur Verfügung. Außerdem wurden für größere Bauaufgaben zusätzlich Zivilarbeiter beschäftigt. Den Betrieb auf den okkupierten Bahnstrecken übernahmen wiederum Betriebskommissionen. Die Eisenbahnabteilungen wurden im Deutsch-Französischen Krieg vielfach eingesetzt, so bei der Reparatur zerstörter Brücken und beim Bau der Bahn zur Umgehung der Festung Metz.

Organisation der preußischen Eisenbahntruppen ab 1871 mini|Soldaten des preußischen Eisenbahnregiments Nr. 1 am Bahnhof Zossen 1911 In Preußen wurde am 1. Oktober 1871 ein Eisenbahnbataillon gebildet, das den Stamm für das 1885 formierte preußische Eisenbahnregiment bildete. Südöstlich des Anhalter Bahnhofs entstand etwas südlich der Kolonnenstraße an der heutigen Wilhelm-Kabus-Straße in Berlin-Schöneberg der Preußische Militärbahnhof Schöneberg, der erste Bahnhof in der damals noch selbstständigen Stadt. 1875 wurde von hier der Betrieb zum brandenburgischen Schießplatz Kummersdorf aufgenommen, später bis nach Jüterbog. 1877 wurde die Kaserne der Eisenbahntruppen an der Kesselsdorfer Straße in Schöneberg fertig gestellt, wo zunächst auch die Luftschiffer-Abteilung untergebracht war. Das Gelände wurde bis zum Ersten Weltkrieg stark erweitert und erstreckte sich teilweise in Berlin auf Tempelhofer Gebiet, teils auf dem Gebiet der Stadt Schöneberg.Eve-Catherine Trieba: Fast vergessen: Der Preußische Militärbahnhof. In: Q.iez, 2. August 2013, abgerufen am 19. Februar 2026.

Das Regiment wurde zum preußischen Eisenbahnregiment Nr. 1 umbenannt, als am 1. April 1890 die Eisenbahn-Brigade aufgestellt wurde, die anfangs zwei, später drei Regimenter zu je zwei Bataillonen mit je vier Kompanien umfasste. Ein viertes Regiment befand sich 1914 in Aufstellung. In anderen Bundesstaaten wurden ebenfalls Eisenbahn-Bataillone errichtet, so das sächsische, württembergische etc. Im Einzelnen wurden folgende Einheiten arrangiert:

Verkehrstruppen ab 1. Oktober 1871 Aufbauend auf Feldeisenbahn-Abteilung mit Eisenbahn-Bataillon, Luftschiffer-Abteilung, Inspektion Telegrafentruppe, im Verband mit Ingenieurs- und Pionier-Korps. Eisenbahn-Regiment Nr. 1, Stiftungstag 30. Dezember 1885 (als Eisenbahn-Regiment), Standort Berlin/Schöneberg (bis 1890 zusammen mit dem 1884 errichteten Luftschiffer-Bataillon) Eisenbahn-Regiment Nr. 2, Stiftungstag 20. Februar 1890, Standort Berlin, ab 1910 Hanau (Hessen-Homburg-Kaserne)Günter Gottlieb: Impressionen zur Geschichte der Lamboy-Kasernen. Stadtarchiv Hanau, 2011, Sachakte StadtA HU, K 71, 52, abgerufen am 19. Februar 2026. Eisenbahn-Regiment Nr. 3, Stiftungstag 11. August 1892, Standort Berlin, ab 1913 Hanau (spätere Hutier-Kaserne) Eisenbahn-Regiment Nr. 4, Stiftungstag 4. Mai 1913 (als Eisenbahn-Bataillon, Umformierung zum Regiment für Herbst 1914 vorgesehen), Standort Berlin

Der Eisenbahn-Brigade waren eine Depotverwaltung und eine Betriebsabteilung für den Betrieb der Königlich Preußischen Militär-Eisenbahn zugeteilt, deren Offiziere und Mannschaften abwechselnd von verschiedenen Einheiten der Brigade gestellt wurden.

Die Eisenbahntruppen gehörten seit dem 1. Oktober 1899 zu den Verkehrstruppen und waren damit der Inspektion der Verkehrstruppen unterstellt. Die preußischen Eisenbahnregimenter gehörten zum Gardekorps und trugen entsprechende Uniformen mit Gardelitzen und Adler mit Stern an der Pickelhaube. Die beiden nach Hanau verlegten Regimenter wurden am neuen Standort dem XVIII. Armee-Korps unterstellt, behielten aber den Gardestatus. Die Mannschaften wurden im Eisenbahnbau und Eisenbahnbetriebsdienst ausgebildet und waren dazu bestimmt, sowohl die früheren Feldeisenbahnabteilungen durch Eisenbahnkompanien, wie die Betriebskommissionen durch Eisenbahnbetriebskompanien und Militäreisenbahndirektionen zu ersetzen. Im Krieg wurden die Eisenbahntruppen durch Reserven und Landwehren verstärkt.

Zur Ausbildung der Eisenbahntruppen war dem Heer die Verwaltung der Bahnlinie Berlin bzw. Schöneberg – Zossen – Jüterbog (Königlich Preußische Militär-Eisenbahn) übertragen worden.Das kleine Buch vom deutschen Heere. Lipsius & Tischer, Kiel und Leipzig 1901, S. 203. Ab 1890 wurde die Strecke zwischen Schöneberg und Zossen auch zivil genutzt. Die Wissensvermittlung fand auf dem weitläufigen Gelände der späteren Heeresversuchsanstalt Kummersdorf statt, der über ein südlich des Bahnhof Sperenberg von der Militärbahnstrecke abzweigendes Anschlussgleis erreicht wurde.

Neben diesen Einrichtungen zum Bau und Betrieb von normalspurigen Eisenbahnen verwalteten die Eisenbahntruppen Material, um Feldbahnen zu errichten und zu betreiben. Im August und September 1909 wurde im Rahmen einer Heeresfeldbahnübung unter Mitwirkung preußischer und bayrischer Eisenbahnpioniere in Sachsen eine knapp 37 Kilometer lange Feldbahn errichtet.

Erster Weltkrieg mini|Die Militäreisenbahndirektionen und Linienkommandaturen an der Westfront im November 1914 Die Eisenbahntruppen wurden im Ersten Weltkrieg in großem Umfang hinter der Front zum Transport von Truppen und Material eingesetzt. Die Feldbahnen unterstanden dem Chef des Feldeisenbahnwesens (FECH). In den besetzten Gebieten Frankreichs und im besetzten Belgien wurden zur Verwaltung und dem Betrieb der dort erbeuteten Eisenbahnanlagen drei Militäreisenbahndirektionen gebildet:Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 21. November 1914, Nr. 62. Nachrichten, S. 394. Militäreisenbahndirektion M.E.D. 1 in Lille Militäreisenbahndirektion M.E.D. 2 in Sedan Militäreisenbahndirektion M.E.D. 3 in Charleroi, ab September 1916 in HirsonEisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 23. September 1916, Nr. 48. Nachrichten, S. 300.

An der Ostfront wurden folgende Militäreisenbahndirektionen eingerichtet: Militäreisenbahndirektion M.E.D. 4 in Warschau ab 5. August 1915Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 14. August 1915, Nr. 41. Nachrichten, S. 273. Militäreisenbahndirektion M.E.D. 5 in Kowno ab 20. August 1915Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 4. September 1915, Nr. 45. Nachrichten, S. 296.