Als Besserwisser wird umgangssprachlich eine Person bezeichnet, die ihre Meinung in belehrend-aufdringlicher Art und Weise äußert und damit den Anschein erweckt, als ob sie in bestimmten (oder in allen) Angelegenheiten mehr Wissen oder Bildung besäße oder dazu besser urteilen könne als andere. Die Umgebung nimmt am Verhalten solcher Personen Anstoß – nicht so sehr, weil man ihnen das (angebliche oder tatsächliche) Wissen neidet, sondern weil sie andere uneingeladen belehren, sich den Meinungen, den Argumenten und dem Wissen anderer Menschen aber verschließen. Dadurch entsteht ein Anschein von Überheblichkeit und mangelndem Taktgefühl. Als unangenehm wird auch ein überzogenes Wettbewerbsverhalten von Menschen empfunden, die weniger aus Interesse am Thema als um des Rechtbehaltens willen diskutieren.

Lexik und Semantik Als Synonyme werden Komposita wie „Rechthaber“, „Siebengescheiter“, „Neunmalkluger“, „Schlaumeier“, „Schlaufuchs“, „Oberlehrer“, „Klugredner“ oder „Klugscheißer“ verwendet,Vgl. Herbert Maas: Das Nürnberger Scheltwort. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bd. 43, 1952, S. 361–483, hier S. 431 Klugscheißer und S. 466 Siebengescheiter als Synonyme für Besserwisser als „Mensch, der auffällig seine Weisheit zum Besten gibt“ digitale-sammlungen.de Online-Quelle regional auch weitere Ausdrücke, etwa „G'scheidhaferl“ (im Bairischen) oder „Sapienzbüchse“ (im Berndeutsch)so bei Jeremias Gotthelf: Anhang zu seinem Roman Der Bauernspiegel, Langlois, Burgdorf 1837 online beim Projekt Gutenberg in denen jeweils die Wertung von neutral bis diffamierend sichtbar werden und die je nach Bewertung des Wahrheitsgehaltes und des Sprechaktes auf unterschiedliche Wortfelder wie „Angeber“ oder „Hochstapler“ verweisen. Grundsätzlich ist sowohl die Verwendung als Verb oder Adjektiv möglich, beispielsweise als „schulmeistern“, „oberlehrerhaft“ oder „besserwisserisch“. Im Sprachvergleich finden sich z. B. im Englischen von know-it-all bis smartass parallele Wortbildungen. Im Französischen wird das ironische Bewerten durch petit malin (kleiner Cleverer) als eine dem Neunmalklugen entgegengesetzte Verschiebung gebildet. „Besserwisser“ wird als deutsches Lehnwort in einigen nordgermanischen Sprachen, wie in Finnland benutzt.So als Selbstbezeichnung des Fernseh-Quiz-Experten Markus Leikola suomenkuvalehti.fi Nach der Wende wurden in vielen Behörden und Betrieben der neuen Bundesländer Führungskräfte aus den westdeutschen Ländern eingestellt. In diesem Zusammenhang entstand in den Folgejahren das Kofferwort Besserwessi, das auch den Anklang und den Inhalt des Besserwissers transportiert.

Besserwissen als Verhalten Einer der ersten Belege für den unberechtigten „Spötter und Verächter“ findet sich in der Enzyklopädie des anonym erschienenen Geistlichen Seelen-Artzt von 1700:

Bereits im Spätbarock wird der Besserwisser nicht nur als „starker Widersprecher“ gesehen, sondern vor allem auch als Prahler und

In einem Lehrbuch heißt es 1787: „Ein Ideenpreßer und Beßerwißer, verwirft alles Wißen anderer, rühmt sein Geschick ohne Scham, kauft und liest nicht, und bleibt zeitlebens ein Dummkopf erster Größe.“Joseph Lenhardt: Arzneyen ohne Maske. 1. Ernst, Leipzig/Quedlinburg 1787, hier S. 13–14, digitale-sammlungen.de Online-Quelle Dieser Zusammenhang von Kritik und Selbstüberschätzung gehört anscheinend zum Kern der Besserwisserei, wenn wir dem autobiographischen Erzählungen von Otto Ernst folgen, der 1916 feststellte:

Besserwissen bezeichnet also die Handlung, zielt aber auf den Charakter des so Bezeichneten, dies meist ablehnend oder sogar als Schimpfwort.Vgl. Deutsches Schimpfwörterbuch oder die Schimpfwörter der Deutschen. Meinhardt, Arnstadt 1839, hier S. 7 digitale-sammlungen.de Online-Quelle Durch die Etikettierung soll der Angesprochenen mindestens darauf hingewiesen werden, dass sein Kommunikationsverhalten als unangenehm empfunden wird.Vgl. Jana Felgenhauer: Warum manche Menschen alles korrigieren wollen. In: Barbara brigitte.de vom 30. Juni 2021 Wird diese Kritik, z. B. durch variierenden Gebrauch von Synonymen, verschärft, besteht oft die Absicht, Argumentationskette des Verwenders im Sinne eines argumentum ad hominem abzuschneiden.Vgl. Marie-Theres Braun: Menschen überzeugen, die Recht haben wollen. 24 kooperative Techniken. Campus, Frankfurt/New York 2023 Die Schriften der Aufklärung, so bei Christoph Martin Wieland in seinen Die AbderitenChristoph Martin Wieland: Christoph Martin: Die Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte. Hoffmann, Weimar 1774. betonen den Gegensatz zwischen Tradition und Bildung, hier den Abderiten und neugierigen Kosmopoliten, wobei letztere als Besserwisser verleumdet werden, die wiederum im Bewahren und Beharren alter Wissensbestände ein Nicht-Besser-Wissen konstatieren, was letztlich als ein bis heute fortwirkendes Begriffs- und Kommunikationsproblem erscheint.Zu den gegenseitiger Beschuldigungen siehe Christiane Bohnert: Der Weg vom Wort zur Tat. Maßstab und Wirklichkeitsbezug der Satire 1774-1792. In: The German Quarterly. Band 60 (1987), Heft 4, S. 458–566, hier S. 551–552 . Besserwissern wird manchmal zugestanden, tatsächlich etwas von ihrem Thema zu verstehen. Sie würden aber eben versuchen, durch Demonstration von Fachwissen sozialen Status als fachliche Autorität zu gewinnen, um ihrem Schicksal als Pantoffelheld zu entgehen, so 1836 der liberale Arzt und Essayist Ernst von Feuchtersleben:

Er belegt zugleich mit der Kannegießerei die politische Dimension der Besserwisserei und eine ihrer psychischen Ursachen. Diese ist bis heute der Ansatz von Gegenstrategien.Dazu besonders Evelyn Summhammer: Nörgler, Besserwisser, Querulanten. Wie Sie schwierige Menschen zielsicher steuern. Goldegg, Berlin/Wien 2016, ISBN 978-3-903090-07-1. Besserwisserische Äußerungen werden somit zunächst empfunden als Angriff auf Autoritätsstrukturen, die von den anderen Beteiligten stillschweigend anerkannt werden. Für Robert Musil ist ein solches Verhalten damit nur eine Ausprägung des 'Möglichkeits-Sinns':

Ihre Umgebung empfindet dennoch Zeitpunkt und Inhalt der Äußerungen als der sozialen Situation unangemessen. Kommunikatives Ziel der Benutzung des Begriffs Besserwisser kann damit auch sein, durch heimlichen Verweis auf bestehende Autoritätsstrukturen Denkverbote zu erteilen oder sogar Tabus zu etablieren. Kritiker als Besserwisser abzukanzeln hat Tradition und zugleich wird in dieser Polemik von 1915 ein interessantes Profil von Besserwisserei formuliert:

Die bis heute nachvollziehbare Gleichsetzung des Besserwissers mit dem bramarbasiernden Bierbank-Strategen findet sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts.Albert Brinitzer: Bierbankstrategen. Lustige Naturgeschichte der Besserwisser und Mießmacher, mit vielen feucht-fröhlichen Stammtischwitzen durcheinandergegossen. Tornister-Humor Bd. 46. Lustige Blätter, Berlin ca. 1917 Ein weiteres Beispiel der Instrumentalisierung des Begriffes ist die scharfe Moderne-Kritik bei Oswald Spengler, in der er den Besserwisser zur dominanten Sozialcharaktere seiner Zeit erklärt:

Dieser diffamierende Gebrauch für die Kritik an Autoritäten und autoritären Strukturen lässt sich bis heute nachweisen.Paul_Noack: Deutschland, deine Intellektuellen. Die Kunst, sich ins Abseits zu stellen. Über die Besserwisser der Nation. Ullstein, Frankfurt/Main 1993, ISBN 3-548-35308-8.

In manchen Fällen werden große Teile des Wissens nur vorgetäuscht. Wenn dabei vor Spitzfindigkeiten, Fehlschlüssen und Wortverdrehungen nicht zurückgeschreckt wird, spricht man von Rabulistik. Einer sachlichen Argumentation, in deren Verlauf die Überprüfung oder Kontextualisierung angeblichen Wissens gefordert wird, entziehen sich die Besserwisser dann konsequent durch rhetorische Mittel wie Sophismen und Scheinargumente, so dass die Hochstapelei über lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Oftmals ist sie auch dem Betroffenen selbst gar nicht bewusst.Als Musterfall kann hier Felix Krull von Thomas Mann gesehen werden, vgl. Stefan Helge Kern: Die Kunst der Täuschung. Hochstapler, Lügner und Betrüger im deutschsprachigen Roman seit 1945 am Beispiel der Romane Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Mein Name sei Gantenbein und Jakob der Lügner. Diss. Hannover 2003; und Jürgen Wilke: Von der Wahrhaftigkeit zur Gerechtigkeit. Die historische Herausbildung von Normen des journalistischen Handelns. In: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte, Bd. 18, 2016, S. 24–50.

Ähnlich wie beim Fanatiker stößt sich die Umgebung am Besserwisser besonders dann, wenn er moralisierend an seiner als vorgefasst empfundenen Meinung festzuhalten scheint.

Besserwisser als Figur und Kategorie Ein Besserwisser ist die Hauptfigur in dem von den Brüdern Grimm 1843 erstmals veröffentlichten Märchen Meister Pfriem.

Else UryElse Ury: Professors Zwillinge im Sternenhaus. Meidinger, Berlin 1928 projekt-gutenberg.org Online-Quelle lässt in ihrem Roman Professors Zwillinge einen solchen Charakter als Jenenser Gymnasiast lebendig werden:

Der Publizist Eike Christian Hirsch veröffentlichte ab 1975 in der Illustrierten Stern seine Sprachglosse Deutsch für Besserwisser, die er dann bis 2008 zu mehreren Buchausgaben erweiterte.Beginnend mit Eike Christian Hirsch: Deutsch fuer Besserwisser. Hoffmann u. Campe, Hamburg 1976 bis Deutsch kommt gut. Sprachvergnügen für Besserwisser. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56814-5.

In Helge Schneiders Film Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) tritt ein Besserwisser (gespielt von Ludger Pistor) auf, der mit seinen ständigen Ratschlägen den Bewohnern von Texas derart auf die Nerven geht, dass sie ihn schließlich aufhängen.

Die Ärzte veröffentlichten 2003 auf dem Album Geräusch das Lied Besserwisserboy:

Der Hamburger Xenos-Verlag vermarktete ab 2005 seine schmalen populärwissenschaftlichen Sachbilderbücher als Besserwisser Mini.als Beispiel Maren von Klitzing; Christoph Clasen: Rettungsfahrzeuge. Xenos, Hamburg 2005, ISBN 3-8212-2870-9.

In Woody Allens Film Midnight in Paris (2011) ist Inez zwischen der introvertierten männlichen Hauptfigur Gil und dem mit seinem Kunstwissen prahlenden Blender Paul (Michael Sheen) hin- und hergerissen.

In dem deutschen TV-Film Mein Sohn, der KlugscheißerPremiere ARD am 7. Oktober 2016 nervt der Sohn einer alleinerziehenden Hamburger Busfahrerin (gespielt von Alwara Höfels) mit seinen vorlaut zur Schau gestellten Mathefähigkeiten und seinem ungewöhnlichen Wissen Schulkameraden und Nachbarn. Es kommt sogar zu gewalttätigen Zwischenfällen. Nach diversen Umwegen findet Jerôme Höffner (gespielt von Maximilian Ehrenreich) in einen Förder-Internat Gleichgesinnte, die mit seiner Besserwisserei umgehen können.

Seit 2019 erscheint im Essener Klartext-Verlag die Reihe Für Klugscheißerals Beispiel Florian Reinecke: Werder Bremen für Klugscheißer. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten. Klartext, Essen 2021. in der populäre Irrtümer von Beethoven bis Werder Bremen aufbereitet werden.

Der Rabe RabulinskiJoe Ziegler: Rabe Rabulinski. Besserwisser, Oberschlaumeier, Wortverdreher. mit Illustrationen von Carolyn Pini. tredition, Hamburg 2021, ISBN 978-3-347-20401-0 zeigt Kindern, wie man mit nervigen Besserwissern umgehen könnte.

Siehe auch Rabulistik Halbbildung Mansplaining Dunning-Kruger-Effekt Das Kind und der Schulmeister

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Literatur Wolfgang Ebert, Stephen Potter: Pottern. Die hohe Kunst, das letzte Wort zu haben. Kabel, Hamburg 1999, ISBN 3-8225-0261-8. Jürgen Brater: Keine Ahnung, aber davon viel. Die peinlichsten Prognosen der Welt. Ullstein, Berlin 2011, ISBN 978-3-548-37386-7. (Einige widerlegte Besserwissereien)! Haus der Wissenschaft Braunschweig, Phaeno Wolfsburg: Besserwisser. 100 alltägliche Fragen und spannende Antworten für neugierige Kinder und Erwachsene. Klartext, Essen Oktober 2017, ISBN 978-3-8375-1778-1. (Wissensbestände, bei denen Besserwisser oft falsch liegen)