Ignatz Wiemeler (* 3. Oktober 1895 in Ibbenbüren; † 25. Mai 1952 in Hamburg) war ein deutscher Buchbinder, Taschendesigner und Hochschullehrer.

Leben Ignatz Wiemeler wurde als Sohn des Buchbinders Andreas Wiemeler in der Großen Straße in Ibbenbüren geboren. Von 1911 bis 1914 absolvierte er eine Buchbinderlehre in der nahen Stadt Osnabrück. Zwei seiner Brüder fielen im Ersten Weltkrieg. Anschließend studierte von April 1914 bis 1921 an der Kunstgewerbeschule Hamburg (unterbrochen von 1914 bis 1916 durch Kriegsdienst). Während des Kriegsdienstes wurde er durch einen Lungenschuss verletzt, an dem er zeitlebens litt.Björn Biester: Maximilian-Gesellschaft 1911–2011. In: Wulf D. v. Lucius: 100 Jahre Maximilian-Gesellschaft. 1911–2011. Maximilian-Gesellschaft, Hamburg 2011, ISBN 978-3-921743-59-1, S. 13–97, hier: S. 93. Zu seinen Lehrern gehörte Carl Otto Czeschka. 1921 wurde Wiemeler von Hugo Eberhardt an die Kunstgewerbeschule (heute Hochschule für Gestaltung) in Offenbach am Main berufen, wo er als Dozent bis 1925 Buchbinderei unterrichtete.

Im Jahr 1923 war Ignatz Wiemeler Mitbegründer der Vereinigung Meister der Einbandkunst. 1924 nahm er an der Buchkunst-Ausstellung der Landesgruppe Rhein-Main des Bundes deutscher Gebrauchsgraphiker statt, die überregional Beachtung fand. Sein Werk beeinflusste wesentlich die industrielle Fertigung von Bucheinbänden. Gleichzeitig war Wiemeler als Taschendesigner für die Lederwarenindustrie tätig. 1925 nahm er eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig an, die er bis 1945 innehatte, im Anschluss wechselte er an die Landeskunstschule Hamburg, wo er bis zu seinem Tod blieb. Am 8. März 1941 heiratete er Margie geb. Oeffner (genannt Gretel). Das Paar bekam zwei Töchter: Ingeline und Susanne. Bereits 11 Jahre nach seiner Heirat starb er am 25. Mai 1952. Sein Werk wurde in der Die Zeit gewürdigtDie Zeit vom 5. Juni 1952. Er wurde in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf in der Nähe von Kapelle 6 beigesetzt. In der Bibliothek des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg befindet sich eine Bronzebüste von Ignatz Wiemeler.

2001 wurde im Industriegebiet Süd-Ost in Ibbenbüren eine Straße nach Ignatz Wiemeler benannt. Werk Ignatz Wiemeler ist ein Vertreter der traditionsaffinen Offenbacher Schule, zu der auch der Typograf Rudolf Koch und der Maler Karl Friedrich Lippmann gehören.

Ernst Engel, der Kollege von Wiemeler an der Kunstgewerbeschule Offenbach war, beschäftigte ihn mit der Gestaltung der Bucheinbände seiner Ernst-Engel-Presse. Diese äußerst exklusiven Kleinauflagen sind bis heute begehrt. Hölderlins Der Tod des Empedokles von 1924 bis 1925 wurde im März 2008 bei Venator & Hanstein für 28.000 € versteigert. Nahezu alle hundert Einbände von Ignatz Wiemeler sind auch im Klingspor-Museum in Offenbach mit je einem Exemplar vertreten. Ein Werk von Wiemeler ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt (Oct.1, 1935 AA 186734, 32255).

Ausstellungen 2. bis 24. Oktober 1935 Ignatz Wiemeler, modern bookbinder The Museum of Modern Art, New YorkIgnatz Wiemeler, modern bookbinder : October 2nd to October 24th, 1935, The Museum of Modern Art, New York 1935 25. Mai bis 11. August 1957 Handeinbände und Zeichnungen / Ignaz Wiemeler. 1895–1952. Klingspor-Museum Offenbach/MainHandeinbände und Zeichnungen / Ignaz Wiemeler. 1895 - 1952. Klingspor-Museum Offenbach/Main 25. Mai–11. August 1957. Klingspor-Museum, Offenbach/Main 1957.

Würdigung

Literatur Helmut Presser: Ignatz Wiemeler Buchbinder. 1895 bis 1952. Maximilian-Gesellschaft, Hamburg 1953. Schweizerisches Gutenbergmuseum. Zeitschrift für Buchdruckgeschichte, Graphik und Zeitungskunde, 1970, S. 50–52. Moderne Einbandgestaltung und Ignatz Wiemeler. Internationales Symposium 11./12. September 1972 im Gewerbemuseum Basel. Redigiert von A. Cizinsky und W. Jäggi. Bern, Schweizerisches Gutenbergmuseum 1972. Inhaltsverzeichnis Kurt Londenberg: Ignatz Wiemeler, Werkverzeichnis. Maximilian-Gesellschaft, Hamburg 1990 (Jahresgabe der Maximilian-Gesellschaft; 1989). Helma Schaefer: Ignatz Wiemeler und das Leipziger Einbandschaffen. In: Traditionen Leipziger Buchkunst. Hrsg. u. eingel. von Albert Kapr. Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 160–223. Heribert Tenschert: Ignatz Wiemeler: 18 Handeinbände 1921–1938. Tenschert, Rotthalmünster 1992 (Katalog / Antiquariat Heribert Tenschert; 26).

Weblinks

Das deutsche Buchbindermuseum Mainz

Einzelnachweise

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