Schandelah ist ein Dorf in Niedersachsen, 15 km östlich von Braunschweig gelegen. Schandelah gehört zur Gemeinde Cremlingen im Landkreis Wolfenbüttel und hat etwa 2300 Einwohner, einen Bahnhof, einen Kindergarten, eine Grundschule und einen Sportverein.
Geographie Das Gemeindegebiet liegt im Norddeutschen Tiefland am Übergang zwischen den Lößbörden im Süden und der Geestlandschaft im Norden. Naturräumlich sind dies das südlich des Ortes endende Ostbraunschweigische Hügelland mit dem nahen Elm und das Ostbraunschweigische Flachland, genauer die Untereinheit Schunterwinkel. Durch den Ort fließt der Sandbach, ein Zufluss zur Schunter.
Geopunkt Jurameer Schandelah Nordöstlich von Schandelah befindet sich in einem ehemaligen Ölschiefersteinbruch, der Mergelkuhle , der Geopunkt Jurameer Schandelah als naturhistorischer Forschungs- und Erlebnisort.geopunkt-schandelah.de. Dr. Scheller Stiftung, aufgerufen am 22. September 2016. Das Gebiet bei Schandelah zählt zu den wenigen Orten in Niedersachsen, an denen die Überreste der im frühen Toarcium abgelagerten Sedimente des Jurameeres (eines Nebenmeeres der Neotethys) in versteinerter Form im Posidonienschiefer (Ölschiefer) des (Norddeutschen) Lias (beziehungsweise des Norddeutschen Jura) dicht unter der Erdoberfläche liegen.. In: geopunkt-schandelah.de. Dr. Scheller Stiftung, aufgerufen am 22. September 2016.
Auf dem Gelände des Geopunktes finden seit dem Spätsommer des Jahres 2014 paläontologische Ausgrabungen statt,Die Ausgrabungen beginnen. In: geopunkt-schandelah.de/Aktuelles. Dr. Scheller Stiftung, 25. August 2014, aufgerufen am 22. September 2016.Volker Tenzer: Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig 2014. Grabung Schandelah. Einrichtung der Grabungsstelle und erste Grabungskampagne. In: de.slideshare.net. LinkedIn Corporation, aufgerufen am 22. September 2016.. In: dggv.de. Deutsche Geologische Gesellschaft – Geologische Vereinigung e. V. (DGGV), aufgerufen am 27. September 2016. die unter der wissenschaftlichen Leitung des Naturhistorischen Museums Braunschweig in Zusammenarbeit mit der in Braunschweig ansässigen Dr. Scheller Stiftung und dem Geopark Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen durchgeführt werden.Partner. In: geopunkt-schandelah.de. Dr. Scheller Stiftung, aufgerufen am 22. September 2016. Am 4. Juni 2015 wurde der Fund eines im Mai desselben Jahres entdeckten, etwa zwei Meter langen Fossils eines Ichthyosauriers in etwa 180 Millionen Jahre alten Schichten des Posidonienschiefers (Ölschiefers) öffentlich bekannt gegeben.Neuer Saurierfund in Braunschweig. Pressemitteilung der 3Landesmuseen Braunschweig vom 4. Juni 2015. Veröffentlicht auf openPR. Einbock GmbH, aufgerufen am 22. September 2016 (PDF-Datei der Pressemitteilung aus https://geopunkt-schandelah.de/ geopunkt-schandelah.de; 62,65 KiB; Presseberichte (zum Geopunkt insgesamt)).Erster Ichthyosaurierfund der laufenden Grabungskampagne. In: geopunkt-schandelah.de/Aktuelles. Dr. Scheller Stiftung, 4. Juni 2015, aufgerufen am 22. September 2016.Archäologische Sensationen im „Jurassic Harz“. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 4. Juni 2015, aufgerufen am 22. September 2016.. In: haz.de. Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, 4. Juni 2015, aufgerufen am 27. September 2016.. Braunschweig Report Mediengesellschaft mbH & Co. KG, 4. Juni 2015, aufgerufen am 22. September 2016.Saurier vor der Haustür – Der Geopunkt Schandelah. Produziert von: Der Löwe (Das Medienportal der Braunschweigischen Stiftungen). der-loewe.info, gedreht am 18. September 2015. Online in: YouTube. Veröffentlicht am 22. September 2015, aufgerufen am 11. Oktober 2016 (zum entdeckten Ichthyosaurier: Abschnitt 1:57–3:55; im Abschnitt 2:10–2:25 dazu ein Beschreibungszettel mit der Aufschrift: „12. 05. 15, Ichthyosaurier, Rippen […], Lias ε, Schandelah, 85 cm“).Grabungsbericht 2015 des Staatlichen Naturhistorischen Museums zu dem im Jahr 2014 begonnenen Grabungsprojekt im Unterjura (Posidonienschiefer) von Schandelah. In: geopunkt-schandelah.de. Dr. Scheller Stiftung, aufgerufen am 1. November 2016 (PDF-Datei; 794 KiB). Ein weiteres, etwa drei Meter langes Fossil eines Ichthyosauriers in seltener Rückenlage wurde im Juni 2016 gefunden.Neufund: Der nahezu perfekte Fischsaurier. In: geopunkt-schandelah.de/Aktuelles. Dr. Scheller Stiftung, 3. August 2016, aufgerufen am 22. September 2016.Neufund Fischsaurier (Ichthyosaurier) im Geopunkt Jurameer Schandelah. Präsentation und Pressegespräch im Naturhistorischen Museum Braunschweig (SNHM).Presse-Information von www.geopunkt-schandelah.de. Ein Projekt der Dr. Scheller Stiftung. Publiziert von tth medienservice. In: geopunkt-schandelah.de/Presse. Dr. Scheller Stiftung, aufgerufen am 22. September 2016 (PDF-Datei, 292,13 KiB; Presseberichte (zum Geopunkt insgesamt)). und . Beide in: news38.de. news38 GmbH, aufgerufen am 22. September 2016.Forscher entdecken 180 Millionen Jahre alten Fischsaurier; 3. August 2016 und Forscher finden Saurier-Skelett; 4. August 2016. Beide in: derwesten.de. Der Westen, FUNKE MEDIEN NRW GmbH, aufgerufen am 22. September 2016.Fischsaurier-Fund: Vier Flossen für die Forschung. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 4. Juni 2015, aufgerufen am 22. September 2016 (mit Ausschnitt aus dem TV-Regionalmagazin Hallo Niedersachsen vom 3. August 2016).Ein spektakulärer Fund: Ein Fischsaurier im Geopunkt Jurameer Schandelah. Im Abschnitt 00:00:56–00:05:29 der der Sendereihe Kulturspiegel im Radiosender NDR 1 Niedersachsen des NDR. Am Mikrofon: Eveline Petzoldt, Reporter vor Ort: Janek Wiechers. Online in der ARD Mediathek der ARD und der DW, aufgerufen am 1. November 2016.
Die Ablagerung der diesen Posidonienschiefer bildenden Sedimente erfolgte über einen Zeitraum von etwa 2,3 Millionen bis 3,2 Millionen Jahren, begann frühestens etwa 183,6 Millionen, spätestens 182,0 Millionen Jahre vor heute und endete frühestens etwa 181,3 Millionen, spätestens 175,7 Millionen Jahre vor heute.
Bereits Jahre vor den zuvor beschriebenen, 2014 begonnenen Ausgrabungen in der Mergelkuhle, wurde in einem Grabungsfeld in Schandelah ein Ichthyosaurier-Fossil gefunden und illegal ausgegraben.Mehrere Artikel auf der Basis einer dpa-Meldung:Gestohlenes Dinosaurierfossil aufgetaucht. In: welt.de. WeltN24 GmbH, 5. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.Gestohlenes Dinofossil wieder aufgetaucht. In: Focus Online. ForwardNews+ GmbH, 4. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.Gestohlenes Dinosaurierfossil aufgetaucht. In: noz.de. Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG, 4. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.Gestohlenes Dinofossil aufgetaucht. In: kreiszeitung.de. Kreiszeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 4. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.. In: t-online. Ströer Digital Publishing GmbH, 4. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.Gestohlenes Dinosaurier-Fossil wieder aufgetaucht. In: rtlnext.rtl.de. RTL interactive, 5. Juni 2015, aufgerufen am 2. November 2016.
Geschichte mini|Gedenkstein in Schandelah
Um 1200 wurde Schandelah als Schanlege erstmals urkundlich erwähnt.
Schandelah erlangte zunächst als Sitz der „Gografschaft Schandelah im Amte Campen“ Bedeutung. In einer Urkunde von 1346 wird Schandelah neben anderen Orten zum „Zubehör“ der bei Flechtorf gelegenen Burg Campen erwähnt.Geschichte Schandela
Im Konzentrationslager Schandelah, ein Außenlager des KZ Neuengamme im Ortsteil Wohld, wurde vom 8. Mai 1944 bis zum 12. April 1945 Ölschiefergestein als Grundlage für die Benzinherstellung abgebaut.
Am 1. März 1974 wurde Schandelah in die Gemeinde Cremlingen eingegliedert. Von 2004 bis 2022 wurden hier drei neue Baugebiete erschlossen.
Politik Ortsrat Der Ortsrat, der Schandelah vertritt, setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Ortsbürgermeister ist Daniel Bauschke (SPD). Er ist seit der konstituierenden Sitzung des Ortrates am 11. November 2021 im Amt.1. (konstituierende) Sitzung des Ortsrates Schandelah, Wahl der Ortsbürgermeisterin/des Ortsbürgermeisters gem. § 92 Abs. 1 NKomVG Bürgerinformationssystem der Gemeinde Cremlingen. Abgerufen am 3. März 2023.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeit Musik Bekannt wurde der Ort auch durch das gleichnamige Album des Popduos Rosenfels, deren Künstler beide aus Schandelah stammen.
mini|Alte Schule Schandelah mini|Sportheim Schandelah Bauwerke mini|alt=St.-Georg-Kirche|St.-Georg-Kirche Im Zentrum des Ortes befindet sich die evangelisch-lutherische St.-Georg-Kirche.
In der Alten Schule Schandelah ist heute der Sitz des Kulturvereins.
Vereine Neben dem Kulturverein gibt es in Schandelah noch weitere aktive Gruppen und Vereine, die das soziale Zusammenleben im Dorf prägen. Zu erwähnen sind der Seniorenkreis, die Tanzgruppe „Heart of Dance“ sowie der Schützenverein des Ortes, der im Jahr 2013 sein 50-jähriges Bestehen feierte. Alle Vereine führen traditionsreiche Veranstaltungen wie Volkskönigschießen (siehe Schützenkönig), Fackelumzug (Schützenverein) oder Tanzvorführungen (Heart of Dance) und Seniorentreffen (Altenkreis) durch.
Der MTV Schandelah feierte im Jahr 2011 sein 100-jähriges Bestehen.
Unter dem Dach der „Vereinigten Vereine“ organisieren die ansässigen Gruppen auch gemeinsame Veranstaltungen, um die Bekanntheit im Dorf, gerade bei Neubürgern, weiter zu steigern.
Regelmäßige Veranstaltungen Schandelah ist eine „Karnevals-Hochburg“ in der Gemeinde Cremlingen. Die Karnevalsfeiern und das Büttenfrühstück der Jungen Gesellschaft Schandelah e. V. haben eine lange Tradition. Schandelah besitzt einen eigenen Wagen beim Karnevalsumzug in Braunschweig.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Eisenbahnbrücke über die A39 bei Schandelah Unternehmen Die Firma Auerswald GmbH & Co. KG, ein Hersteller von Telekommunikationsanlagen, unterhält am Ort eine Produktionsstätte.
Ehemals in Schandelah war die ELWE Lehrsysteme GmbH, ein Hersteller von Lehrmitteln für den Physik-, Chemie- und Biologieunterricht an Schulen, ansässig.
Verkehr Der Ort hat als Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln einen Bahnhof an der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg, der von einem im Empfangsgebäude untergebrachten Stellwerk aus dem Jahre 1979 gesteuert wird. Von 1902 bis 1975 zweigte hier die Bahnstrecke Schandelah–Oebisfelde ab. Heute hat der Bahnhof drei Gleise und wird im Personenverkehr von DB Regio bedient. Die Regionalbahn-Linie RB 40 verkehrt im Stundentakt zwischen Braunschweig Hbf und Magdeburg (Stand 2025).
Südlich des Ortes verlaufen die Bundesautobahn 39 und die Bundesstraße 1.
Söhne und Töchter des Ortes Robert Naumann (1890–1979), Kunstmaler
Literatur LG Braunschweig, 10. April 1951. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966. Band VIII, bearbeitet von Adelheid L. Rüter-Ehlermann, H. H. Fuchs, Christiaan F. Rüter. Amsterdam University Press, Amsterdam 1972, Nr. 263, S. 139–150 Erschiessung des Bürgermeisters von Schandelah und eines Arztes, weil sie den Abbau von Panzersperren veranlasst hatten Ulrich Joger, Ralf Kosma, Henning Zellmer, Heinz-Gerd Röhling: Saurier im Braunschweiger Land. Die Fund- und Grabungsstellen von Hondelage und Schandelah (Unterjura, Posidonienschiefer) sowie des Langenberg bei Goslar/Oker (Oberjura, Malm). In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. Neue Folge, Band 100, 2018, S. 447–479, besonders S. 456–462.
Weblinks
Gemeinde Cremlingen: Ortschaft Schandelah
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Wolfenbüttel Kategorie:Geographie (Cremlingen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Wolfenbüttel) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974