Das ehemalige römische Limes-Kastell Kapersburg im Taunus gehört zu den am besten erhaltenen römischen Militäranlagen des Obergermanisch-Rätischen Limes. Es beherbergte einen Numerus, als dessen Name infolge einer Vermutung von Louis Jacobi und anderen lange angenommen worden war, dass er Numerus Nidensium laute und dass dessen Soldaten aus den Bewohnern des nahe gelegenen Vicus Nida rekrutiert worden seien.Siehe Louis Jacobi: Das Kastell Kapersburg. In: Der Obergermanisch-Raetische Limes B II 2, 1906, S. 19 mit Hinweis, dass schon Felix Hettner an diese Auflösung des epigraphisch belegten Numerus N(---) gedacht habe. Marcus Reuter wies jedoch darauf hin, dass die Namen von Numeri üblicherweise vom Stationierungs-, nicht Rekrutierungsort abgeleitet wurden.Marcus Reuter: Studien zu den numeri des römischen Heeres in der mittleren Kaiserzeit. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission, Band 80, 1999 (2001), S. 516–519. Die Baugeschichte des Kastells weist seit dem Ende des 1. Jahrhunderts mehrere Bau- und Umbauphasen sowie Spuren eines Kastellvicus auf. Das Kastell wurde vermutlich kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts im Rahmen des Limesfalls kampflos geräumt. mini|Westtor des Kastells mini|Grundrisse der verschiedenen Bauphasen mini|Kastellbad mini|Bauinschrift vom horreum im Wetterau-Museum in Friedberg. mini|Epona-Relief im Wetterau-Museum (2010) vor der neuen Rekonstruktion. mini|Steinerner Brunnenkranz

Lage Das Kastell Kapersburg liegt gut zwei Kilometer südwestlich des Steinkopfs an der westlichen Grenze des Wetteraukreises zum Hochtaunuskreis. Mit zweieinhalb und dreieinhalb Kilometern Entfernung befindet es sich relativ abseits der nächsten Ortschaften Pfaffenwiesbach, einem Ortsteil der Gemeinde Wehrheim, und Ober-Rosbach, einem Ortsteil der Stadt Rosbach vor der Höhe. Der Bereich des Taunus, in dem das Kastell liegt, wurde bereits in der römischen Zeit forstwirtschaftlich genutzt. Direkt neben dem Kastell befindet sich das Munitionsdepot Köppern.

Geschichte Das Kastell Kapersburg wurde frühestens in trajanischer Zeit, also ab 98, vielleicht aber auch erst um 130, angelegt. Die Münzreihe weist auf einen Beginn erst um die Mitte des 2. Jahrhunderts.Klaus Kortüm: Zur Datierung der römischen Militäranlagen im obergermanisch-raetischen Limesgebiet. In: Saalburg-Jahrbuch 49, 1998. Zabern, Mainz 1998, S. 5–65, hier: S. 36. Vorläufer war möglicherweise das Kleinkastell Ockstädter Wald (siehe weiter unten).

Auch das Ende der Anlage ist nicht sicher greifbar. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurde vermutlich ein Teil der Besatzung abgezogen, da für diese Zeit ein Rückbau der Kastellanlagen nachweisbar ist (Reduktionsphase): Die verbliebene Besatzung zog sich auf das nordöstliche Viertel der Anlage um das Getreidelager zurück, die äußere Wallanlage verfiel. An der Stelle der einstigen Halle der Principia entstand ein kleiner, quadratischer und beheizbarer Steinbau, vermutlich die Unterkunft des Centurios. Um den noch genutzten Abschnitt des Kastells abzuschließen, wurde eine Mauer zwischen diesem Steinbau und dem Nordtor gezogen.Markus Scholz: Spätlimeszeitliche Reduktion versus mittelalterlicher Einbau in Limeskastellen. In: Egon Schallmayer (Hrsg.): Limes Imperii Romani. Beiträge zum Fachkolloquium „Weltkulturerbe Limes“ November 2001 in Lich-Arnsburg. Bad Homburg v. d. H. 2004, ISBN 3-931267-05-9, S. 135–145. (Saalburg-Schriften 6); derselbe: Keramik und Geschichte des Limeskastells Kapersburg. Eine Bestandsaufnahme. In: Saalburg Jahrbuch 52/53, 2002/03 (2006), S. 78–80.

Sein Ende fand das Kastell in Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts (Limesfall). Spuren für eine gewaltsame Zerstörung lassen sich allerdings nicht nachweisen. Die Münzreihe weist als Schlussmünze einen Antoninian des Postumus auf, ein weiterer Antoninian des Gallienus (geprägt 255/56 n. Chr.) fand sich im nördlichen Turm des Osttores.Helmut Schubert: Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland (FMRD) Abt. V: Hessen. Bd. 2,1: Darmstadt. Mainz 1989, ISBN 3-7861-1292-4, S. 253–267.

Anlage Erforschung Das Kastell Kapersburg wurde bereits 1482 erstmals urkundlich als Karpesserburgk erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert. Im 19. JahrhundertHeinrich Jacobi resümiert die Ansätze des 19. Jahrhunderts in Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches, Abt. B, Bd. II,2, Petters, Heidelberg 1906, S. 1–3, wie folgt: „Der Name der Kapersburg ist schon sehr früh bekannt. Im Jahre 1482 nennt sie bereits ein Weistum der Grafschaft Alten-Weilnau vom 22. November zweimal als «Karpesserburgk». Das Obereschbacher Salbuch des Landgrafen Ludwig kennt 1570 eine «Kerperss- und Korperssburgk». Als römisches Kastell scheint sie aber erst der verdienstvolle hessen-homburgische Regierungsrat Elias Neuhof, der auch die Saalburg zum ersten Male beschreibt, erkannt zu haben. In seiner «Nachricht von den Alterthümern» ist sie als «Kapersburg» bezeichnet. Die späteren Schriftsteller gehen alle auf Neuhof zurück, ohne aber mehr als den Namen zu geben. Dieser heisst bald Kapersburg, Capersburg, Kapperburg, Kappers- und Küppernburg, oder Kappenburg, aber auch Carbers- und Kerbersburg kommen vor. Da sich diese Bezeichnung ausdrücklich auf das Kastell bezieht und nicht wie sonst einer benachbarten Örtlichkeit entnommen ist, hat man schon früh eine Erklärung des Wortes versucht, in dem man den römischen Namen erhalten glaubte. Wenn auch hier diese Frage kurz berührt werden soll, so darf dies damit begründet werden, dass wir hier ausnahmsweise einen gesicherten alten Namen, der aus einer sehr frühen und zuverlässigen, sozusagen amtlichen Quelle stammt, vor uns haben. Das bei dem Worte Kapersburg zuerst an das römische caper und den capricornus, das Wappentier der XXII. Legion, der dort auffallend häufig auf Ziegelstempeln vorkommt, mit besonderer Bezugnahme auf das benachbarte «Ziegenberg» gedacht wurde, lag zu nahe, als dass niemand hätte auf diese Ableitung verfallen sollen. Auch das immer noch nicht untergebrachte Capellatium des Ammian musste herhalten, kommt aber ebensowenig in Frage wie der caper oder gar die Familien von Carben und von Kerben. Wenn hier eine Deutung der Ortsbezeichnung versucht werden darf, so kann nur an das hinter dem Kastell in der Ebene liegende und durch eine Römerstrasse mit ihm verbundene, sehr alte Dorf Köppern (früher auch Küppern oder Kupern genannt) gedacht werden, das als Fundstelle vorrömischer Altertümer längst bekannt ist. In seiner Nähe liegen zahlreiche Hügelgräber, und auf seiner Nordseite ziehen im Zusammenhang hiermit die gewaltigen Wälters- oder Haltersgräben nach dem Gebirge, um unweit der Kapersburg am Pohlsborn an einem alten Limesdurchgang den Pfahlgraben zu durchschneiden. Die erste ausführliche Beschreibung des Kastells gibt uns der bekannte hessische Altertumsforscher Ph. Dieffenbach, welcher der Kapersburg schon 1829 in seinem «Programm über die Alterthümer in und um Friedberg» gedenkt, in seiner «Urgeschichte der Wetterau» im Jahre 1843.“ und noch einmal in den 1940er JahrenErneut wurde die Thematik in den 1940er Jahren durch Wilhelm Braun aufgegriffen, der den Namen der Kapersburg ausschließlich auf die Familie von Carben zurückgeführt wissen wollte und die anderen Ansätze zurückwies. Wilhelm Braun: Was bedeutet der Name "Capersburg"? In: Friedberger Geschichtsblätter, 15, 1940, S. 127–129. gab es einige Erklärungsansätze, von denen sich jedoch keiner durchsetzen konnte.

1879 bis 1881 fanden erste archäologische Untersuchungen statt, zur systematischen wissenschaftlichen Erforschung kam es 1896/97, 1901 und 1905 durch die Reichs-Limeskommission (RLK). Weitere Freilegungs- und Konservierungsarbeiten erfolgten zwischen 1906 und 1914. Zuletzt wurde das Kastell im Zusammenhang mit der Anerkennung des Obergermanisch-Rätischen Limes als Weltkulturerbe im Jahr 2005 vollständig restauriert und das gesamte Kastellareal in einen Archäologischen Park umgewandelt.

Kastell Bei den Untersuchungen konnten insgesamt drei Bauphasen nachgewiesen werden: Holz-Erde-Kastell von ungefähr 0,8 Hektar Fläche, das zum Ende des 1. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung erbaut worden war. Kastell mit Trockenmauerwerks-Umwehrung von rund 1,3 Hektar Fläche, etwa gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts (späthadrianisch oder antoninisch) errichtet. Kastell mit Mörtelmauer von gut 1,6 Hektar Größe, das gegen Ende des 2. Jahrhunderts den Vorgängerbau ersetzt hat.

Bei den heute sichtbaren Mauerzügen handelt es sich um solche der letzten Ausbauphase.

Das in dieser Phase mit den Abmessungen von 134 × 122 Metern gut 1,6 Hektar große Lager besitzt einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken und vier Toren.

Die Kastellecken sind abgerundet, die Nordwestecke war als einzige mit einem Turm bewehrt. Die gesamte Umwehrung ist von einem einfachen Spitzgraben umgeben. Das Kastell ist mit der Porta praetoria (Haupttor) nicht direkt zum Limes, der die Kapersburg in etwa 60 Metern westlicher Entfernung passiert, sondern nach Norden auf das Kleinkastell Ockstädter Wald hin ausgerichtet. Bis auf die Porta decumana (Rückwärtiges Tor) sind alle Tore mit Doppeltürmen versehen.

Die Nord-Süd-Achse des Lagers ist asymmetrisch nach Westen hin verschoben, was dadurch verursacht wurde, dass man sich bei den Kastellerweiterungen an der Via praetoria und der Via principalis der älteren, kleineren Vorgängerbauten orientierte, das Lager also quasi einseitig nach Südosten hin wuchs.

Im so ebenfalls verschobenen Zentrum befanden sich die Principia (Stabsgebäude), von denen aber nur noch die Fundamente des Fahnenheiligtums (Aedes) und einiger Schreibstuben am Südrand des Gebäudes sichtbar sind. Darüber hinaus verfügten die Principia über eine Halle, die sich über die Via principalis erstreckte, und einige Nebengebäude, darunter die Waffenkammer. Die Principia waren ursprünglich in Fachwerkbauweise ausgeführt, die heute vorhandenen Steinfundamente stammen aus einer späteren Ausbauphase. In der Spätphase des Kastells wurde der nördliche und östliche Abschnitt abgerissen und überbaut. Vor allem das Fahnenheiligtum scheint aber bis zum Ende des Kastells verwendet worden zu sein, wie der Fund einer Geniusstatue aus dem 3. Jahrhundert zeigt. Weitere Mauern finden sich im nordöstlichen Viertel des Kastellinneren, hierbei handelt es sich um die Reste des Horreum (Getreidespeicher) und das Praetorium (Kommandantenwohnhaus). Das in Überresten heute sichtbare Horreum wurde 208 oder 209 über dem abgerissenen ursprünglichen Praetorium errichtet. Weitere Mauerreste in diesem Bereich gehören vermutlich zum Bad des Kommandanten. Alle anderen Innenbauten dürften aus Fachwerk bestanden haben und sind heute nicht mehr sichtbar.

Garnison