Ein Pseudonym (in bestimmten Zusammenhängen auch Aliasname, kurz Alias, auch nom de plume, französisch für „(Schreib)federname“, englisch Pen Name) ist der fingierte Name einer Person, insbesondere eines Urhebers (oder mehrerer Urheber) von Werken.Pseudonym In: Duden online. Abgerufen am 2. März 2026. Das Pseudonym wird anstelle des bürgerlichen Namens (Realname oder Orthonym, früher auch Alethonym, siehe Onymität) verwendet und dient meist zur Verschleierung der Identität. Das zugehörige Adjektiv lautet pseudonym (von altgriechisch pseudōnymos „fälschlich so genannt“). Sollen Realname und Pseudonym gegenübergestellt werden, so werden sie häufig mit dem Adverb „alias“ verbunden (X alias Y).
Von Künstlernamen (auch Bühnennamen) ist vor allem die Rede, wenn Werke künstlerisch dargeboten werden (darstellende Kunst), etwa bei Schauspielern, Musikern oder Artisten.Vgl. etwa Diese Stars haben sich für ihre Karriere einen neuen Namen zugelegt TV-media.at 4. August 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020. Tarnnamen sind gebräuchlich, wenn die Identität einer Person in einem bestimmten Zusammenhang verhüllt werden soll. Im Bereich der Spionage sind auch die Begriffe Dienstname (für hauptamtliche Mitarbeiter), Deckname oder ArbeitsnameGoogle Scholar gebräuchlich (der Realname wird hier Klarname genannt). Der Kampfname, auch Nom de guerre genannt, ist hingegen kein eigentliches Pseudonym, da die wahre Identität des Trägers in der Regel bekannt ist. Er dient in der Regel nicht der Verschleierung der Identität.
Pseudonyme werden heute besonders im Internet und in der digitalen Kommunikation verwendet. Allerdings geht es im Internet in der Regel nicht um die Veröffentlichung bedeutender Werke. Der Zweck, die wahre Identität zu verbergen, steht hier meist im Vordergrund.
Neben den von einer Person selbst gewählten Pseudonymen gibt es auch als Sonderfall Pseudonyme, die von anderen für eine bestimmte Person gebraucht werden. Meist geschieht dies in den Medien, um z. B. einen Informanten zu schützen oder um die Privatsphäre eines Menschen zu wahren.
Verwendung Pseudonyme wurden historisch in erster Linie von Schriftstellern verwendet. In diesem Zusammenhang gibt es den französischen Ausdruck nom de plume (wörtlich: „Schreibfeder-Name“), der nur noch selten verwendet wird. Im Englischen steht der Begriff pen name für das Pseudonym von Autoren.
Einige Personen arbeiteten zeitlebens unter einem Pseudonym (zum Beispiel Friedrich von Hardenberg → Novalis, Marguerite de Crayencour → Marguerite Yourcenar). Bei manchen dieser Pseudonyme ist die tatsächliche Identität unbekannt oder umstritten (zum Beispiel der Schriftsteller → B. Traven oder der Maler → J. Metzler).
Andere ändern nur für bestimmte Lebens- oder Schaffensperioden oder für besondere Werke ihren Namen (zum Beispiel Jasmin Wagner → Blümchen, Agatha Christie → Mary Westmacott, Stephen King → Richard Bachman, Paul Dessau → Henry Herblay). Manche Personen haben auch verschiedene Künstlernamen, um verschiedene persönliche Werke zu differenzieren, da sie etwas anderes ausdrücken sollen (zum Beispiel Jean Giraud → Mœbius oder Gir, Patrick Losensky → Fler oder Frank White).
Bei der Nutzung von Pseudonymen im Internet und im E-Mail-Verkehr gibt es erhebliche Unterschiede zu den Pseudonymen von Schriftstellern und anderen Künstlern: In der virtuellen Welt kann sich jedermann unter beliebigen und beliebig vielen Pseudonymen äußern. Benutzernamen und selbstgewählte Spitznamen können ohne Weiteres geändert werden und sind insofern mit den realen Personen nur lose verknüpft.
Im Prinzip kann jeder Pseudonyme verwenden – im Privatleben und teilweise auch beruflich. In manchen Berufen sind Pseudonyme üblich (zum Beispiel bei Geheimdiensten oder in der Prostitution).
Gründe für die Wahl eines Pseudonyms Es gibt viele Motive, ein Pseudonym zu verwenden.
Vereinfachung oder Verschönerung des Namens Ein fürs Publikum schwieriger, ungewöhnlicher oder fremdsprachlicher Name wird vereinfacht: Klaus Nakszyński → Klaus Kinski, Mark Ćwiertnia → Mark Forster, Mladen George Sekulovich → Karl Malden, Henry John Deutschendorf → John Denver, Reginald Kenneth Dwight → Elton John Lange Namen werden verkürzt: Jürgen Udo Bockelmann → Udo Jürgens, Peter Alexander Neumayer → Peter Alexander Allerweltsnamen gestalten sich gern klangvoller: Gustav Meyer → Gustav Meyrink, Marion Robert Morrison → John Wayne, Michaela Schaffrath → Gina Wild
Wirtschaftliche Vorteile Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrieben Frauen oft unter männlichem Namen, um ihre Manuskripte bei Verlegern unterzubringen: Charlotte Brontë → Currer Bell, Amantine-Aurore-Lucile Dupin de Francueil → George Sand, Mary Ann Evans → George Eliot, Sophie Andresen → S. Wörishöffer Taktische Erwägung bei journalistischen Vielschreibern: Kurt Tucholsky → Theobald Tiger, Peter Panter; Günther Stern → Günther Anders Der Name eines Prominenten wird zu Werbezwecken nachgeahmt oder kopiert: Mary Ellen Cook → Mary Carey, Nicole Tanja Hilbig → Dru Berrymore, Dale Carnagey → Dale Carnegie
Imagepflege Ausdruck bestimmter Eigenschaften, zum Beispiel tragen Kinderbuchautoren des beginnenden 19. Jahrhunderts oft positiv klingende Namen: August Lewald → Hans Kindermann, Jakob Glatz → Karl Heinrich Gutmann, Amanda Hoppe-Seyler → Tante Amanda, Heinrich Hoffmann (der Verfasser des Struwwelpeter) → Reimerich Kinderlieb; Ernst Hold (dessen Identität ungeklärt blieb) Wunsch nach Individualität und Originalität: Charles-Edouard Jeanneret-Gris → Le Corbusier, Georg von Hardenberg → Novalis, Josef Mahlmeister → Palabros de Cologne Ein spiritueller Name (wie Schwester Claudia) unterstreicht das Selbstverständnis von Nonnen und Mönchen; teils auch bei Yogalehrern Das Bedürfnis, sich von einem in die Jahre gekommenen Image zu distanzieren: Puff Daddy → P. Diddy (beides Pseudonyme), Paddy Kelly → Michael Patrick Kelly Ein kosmopolitisch klingender Name: Stanisław Władysław Rejment → Władysław Reymont, Witold Łagowski → Witold Horwath
Vermeidung von Nachteilen Furcht vor Skandalen: Dominique Aury, eigentlich Anne Desclos → Pauline Réage Schutz vor Verfolgung: Aleksander Głowacki → Bolesław Prus, Helmut Flieg → Stefan Heym, Raimund Pretzel → Sebastian Haffner, Mohammed Moulessehoul → Yasmina Khadra Von dritter Seite verlangte Annahme eines Pseudonyms: Erich Kästner → Berthold Bürger (für das Drehbuch des Films Münchhausen, 1943) Umgehung eines Publikationsverbots: e.o.plauen durfte im Nationalsozialismus nicht unter seinem wirklichen Namen Erich Ohser publizieren Schutz der eigenen Privatsphäre: Atze Schröder geht gegen die Nennung seines bürgerlichen Namens in Medien gerichtlich vor Ein Autor möchte nicht mit bestimmten Werken in Verbindung gebracht werden oder selbst Distanz zu ihnen wahren: Søren Kierkegaard Distanzierung von früheren, an fragwürdigen politischen Richtungen orientierten Werken: Kurt Wilhelm Marek → C. W. Ceram Um nicht bloß aufgrund eines schon bekannten Namens Erfolg zu haben oder um anderweitigen Missverständnissen vorzubeugen: Michael John Douglas (nicht zu verwechseln mit Michael Douglas, dem Sohn von Kirk Douglas) → Michael Keaton, Nicholas Kim Coppola → Nicolas Cage, Diane Hall → Diane Keaton, James Stewart → Stewart Granger, Reinhard Mey → Alfons Yondraschek, J. K. Rowling → Robert Galbraith Vermeidung des Vorwurfs unzulässiger Eigenwerbung: James Alfred Wight → James Herriot Trennung zwischen Verlags- und Autorentätigkeit: Bernd Brunnhofer → Michael Tummelhofer Schutz der wissenschaftlichen Reputation: Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen Arbeiten, die unter eigenem Namen publiziert werden und literarischen Werken, die unter Pseudonym erscheinen: Eva Gesine Baur → Lea Singer
Biographische Hintergründe Oftmals ist es Überbleibsel eines Schulspitznamens, also durch Gewohnheit: Johann Caspar Schmidt → Max Stirner, Ernesto Guevara → Che Guevara, Gordon Sumner → Sting, Alecia Beth Moore → Pink bzw. P!nk, Beibehaltung des Ehenamens nach einer Scheidung als Pseudonym: Anna Mae Bullock → Tina Turner Wahl des Nachnamens der Mutter, wenn der Vater missliebig oder unbekannt war: Norma Jean Baker → Marilyn Monroe Wahl des Namens des Vaters: Susanne Uhlen (Tochter von Wolfgang Kieling) → Susanne Kieling Distanzierung von den Eltern und Wahl des Namens einer anderen wichtigen Bezugsperson: Michel Thomas → Michel Houellebecq (Geburtsname seiner Großmutter) Das Schreiben in einer Fremdsprache und die soziokulturelle Anpassung an diese: Józef Teodor Konrad Korzeniowski → Joseph Conrad Anpassung an eine Bevölkerungsmehrheit: Henryk Goldszmit → Janusz Korczak, Raymond Thierry Liebling → Roman Polański
Schutz von Personen in der Berichterstattung der Medien Schutz von Informanten vor Verfolgung Schutz der Privatsphäre von Verbrechensopfern Schutz von Straftätern vor Anfeindungen, die auch ihre Resozialisierung gefährden könnten: Muhlis Ari → Mehmet.
Vermeidung von Verwechslungen Verdeutlichung der Identität durch Hinzufügung eines Ortsnamens (zur Unterscheidung von anderen Trägern desselben Namens): Karl Schmidt → Karl Schmidt-Rottluff, August Heinrich Hoffmann → August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Hermann Schulze → Hermann Schulze-Delitzsch, jeweils nach dem Geburtsort.
Sonstiges Spaß am Verwirrspiel, offene Kollektiv- oder Public-Domain-Identitäten: Monty Cantsin oder Luther Blissett Spoiler-Meidungen: Ninjago: Verbotenes Spinjitzu (Synchronisation)
Bei der Verwendung von Pseudonymen im Internet spielen mehrere der oben genannten Motive eine Rolle. Dazu gehören die Vermeidung von Nachteilen, Imagepflege und der Spaß am Verwirrspiel.
Arten von Pseudonymen Viele Pseudonyme sind reine Phantasiegebilde. Manchmal wird aus den Buchstaben des richtigen Namens ein Anagramm gebildet (zum Beispiel François Rabelais → Alcofrybas Nasier bzw. Alcofribas Nasier, Voltaire → François-Marie Arouet (A R O V E T L [e] J [eune] mit Vertauschung der handschriftlich damals identischen Buchstaben V/U und J/I sowie selbst verliehenem adeligem „de“), Paul Ancel → Paul Celan) oder ein Ananym, das den wirklichen Namen rückwärts gelesen wiedergibt (zum Beispiel Kurt W. Marek → C. W. Ceram). Bei einem Kryptonym ist ein Zusammenhang mit dem wirklichen Namen kaum noch oder gar nicht mehr erkennbar (zum Beispiel starke Verkürzung bei Horst Bosetzky → -ky).
Von einem Prenonym spricht man, wenn der Vorname oder mehrere eigene Vornamen als Name verwendet werden (Jean Paul Friedrich Richter → Jean Paul, Peter Alexander Neumeyer → Peter Alexander). Auch ein einzelner Vorname kann verwendet werden, indem man ihn in einen vermeintlichen Vor- und Familiennamen teilt (Illobrand von Ludwiger → Illo Brand).
Gelegentlich verbergen sich Frauen hinter Männernamen mit einem Pseudandronym (zum Beispiel Karen Blixen → Isak Dinesen) oder Männer hinter Frauennamen mit einem Pseudogynym (zum Beispiel Prosper Mérimée → Clara Gazul).
Ein Traduktionym entsteht durch die Übersetzung des wirklichen Namens in eine andere Sprache. Beispielsweise erscheinen die Schallplatten des niederländischen Musikers Ton Koopman (niederländisch koopman bedeutet „Kaufmann“) unter dem Label Antoine Marchand – die französische Version von „Anton Kaufmann“.
Bei den Gelehrten der Renaissance war es üblich, latinisierte oder gräzisierte Namen zu verwenden, zum Beispiel Georg Bauer → Georgius Agricola, Gerhard Kremer → Gerhard Mercator, Philipp Schwarzerdt → Philipp Melanchthon, Theophrastus Bombast von Hohenheim → Paracelsus.
Es gibt auch Fälle, in denen nur eine lateinische Endung angehängt wurde, vor allem von Verfassern wissenschaftlicher Veröffentlichungen.