Der Sechste Koalitionskrieg war der letzte der von 1792 bis 1815 geführten Koalitionskriege. Die Koalition entstand im Februar 1813 durch den Übergang Preußens zu Russland nach der Niederlage Frankreichs im Feldzug gegen Russland. Mit dem Bündnis begannen die Befreiungskriege.

Frankreich führte 1812 bereits seit Jahren mit Großbritannien, das mit Spanien und Portugal verbündet war, erfolglos einen weltumspannenden See- und Kolonialkrieg und in Europa einen Landkrieg auf der iberischen Halbinsel. Zweifel an der zukünftigen Haltung Russlands veranlassten Napoleon, diese einzige nicht von ihm unterworfene europäische Festlandsmacht als Bedrohungsfaktor auszuschalten. Er zwang 1812 Preußen und Österreich zu Bündnissen, um mit ihnen und Frankreichs Satellitenstaaten, darunter der Rheinbund und das Herzogtum Warschau, im Sommer 1812 in Russland einzufallen.

Nach der Niederlage und dem Rückzug der Grande Armée verbündeten sich Preußen und Russland und erklärten Frankreich den Krieg. Schweden trat der Koalition im Frühjahr 1813 bei. Als die Kämpfe im Juni 1813 die Elblinie erreicht hatten, schlossen die Koalition und Frankreich den dreimonatigen Waffenstillstand von Pläswitz. Währenddessen trat Österreich nach einer gescheiterten Friedensinitiative vom Bündnis mit Napoleon zurück und ging im Vertrag von Teplitz zur Koalition über. Im Herbstfeldzug von 1813 kam es zum kriegsentscheidenden Sieg der Verbündeten in der Völkerschlacht von Leipzig. Als Folge löste sich der Rheinbund auf. Napoleon, dem nur Sachsen und das Herzogtum Warschau die Treue hielten, entkam nach Frankreich, wurde aber im Feldzug von 1814 geschlagen und musste im April 1814 abdanken.

mini|hochkant=2|Die Ausgangslage 1812: Frankreich und Alliierte (rot), Koalition (blau)

Hintergrund: Der Russlandfeldzug Napoleons

Die 1812 zur Invasion bestimmte Grande Armée der Franzosen unter Kaiser Napoleon zählte rund 400.000 Mann. Mit dem Njemen-Übergang bei Kowno am 23. und 24. Juni 1812 wurde der Feldzug eingeleitet. Der russische Marschall Kutusow versuchte vergeblich, den Vormarsch der französischen Hauptmacht auf Moskau in der Schlacht bei Borodino aufzuhalten. Am 15. September rückten die Franzosen kampflos in Moskau ein, das von den Einwohnern weitgehend verlassen war. Es brachen schwere Brände aus. Zar Alexander I. weigerte sich, die von Napoleon betriebenen Verhandlungen aufzunehmen. Am 19. Oktober verließ Napoleon Moskau. Ende November verblieben dem heftig von den Russen verfolgten Napoleon nur noch etwa 49.000 Soldaten, die sich zwischen dem 25. und 28. November nur unter hohen Verlusten den Weg über die Beresina erkämpfen konnten. Am 19. Dezember 1812 traf Napoleon, der sein auf etwa 25.000 Mann dezimiertes Heer voreilig in Wilna verlassen hatte, in Paris ein. Von den etwa 400.000 Mann der Grand Armée überlebten etwa 10–20.000.Chandler: 1966, S. 770., 790., 808., 813 f., 841Blond: 2005, S. 379.

Befreiungskriege in Mitteleuropa

Die Niederlage in Russland gab Preußen die Gelegenheit sich von Napoleon loszusagen. Das preußische Hilfskorps unter General Yorck schloss am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen mit russischen Truppen unter General Diebitsch und erklärte sich neutral. König Friedrich Wilhelm III war zunächst verärgert über diesen in seinen Augen begangenen Verrat. Doch mit dem weiteren Aufflammen der antifranzösischen Stimmung in Preußen schloss Friedrich Wilhelm am 28. Februar 1813 mit Russland den Vertrag von Kalisch. Ziel war die Auflösung des Rheinbundes, die frühere Unabhängigkeit der Fürsten und die Wiederherstellung der deutschen Freiheit. Auf österreichischer Seite hatte Metternich bereits am 20. Dezember 1812 mit Zar Alexander I. Verhandlungen aufgenommen und sich zu bewaffneter Neutralität erklärt.Koch: 1993, S. 198.Leggiere: 2007, S. 5 f.

Feldzug von 1813 mini|Karte zum Feldzugsverlauf im Frühjahr 1813 Nach der Befreiung Berlins von der französischen Besatzung folgte am 17. März die Kriegserklärung Preußens an Frankreich. Drei Tage später, bekräftigte Zar Alexander I. mit dem Vertrag von Breslau sein Einverständnis zur Wiederherstellung des preußischen Status von vor 1806 und verzichtete auf seine Pläne, Ostpreußen zu annektieren, wie es in der russisch-schwedischen Konvention von Abo 1812 festgelegt worden war. Bei Beginn des Feldzugs konnte Preußen eine Armee von 80.000 Mann aufbringen. Zusammen mit den bereits im Land stehenden Russischen Truppen hatten die preußisch-russischen Truppen eine Stärke von 190.000 Mann. Bis zum Sommer erhöhte sich die Stärke der preußischen Armee auf 272.000 Mann. Ein Großteil davon bestand aus Landwehrtruppen. Napoleons ursprüngliche Planung für 1813 sah vor, Berlin zurückzuerobern und einen Feldzug zwischen Elbe und Oder zu führen, wobei die Festungen Torgau, Wittenberg, Magdeburg und Hamburg als Dreh- und Angelpunkte dienen sollten. Dies würde es ihm ermöglichen, die 150.000 Mann französischen Truppen, die in den Festungen an der Weichsel – Danzig, Thorn und Modlin – eingeschlossen waren, zu befreien, Preußen aus dem Krieg zu drängen und Kutusows Flanke zu umgehen.McLynn: 1997, S. 547 ff.Chandler: 1966, S. 873.

Doch bereits am 24. Februar war es in Hamburg zu Aufständen gegen die fremde Besetzung gekommen, die Franzosen räumten am 12. März die Stadt, die Rebellion griff auf Lübeck und Stade über.Helmert, Usczeck: 1963, S. 30 Am 14. März erreichte General Tettenborn Ludwigslust und bewog den Herzog von Mecklenburg zum Abfall vom Rheinbund. Anschließend drängte Tettenborn die aus Stralsund abgezogenen französischen Kräfte unter General Morand über die Elbe zurück und besetzte am 18. März kurzfristig Hamburg.Charras: 1866, S. 431.Penk: 1872, S. 104. Auf Napoleons Befehl konzentrierte General Vandamme 25.000 Mann an der unteren Weser, zugleich sollte er die Ordnung in den Hanseatischen Departements wiederherstellen. Er traf am 27. März in Bremen ein, General Morand erhielt den Befehl, eine Strafexpedition gegen Lüneburg durchzuführen. Dort hatten Kosaken unter General Benckendorff am 28. März eine Besetzung der Stadt durch General Wathier verhindert.

Napoleon war derweil am Hauptkriegsschauplatz nicht in der Lage, die geplante Stellung an der Oder gegen die vorrückenden Preußen und Russen zu behaupten, die Franzosen mussten sich hinter die Elbe zurückziehen. Die französische Hauptarmee sammelte sich Mitte März bei Hanau, weitere Verstärkungen unter Vandamme waren im Anmarsch. Napoleon plante, im Gegenzug die Elbe bei Havelberg zu überschreiten, um eingeschlossene Garnisonen in Danzig und Stettin zu entsetzen. Am nördlichen Flügel der Koalition befehligte der russische General zu Sayn-Wittgenstein, verstärkt durch das preußische Korps unter General Yorck. Diese Armee hatte Befehl, mit 45.000 Mann über Berlin auf Magdeburg zu marschieren. Am linken Flügel bildete sich die Schlesische Armee unter dem alten preußischen General von Blücher, ebenfalls etwa 45.000 Mann, darunter ein russisches Korps unter General von Wintzingerode. Diese Armee sollte durch die Lausitz in Richtung Elbe vorstoßen. Die russische Hauptarmee unter Fürst Kutusow folgte in der Mitte zwischen den Flügelarmeen in breiter Front im mehrtägigen Abstand. mini|hochkant|Gebhard Leberecht von Blücher, der „Marschall Vorwärts“, Gemälde von Emil Hünten Die Truppen von Blücher und Wintzingerode setzten bei Dresden über die Elbe. Die dort stationierten schwachen französischen Truppen hatten sich zuvor zurückgezogen. Die Alliierten rückten in Richtung Leipzig vor. Das Königreich Sachsen fiel vorübergehend in die Hand der Verbündeten, nur in der Festung Wittenberg hielt sich eine feindliche Garnison.

Im Gefecht bei Lüneburg am 2. April 1813 wurde Morands Korps vernichtet, doch schon am nächsten Tag mussten sich die Sieger vor 11.000 Mann, die Marschall Davout links der Elbe heranführte, über den Fluss zurückziehen. Als Vandamme sich aus dem in Aufruhr befindlichen Gebiet zwischen Elbe und Aller zurückziehen musste, konnte General Dörnberg Lüneburg am 11. April wieder kurzfristig besetzen. Am 3. April ging das französische 11. Korps unter General Grenier über die Elbe und drängte preußische Sicherungen unter General Borstell zurück. Französische Truppen unter Beauharnais trafen am 5. April im Gefecht bei Möckern auf die schwache Vorhut der Armee Wittgenstein, wurden aber bei Dannigkow, Vehlitz und Zeddenick abgeschlagen.

Nachdem Wittgenstein über die Elbe gegangen war, wurde das preußische III. Korps unter General Bülow angewiesen, den Elbübergang bei Roßlau und die Straßen nach Berlin zu decken und die Verbindung zwischen den Belagerungskorps von Wittenberg und Magdeburg herzustellen. Am 28. April hatte das Korps Lauriston mit der 19. Division (Rochambeau) einen Angriff gegen Halle durchgeführt, das General Friedrich von Kleist mit etwa 5.000 Mann besetzt hatte. Er behauptete den Saaleübergang bei Halle bis zum 28. April, musste dann aber vor den Franzosen über Schkeuditz zurückweichen. Die französische Besatzung, die am 30. April in Halle eingerückt war, wurde am 2. Mai durch einen Gegenangriff Bülows überrumpelt. Am 25. April traf Kaiser Napoleon bei der französischen Hauptarmee in Sachsen ein, nach der Vereinigung mit Beauharnais im Raum Erfurt verfügte er über etwa 151.500 Mann. General von Wittgenstein, der nach Kutusows Tod Ende April den Oberbefehl über die russischen Truppen führte, versuchte bei Roßlau die Elbe zu passieren und sich mit der Schlesischen Armee Blüchers zu vereinigen.

In der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813 und in der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai gelang es den Franzosen, die russisch-preußischen Truppen zurückzuwerfen, Sachsen wieder zu besetzen und den Gegner nach Schlesien zurückzudrängen. Die Koalitionstruppen konzentrierten sich daraufhin bei Schweidnitz und kamen durch Verstärkungen wieder auf 122.000 Mann; neuer russischer Oberbefehlshaber wurde wieder Graf Barclay de Tolly. Am 12. Juli einigten sich die Verbündeten im Trachenberg-Plan auf eine gemeinsame Strategie. Ein Versuch von Marschall Oudinot, auf Berlin vorzustoßen, wurde im Gefecht bei Luckau von den Preußen am 4. Juni zurückgeschlagen.Chandler: 1966, S. 887, 896.

Anfang Juni handelte Österreich schließlich. Doch anstatt in den Krieg einzutreten, schlug Wien einen Waffenstillstand vor, den die Kriegsparteien am 4. Juni in Pläswitz unterzeichneten. Die anschließenden Verhandlungen verlängerten den Waffenstillstand bis zum 10. August und sahen eine weitere sechstägige Aussetzung der Feindseligkeiten vor. Napoleon hoffte, dass diese Ruhepause es ihm ermöglichen würde, seine Kavallerie wieder aufzubauen und seine erschöpfte Armee auszuruhen, deren Krankenliste 90.000 Mann umfasste. Außerdem versuchte er, einen diplomatischen Befreiungsschlag zu landen, indem er entweder die Alliierten entzweite oder Kaiser Franz davon überzeugte, Frankreich zu unterstützen. Auch die Alliierten brauchten Zeit, um sich auszuruhen, sich neu zu organisieren, weitere Subventionen aus London zu erhalten und die Österreicher zu umwerben. Auf diplomatischer Ebene erwies sich der Waffenstillstand als katastrophal für Napoleon. London gewährte den Preußen und Russen Subventionen in Höhe von 7.000.000 £. Im Gegenzug verpflichteten sich Alexander und Friedrich Wilhelm, keinen separaten Frieden mit Napoleon zu schließen. Um die Kampfkraft der Alliierten zu stärken, ratifizierten die Briten auch einen großzügigen Beistandsvertrag mit Schweden.