Der Zoo Neuwied ist ein Tierpark an der Peripherie der Stadt Neuwied in Rheinland-Pfalz östlich des Stadtteils Heimbach-Weis am Rande des Naturparks Rhein-Westerwald. Im Jahr 2007 hatte der Zoo über 270.000 Besucher.
Kurzbeschreibung Der Zoo hält rund 1800 Tiere aus 185 Arten. Seine Gesamtfläche beträgt rund 13,5 Hektar. Es gibt darin unter anderem die größte Herde der Grauen Riesenkängurus außerhalb Australiens auf einer etwa 3,5 Hektar großen Anlage, vergesellschaftet mit Bennettkängurus und Emus. Außerdem lebt seit 2004 ein kleines Zuchtrudel der im natürlichen Verbreitungsgebiet ausgestorbenen Berberlöwen im Zoo Neuwied, in dem bis 2010 zehn Jungtiere zur Welt kamen.
Der Zoo Neuwied beteiligt sich am internationalen Arterhaltungszuchtprogrammen für gefährdete Tierarten EEP (EAZA-Ex Situ-Programmes) der EAZA.
Geschichte Der Zoo Neuwied wurde 1970 zum ersten Mal für Besucher geöffnet. Damals hieß er „Tierpark Hubertushof“. Zu der Zeit waren australische Tiere stark vertreten. Die Hauptattraktionen waren Beutelteufel, Schnabeligel, Dingos, Nacktnasenwombats, Kakadus, Tüpfelbeutelmarder, Schwarzschwäne und die große Herde Kängurus.
Der Zoo Neuwied hatte schon früh große Zuchterfolge, darunter die deutsche Erstnachzucht bei den südafrikanischen Buntböcken und die Welterstnachzucht bei verschiedenen Papageienarten. Zu weiteren Zuchterfolgen zählen die Naturaufzuchten Afrikanischer Strauße, bei denen erstmals in Deutschland die Eier von den Tieren selbst erfolgreich bebrütet wurden statt im Brutkasten, sowie die Nachzucht von Rötelpelikanen.
1980 wurde das Gelände von einem Tierhändler gepachtet, der es als Privat- und Tierhandelszoo führte, dort aufgekaufte Tiere zur Schau stellte und dann weiterverkaufte. Zeitweise waren so auch Elefanten, Gorillas und Flusspferde im Zoo untergebracht. Da es aber zu Problemen mit dem Artenschutz kam, musste der Tierhändler das Gelände 1985 aufgeben. Der Zoo Neuwied wurde damals beinahe geschlossen.
Noch 1984 gründeten einige engagierte Bürger einen Förderverein, der die Trägerschaft des Zoos übernahm und ihn hauptsächlich mit Spenden, Eintrittsgeldern und Mitgliedsbeiträgen betreibt. Nach der Übernahme durch den Förderverein veränderte sich der Zoo Neuwied merklich und steht unter wissenschaftlicher Leitung, zunächst des Biologen Heinrich Klein († 24. September 2011). Unter anderem wurden ein Exotarium mit Terrarien für Reptilien und Volieren gebaut, das Raubtierhaus vergrößert und 1995 eine große Seehundanlage mit Unterwassersichttunnel und Nordseeambiente errichtet.
mini|links|Eröffnung des Affenhauses im August 2006; links Innenminister Karl Peter Bruch, neben ihm Oberbürgermeister Nikolaus Roth und Zoodirektor Heinrich Klein Im Jahr 2000 wurde ein neues Lemurenhaus mit Außenkäfig für Weißkopfmakis gebaut, 2003 die neue Löwenanlage fertiggestellt und 2004 eine Pinguinanlage, auf der 14 Humboldtpinguine eingezogen sind. Im Jahr 2005 zogen zehn Nasenbären im Zoo auf einer neuen Anlage ein und 2006 wurde das neue Menschenaffenhaus fertiggestellt. Dort, wo früher die Schimpansenanlage war, steht seit März 2008 eine Neuweltaffenanlage mit einer Grundfläche von ca. 100 m² und einer durchschnittlichen Höhe von 8 Metern; sie ist mit Felswänden ausgekleidet. Im Frühjahr 2010 sind erstmals Erdmännchen in den Zoo eingezogen. Sie leben in der neu gestalteten ehemaligen Zebramangustenanlage. Im Frühsommer 2010 wurde die erweiterte Tigeranlage eröffnet. In der großzügigen Freianlage können die Großkatzen in zwei Badebecken schwimmen und haben mehr als 1000 m² Gehegefläche zur Verfügung. Die Gänsegeieranlage wurde im Jahr 2012 neu gestaltet und wird inzwischen von Steppenadlern bewohnt. Hier wurden eine Felsenlandschaft und verschiedene Nistmöglichkeiten sowie ein Wasserbecken installiert. Die Zuchtanlage für die Geparde wurde im Jahr 2013 grundlegend renoviert und neugestaltet. Der größte Erfolg war, als an einem Tag zehn Gepardwelpen geboren wurden, von denen acht großgezogen wurden.
Besondere Anlagen Prinz-Maximilian-zu-Wied-Halle Im Jahr 2018 eröffnete der Zoo eine Südamerika-Halle mit dem Namen Prinz Maximilian zu Wied-Halle. In ihr werden rund 20 Tierarten aus Mittel- und Südamerika gezeigt. Zu sehen sind Flachlandtapire, Tayras, Tamanduas, Tieflandpakas, Bolivianische Totenkopfaffen sowie Klammeraffen. Eine Besonderheit ist der Nachttierbereich, in dem Wickelbären, Brillenblattnasen sowie Grauhand-Nachtaffen gehalten werden.
Australien-Voliere Ende 2024 eröffnete der Zoo eine rund 1000 m² große, begehbare Voliere mit australischen Vögeln. Hier leben unter anderem Wellensittiche, Nymphensittiche, Diamanttäubchen und Maskenkiebitze.
Exotarium Im Mai 2011 wurde das über 50 Jahre alte Reptilienhaus ersetzt: Das neue Exotarium ist nach modernsten Gesichtspunkten sowohl für die Tierhaltung als auch für die Besucher gebaut worden. Riesenschlangen, Echsen, Warane und viele andere Reptilien sind in das neue Haus eingezogen und erstmals in der Geschichte des Zoos werden auch Brillenkaimane präsentiert. Im neuen Exotarium mit der etwa 500 m² großen Schaufläche können die Besucher auf zwei Etagen in den 38 großen Anlagen neben den Reptilien auch Wirbellose, Säugetiere und Vögel beobachten.
Känguru-Wiese Auf einer Fläche von rund 3,5 ha lebt eine große Gruppe Östlicher Grauer Riesenkängurus, Bennettkängurus und Emus. Die Gruppe der Östlichen Grauen Riesenkängurus gilt als die größte Gruppe außerhalb Australiens.
Kranich-Ufer 2023 wurde eine moderne Zwillingsanlage für Kraniche fertiggestellt. Eine Seite fokussiert sich auf asiatische Vogelarten, besonders auf Saruskraniche. Deren komplexe Zucht ist bereits mehrfach in dieser Anlage gelungen. Die Schwesteranlage beheimatet die afrikanische Fauna, darunter Paradieskraniche, Kirk-Dikdiks, Bernierenten, Kuhreiher und Hagedasch-Ibisse.
Afrika-Wiese Auf einer Freianlage lebt eine Gruppe Watussirinder, die mit Defassa-Wasserböcken vergesellschaftet sind. Zudem bewohnt eine Gruppe Südlicher Hornraben eine Voliere innerhalb der Afrika-Wiese.
Menschenaffenhaus mini|hochkant=0.4|Schimpanse im Affenhaus Das Menschenaffenhaus beheimatet eine Gruppe von Schimpansen sowie eine Anlage für Alaotra-Halbmakis. Dies ist die erste Haltung dieser Tierart in Deutschland. Das Gehege der Schimpansen wurde im August 2006 mit 700 m² Außenanlage und 200 m² Innenbereich fertiggestellt und eröffnet. Gäste der Eröffnungsfeier waren neben anderen Innenminister Karl Peter Bruch und der Neuwieder Oberbürgermeister Nikolaus Roth.
Artenschutz und Umweltbildung Der Zoo Neuwied unterstützt mit dem 2022 eingeführten „Artenschutz-Euro“ nationale und internationale Artenschutzprojekte. Hierzu werden Projekte von der Zooleitung ausgewählt, die dem Schutz weniger bekannter Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum dienen. Gefördert werden unter anderem Projekte zum Schutz von Pakaranas, Ecuador-Amazonen und Saiga-Antilopen. Den Euro zahlen die Besucher freiwillig mit dem Eintritt in den Zoo.
Zudem beteiligte sich der Zoo Neuwied an einem Auswilderungsprojekt für Würfelnattern in Rheinland-Pfalz sowie an der Nachzucht und Auswilderung des vom Aussterben bedrohten Europäischen Nerzes.
Zur Sensibilisierung aller Altersklassen für den Artenschutz betreibt der Zoo eine Zooschule. Im Rahmen eines pädagogischen Plans werden Veranstaltungen für Schulen, Kindergeburtstage und die Erwachsenenbildung angeboten. Ergänzend stehen den Besuchern ein Naturlehrpfad und ein Streichelzoo zur Verfügung.
Bilder
Weblinks
Offizielle Internetseite Der Zoo auf der Internetseite der Stadt Neuwied
Quellen
Neuwied Kategorie:Bauwerk in Neuwied Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Vereinsgründung 1970