Die Blies ist ein knapp 100 km langer rechter Nebenfluss der Saar im deutschen Bundesland Saarland und in der französischen Region Grand Est (Département Moselle) und durchquert auf ihrem Lauf vom Nordosten des Saarlandes im Landkreis St. Wendel bis zum Südzipfel des Landes mehrere Naturräume.

Die Blies ist mit einer Wasserführung von 20,7 m³/s an der Mündung nicht nur der größte Nebenfluss der Saar, sondern hydrologisch sogar deren Hauptquellast, da die Saar an dieser Stelle mit 19,0 m³/s mittlerem Abfluss etwas kleiner ist. Vom Gesamteinzugsgebiet an der Mündung nimmt die Blies mit 1889 von 3673 Quadratkilometern auch knapp mehr als die Hälfte ein.

Die Blies ist aus hydrologischer Sicht selbst Nebenfluss des Schwarzbaches, der, schon deutlich vor der Mündung in die Saar, etwa die Hälfte des Gesamtabflusses bereitstellt. Indes hat sich der Schwarzbach wiederum erst unmittelbar vor seiner Mündung durch die Einmündung des Hornbachs fast verdoppelt. De facto handelt es sich beim System der Blies also um einen sehr unregelmäßigen Fächer mit drei Hauptarmen, während die Saar ihr Wasser nach dem Zusammenfließen von Roter und Weißer Saar eher kontinuierlich vermehrt hat.

Name Der Name der Blies leitet sich vom keltischen „blês“ ab, was so viel wie „zischen“ oder „die Zischende“ bedeutet.www.blies.de nach Alfons Kolling, Ein Hospiz und die Brücken der Geleitstraße im Raum Homburg/Saar, 1995 in „Wolfgang Haubrichs, Zwischen Saar und Mosel“, S. 247, abgerufen am 26. November 2019

Zuflüsse Linke Nebenflüsse sind Todbach, Oster, Bexbach, Feilbach, Schwarzweihergraben, Erbach, Lambsbach, Schwarzbach, Hetschenbach und Gailbach.

Rechte Nebenflüsse sind Sinnerbach, Erlenbrunnenbach, Mutterbach, Würzbach und Mandelbach.

Naturräume des Einzugsgebietes Das Quellgebiet der Blies liegt zwischen Selbach und Gronig am Momberg (mundartlich Mommerich) im Nohfelden-Hirsteiner Bergland mit submontaner bis montaner Höhenstufe (typisches Pflanzenvorkommen: Quirlblättrige Weißwurz; Polygonatum verticillatum).

mini|links|Blies an der Erbachmündung in Homburg-Schwarzenbach Südwärts fließt die Blies über eine längere Strecke, dabei Bliesen, St. Wendel und Ottweiler passierend, durch das Prims-Blies-Hügelland mit ausgeprägter Reliefenergie und hohem Waldanteil (insbesondere Buchenwälder). Die Böden bieten der Landwirtschaft hier nur mäßige Ertragsbedingungen. Die Talwiesen stehen teilweise unter Naturschutz.Naturschutzgebiet Blieswiesen, 30 ha, Gemarkung Niederlinxweiler Am Südrand des Naturraums verlässt der Fluss den Naturpark Saar-Hunsrück. Naturpark Saar-Hunsrück: Blies

Bei Neunkirchen (Saar) tritt die Blies in den Neunkircher Talkessel ein, der Teil des Naturraumes Saarkohlenwald ist.Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten Blatt 159: Saarbrücken (Helga Schneider 1972; 154 S.) Blatt 160: Landau i. d. Pfalz (Adalbert Pemöller 1969; 47 S.) Diesen verlässt sie bei Wellesweiler bereits wieder, um das Homburger Becken, das zur St. Ingbert-Kaiserslauterer Senke gehört, von Nord nach Süd zu durchqueren. Bei Wörschweiler tritt sie in das Untere Bliestal ein – ein Teil des Pfälzisch-Saarländischen Muschelkalkgebietes und durchquert dabei die Naturräume Blieskasteler Bliestal, Gersheimer Bliestal und Bliesransbacher Schlingen. Der Unterlauf im Bereich des Saarpfalz-Kreises gehört zum Saar-Bliesgau. Der weit über das Saarland hinausreichende Naturraum ist klimatisch begünstigt und hat einen hohen Anteil an seltenen und schutzwürdigen Lebensräumen (z. B. Kalk-Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen) und Arten (z. B. Orchideen).Volker Wild: Die Blies und ihre Auen. In: Saarpfalz, Blätter für Geschichte und Volkskunde. Nr. 84, 2005, S. 6. Ab Bliesbruck (deutsch: Bliesbrücken) fließt die Blies nach Westen, zunächst für 3,5 km durch französisches Staatsgebiet und dann für 16 km als Grenzfluss zwischen Frankreich und Deutschland. In der Grenzstadt Saargemünd (franz.: Sarreguemines), die zum Naturraum Saargemünder Saartal gehört, mündet sie in die Saar (bei Saar-km 104,0)., abgerufen am 16. Oktober 2011

Geologie Im Oberlauf, in den Gesteinen des unteren Rotliegenden, bilden die Blies und ihre Nebengewässer verbreitet kleine Schluchten, weiter unterhalb Kerbtäler und Sohlenkerbtäler. Im Bereich des Spiemont bei Oberlinxweiler ist das Bliestal durch widerständiges Vulkanitgestein (Kuselit) eingeengt (Linxweiler Pforte). Die Blies durchfließt anschließend die Ottweiler und Saarbrücker Schichten des Karbons, dann in breiterem Tal und einstmals mäandrierend Schichten des Buntsandsteins und ab Breitfurt in wieder engerem Tal Schichten des Muschelkalks.

Die Blies wird bei breiterem Überschwemmungsgebiet dem Gewässertyp Auetalgewässer zugeordnet und im Unterlauf den Mäandertalgewässern.Volker Wild: Die Blies und ihre Auen. In: Saarpfalz, Blätter für Geschichte und Volkskunde. Nr. 84, 2005, S. 7.

Hydrologie mini|links|Überschwemmte Bliesaue bei Blieskastel nach Hochwasser im Januar 2011; Ufergehölz hauptsächlich Schwarzerle; im Vordergrund Bliestal-Radweg Die Wasserführung der Blies ist starken Schwankungen unterworfen. Am Pegel Reinheim liegt die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser im Bereich von mehreren Metern. Die Abflussmenge schwankte nach den bisherigen Aufzeichnungen zwischen 2,9 m³/s (am 24. Juli 1959) und 373 m³/s (am 21. Dezember 1993). Bei den Hochwassern in den Jahren 1970 und 1993 wurde die Altstadt von Blieskastel fast komplett überflutet. Ein Grund für hohe Sachschäden ist die Bebauung der Auenflächen, wodurch auch der natürliche Hochwasserrückhalteraum verringert wurde. Künstliche Rückhaltebecken wie das Ende der 1990er Jahre fertiggestellte bei Ottweiler bieten nur schwerpunktweisen Ersatz. Gefördert werden daher vermehrt Gewässerrenaturierungen wie die der Oster, die als gelungenes Beispiel gilt.

An der Blies sind auf deutscher Seite sechs Pegel eingerichtet (in Oberthal, Alsfassen (St. Wendel), Ottweiler, Neunkirchen, Blieskastel, Reinheim). Durch weitere Pegel werden die Nebenflüsse Todbach, Oster, Erbach, Schwarzbach, Würzbach, Hetschenbach und Mandelbach, beobachtet.

Die Hochwasserkennwerte der Blies liegen bei mehr als dem Doppelten der Saar. Ihr geringfügig höherer mittlerer Abfluss spiegelt sich darum auch nicht im Niedrigwasserbett der Blies wider; somit erscheint sie bei normalem Wasserstand nicht nur dem Namen nach als Nebenfluss.Dies ist vergleichbar mit der bekannteren Situation am Zusammenfluss von Inn und Donau, wo ebenfalls der Nebenfluss (Inn) im Mittel etwas größer ist, jedoch durch sein ausgeprägteres Hochwasserregime während der Niedrigwasserzeiten (Monate Oktober bis April) kleiner ist.

+ Pegel an der Blies und ihren Nebenflüssen Pegel (Nebenfluss) km bis Saar/Blies Höhe über NHN Einzugsgeb. mittl. Abfluss/s. Oberthal-Gronig 95,2 km 309,8 m 8,4 km² 0,3 m³ Alsfassen 86,5 km 275,2 m 42,0 km² 0,72 m³ Ottweiler 74,1 km 251,0 m 142,0 km² 2,26 m³ Neunkirchen 64,5 km 237,2 m 318,0 km² 4,68 m³ Blieskastel *) 36,7 km 213,4 m 1716,0 km² 16,0 m³ Reinheim 20,7 km 202,0 m 1798,0 km² 19,0 m³ Urweiler (Todbach) 0,25 km 273,8 m 42,1 km² 0,73 m³ Hangard (Oster) 3,75 km 250,5 m 112,1 km² 1,58 m³ Einöd (Schwarzbach) 0,8 km 217,0 m 1152,0 km² 10,4 m³ Lautzkirchen (Würzbach) 0,85 km 217,4 m 56,1 km² 0,2 m³ Walsheim (Hetschenbach) 2,5 km 242,7 m 6,2 km² 0,2 m³ *) Pegel Blieskastel von März 1988 bis Dezember 1994 nicht beobachtet, keine Abflussermittlung

Das Einzugsgebiet der Blies umfasst 1.889 km² und übertrifft damit das der nahezu gleich großen Saar; dieses umfasst an der Einmündung 1.784 km². Seinerseits wird das Einzugsgebiet der Blies an der Stelle der Einmündung des wichtigsten Nebenflusses, des Schwarzbaches, von dessen Einzugsgebiet übertroffen, das gut die doppelte Fläche hat.

Nutzungsgeschichte Be- und Entwässerungsgenossenschaften Ufernahes, fruchtbares Schwemmland wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts durch Entwässerungsmaßnahmen auch in weiten Teilen der Bliesaue erschlossen. Mit dieser Entwicklung eng verbunden sind die Be- und Entwässerungsgenossenschaften im Bliestal, deren Aufgabe es war, die landwirtschaftliche Produktion zu fördern, d. h. Entwässerung bei großem Wasserangebot und Bewässerung in Trockenzeiten. Zwei der ursprünglich drei Wasser- und Bodenverbände sind noch aktiv.Volker Wild: Die Blies und ihre Auen. In: Saarpfalz, Blätter für Geschichte und Volkskunde. Nr. 84, 2005, S. 10.

+ Be- und Entwässerungsgenossenschaften Gegründet Name Größe Status Mitte 18. Jahrhundert Be- und Entwässerungsgenossenschaft Niederbexbach 160 ha aktiv ? Wasser- und Bodenverband Altstadt ? Anlagen noch existent, aber nicht mehr im Unterhalt 1979 Wasser- und Bodenverband Einöd 300 ha aktiv

Be- und Entwässerungsgenossenschaft Niederbexbach: Die Be- und Entwässerungsgenossenschaft Niederbexbach wurde im Jahr 1789 als Niederbexbacher Wässerungsanstalt auf freiwilliger Basis gegründet. Das Edikt von Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau–Saarbrücken von 1765 wurde abgelöst durch das Bayrische Wassergesetz im Jahre 1852. Seit 1909 ist die Genossenschaft in der heutigen Form eine der wenigen noch aktiven Be- und Entwässerungsgenossenschaften im Südwesten Deutschlands.

Die gesamte Anlage in den Wässerwiesen besteht aus den beiden Blieswehren – dem Haseler Wehr und dem Holzauwehr –, zwölf Nebenschleusen im Hauptgraben und drei weiteren Schleusen in den Nebengräben sowie den Wassergräben, die eine Gesamtlänge von 16.800 m haben. Die Genossenschaftsfläche, die sich auf den Gemarkungen von Niederbexbach, Kohlhof, Limbach und Altstadt erstreckt, umfasst circa 156 ha und 1400 Flurstücke.

Das Haseler Wehr wurde 1748/50 als Mühlenwehr der Haseler Mühle und das Holzauwehr neben dem damaligen Flussbett in den Jahren 1779/81 erbaut. Während das heutige Haseler Wehr in den Jahren 1937/38 in Beton südlich der alten Stelle neu errichtet wurde, ist das Holzauwehr in renoviertem Zustand erhalten. Beide Anlagen stehen als Zeugnisse saarländischer Wirtschaftsgeschichte unter Denkmalschutz.Bernhard Becker: Niederbexbach. In: Saarpfalz, Blätter für Geschichte und Volkskunde. Nr. 3, 2004, S. 38.

Mühlen mini|Streichwehr der ehemaligen Mühle in Mimbach Die Mühlenwirtschaft gehört zu den ältesten Gewerben an der Blies. In Breitfurt befindet sich mit der Bliesmühle noch ein aktiver Mahlbetrieb. Andere Mühlen, wie in Mimbach, Gersheim oder Herbitzheim, wurden zur Wasserkraftgewinnung umgebaut. Vielfach erinnern aber heute nur noch Ruinen an die ehemaligen Mühlen.

An der Blies gibt es auf deutscher Seite derzeit noch sieben ehemalige Mühlen mit Wasserstaueinrichtungen, d. h. quer im Gewässer eingebaute Streichwehre, die den Sinn hatten, das Wasser aufzustauen, um auch bei Niedrigwasser gleichmäßig Wasserkraft zur Verfügung zu haben. Diese Querbauwerke führten aber auch zu den ersten schwerwiegenden Eingriffen in Gewässerbett und Gewässerverlauf: Das Wasser wurde angestaut und damit der natürliche Geschiebetransport des Gewässers unterbunden. Für gewässeraufwärts wandernde Wasserorganismen (z. B. Fische) entstanden unüberwindliche Hindernisse.

Flößerei