Die Straßenbahn Jena nahm am 6. April 1901 als neunte elektrische Straßenbahn in Thüringen den Betrieb auf, die Spurweite beträgt 1000 mm.

Geschichte 1901 bis 1945

In den Jahren 1894 bis 1898 prüfte der Jenaer Gemeinderat, wie ein Elektrizitätswerk für die öffentliche Stromversorgung mit angeschlossener Straßenbahn finanziert und gebaut werden könne. Im Gespräch waren sowohl private als auch kommunale Varianten. Diese Aktivitäten mündeten in einem Konzessionsvertrag mit der Berliner Bank, der am 14. Januar 1899 unterzeichnet wurde. Diese Bank beauftragte ihrerseits die Eisenbahnbau-Gesellschaft Becker & Co. GmbH, Berlin, mit den Planungs- und Bauarbeiten. Die Pläne wurden am 13. Juli 1899 vom Gemeinderat bestätigt, und die Arbeiten begannen unverzüglich.

Ab 22. März 1901 erfolgte abschnittsweise die landespolizeiliche Abnahme der Strecken und am 6. April100 Jahre Straßenbahn in Jena – Eine Geschichte mit Zukunft (Broschüre, „Stadtverkehr“-Sonderausgabe), EK-Verlag, Freiburg (Brsg), 2001, Seite 22, ISBN 3-88255-839-3 wurde der Betrieb auf der Strecke Elektrische Zentrale–Schubertsburg (heute Nordschule–Mühlenstraße) über Dornburger Straße, Spittelplatz, Saalbahnhofstraße, Löbdergraben, Holzmarkt, Engelplatz, Neugasse, Vor dem Neutor und Kahlaische Straße aufgenommen. Außerdem verkehrte eine Linie vom Saalbahnhof, zu dem vom Spittelplatz eine Zweigstrecke bestand, über dieselbe Linienführung bis zum Engelplatz und weiter durch die heutige Westbahnhofstraße zum Westbahnhof. Die dritte Linie fuhr von der Camsdorfer Brücke über Steinweg, Saalstraße, Leutrastraße (überbaut, südlich der Johannisstraße), Johannisplatz, Bachstraße, Quergasse, Wagnergasse, Kaiser-Wilhelm-Straße (heute August-Bebel-Straße) und die Erfurter Straße bis zur Endstelle Papiermühle (heute Mühltal). Eine Querverbindung wurde von der Schillerstraße durch den Leutragraben zum Johannisplatz eingerichtet. Am 25. Juni 1901 wurde die Verlängerung von der Elektrischen Zentrale über Dornburger und Naumburger Straße nach Zwätzen eröffnet.

Der erste schwere Unfall ereignete sich am 3. Februar 1903, als der führerlose Triebwagen 13 die Kaiser-Wilhelm-Straße hinunter rollte und nach der 90°-Kurve zur Quergasse umstürzte. Der Wagen war nicht besetzt, Personen kamen nicht zu Schaden.

miniatur|Straßenbahn auf der Camsdorfer Brücke um 1917 mini|Streckenende an der alten Burgauer Brücke, ca. 1934 Die erste größere Netzerweiterung fand im Jahr 1908 statt, als am 18. Oktober die Straßenbahn von der Schubertsburg aus über Winzerla nach Burgau verlängert wurde. Am 1. Januar 1909 legte man die steigungsreiche Ost-West-Strecke durch das historische Stadtzentrum (Saalstraße – Kirchplatz – Leutrastraße – Johannisplatz) still und die Bahnen der Linie Mühltal–Camsdorfer Brücke bogen am Steinweg in den Löbdergraben ab und befuhren die bestehende Strecke über Holzmarkt, Engelplatz und Leutragraben zum Johannisplatz. Seitdem besteht die Zentralhaltestelle für alle Linien am Holzmarkt. Fünf Jahre später, am 30. Mai 1914, wurde die nächste Neubaustrecke von der Camsdorfer Brücke nach Jena Ost, Schlippenstraße, in Betrieb genommen, die Ende 1914 bis An der Trebe verlängert wurde. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs gab es zunächst geringe Einschränkungen im Verkehr, ab September 1917 kam es jedoch zu stärkeren Einschränkungen, die bis zur zeitweiligen Einstellung einiger Linien reichten. Wegen des Einsatzes der männlichen Bevölkerung im Krieg mangelte es an Fahrpersonal, weshalb erstmals Frauen als Schaffnerinnen eingesetzt wurden.

Ab 1920 stiegen als Folge der Inflation die Fahrpreise bis auf 8,00 Mark und die Beförderungszahl ging zurück. Der Straßenbahnbetrieb konnte nicht länger aufrechterhalten werden und wurde am 19. Oktober 1922 ganz eingestellt. Erst ab dem 24. Mai 1924 fuhren wieder Straßenbahnen in Jena, die Preise lagen wieder im Bereich von 15 bis 25 Pfennig. Mit der Wiedereröffnung wurde in der Innenstadt die Streckenführung der Mühltal-Linie erneut geändert und die Bahnen fuhren nun vom Holzmarkt statt über den Engelplatz und durch die Schillerstraße direkt durch den Teichgraben zum Leutragraben. Die Strecke zwischen Engelplatz/Schillerstraße und Leutra-/Teichgraben wurde abgebaut.

1928 wurden zwei Omnibuslinien eingeführt, die jedoch nicht rentabel waren und Ende 1932 wieder eingestellt wurden.

1930 konnte die Mühltal-Strecke vom Johannisplatz direkt durch die Wagnergasse nach Westen geführt und die komplizierte Trasse durch Bachstraße und Quergasse aufgegeben werden, nachdem für den Durchgangsverkehr nach Weimar die heutige Straße des 17. Juni gebaut worden war. Im April 1935 wurde die Strecke nach Burgau im Bereich Ahornstraße/Rudolstädter Straße begradigt und bis Lobeda verlängert. Drei Jahre später, im Januar 1938, wurde ein zweiter Anlauf genommen, einen Omnibusverkehr in Jena einzuführen. 1939 wurden die Straßenbahnlinien umgestellt, es verkehrten nun folgende Linien:

Lobeda–Holzmarkt (Stadtzentrum)–Zwätzen Jena Ost–Holzmarkt (Stadtzentrum)–Mühltal Westbahnhof–Holzmarkt (Stadtzentrum)–Saalbahnhof

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs kam es wieder zu Einschränkungen im Fahrbetrieb, was im Oktober 1943 zur zeitweiligen Einstellung der Linie Westbahnhof–Saalbahnhof führte, ab Juni 1944 durften im Berufsverkehr keine Personen mit Kinderwagen mehr befördert werden. Als Folge der Flächenbombardierungen und der Sprengung der Camsdorfer Brücke im April 1945 wurde der Betrieb völlig eingestellt und am 5. Mai 1945 auf einigen Stecken wiederaufgenommen. In den Nächten wurden mit Hilfe eines Triebwagens und Kipploren die Trümmer der zerstörten Innenstadt nach Burgau und Winzerla transportiert.

mini|Zug der Linie 1 mit Reko-Triebwagen, einem Gotha- und einem Reko-Beiwagen im Teichgraben, 1987 mini|Gotha-Triebwagen vor Reko-Beiwagen auf der Linie 2 im Steinweg, 1987 mini|Kuppelendstelle Jena Ost der Linie 2, Zug mit Zielanzeige Winzerla, Juni 1987. Damals war dort ein zusätzlicher Standtriebwagen im Einsatz.

1945 bis 1969 Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verkehrten in Jena folgende Straßenbahnlinien:

Lobeda–Burgau–Winzerla–Stadtzentrum–Nord II–Löbstädt–Zwätzen Camsdorfer Brücke–Jena Ost (Inselbetrieb mit zwei in Jena Ost verbliebenen Triebwagen) Mühltal–Holzmarkt (Stadtzentrum) Westbahnhof–Stadtzentrum–Saalbahnhof

Am 13. Juli 1946 wurde die wieder errichtete Camsdorfer Brücke eingeweiht, wodurch wieder eine durchgehende Straßenbahnverbindung zwischen dem Stadtzentrum und Jena Ost bestand. Materialengpässe in der Nachkriegszeit machten es notwendig, die Strecken in Lobeda und im Mühltal um einige hundert Meter zu verkürzen. Das gewonnene Gleismaterial wurde für Reparaturen in der Innenstadt benötigt; die Lobedaer Strecke blieb bis zur Betriebseinstellung 1967 verkürzt. Der Omnibusbetrieb brach 1948 wegen Kraftstoff- und Ersatzteilmangel vollkommen zusammen. Am 1. Juli 1949 wurde der VEB (K) Städtischer Verkehr Jena gegründet.

Im Jahr 1951 wurden die ersten in der DDR produzierten Straßenbahnen vom Typ LOWA ET50 geliefert. Die Jahre ab 1954 sind von der Erneuerung der vorhandenen Anlagen und der Einführung einiger technischer Neuerungen geprägt. 1957 erfolgte der Umbau der Fahrleitungsanlage, um Triebwagen mit Scherenstromabnehmer einsetzen zu können. Von 1959 bis 1961 wurde der Straßenzug Teichgraben–Holzmarkt–Ernst-Thälmann-Ring (heute Löbdergraben) zwischen Anatomieturm und Rotem Turm verbreitert und die Straßenbahn durchgehend zweigleisig in Fahrbahnmitte verlegt. Am völlig umgestalteten Holzmarkt entstand ein zweigleisiges Gleisdreieck, eine neue Haltestelle und ein Dienstgebäude mit Wartehalle, Personalräumen und Fahrscheinverkauf. Am Anfang der 1960er Jahre wurden die im Linienverkehr eingesetzten Fahrzeuge von der BSI-Kompaktkupplung auf die Scharfenbergkupplung umgerüstet, welche an den ab 1959 gelieferten Gothawagen bereits ab Werk montiert war. Die LOWA-Wagen und einige „Thüringer“ Beiwagen erhielten 24-Volt-Anlagen (unter anderem: Umformer, Batterie, Blinkanlage, vom Fahrerplatz aus bedienbare Signalanlage) und Elektrokupplungen auf der Scharfenbergkupplung.Foto des umgebauten Wagens 215 in: Autorenkollektiv: StraßenbahnArchiv 4, transpress Verlag für Verkehrswesen Berlin 1984, Seite 181 Damit waren sie in gemischten Zügen mit Gotha- und Rekowagen einsetzbar, wovon bis zu ihrer Ausmusterung häufig Gebrauch gemacht wurde.

In den Jahren 1961 und 1962 wurden die Strecken zwischen Scharnhorststraße und Krankenhaus sowie zwischen Paradiesbahnhof und Felsenkeller zweigleisig ausgebaut. Auf dem letzteren Abschnitt diente das zweite Gleis vorerst hauptsächlich zur Abwicklung des Stadion-Einsatzverkehrs, erst ab 1971 als reguläres Kreuzungsgleis. Am 15. Mai 1963 wurde dagegen die Linie 3 zwischen Westbahnhof und Saalbahnhof durch die Buslinie 15 ersetzt, die beiden Zweigstrecken vom Spittelplatz zum Saalbahnhof und vom Engelplatz zum Westbahnhof später abgebaut. Anfang der 1960er Jahre wurde außerdem die Strecke in Jena-Ost von An der Trebe bis zur heutigen Endstelle verlängert.

1962 baute man im Stadtzentrum die 1922 stillgelegte Strecke von Schillerstraße/Engelplatz durch die nördliche Schillerstraße zum Leutragraben eingleisig als Teil einer großen Blockumfahrung Holzmarkt wieder auf. Im Jahr 1964 ging eine Wendeschleife nördlich der bisherigen Endstelle Zwätzen in Betrieb, was den Einsatz von Einrichtungswagen auf der Linie 1 zwischen der Blockumfahrung Holzmarkt und Zwätzen ermöglichte. In dieser Zeit hatten sich die Fahrgäste auch auf weitere Neuerungen einzustellen. Bereits ab 1958 wurden bei Beiwagenbetrieb die Triebwagen als Sichtkarten-Wagen gefahren. Ab 1964 begann der Einbau von Zahlboxen in die Fahrzeuge, um die verbliebenen Schaffner einzusparen und das Fahrpersonal zu entlasten. Abhängig von Personalbestand und Fahrzeugbauart (die Zahlbox nahm in den engen Einstiegsräumen der Altbauwagen viel Raum ein) waren jedoch noch jahrelang gemischte Züge aus Sichtkarten-, Zahlbox- und Schaffnerwagen anzutreffen. Auf die Zahlboxen wurde mit großen Steckschildern am Fahrzeug hingewiesen; erst nach der kompletten Umstellung auf Zahlboxbetrieb (etwa 1968) wurden diese Hinweise auflackiert.

Im Jahr 1966 wurde ein Gutachten zur Lösung der Nahverkehrsprobleme in Jena vorgelegt, welches die schrittweise Umstellung des Straßenbahnbetriebs auf Busse bis zum Jahr 1985 nahelegte. Kurz darauf entstand das kurzlebige Projekt einer Alweg-Bahn für Jena als innerstädtisches Schnellverkehrsmittel, zudem war die heutige Stadtrodaer Straße als Zubringer zur zukünftigen Trabantenstadt Neu-Lobeda im Bau. Deshalb wurde die Straßenbahnstrecke von Winzerla nach (Alt-)Lobeda am 16. Juni 1967 stillgelegt und durch die Buslinie 13 ersetzt, die Winzerlaer Linie nach Jena-Ost anstatt nach Zwätzen durchgebunden. mini|Die von 1969 bis 1986 bestehende Wendeschleife Winzerla Um Baufreiheit für das Verwaltungsgebäude des neuen Heizkraftwerkes zu schaffen, baute man gegenüber der alten Ausweichstelle Winzerla, aber westlich der Rudolstädter Straße, eine neue Endstelle als eingleisige Wendeschleife mit Stumpfgleis und neuer Zufahrtstrecke. Diese Anlage wurde am 23. Juni 1969 freigegeben. Einrichtungswagen konnten dennoch nicht vor 1987 im Linienverkehr nach Winzerla fahren, da an drei Haltestellen der eingleisigen Strecke weiterhin nur vom Gehweg aus zugestiegen werden konnte. mini|Die Strecke zum Mühltal in der August-Bebel-Straße im November 2011