Das Garde-Pionier-Bataillon war ein Pionier-Bataillon der Preußischen Armee. Es unterstand dem Gardekorps bzw. der 1. Pionier-Inspektion.

Vorgeschichte Eine Garde ist sowohl eine Leibwache der Herrschenden als auch „diejenige Heeresabtheilung, welche durch Auswahl der Mannschaften und bessere Ausrüstung bestimmt ist, eine musterhafte Kerntruppe zu bilden. Sie ist gewöhnlich in den Hauptstädten concentriert und durch glänzendere Uniformen und andere Vorzüge ausgezeichnet.“Conversations-Lexikon … von 1853. – Nachdem Ludwig XIV. von Frankreich die Garden als repräsentative Bewacher (garder = schützen, bewachen, hüten) etabliert hatte, fand dies viele Nachahmer in anderen europäischen Ländern, so auch in Preußen unter Friedrich I., aber vor allem unter Friedrich dem Großen.

Dementsprechend war die Kleidung der preußischen Garde-Pioniere repräsentativ, die Offiziere hatten reichlich goldgeschmückte Pickelhauben und Parade-Uniformen. Erhaltene Gegenstände aus dem Garde-Pionier-Bataillon wie zinnerne Krüge, Briefverschlüsse, Faschinenmesser finden sich als begehrte Sammlerobjekte im Internet.

Das Garde-Pionier-Bataillon Berlin ist um 1810 durch personelle Aufstockung aus der bestehenden Pionierabteilung der Garnison Berlin gebildet worden und hatte eine Stärke von rund 600 Mann.

Formationsgeschichte mini|Garde-Pionier-Kaserne (1896) Durch A.K.O. am 12. Februar 1810: aus Resten der ehemaligen Pontoniere, von Mineurkommandos in Spandau, Cosel, Neiße und aus Ranzionierten als Märkisch-Pommerische Pionier-Kompanie gebildet. 1812: Die Kompanie wurde zum Stamm der 2. Feld-Pionier Kompanie. 4. März 1813: Die Kompanie (inzwischen als Brandenburgisch-Pommerische oder Brandenburgische Festungs-Pionier-Kompanie bezeichnet) stellte die 5. Feld-Pionier-Kompanie (die Nr. 5 erhielt diese Einheit erst am 2. August 1813) und die Pommerische Festungs-Pionier-Kompanie (28. Dezember 1813) auf. 27. März 1816: Neuordnung, die Kompanie wurde mit der 5. Feld-Pionier-Kompanie zur Garde-Pionier-Abteilung vereinigt (Verbleib der anderen Kompanien siehe jetzige Pionier-Bataillone Nr. 2 und Nr. 8). 1832: Aufstellung einer Sektion Mariniers, die 1850 an die Marine abgegeben wurde. 28. Juli 1859: Errichtung einer 3. Kompanie. 1. April 1861: Errichtung einer 4. Kompanie. 1. April 1887: Errichtung einer 5. (Versuchs-)Kompanie. 1. Oktober 1899: Die 5. Kompanie wurde an das Telegraphen-Bataillon Nr. 1 abgegeben.

Namensgebung bis 1816: siehe oben unter Formationsgeschichte. 27. März 1816: Garde-Pionier-Abteilung 4. Juli 1860: Garde-Pionier-Bataillon

Standorte

Datum Standorte 1810 Festung Berlin 1811–1813 Kolberg, siehe auch Belagerung Kolbergs 1807 1815–1816 Die Feld-Kompanie bei der Okkupations-Armee in Frankreich, die Festungs-Kompanie in der Festung Stettin, Festung Magdeburg und Cölln 1816 Die Feld-Kompanie in der Festung Ehrenbreitstein 1816–1820 Berlin, Festung Spandau, Festung Stettin, Festung Küstrin ab 1820Berlin-Kreuzberg, Köpenicker Straße 11–15. Die vierstöckige Kaserne wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Trümmer später beseitigt.

Uniform mini|Garde-Pioniere (1835)

Allgemeine Beschreibung In Preußen wurden von den Mineuren und Pontonieren anfänglich dunkelblaue Uniformen mit orangen Rock- und Ärmelaufschlägen getragen. 1788 erhielten die Ingenieure schwarze Kragen, Rockklappen, Ärmelaufschläge und Unterfutter. 1798 wurde das gesamte preußische Pontonierkorps so ausgestattet.

Ab 1808 trugen die Pioniere die Uniform der Fuß-Kompanien der Artillerie: schwarze Kragen, schwarze (sogenannte schwedische) Aufschläge und schwarze Achselklappen, jedoch mit weißen Knöpfen und schwarzem Lederzeug. Die Achselklappen blieben bis 1830 schwarz mit rotem Vorstoß und wurden dann ponçeaurot.

Wenn man von den üblichen Änderungen im Zeitgeschmack absieht, blieb die Uniform dann bis 1914 unverändert. Bei Paraden waren die Pioniere formiert und ausgerüstet wie die Infanterie, trugen also außer den Württembergern weiße Hosen und hatten Gewehr, Patronentaschen und Tornister. Ihre Auftritte wurden von Hoboisten (nur im Signalblasen ausgebildete Leute), die evtl. Schwalbennester anhakten, begleitet.

Garde-Pionier-Bataillon Unteroffiziere und Mannschaften Helm: Gardeadler mit Stern, gelbe Schuppenketten, schwarzer Busch Waffenrock: Weiße Litzen mit schwarzen Spiegeln, Achselklappen ohne Abzeichen Mantel und Litewka: Litzen auf den Kragenpatten Unteroffiziere Gemusterte silberne Tressen Hoboisten an den mit der gleichen Tresse besetzten Schwalbennestern gab es kurze silberne Fransen Hornisten Schwalbennester mit weißer Borte und lange Wollfransen Offiziere besaßen dieselbe Uniform wie die der Linie, jedoch am Helm den Gardeadler mit Stern, Busch, und in den hinteren Ecken der Paradedecke einen Stern

Kommandeure DienstgradNameDienstGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 3: Die Stellenbesetzung der aktiven Regimenter, Bataillone und Abteilungen von der Stiftung bzw. Aufstellung bis zum 26. August 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2413-1, S. 337–338.OberstJohann von Krohn20. April 1816 bis 2. April 1820 (mit der Führung beauftragt)KapitänAdolf Snethlage27. Mai 1820MajorJoseph Hesse von Hessenthal29. April 1831MajorFriedrich von Studnitz18. April 1837MajorJulius von Mebes3. Juni 1841MajorKarl Seeling26. Februar 1846MajorEduard Burchardt29. August 1848MajorAlbert Theodor Erich30. September 1851MajorJulius von Engelbrecht1. Oktober 1853Major/OberstleutnantCarl von Keiser23. Oktober 1855Thassilo Rückert gen. Burchardi5. Juni 1858Major/Oberstleutnant/OberstErnst von Braun8. Februar 1861 bis 16. Mai 1867Major/OberstleutnantOskar Bogun von Wangenheim17. Juni 1867 bis 10. Dezember 1870Alfred von Krause15. Juli 1871Hans von Bock18. Mai 1876Wilhelm von Kleist15. April 1882Major/OberstleutnantConrad von Schubert19. November 1889 bis 26. Januar 1895MajorFriedrich von Ammon27. Januar 1895Major/OberstleutnantHermann Buek18. August 1897MajorErnst von Reppert19. Juni 1902Major/OberstleutnantAlbert Stechow18. Oktober 1903Major/OberstleutnantSiegfried von Held18. Mai 1908Major/OberstleutnantErnst Nigmann18. Oktober 1912OberstleutnantHugo von Sommerfeld und Falkenhayn13. November 1915MajorFriedrich Lindow7. April 1918MajorConrad Esche8. März 1919

Bedeutende Bataillonsangehörige Als Bauleiter für das Blockhaus Nikolskoë und die Alexandrowka gilt Adolf Snethlage von der Garde-Pionier-Abteilung.

Der spätere General Bruno von Mudra aus Muskau begann 1870 seine militärische Laufbahn als Fahnenjunker im Bataillon. Im Jahre 1913 wurde er in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben, 1914 erhielt er den Pour le Mérite in Anerkennung seiner Verdienste um das Pionierwesen und seiner Leistungen im Ersten Weltkrieg. Zuletzt war er Oberbefehlshaber der 17. Armee. Mudra wurde Ehrenbürger seiner Geburtsstadt und Namensgeber von Kasernen der Bundeswehr in Köln und Mainz.Homepage der Stadt Muskau

Der Ingenieur Adolf Zoeppritz (1855–1939) aus Garmisch leistete von 1875 bis 1876 den Dienst als Einjährig-Freiwilliger im Bataillon und legte hier das Offiziersexamen ab. Danach arbeitete er erfolgreich als Ingenieur in Davos und Garmisch, wo er unter anderem 1910 die Bobbahn entwarf, auf der im Jahre 1936 während der Olympischen Winterspiele 1936 die Bobwettbewerbe ausgetragen wurden. Aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten, auch auf dem Gebiet des Alpinismus, wurde Zoeppritz 1925 zum Ehrenbürger von Garmisch ernannt und die seit 1905 bestehende Hochstraße in Adolf-Zoeppritz-Straße umbenannt.

Literatur mini|hochkant|Übung des Garde-Pionier-Bataillons vor dem Kronprinzen bei Wernsdorf, Die Gartenlaube, 1886, S. 605.

Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon; 10. Auflage 1853, F. A. Brockhaus Leipzig; Band 6: Garden. Berlin und seine Bauten. Band II: Der Hochbau. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1896. Hundertjahr-Feier des Garde-Pionier-Bataillons, Berlin im Jahre 1910. Bamberg, Germania-Verlag 1910. Die Offizier-Speiseanstalt des Garde-Pionier-Bataillons. Berlin 1910.

Kurt Loof: Das Königlich-Preußische Garde-Pionier-Bataillon 1910/1914. (Vom 100jährigen Jubiläum bis zum Anfang des Weltkrieges), Nach Tagebüchern und nach Beiträgen von Kameraden bearbeitet, Berlin 1934. Klemens Mersmann: Geschichte des Königlich-Preußischen Garde-Pionier-Bataillons. Berlin 1889 und 1910, (Neuauflage). (Digitalisat)

Weblinks

Totenliste des Garde-Pionier-Bataillons im Ersten Weltkrieg (denkmalprojekt.org)

Einzelnachweise

PionierBataillon 000 Kategorie:Pionierverband Kategorie:Gegründet 1816 Kategorie:Aufgelöst 1919 Kategorie:Berliner Militärgeschichte