Aufenau ist mit etwa 1800 Einwohnern neben der Kernstadt der größte Stadtteil von Wächtersbach im hessischen Main-Kinzig-Kreis und mit Hesseldorf, Neudorf (mit dem Weiler Kinzighausen) und Weilers eine seiner fünf Talgemeinden. Drei weitere Ortsteile, Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald, liegen auf der Spielberger Platte, einer der ersten Anhöhen des Vogelsberges.

Geografie Geografische Lage Das Straßendorf Aufenau befindet sich rund einen Kilometer südöstlich der Kernstadt Wächtersbach auf der linken, der südlichen Seite des Kinzigtals, am Rande einer ausgedehnten Kinzigaue und am Fuße des südlich angrenzenden Spessarts, dem Unteren Vogelsberg gegenüber. Von West nach Osten durchzieht die Landesstraße 3216 den Ort. Sie stellt im Westen die Verbindung zur Bundesstraße 276 dar, die zur Eisernen Hand (Straßenkreuzung an der Mündung des von Bad Orb kommenden Aubaches in die Kinzig) und weiter nach Wirtheim führt.

Nachbargemeinden Die Kreisstraße K 886 verbindet den Ortsteil Aufenau im Norden mit den Wächtersbacher Ortsteilen Kinzighausen und Neudorf. Im Osten grenzt Aufenau an die Gemeinde Bad Soden-Salmünster. Die Kreisstraße 887 führt im Südosten über den Aufenauer Berg zur Nachbarstadt Bad Orb und im Westen liegt die Kernstadt Wächtersbach.

Geschichte Ortsname Die älteste bekannte Erwähnung fand der Ort um das Jahr 900 als Huvenowa und im Jahr 1167 als Uvenowe, in einer Aufzählung von Besitztümern des Klosters Schlüchtern in einer Urkunde Herolds von Hochheim, dem Bischof von Würzburg (1165–1171). Eine weitere urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1376 in einem Lehensrepetitorium des Klosters Schlüchtern als latinisiertes Ubena. 1534 erfolgte die Nennung in einer Lehnsurkunde als Auffenaw, ab Anfang des 17. Jahrhunderts dann fast ausschließlich in der heutigen Form Aufenau.

Der Name Aufenau bezeichnete wahrscheinlich ursprünglich einen auf einer Au gelegenen Bauernhof. Zur Namensbildung gibt es verschiedene Deutungen, höchstwahrscheinlich bedeutet der althochdeutsche Name Hov-wenowa, dass es sich um einen Hof in den Auwiesen der Kinzig handelte, anderen Quellen zufolge soll Uffenuffa die Kurzform für „Hof des Uffo“ sein. Da die deutsche Landschaft bis ins 16. Jahrhundert stark bewaldet war und Siedlungen entlang von Flüssen und auf natürlichen Plateaus in der Nähe der Flüsse üblich waren, kann diese Annahme, dass es sich um eine Ansammlung von Höfen in einer Flussaue handelt, durchaus zutreffen.

Mittelalter Das Gericht Aufenau, zu dem Aufenau, Neudorf, Hain bei Wächtersbach – das im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt wurde und unterging„Die überschuldeten Freiherren Forstmeister …“, - J. Ackermann, Sammlung Geschichte Wächtersbach, 43.L., Jan. 2004, Nr. 290, , S. 1 – und Schloss Kinzighausen gehörten, war ursprünglich ein Reichsgut, das an die Herren von Lißberg kamMartin Schäfer, Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Hrsg. Kreisverwaltung Gelnhausen, 1950, S. 167. 1365 war es als Lehen im Besitz der Herren Forstmeister von Gelnhausen im Ritterkanton Mittelrhein.

Die Herren Forstmeister von Gelnhausen waren Ministeriale, die ursprünglich als Unfreie im Dienst des Kaisers bzw. des Klerus in der Reichsstadt Gelnhausen standen. Ihr Sitz war das Schloss Kinzighausen auf einer Insel in der Kinzig, unweit von Aufenau, meist das Blaue Wunder genannt. Offensichtlich hatten es die Herren von Kinzighausen zu ansehnlichem Wohlstand gebracht, da sie den Bau der Marienkirche unterstützten und sie als eigene Grablege nutzten.

Neuzeit Ysenburger und von Forstmeister Ab dem 16. Jahrhundert kam es immer wieder zu Zwistigkeiten mit den benachbarten, stetig an Macht und Einfluss gewinnenden Grafen von Ysenburg in Wächtersbach, denen die reichen Ministerialen „von Forstmeister“, südlich der Kinzig ein Dorn im Auge waren.

Ähnlich wie Graf Anton von Ysenburg trat 1544 auch Friedrich von Forstmeister zum lutherischen Glauben über. „Seine beiden Brüder blieben katholisch“.Martin Schäfer, Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Hrsg. Kreisverwaltung Gelnhausen, 1950, S. 208 Damit war auch das Patronatsrecht über die Kirche zu Aufenau zwischen der katholischen und der evangelischen Linie der Forstmeister geteilt. Als Untertanen mussten die Aufenauer den jeweiligen Grundherren auch im Glauben folgen (Cuius regio, eius religio – lateinisch: Wessen Gebiet, dessen Religion). Sie blieben also teils katholisch oder wurden mit dem Herren Friedrich von Forstmeister evangelisch. Diese strenge konfessionelle Trennung innerhalb des Dorfes hielt bis ins 20. Jahrhundert an.

Im Jahre 1649, nach dem Dreißigjährigen Krieg, verkaufte der lutherische Johann von Forstmeister seinen Teil der Rechte an der Aufenauer Kirche an seinen katholischen Verwandten Lukas Heinrich von Forstmeister. Der daraus resultierende Kirchenstreit zu Aufenau um die Benutzung der Kirche und die freie Religionsausübung zog sich über drei Jahrzehnte hin und wurde zur Entscheidung bis in die Reichsstände hinein getragen. Der am 23. November 1683 erzielte Vergleich regelte sehr detailliert, in 30 Einzelpunkten, das Verhältnis der beiden Kirchen zueinander. Durch eine gleichmäßige Aufteilung des Pfarreivermögens, die gemeinsame Nutzung von Chor und Schiff der Kirche, eine zeitliche Zuordnung von Gottesdienstzeiten für die Konfessionen und schließlich eigene Schlüssel für jede der Parteien wurde eine dauerhafte, friedliche Regelung in einer Simultankirche erreicht. Auch die wenigen Wächtersbacher Katholiken nutzten über Jahrhunderte hinweg, bis zur späten Errichtung eines eigenen Gotteshauses Anfang des 20. Jahrhunderts, die Kirche in Aufenau.

Straße und Postverkehr Aufenau lag an der ehemaligen Reichsstraße, der Via Regia, die von Frankfurt am Main nach Leipzig (und weiter bis Kiew führte). Es war im Mittelalter bis in die Neuzeit eine der wichtigsten Verbindungen nach Mitteldeutschland. Reste dieser Straße sind nur noch mit ortskundiger Führung auszumachen bzw. vor dem Museum in Steinau zu finden. Als 1616 durch Thurn und Taxis auf der Via Regia ein fester Postkurs auf der Strecke Frankfurt – Leipzig eingerichtet wurde, gab es in Aufenau, im Gegensatz zu Salmünster, keine Posthalterei, sondern lediglich eine Tränke für das Pferdegespann direkt an der Frankfurter Straße vor dem Gaststätte „Wittelsbacher Hof“. Vielleicht war daher an dieser Stelle, ähnlich wie in Wirtheim, eine Zustiegsmöglichkeit. Die Aufnahme des viel günstigeren und leistungsfähigeren Bahnbetriebs auf der Linie Hanau – Fulda 1868 brachte das Ende des Fahr- und des Reisepostverkehrs mit sich; die Tränke überdauerte noch bis ins 20. Jahrhundert.

Ab 1764 wurde die Landstraße von Frankfurt am Main nach Fulda, die durch Aufenau führte, als eine der ersten Straßen in Hessen zu einer Chaussee ausgebaut. In Aufenau wurde hierzu die Straßenführung um die Kirche geändert und eigens eine entsprechende, heute noch sehr gut erhaltene Stützwand gebaut, um die noch heute geltende Straßenführung zu ermöglichen. Hierzu wurde der damalige, kirchennahe Friedhof entfernt, der Hügel hinter der Kirche angeschnitten und eine aus Mauerwerk erstellte Stützwand errichtet. Die Straße wurde statt durch die heutige Marienstraße nun direkt an der Kirche vorbeigeführt. Die für damalige Verhältnisse enorme Breite der Straße galt als Sensation. So trug die Landstraße auch zu einer merklichen Entwicklung von Aufenau bei.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Aufenau mehrfach Opfer von Plünderungen und Besetzungen. Gegen Ende des Krieges, im Jahr 1646, versuchten die Bewohner Aufenaus sich der wiederholten Überfälle zu erwehren, über Erfolg oder Misserfolg ist jedoch nichts bekannt.

1781 trennten sich die Herren von Forstmeister von ihrer über Jahrhunderte gehaltenen Residenz und verkauften Aufenau an Kurmainz, das es 1787 mit dem Kurstaat vereinigte.

Napoleonische und bayerische Epoche 1807 wurde Aufenau durch den Frieden von Tilsit dem Königreich Westphalen, unter Jérôme Bonaparte zugeschrieben. Auf dem Rückzug von der Völkerschlacht bei Leipzig, Ende Oktober 1813 durchfluteten französische Verbände Aufenau. Sie schleppten Fleckfieber ein und plünderten die Kirche und diverse Höfe.

Durch den Frieden von Paris von 1814, als Folge der für Napoleon verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig, wurde Aufenau mit den benachbarten Orten Bad Orb, Wirtheim und Kassel dem Königreich Bayern zugeschlagen. Diese Regelung wurde durch den Wiener Kongress (1814/15) bestätigt. 1866 wurde Aufenau, im Ergebnis des für Bayern verlorenen Preußisch-Österreichischen Krieges, vom Königreich Preußen annektiert und in seine Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Gelnhausen eingegliedert.

Erster und Zweiter Weltkrieg Der Erste Weltkrieg ging nicht spurlos an Aufenau vorüber. So wurde durch die Rohstoffknappheit im Reich das Glockengeläut der Kirche abgeholt (→ Glockenfriedhof), lediglich eine kleine Glocke ließ man für Gottesdienste etc. zurück. Im Herbst 1918 forderte die Spanische Grippe in Aufenau sehr viele Todesopfer.

Zwischen den Weltkriegen wurde die Hauptstraße (heutige Frankfurter und Leipziger Straße) Teil der Reichsstraße 40 und war damit für über 50 Jahre wichtigste Straße zwischen Fulda und Frankfurt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Aufenau durch die Nähe zur Kinzigtalbahn und die zu militärischen Anlagen, wie die Kaserne der Panzerabwehrabteilung 9 in Gelnhausen und dem Fliegerhorst Rothenbergen immer mehr ins Visier alliierter Jagdbomberangriffe. Dabei wurden trotz Verbotes gemäß der Haager Landkriegsordnung auch Bauern bei der Ernte unter Bordwaffenfeuer genommen. Am 27. März 1945 schossen amerikanische Tiefflieger ein Wohnhaus und eine Scheune in Brand, wobei das Wohnhaus schwer beschädigt und die Scheune zerstört wurde. Die vorrückende Westfront erreichte an Ostern 1945 Aufenau. Die 3. US-Armee unter General Patton rückte von Hanau mit Hauptstoßrichtung Vogelsberg vor und traf auf die Reste der 7. Armee unter General Hans von Obstfelder, die sich mit den Amerikanern im Raum Main-Kinzig und Vogelsberg im März und April schwere Abwehrkämpfe lieferte. Nach der letzten Panzerschlacht auf der Spielberger Platte griff am Karsamstag die amerikanische Artillerie Aufenau an und beschädigte den Ort schwer. Vorrückende gepanzerte Spähfahrzeuge wurden am Morgen des Ostersonntag von verschanzten deutschen Soldaten beschossen, daraufhin wurde schweres Artilleriefeuer auf Aufenau gelegt. Einigen Dorfbewohnern ist es durch ihren beherzten Einsatz zu verdanken, dass die verbliebenen deutschen Soldaten sich, ohne weiter Widerstand zu leisten, über Nacht absetzten und der Ort daraufhin von den Amerikanern kampflos besetzt werden konnte.

Nach der Besetzung wurden Soldaten der U.S. Air Force, die die Fliegerhorste in Rothenbergen und Gelnhausen inspizierten, in Aufenau einquartiert.

Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 316 Heimatvertriebene in Aufenau untergebracht, von denen 252 in Aufenau eine dauerhafte Heimat fanden. Mit dem „Wirtschaftswunder“ der 1950er und 1960er Jahre wurde die Strecke von Fulda nach Frankfurt immer wichtiger und somit die Straßenführung immer weiter ausgebaut. Bis zum Bau der A 66 wurde die B 40 durch Aufenau wichtigste Verbindung aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Osthessen.

Im Zuge der Gebietsreform wurde am 1. April 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Aufenau auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Wächtersbach eingemeindet. Damit besteht die Stadt Wächtersbach aus 8 Stadtteilen. Für alle Stadtteile wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Die erste deutsche Weichkäsefabrik in Aufenau mini|hochkant|Firmenlogo der „Weichkäserei Nic. Adnot Nachfolger“ in Aufenau