Flucht in die Zukunft (Originaltitel: Time after Time) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Regisseur Nicholas Meyer aus dem Jahr 1979. Er basiert auf dem im selben Jahr erschienenen Roman Flucht ins Heute (OT: Time After Time) von Karl Alexander.
Handlung Im Jahr 1893 präsentiert der Schriftsteller und Erfinder H. G. Wells seinen staunenden Freunden beim abendlichen Treffen in seinem Haus seine neueste Erfindung: eine Zeitmaschine, mit der er in die Zukunft reisen will. Wells’ Freund und Schachpartner John Leslie Stevenson hat sich etwas verspätet. Wenig später treffen Polizisten ein, die Wells’ Haus auf der Suche nach Jack the Ripper durchsuchen wollen; dieser soll am selben Abend in der Nähe eine Prostituierte ermordet haben. In Stevensons Tasche finden sie blutverschmierte Handschuhe, er selbst jedoch ist spurlos verschwunden. Als die Polizei und die Gäste gegangen sind, bemerkt Wells, dass die Zeitmaschine in seinem Keller ebenfalls verschwunden ist. Entsetzt schließt er daraus, Stevenson sei mit der Maschine in die nach seinen Vorstellungen utopische Zukunft geflohen und würde dort weiter morden.
Wenig später taucht die Zeitmaschine wieder auf. Wells sieht, dass Stevenson ins Jahr 1979 gereist ist. Sofort folgt er ihm und taucht im San Francisco des Jahres 1979 in einer H.-G.-Wells-Ausstellung auf, wo die Zeitmaschine als ein vermeintliches Bastelobjekt von Wells ausgestellt ist. Von der Realität des 20. Jahrhunderts völlig überfordert, versucht Wells zuerst, sein britisches Bargeld in Dollars zu tauschen. In einer Bank lernt er Amy kennen, die sich gleich in ihn verliebt. Völlig ahnungslos ist sie ihm dabei behilflich, Stevenson aufzuspüren, während sich die Beziehung zwischen ihr und Wells vertieft. Stevenson ist auch 1979 weiter mit dem Ermorden von Prostituierten beschäftigt. Dem pazifistischen Wells gelingt es nicht, ihn aufzuhalten; er versucht verzweifelt, Amy und die Polizei von seiner Identität und der von Stevenson zu überzeugen. Als er Amy zur Zeitmaschine führt und sie zum Beweis einige Tage in die Zukunft mitnimmt, entdeckt sie eine Zeitung, in der berichtet wird, Stevenson habe sie am vorherigen Abend ermordet.mini|hochkant|Das reale Vorbild: H. G. Wells (1866–1946) Wells sieht die einzige Chance, Stevenson aufzuhalten, darin, einen weiteren seiner Morde zu vereiteln, von dem die Zeitung aus der Zukunft berichtet, doch er versagt auch dabei und macht zudem die Polizei auf sich aufmerksam. Während Stevenson Amy auf den Fersen ist, muss Wells Lieutenant Michell davon überzeugen, dass er Kenntnis von dem bevorstehenden Mord an Amy hat. Im letzten Moment kann er Michell überreden, einen Polizeiwagen zu Amys Haus zu schicken, doch Stevenson hat sie bereits entführt und fordert von Wells den Schlüssel zur Zeitmaschine. Bei einem nächtlichen Treffen übergibt Wells diesen, doch Stevenson bricht sein Wort und will Amy mit in die Zukunft nehmen. Wells verfolgt beide bis zur Zeitmaschine und fleht seinen ehemaligen Freund an, Amy zu verschonen. Stevenson bleibt zwar hart, doch in einem unachtsamen Moment kann ihm Amy entwischen. Wells entfernt, ohne dass Stevenson ihn daran hindert, ein Teil der aktivierten Zeitmaschine, sodass Stevenson ohne Rückkehrmöglichkeit in der Ewigkeit verschwindet. Wells, der in seine eigene Zeit zurückkehren will, kann Amy dazu überreden, ihn zu begleiten.
Entstehung Nicholas Meyer schrieb den Bestseller-Roman The Seven-Per-Cent Solution, in dem Sherlock Holmes auf Sigmund Freud trifft. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete der Autor Karl Alexander, den Meyer aus einem Autoren-Workshop an der University of Iowa kannte, an einem Roman, in dem H. G. Wells und Jack the Ripper in die Moderne reisen. Alexander zeigte Meyer die ersten 60 Seiten. Meyer zeigte Interesse an dem Stoff, optionierte die Filmrechte und begann mit der Arbeit an einem Drehbuch. Alexander arbeitete parallel weiter an seinem eigenen Roman. Dabei standen beide Autoren im Austausch und beeinflussten sich gegenseitig im Schreibprozess. Meyer stellte das fertige Drehbuch Warner Bros. vor. Meyer knüpfte den Verkauf des Stoffes an die Bedingung, selbst Regie führen zu dürfen. Das Studio akzeptierte diese Voraussetzung.
Warner Bros. schlug Richard Dreyfuss für die Rolle des H. G. Wells sowie Mick Jagger für die Rolle von Jack the Ripper vor. Regisseur Nicholas Meyer lehnte beide Vorschläge ab. Insbesondere äußerte er Zweifel daran, dass Jagger den Anforderungen der Rolle gerecht werden könne. Als Kompromiss wurde Malcolm McDowell, ebenfalls von Warner Bros. vorgeschlagen, für die Rolle des H. G. Wells besetzt. Meyer bewertete diese Besetzung positiv, da McDowell bis dahin überwiegend für Schurkenrollen bekannt war und die Besetzung als Held einen Bruch mit Konventionen darstellte. Die Rolle des Jack the Ripper übernahm schließlich David Warner.
Die Dreharbeiten begannen am 18. September 1978 in San Francisco und dauerten 52 Tage. Gedreht wurde sowohl im Studio als auch an verschiedenen Originalschauplätzen, darunter das Palace of Fine Arts, die Union Street, die Grace Cathedral, der Japanische Teegarten im Golden Gate Park, North Beach sowie Muir Woods im Marin County.
Die in Wells’ Haus spielenden Szenen im viktorianischen England wurden von Kameramann Paul Lohmann mit einer einzelnen Lichtquelle ausgeleuchtet, um sie visuell von den in San Francisco angesiedelten Szenen abzugrenzen, bei denen mehrere Lichtquellen verwendet wurden.
Kostüme und Dialoge sollten historisch authentisch gestaltet sein. Die historische Genauigkeit wurde vom Kostümbildner Sal Anthony recherchiert. Das von H. G. Wells über weite Teile des Films getragene Kostüm wurde als typischer englischer Sportanzug der 1890er-Jahre konzipiert: ein Kaschmir-Herringbone-Tweed mit Norfolk-Jacke.
Nicholas Meyer legte Wert darauf, dass Malcolm McDowell und David Warner im viktorianischen Englisch blieben.
Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronisation wurde von der Molo-Film GmbH erstellt. Rolle Darsteller Synchronsprecher H. G. Wells Malcolm McDowell Christoph Lindert Dr. John Stevenson / Jack the Ripper David Warner Hartmut Becker Amy Robbins Mary Steenburgen Sabine Plessner Lt. Mitchell Charles Cioffi Niels ClausnitzerShirleyPatti D’ArbanvilleAdamsJoseph MaherJunge im MuseumCorey Feldman Edwards James Garrett Eberhard Mondry Harding Keith McConnell Reinhard Glemnitz McKay Byron Webster Holger Hagen Constable Willi Röbke
Veröffentlichungen Die Premiere fand am 31. August 1979 statt. In Deutschland kam der Film am 9. November in die Kinos.
Am 11. September 2006 veröffentlichte Warner Home Video den Film auf DVD, allerdings ohne überarbeiteten Ton und ohne jede Ausstattung.
Der Soundtrack wurde unter dem Titel Time After Time – Original Motion Picture Score durch Southern Cross veröffentlicht. Es enthält die Originaleinspielung der Filmmusik durch das Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Komponisten Miklós Rózsa.
Kritiken
Auszeichnungen Der Film wurde 1980 für acht Saturn Awards nominiert und konnte in den Kategorien „Best Actress“, „Best Music“ und „Best Writing“ je einen Preis gewinnen. 2017 gewann er den Saturn Award für die beste DVD-Veröffentlichung eines Klassikers.
Darüber hinaus war der Film unter anderem auch für den Hugo Award nominiert.
Anmerkungen Die Rolle des H. G. Wells ist eine von zwei Hauptrollen von Malcolm McDowell, die andere ist die Rolle des Harry Flashmam in Royal Flash, in der er einen Sympathieträger verkörpert. Im selben Jahr spielte er in Caligula einen sadistischen römischen Imperator. Mary Steenburgen spielte in Zurück in die Zukunft III ebenfalls die Geliebte eines Zeitreisenden. McDowell und Steenburgen heirateten bald nach den Dreharbeiten. Die Ehe wurde 1990 geschieden. Die zweite Ehefrau von H. G. Wells hieß wirklich Amy Robbins. Das Datum des Beginns der Zeitreise (5. November) wurde in der Reihe Zurück in die Zukunft als Ausgangspunkt der Zeitreisen übernommen. 2017 erschien unter der Führung von Kevin Williamson eine Neuverfilmung als Fernsehserie, die jedoch nach 12 Folgen abgesetzt wurde.
Literatur Karl Alexander: Flucht ins Heute. Science-fiction-Roman (Originaltitel: Time After Time). Deutsch von Reinhard Heinz. Heyne, München 1983, 268 S., ISBN 3-453-30871-9.
Weblinks
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1979 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Thriller Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Werk nach H. G. Wells Kategorie:Zeitreisen im Film