mini |hochkant=1.8| Temperaturkurve des Phanerozoikums.Nach Abb. 13 in: mini|Der Silberwurz (Dryas octopetala) ist in Europa ein arkto-alpines Glazialrelikt. Nach der Art ist die letzte Phase im Spätglazial, die Dryas-Zeit benannt. Im Bild: Standort in einem Kaltluftsee der Mediterraneis (Opuvani do, Jastrebica). Ein Klimaarchiv gibt Auskunft über die klimatische Vergangenheit, die Klimageschichte der Erde. Als Klimaarchiv wird somit alles bezeichnet, was Informationen über frühere Klimaverhältnisse speichert.

Man unterteilt Klimaarchive nach nach ihrem Ursprung in Archive der Natur und Archive der Gesellschaft (auch menschliche Archive), im Fall menschlicher Archive danach, ob es sich um Schriftzeugnisse, wie zum Beispiel historische Darstellungen und Chroniken, bildliche Darstellungen oder archäologische Quellen handelt, danach, ob die meteorologische Information über ein Klimaelement direkt durch Beobachtung bzw. Messung oder indirekt aus anderen Daten über einen Klimaproxy gewonnen wurde, im Fall indirekter Daten, ob sie sich auf organische, anorganische oder – speziell bei menschlichen Archiven – kulturelle oder materielle Phänomene beziehen.

Natürliche Erscheinungsformen, die auf der Erdoberfläche gespeichert sind und anhand derer man auf klimatische Verhältnisse zur Zeit ihrer Entstehung rückschließen kann, nennt man auch Klimazeugen. Hierzu gehören einige Verwitterungsbildungen, Sedimente, Fossilien und viele mehr.

Klimaarchive (Beispiele) natürliche menschliche direkte narrative BerichteFür diese Bezeichnung:  n. a. Anomalien Wetterlagen Sonnenaktivität instrumentelleMessungen  n. a. Temperatur Niederschlag Luftdruck indirekte organische Fossilien von Leitarten der Quartärflora, Dryas octopetalaDryas-The Discovery of Global Warming Jahresringe von Bäumen, siehe auch Dendrochronologie Jahresringe von Korallen oder Glasschwämmen Bohrkerne aus Mooren zur Bestimmung der Pollenzonen Rattenabfallhaufen Weinerntebeginn, Zuckergehalt des Weinmosts Erntemengen von Getreide anorganische Sedimente aus Ozeanen und SeenZ. B. am Boden des Antarktischen Ozeans Eisbohrkerne Tropfsteine Wasserpegel Schneefall, Schneebedeckung Vereisung von Gewässern kulturelle  n. a. Erntebitttage archäologische Quellen

Diese „Archive“ werden mit den unterschiedlichsten Methoden analysiert und liefern so wichtige Daten, sogenannte Proxydaten, aus denen sich quantitativ Elemente der Klimageschichte rekonstruieren lassen. Die Auswertung der Archive der Natur erfolgt primär in der Paläoklimatologie, die Archive der Gesellschaft sind wichtige Grundlage der Historischen Klimatologie.

Klimaarchive unterscheiden sich im Hinblick auf ihre beste zeitliche Auflösung, d. h. welches die kleinsten Zeitintervalle zwischen zwei Datenpunkten sind, über welche Zeiträume und über welche Klimaelemente sie Auskunft geben können.Für häufig verwendete Reichweiten vgl. auch:

Archiv beste zeitliche Auflösung Reichweite Information über Historische Dokumente Stunden/Tage Jtsd. T,H,B,V M,L,S Baumringe Jahreszeit/Jahr 10 Jtsd. T,H,CA,B,V,M,S Seesedimente 1–20 Jahre 10 Jtsd. – Mio. J. T,H,CW,B,V,M Eisbohrkerne Jahr 100 Jtsd. T,H,CA,B,V,M,S Pollen 100 Jahre 100 Jtsd. T,H,B Löss 100 Jahre Mio. J. H,B,M Meeressedimente Jtsd. 10 Mio. J. T,CW,B,M Korallen Jahr 10 Jtsd. CW,L Paläoboden 100 Jahre 100 Jtsd. T,H,CS,V geomorphe Merkmale 100 Jahre 10 Mio. J. T,H,V,L Sedimentgesteine Jahr Mrd. J. H,CS,V,M,L

Wichtige Klimaarchive, darunter Gletscher in den Tropen und mittleren Breiten, gehen gegenwärtig durch die globale Erwärmung und andere Faktoren verloren. Auch betroffen sind natürliche Archive, die für die Kalibrierung der aus den Klimaarchiven gewonnenen Messwerte wichtig sind, so etwa Korallen oder Bäume.

Literatur

Siehe auch Geoarchiv

Einzelnachweise

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