mini|Yoko Ono (1969) mini|Yoko Ono (2007)rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Yoko Ono Yoko Ono (japanisch ; * 18. Februar 1933 in der Präfektur Tokio, Kaiserreich Japan) ist eine japanisch-US-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin, Experimental-Komponistin und Sängerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Fluxus-Bewegung. Bereits vor ihrer Ehe mit dem „Beatle“ John Lennon hatte sich Ono Anfang der 1960er Jahre in Künstlerkreisen einen Namen gemacht und trat zunehmend als Friedens- und Menschenrechtsaktivistin auf. Der Vorname Yoko bedeutet Ozeankind.

Leben Yoko Ono wurde am 18. Februar 1933 als erstes Kind von Eisuke und Isoko Ono in Tokio geboren. Die Mutter Isoko stammte aus einer wohlhabenden Bankiers-Familie, der Vater Eisuke war ein ehemaliger Pianist, der für eine japanische Bank in San Francisco arbeitete. Mutter Isoko und Yoko folgten dem Vater 1935 nach Amerika. Nach dem japanischen Angriff auf China kehrten Isoko, Yoko und der 1936 geborene Bruder Keisuke im Jahr 1938 zurück nach Japan, wo sie in luxuriösem Wohlstand lebten. Yoko besuchte unter anderem die Jiyu-Gakuen-Musikschule, lernte Klavierspiel und Komposition und hatte bereits im Kindesalter erste öffentliche Auftritte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Vater als Soldat einberufen und im japanisch besetzten Hanoi eingesetzt. Die Mutter flüchtete mit den inzwischen drei Kindern nach einem verheerenden Luftangriff auf Tokio ins bäuerliche Hinterland, wo Yoko sich um die Geschwister kümmern musste. Nach Ende des Krieges schloss Ono ihre Schulausbildung ab und begann ein Studium der Philosophie an der Gakushūin-Universität. Sie entschied sich 1952 jedoch, ihrer Familie in die Vereinigten Staaten nach Scarsdale (New York) zu folgen. Dort führte sie noch im selben Jahr ihr Studium weiter und belegte auch das Fach Musik am Sarah Lawrence College in New York und studierte dort unter anderem klassischen deutschen Liedgesang. Onos erste eigene Kompositionen entstanden ab etwa 1955.

Ono war von 1956 bis 1962 mit dem japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi (1933–2022) verheiratet.

Künstlerische Arbeit mini|Painting to Hammer a Nail in (2005) im Österreichischen Skulpturenpark mini|Skylanding – Jackson Park, Chicago Yoko Ono brach ihr Studium ab und siedelte mit ihrem Ehemann nach New York City über, wo das gemeinsam bewohnte Loft zum Treffpunkt und zur Bühne für die avantgardistische Kunstszene der Metropole avancierte. Yoko Ono etablierte sich hier als Konzeptkünstlerin und gilt als eine Wegbereiterin der US-amerikanischen Fluxus-Bewegung. 1962 kam es zur Trennung von Ichiyanagi und Ono kehrte für zwei Jahre nach Japan zurück, um in Tokio Solo-Ausstellungen und Performances zu bestreiten. Noch im selben Jahr heiratete sie den US-amerikanischen Filmproduzenten Anthony Cox (* 1936), der Ono finanziell und künstlerisch unterstützte. Am 8. August 1963 kam die gemeinsame Tochter Kyoko Chan Cox zur Welt. 1964 zog Ono zurück nach New York.

Zu ihren markantesten genreübergreifenden Konzeptarbeiten der 1960er Jahre zählen Wall piece for orchestra (Yoko Ono schlug zu Musikbegleitung kontinuierlich ihren Kopf auf den Bühnenboden, 1962) und Cut Piece (Das Publikum durfte nach eigenem Ermessen mit Scheren Onos Kleidung abschneiden, 1964 in Tokio und 1965 in der New Yorker Carnegie Hall, 1966 auf dem 4th Annual Avant-Garde Festival, New York).

Yoko Ono war Teilnehmerin der Documenta 5 in Kassel im Jahr 1972 in der Abteilung Individuelle Mythologien und war auch auf der Documenta 8 (1987) als Künstlerin vertreten. Im Jahr 2000 installierte Yoko Ono im Rahmen eines Happenings im Museo Vostell Malpartida des deutschen Fluxus-Künstlers Wolf Vostell die Skulptur Tajo. Bereits vor dem Happening war ein Bild von Yoko Ono in der Fluxus-Sammlung des italienischen Fluxus-Sammlers Gino di Maggio in dem Museum permanent ausgestellt.

Ono und Lennon mini|Yoko Ono und John Lennon, 31. März 1969 Um 1965 war Yoko Ono in London, wo sie, bevor sie John Lennon kennenlernte, Paul McCartney nach handschriftlichem Material zum Geburtstag von John Cage fragte.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 223. 1966 erhielt die Künstlerin einen Ruf nach London. Dort sollte sie im Rahmen des „Destruction in Arts Symposium“ ihr „Cut Piece“ aufführen. Der Aufführung folgte die Einladung zu einer eigenen Ausstellung in der Londoner Indica Gallery, bei einer Vorbesichtigung war auch John Lennon am 9. November 1966 zu Gast. Ihrem ersten Aufeinandertreffen folgten weitere Kontakte, bis sie dann im Mai 1968 eine Affäre begannen. Sowohl Ono als auch Lennon strebten umgehend eine rasche Scheidung von ihren bisherigen Partnern an. Die Scheidung von Anthony Cox dauerte bis Ende Januar 1969. Yoko Ono bekam das Sorgerecht für Tochter Kyoko zugesprochen und konnte am 20. März 1969 in Gibraltar die Ehe mit John Lennon eingehen. mini|John Lennon und Yoko Ono im Amsterdamer Hilton-Hotel während ihres „Bed-In“, 1969 In rascher Folge entstanden drei Avantgarde-Alben mit John Lennon: Unfinished Music No.1: Two Virgins (November 1968), Unfinished Music No. 2: Life with the Lions (Mai 1969) und Wedding Album (November 1969). Das erste gemeinsame Werk des Paars Unfinished Music No.1: Two Virgins erregte viel Aufsehen, allerdings weniger wegen der avantgardistischen Klangcollagen, sondern aufgrund des Covers – es zeigte John Lennon und Yoko Ono nackt. Onos künstlerischer Einfluss schlug sich auch schon auf das Weiße Album der Beatles nieder. So findet sich dort die experimentelle Klangcollage Revolution 9.

Das Paar verband nun Privatleben mit Aktionskunst. Noch in den Flitterwochen präsentierten sie sich während einer Pressekonferenz im Hilton-Hotel in der Apollobuurt in Amsterdam mit Pyjamas im Bett und deklarierten das Happening als Bed-In für den Weltfrieden. Bei einem weiteren Bed-In im Queen-Elizabeth-Hotel in Montreal im Mai 1969 nahmen sie die Single Give Peace a Chance auf. Die Umstände der Heirat auf Gibraltar und der anschließenden Bed-Ins beschreibt John Lennon in dem Beatles-Lied The Ballad of John and Yoko.

mini|Aufnahme von Give Peace a Chance mit John Lennon und Yoko Ono, im Vordergrund Timothy Leary Ab März 1969 waren John Lennon und Yoko Ono auch gemeinsam auf Bühnen zu sehen. Sie formierten die Plastic Ono Band, der zeitweilig auch Eric Clapton und Klaus Voormann angehörten. Das gemeinsame Livealbum Live Peace in Toronto 1969 erschien im Dezember 1969. Onos Bagism-Konzept, bei dem die Akteure in Laken oder Säcken verhüllt sind, kam dabei auf der Bühne zum Einsatz. Musikalisch wurde eine Mischung aus Rockmusik und experimentellen Klängen geboten, wobei Yoko Onos markanter Gesang sehr prägend war. Im Dezember 1969 organisierten Lennon und Ono die Plakat- und Posterkampagne War Is Over, um für den Frieden zu werben. Die von John Kosh gestalteten Plakate waren in mehreren Großstädten weltweit zu sehen, unter anderem in New York, Los Angeles, Toronto, Tokio, Rom und Berlin. Die Aufschrift lautete: „WAR IS OVER! IF YOU WANT IT Happy Christmas from John & Yoko“.

mini|Poster der Friedenskampagne aus dem Jahr 1969 Die freie und bisweilen atonale Musik verschreckte viele Beatles-Fans, welche die 1970 erfolgte Trennung der Beatles teils auf Lennons Hinwendung zu anderen musikalischen Formen, teils auf den Einfluss von Yoko Ono zurückführten. Die Boulevardpresse trug ihren Teil dazu bei, indem sie sich häufig auf die Seite von Lennons früherer Ehefrau Cynthia Lennon schlug und die Kritik an Ono förderte. In einem Interview vom 29. Oktober 2012 äußerte Paul McCartney, Yoko Ono trage keine Schuld an der Trennung der Beatles.

Ab April 1970 unterzogen sich Yoko Ono und John Lennon in London für vier Wochen der Primärtherapie bei Arthur Janov. Es folgten vier weitere Monate in Los Angeles in Kalifornien; das Album Yoko Ono/Plastic Ono Band (Dezember 1970) wurde von dieser Therapie beeinflusst. Ende 1971 folgte das Doppelalbum Fly, es enthält eine Mischung unterschiedlichster Kompositionen, konventionelle Rocksongs ebenso wie experimentelle Kompositionen. Ono beteiligte sich weiter an zahlreichen Fluxus-Projekten, meist gemeinsam mit Lennon. 1971 gab es die Ausstellung This Is Not Here im Everson Museum in New York. Im selben Jahr entführte Anthony Cox die gemeinsame Tochter Kyoko, die bis zum Jahr 1998 verschwunden blieb.

Im September 1971 verließen John Lennon und Yoko Ono Großbritannien, flogen nach New York und checkten im St Regis Hotel ein, von wo aus sie mehrere künstlerische Projekte begannen. Bis zum November 1971 erfolgte ein Umzug nach Greenwich Village in die 105 Bank Street. Als erstes musikalisches Projekt nahmen sie im Oktober 1971 die Weihnachtssingle Happy Xmas (War Is Over) auf. Yoko Ono und John Lennon sahen sich in den USA mit verschiedenen politischen Problemen konfrontiert. Das hatte zur Folge, dass sich das Paar intensiv damit auseinandersetzte und diese Einflüsse in ihren Texten verarbeitete; schließlich wurde das gemeinsame Album Some Time in New York City (Juni 1972) aufgenommen, das im Wesentlichen aus politischen Äußerungen des Paares besteht. Das Album Approximately Infinite Universe – Anfang 1973 veröffentlicht –, markiert im Vergleich zu Onos ersten beiden Studioalben musikalisch eine vorläufige Abkehr von der Avantgarde weg und hin zu melodiöser Rock- und Popmusik. Auch die Texte sind deutlich komplexer und beinhalten hauptsächlich feministische Themen, was sie musikalisch erstmals mit dem Lied Sisters, O Sisters auf dem Album Some Time in New York City begonnen hatte. mini|John Lennons Appartement im Dakota-Gebäude in New York

Im Februar des Jahres 1973 begann der Umzug von John Lennon und Yoko Ono in ein Appartement des Dakota-Buildings, West 72nd Street am Central Park in New York, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Probleme mit der angedrohten Ausweisung von John Lennon aus den USA rechtlich noch nicht geklärt waren, während Yoko Ono am 23. März 1973 eine dauernde Aufenthaltsgenehmigung für die USA erhielt. Im Frühsommer 1973 produzierte Yoko Ono, erstmals allein, ihr Album Feeling the Space (November 1973), das ebenfalls feministische Themen beinhaltet.

Vom Sommer 1973 bis Anfang Februar 1975 trennte sie sich vorübergehend von Lennon, in dieser Zeit hatte Yoko Ono Konzertauftritte in New York und unternahm im August 1974 eine Tournee in Japan. Das weitere im Jahr 1974 aufgenommene Album A Story wurde erst 1997 veröffentlicht.

Ende Januar/Anfang Februar 1975 zog John Lennon wieder mit Yoko Ono in das Apartment im Dakota-Building zusammen. Am 9. Oktober 1975 wurde der gemeinsame Sohn von Yoko Ono und John Lennon, Sean Taro Ono Lennon, in New York geboren. Nach Ansicht von Beobachtern dämpfte das Kind die künstlerische Kreativität der Eheleute. Während Lennon sich vorwiegend um den Haushalt kümmerte, übernahm Ono Lennons Management, das mangels neuer Veröffentlichungen überwiegend die Rechte an alten Liedern verwaltete. Das Paar gab am 4. Oktober 1977 im Hotel Okura in Tokio ein Interview, in dem es erklärte, dass ihre augenblicklichen Prioritäten im Familienleben und in der Erziehung ihres Kindes lägen und sie sich deshalb bis zum fünften Lebensjahr ihres Sohnes Sean aus dem Musikgeschäft zurückziehen würden.

mini|John Lennon und Yoko Ono, porträtiert von Jack Mitchell (1980) Nach dieser fünfjährigen Auszeit begannen Yoko Ono und John Lennon gemeinsam am Album Double Fantasy zu arbeiten, das im November 1980 veröffentlicht wurde. Die Ermordung John Lennons am 8. Dezember 1980 beendete das Comeback des Paares jedoch abrupt. John Lennon und Yoko Ono waren vor dem 8. Dezember 1980 in einer neuen Schaffensphase und hatten mehrere künstlerische Ideen. So planten sie nach Fertigstellung des nächsten Albums Milk and Honey, das dann aber erst im Jahr 1983 von Yoko Ono vollendet wurde, erstmals auf Tournee zu gehen.