Die Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (KNIL; ) wurde am 10. März 1830 auf Antrag des Generalgouverneurs Jan van den Bosch und einem folgenden Erlass des ersten Königs der Niederlande, Wilhelm I., gegründet. Bis 1836 war ihr Name nur Nederlandsch-Oost-indisch Leger, dann wurde ihr das Prädikat Koninklijk verliehen und der Zusatz Oost gestrichen. Einige Monate nach der Übergabe der Souveränität an Indonesien erfolgte am 26. Juli 1950 die offizielle Auflösung der KNIL. mini|Offizier im Jahre 1849, Ölbild aus dem Tropenmuseum Amsterdam Die KNIL gehörte offiziell nicht zur Niederländischen Landmacht und war auch nicht dem Kriegsministerium zugeordnet. Da sie in den Kolonien in Niederländisch-Indien stationiert war, wurde sie dem Kolonialministerium unterstellt.
Zusammensetzung Zu Beginn gehörten zur KNIL acht mobile Korps, ein Infanteriebataillon, eine Kavalleriekompanie und vier Bergartillerieeinheiten. Sie bestand anfangs zur Hälfte aus indonesischen Freiwilligen, deren Anteil stetig anstieg. Der Anteil von Nicht-Holländern betrug unter den europäischen Mannschaften vor 1900 deutlich über 50 %, später etwa ein Drittel. An Einheimischen wurden hauptsächlich die als kriegerisch geltenden Javaner und die oft christlichen Ambonesen angeworben. Letztere wurden bis 1918 auch besser bezahlt. Zwischen 1831 und 1872 wurden auch 3.000 Afrikaner aus der damaligen niederländischen Kolonie Elmina an der Goldküste für die KNIL angeworben, die später als Belanda Hitam, „Schwarze Holländer“, bezeichnet wurden. Das Ansehen und die Ausstattung der Truppen waren schlecht. Einheimische wurden zunächst nur in die Infanterie rekrutiert. Deren Stärke betrug 1861 1.137 Ambonesen und 12.675 andere, gegenüber 9.792 Europäern, die Einheiten waren nach den 1880ern bis 1918 gemischt. Berittene Truppen und Pioniere waren anfangs fast ausschließlich Europäer. Innerhalb der Artillerie war der Anteil jeweils die Hälfte. Bis 1911 verschoben sich die Verhältnisse auf 6.573 europäische Infanteristen gegenüber 4.819 Ambonesen und 13.789 anderen. Der Anteil der Einheimischen stieg während des Ersten Weltkriegs stark an (1918: 4.400 Europäer, 9.200 Ambonesen, 18.000 andere), auch wurden jeweils knapp 500 Indonesier in die Kavallerie und zu den Pionieren rekrutiert.Gerke Teitler: The Mixed Company. Fighting power and ethnic relations in the Dutch Colonial Army, 1890–1920. In: Karl Hack, Tobias Rettig (Hrsg.): Colonial Armies in Southeast Asia (= Routledge studies in the modern history of Asia. 33). Routledge, Abingdon u. a. 2006, ISBN 0-415-33413-6, S. 146–160.
Einsätze
mini|Curtiss-CW-21B-Jagdflugzeuge der KNIL 1941 Ihren ersten Einsatz hatte die KNIL im Krieg gegen die Padri auf West-Sumatra, in den sie direkt nach ihrer Gründung bis zu seinem Ende 1837 eingriff. Auf Bali (1849) und der Aceh-Provinz im Norden Sumatras (1873 bis 1901) fanden weitere Kämpfe bis zur Befriedung der Kolonien statt. Für Wachdienste und zur Guerillabekämpfung in Aceh wurden noch in den 1890er Jahren Hilfstruppen (Marechaussee) ausgehoben. Sie kämpften in „Brigaden“ von 15–18 Mann unter der Führung zweier Sergeanten und waren nur mit Karabinern und kurzen Säbeln (Klewang) ausgestattet.
mini|Ein KNIL-Regiment 1943 in Australien mini|KNIL-Einheit marschiert durch Melbourne während einer Flaggenparade 1943
Die KNIL sah ab dem 20. Jahrhundert ihre Aufgabe vor allem in der Verteidigung Niederländisch-Ostindiens vor äußeren Feinden. Innerhalb der Kolonien trat sie meist nur als Polizeimacht in Erscheinung. Während des chinesischen Boxeraufstands entsandten die Niederländer Einheiten der KNIL nach Peking.
Nach dem Ersten Weltkrieg bestand die KNIL fast nur noch aus indonesischen Soldaten, von denen die Mehrheit aus Java stammte. Weiterhin dienten auch viele Einwohner der Süd-Molukken in der KNIL. Minderheiten stellten Schwarzafrikaner (→ Belanda Hitam) aus dem heutigen Ghana, sowie Belgier, Deutsche und Niederländer dar, wobei letztere oftmals als Offiziere dienten.
Ab den 1920er Jahren baute die KNIL auch ihre eigene Luftstreitmacht auf, die ab 1939 unter dem Namen Militaire Luchtvaart van het Koninklijk Nederlands Indisch Leger (ML-KNIL) als Truppengattung selbstständig wurde.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die KNIL moderner ausgerüstet als das inländische niederländische Heer, konnte aber mit ihren rund 85.000 Soldaten den anstürmenden Japanern nur bis etwa März 1942 Widerstand leisten. Danach befand sich Niederländisch-Ostindien vollständig unter Kontrolle der japanischen Armee. Der damalige Kommandeur der KNIL und Oberbefehlshaber der alliierten ABDACOM-Landstreitkräfte Hein ter Poorten geriet in Gefangenschaft. Nach der japanischen Niederlage kämpfte die KNIL gegen die indonesische Unabhängigkeitsbewegung (→ Niederländisch-Indonesischer Krieg).
Nach der indonesischen Souveränität am 27. Dezember 1949 wurde die KNIL offiziell am 26. Juli 1950 aufgelöst. Bis dahin hatte sie unter dem neuen Namen Koninklijk Nederlands-Indonesisch Leger zur Vorbereitung der indonesischen Unabhängigkeit nur noch polizeiliche Aufgaben wahrgenommen.
Im niederländischen Regiment Van Heutsz werden die KNIL-Traditionen auch heute noch aufrechterhalten.
Der Oberst Alexander Evert Kawilarang gründete 1952 Kesko TT, den Vorläufer der indonesischen Spezialeinheit Kopassus.
Kommandeure der KNIL
182?–1826 Generalmajor Josephus van Geen 1826–1830 Generalleutnant Hendrik Merkus de Kock 183?–183? Generalleutnant Hubert de Stuers 1837–1843 Generaal-Maj. Frans David Cochius 1849–1849 Generalleutnant Andreas Michiels 1849–1852 General Karl Bernhard Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach 185?–185? Generalleutnant François de Stuers 1858–1862 Generalleutnant Jan van Swieten 186?–186? Generalmajor A. Meis 186?–1873 Generalleutnant Willem Egbert Kroesen 1873–1874 Generalleutnant N. H. W. S. Whitton 1874–1878 Generalleutnant Gillis Pieter de Neve 1878–1883 Generalleutnant Huibert Gerard Boumeester 1895–1897 Generalleutnant Jacobus Augustinus Vetter 190?–190? Generalleutnant H. C. P. de Bruijn 1907–1909 Generalleutnant Marinus Bernardus Rost van Tonningen 1910–1914 Generalleutnant Gotfried van Daalen 1914–1916 Generalleutnant Johan Pieter Michielsen 1916–1916 Generalleutnant H. C. Kronover 1916–1918 Generalleutnant W. R. de Greve 1918–1920 Generalleutnant C. H. van Rietschoten 1920–1922 Generalleutnant G. K. Dijkstra 1922–1924 Generalleutnant F. J. Kroesen 1924–1926 Generalleutnant K. F. E. Gerth van Wijk 1926–1926 Generalleutnant W. A. Blits 1926–1929 Generalleutnant H. L. La Lau 1929–1932 Generalleutnant H. A. Cramer 1932–1935 Generalleutnant J. C. Koster 1935–1939 Generalleutnant M. Boerstra 1939–1941 Generalleutnant Gerardus Johannes Berenschot 1941–1942 Generalleutnant Hein ter Poorten 1943–1946 Generalleutnant Ludolph Hendrik van Oyen 1946–1949 General Simon Spoor 1949–1950 Generalleutnant Dirk Cornelis Buurman van Vreeden
Literatur Ulbe Bosma: Emigration: Colonial circuits between Europe and Asia in the 19th and early 20th century, Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2011, abgerufen am 4. Januar 2021. Tristan Broos: Het Koninklijk Nederlands-Indisch Leger. Geschiedenis, uniformering en uitrustingen, 1911–1942. Walburg Pers, Zutphen 2019, ISBN 978-94-6249-458-9. Martin Elands (Hrsg.): Van strijd tot veteranenbeleid. Het Koninklijk Nederlands-Indisch Leger en zijn veteranen, 1941–2001. Boom, Amsterdam 2001, ISBN 90-5352-750-8. C. A. Heshusius: Het KNIL van Tempo Doeloe. De Bataafsche Leeuw, Amsterdam 1988, ISBN 90-6707-167-6. Fred Lanzing: Soldaten van smaragd. Mannen, vrouwen en kinderen van het KNIL 1890–1914. Augustus, Amsterdam 2005, ISBN 90-457-0223-1.
Weblinks
Offiziere der KNIL 1940–45 (mit vielen Fotos) (niederländisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Niederländische Militärgeschichte Kategorie:Niederländisch-Indien Kategorie:Militärischer Verband im Pazifikkrieg Kategorie:Indonesischer Unabhängigkeitskrieg Kategorie:Kolonialtruppe Kategorie:Gegründet 1830 Kategorie:Aufgelöst 1950