mini|hochkant=1.3|Las Meninas (1656), ein berühmtes Gemälde von Diego Velázquez
Malerei (von mittelhochdeutsch mālen, „mit einem Mal, Zeichen versehen“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 456.) ist die Kunst, Bilder zu malen. Die Bilder werden Gemälde genannt. Die Maltechnik besteht darin, feuchte Farben mittels Pinsel, Spachtel oder anderer Werkzeuge auf einen Malgrund aufzubringen. Nicht zu den Maltechniken gerechnet werden in der Regel Drucktechniken, auch wenn dabei mit feuchter Farbe gearbeitet wird. Ausführende der Malerei werden als Maler oder Kunstmaler bezeichnet. Die Malerei zählt neben der Architektur, der Bildhauerei, der Grafik und der Zeichnung zu den klassischen Gattungen der bildenden Kunst.
Neben der Tafel- und Wandmalerei unterscheidet man ferner die Glas- und Buchmalerei sowie die Malerei auf Ton, Keramik oder sonstigen Untergründen (Papier, Kunststoff).
Die Malerei kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Älteste Zeugnisse der Malerei sind unter anderem Höhlen- und Felsmalereien in Europa, Amerika, Asien und Australien.
Maltechniken
Die bevorzugten Maltechniken im Altertum waren die Enkaustik und die Temperamalerei. Es wurde auf Holz, Ton (Vasenmalerei), Stein oder auf den frischen Putz gemalt (siehe Freskenmalerei). Aufgrund der geringen Menge von archäologischen Zeugnissen lässt sich das Farbenspektrum der Antike nur sehr unzureichend rekonstruieren. Es wurde jedoch beobachtet, dass sich die Farben Rot und Blau am besten erhalten haben.
Weitere Beispiele für Maltechniken, die im Laufe der Geschichte zum Einsatz kamen, sind die Freskomalerei, Temperamalerei, Ölmalerei, Aquarellmalerei und Gouachemalerei. In der modernen Malerei erweitern neuentwickelte Bindemittel ständig die Ausdrucksmöglichkeiten. Eine Alternative oder Ergänzung zur Ölfarbe ist die um 1960 für die künstlerische Verwendung in Europa eingeführte Acrylfarbe, die schnell trocknet und dabei ihre Leuchtkraft behält.
Normalerweise wird mit der Hand gemalt. Es gibt aber auch Künstler, die mit dem Mund oder dem Fuß malen (siehe Vereinigung der mund- und fussmalenden Künstler).
Geschichte Vorgeschichte mini|Höhlenmalerei aus Lascaux
Das älteste Zeugnis der Malerei sind die Höhlenmalereien mit Tierdarstellungen aus der letzten Eiszeit und dem Jungpaläolithikum. Diese Malereien und Zeichnungen, daneben aber auch Reliefs und Plastiken, sind als künstlerische Ausdrucksformen aus der Zeit von etwa 45.000 bis 10.000 v. Chr. bekannt. Die ältesten bekannten Höhlenmalereien wurden in den Höhlen im Maros-Pangkep Karst auf Sulawesi in Indonesien entdeckt, sie sind etwa 40.000 bis 45.500 Jahre alt. Europäische Höhlenmalereien wurden vor allem in Spanien und Frankreich entdeckt (frankokantabrische Höhlenkunst). Dazu zählen die im Jahr 1940 entdeckten Wandbilder in der Höhle von Lascaux in Südfrankreich, die meist Tiermotive zeigen: Rinder, Hirsche und Pferde wurden in beeindruckender Weise dargestellt und gehören damit zu den ältesten bekannten malerischen Motiven der Menschheit.Maria Carla Prette: Kunst verstehen. Naumann & Göbel, Köln 2008, ISBN 978-3-625-12650-8, S. 118.
Auch aus Afrika, Asien und Australien sind frühe Fels- und Höhlenmalereien bekannt. Im Nahen Osten gibt es schon für das Neolithikum zahlreiche Belege für frühe Malereien. Hier ist vor allem das Aufkommen von bemalter Keramik und die Wandmalerei zu nennen. Zahlreiche Reste prähistorischer Wandmalereien fanden sich im kleinasiatischen Çatalhöyük und datieren um 6000 v. Chr.
Europa Altertum mini|Ägyptische Malerei um 1500 v. Chr.
In den Kulturen des Alten Orients war die Malerei, und wohl besonders die Wandmalerei, ab 10.000 v. Chr. weit verbreitet, doch ist relativ wenig davon erhalten geblieben. Einige Beispiele stammen aus dem Palast von Mari, während aus den Palästen der Hethiter lediglich Fragmente existieren, die aber kaum ein Bild der einst vorhandenen Bemalung erlauben. Von den Assyrern sind schließlich weitere Beispiele, vor allem von Wandmalerei, bekannt. Späteren Datums sind die Wandmalereien des alten Ägyptens (ab 3000 v. Chr.) und die minoische Freskomalerei auf Kreta (ab 2000 v. Chr.). Die Malerei der alten Ägypter ist vor allem von Wandmalereien aus Grabkapellen, von Särgen und von der Bemalung von Totenbüchern bekannt.
Im dritten Jahrhundert n. Chr. bezeichnete der griechische Schriftsteller Philostratos die Malerei als eine Erfindung der Götter (Eikones 1). Durch diese und andere Aussagen antiker Autoren ist bezeugt, dass die Malerei besonders hoch angesehen war, höher sogar als die Bildhauerei. In dem antiken Griechenland wurde als Bildträger hauptsächlich Holz verwendet, außerdem Stein, Ton und Stuck. Die Verwendung von Elfenbein, Glas und Leinwand tritt kaum auf, jedoch sind nur wenige Reste der antiken griechischen Malerei erhalten. Nach dem Untergang der minoisch-mykenischen Kultur mit ihrer qualitätvollen Freskomalerei (zum Beispiel in Knossos) setzte die griechische Wandmalerei erst wieder im achten Jahrhundert v. Chr. ein.
Die Anzahl und die Art der archäologischen Zeugnisse der römischen Malerei unterscheiden sich wesentlich von der griechischen Malerei. Erhalten sind zahlreiche Zeugnisse römischer Wandmalerei, wobei es offensichtlich ein römisches Phänomen ist und nicht etwa nur Zufall der Überlieferungssituation. Plinius der Ältere beklagt in seiner Naturalis historia (35,118) den weitgehenden Wechsel von der Tafel- zur Wandmalerei. Viele dieser Fresken stammen aus den im Jahre 79 n. Chr. verschütteten Städten Pompeji und Herculaneum.
Mittelalter
Die Malerei der Antike überlebte vor allem in den Wandmalereien der Kirchen und Vignetten von Büchern. Eine erste Blütezeit erreichte die Malerei mit der byzantinischen Kunst, unter anderem mit der Ikonenmalerei, die auch in der russischen Kunst übernommen wurde.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 24–28. Im Mittelalter war ferner die Buchmalerei von überragender Bedeutung.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 28–33. Die Tafelmalerei als Malerei auf eigenständigem Maluntergrund – also auf der Holztafel, dann auf Leinwand – entwickelte sich erst allmählich neu.
In der Gotik ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich im Vergleich zur byzantinischen und romanischen Bildsprache ein zunehmender Naturalismus. Bedeutende Künstler aus der Malerei in der Gotik sind unter anderem Giotto, dessen Fresken wegweisend auch für die spätere Renaissance sind, Simone Martini, Robert Campin, Jan van Eyck, Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 37–39.
Bis in die Neuzeit hinein war die europäische Malerei, durch die kirchlichen Auftraggeber, fast ausschließlich religiös geprägt. Es kam zur Ausmalung von Kirchen und Klöstern und zur Ausschmückung von Kirchenchören und Andachtskapellen mit Altarbildern. Andere Sujets wie die Porträtmalerei, Genremalerei, Landschaftsmalerei oder das Stillleben kamen erst im späten Mittelalter und in der Malerei der Renaissance hinzu.
mini|hochkant=1.1|Michelangelo Buonarroti, Das Jüngste Gericht, Sixtinische Kapelle, 1536–1541
Renaissance
Eine bedeutende Entwicklung nahm die Malerei in der Renaissance mit der nachhaltigen Weiterentwicklung der Techniken der Ölmalerei, der Zentralperspektive, der Darstellung allegorischer Motive der Antike und bei der Betonung individueller Charaktere in der Menschendarstellung unter Zuhilfenahme der Kenntnisse der Anatomie.
Jan van Eyck (um 1390–1441) schuf erstmals selbständige Bildnisse und Porträts; Albrecht Dürer (1471–1528) malte 1493 das erste bekannte autonome Selbstbildnis in Europa; Albrecht Altdorfer (um 1480–1538) machte als erster Maler die Landschaft zum Hauptthema.
Vor allem die italienische Malerei der Hochrenaissance in den Städten Florenz, Venedig und Rom brachte bedeutende Werke der Maler Leonardo da Vinci (1452–1519), Michelangelo (1475–1564), Raffael (1483–1520) und Tizian (ca. 1488–1576) hervor, die in Perspektive, Form, Farbe, Ausdruckskraft und malerischer Brillanz beispielgebend sind und die Bildende Kunst Europas bis heute nachhaltig beeinflusst haben.
Barock
Die Malerei des Barock nahm ihren Anfang im Italien des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Die Malerei wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts verstärkt funktionalisiert: Sie wurde entweder von der Kirche in den Dienst der Gegenreformation gestellt oder von den absolutistischen Höfen zur Verherrlichung des Regenten eingesetzt. Das Tafelbild entwickelte sich zu einem begehrten Sammelobjekt für Adlige, Könige und das aufsteigende Bürgertum.Karin Hellwig, aus Die Kunst des Barock, Könemann 1997, S. 372–374 Bedeutende Maler sind in Italien Michelangelo da Caravaggio, in Spanien Diego Velázquez und Bartolomé Esteban Murillo und in den Niederlanden Peter Paul Rubens und Rembrandt, der als Meister des Chiaroscuro (Helldunkel) gilt.
In den Niederlanden setzte sich zu dieser Zeit mit der Unabhängigkeit und mit der Reformation eine neue Gesellschaftsordnung durch, die durch geistige Strenge gekennzeichnet war. In der Malerei lag die Betonung auf Alltagsszenen.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 200. So ist diese Periode eine große Zeit der Stillleben, etwa von Pieter Claesz. Der Maler Jan Vermeer vermittelt in seinen Bildern ruhige, andächtige Stille.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 206–209. Die Zeit war jedoch auch die große Zeit von Rembrandt, der in seinen Bildern wie etwa die Die Blendung Simsons große Dramatik erzeugte.
In Frankreich dominierten Ideale aus der klassischen Antike, die besonders in der Landschaftsmalerei eine Rolle spielten. Die französischen Maler Nicolas Poussin und Claude Lorrain, die beide jahrelang in Italien lebten, ließen sich in ihren Landschaftsbildern davon inspirieren.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 216.
Rokoko
Der Rokokostil entwickelte sich als eine stark verspielte Variante des Barock, für die Muschelmuster und andere ornamentale Elemente typisch waren. Ein früher französischer Vertreter dieses Stils ist der Maler Antoine Watteau, dessen Hauptmotive unter anderem Szenen mit singenden und tanzenden Liebenden sowie Schauspieltruppen waren. François Boucher ist ein weiterer typischer Vertreter des Rokoko, auch seine Bilder zeichnen sich durch Verspieltheit aus, die ernste Themen möglichst meidet.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 224–227. Der größte Vertreter des italienischen Rokoko ist Giambattista Tiepolo, der vor allem für seine Fresken bekannt ist, wie etwa die Hochzeitsallegorie im Palazzo Rezzonico in Venedig. In Venedig hielt sich der Spätrokoko mit Francesco Guardi auch noch, als dieser Stil im Rest Europas bereits außer Mode war.Wendy Beckett: Die Geschichte der Malerei. 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1, S. 232–233.
Klassizismus und Romantik
mini|Théodore Géricault, Floß der Medusa, Louvre, Paris