mini|Burghard Schloemann (2000) Burghard Schloemann (* 21. Februar 1935 in Witten; † 31. März 2025 in HerfordTraueranzeige in der Neuen Westfälischen vom 5. April 2025, abgerufen am 5. April 2025) war ein deutscher Kirchenmusiker, Komponist und Organist.

Leben Schloemann studierte 1955 bis 1961 Evangelische Kirchenmusik in Stuttgart, ergänzt durch ein Studienjahr in Rom. Sein Kompositionslehrer war Johann Nepomuk David. Er besuchte 1966 und 1970 die Darmstädter Ferienkurse und erhielt Anregungen von Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Mauricio Kagel.

Von 1961 bis 1982 war er Kantor an der Kirche St. Johannis zu Halle (Westf.) und baute eine äußerst umfangreiche kirchenmusikalische Arbeit auf, aus der 1964 die Haller Bach-TageHaller Bach-Tage, auf haller-leben.de und 1977 das Mozartfest im Kreis Gütersloh hervorgingen. Zusätzlich war er ab 1961 als Dozent für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik Herford tätig. 1967 erhielt er den Preis der Goethe-Stiftung Basel. 1969 wurde ihm der Titel Kirchenmusikdirektor verliehen. 1967 war er Mitbegründer der Tage für Alte Musik Herne, 1982 leitete er das 3. Internationales J. N. David-Fest in Ostwestfalen, 1985 die Bielefelder Musikwochen: "Bach–Händel–Kagel". Von 1982 lehrte Schloemann hauptamtlich an der Hochschule für Kirchenmusik Herford, ab 1991 als Professor für Tonsatz.

Schloemann komponierte Vokalwerke, Bläserwerke, Orgelwerke, Kammermusik und zwei Sinfonien. Sein Nachlass befindet sich im Westfälischen Musikarchiv in Hagen.

Persönlichkeit und Werk Schloemann wuchs im westfälischen Höxter auf, wo er im Pfarrhaus der Kirche St. Kiliani frühe musikalische Prägungen erhielt. Seine Familie kann als typisch für das deutsche protestantische Milieu im 19. und 20. Jahrhundert gelten. Die intensive Rezeption der protestantischen Lehre und ihrer Schriften verband sich mit humanistischer Bildung, neben Luther stand immer auch Goethe. Dieses für vieles offene geistige Leben fand in Schloemann eine fast idealtypische Verkörperung. Entscheidende musikalische Eindrücke empfing er durch liturgische Traditionen in der Familie und u. a. durch die Teilnahme an Bläsertagen im Zuge des Aufbaus der Kirchenmusik in Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine intensive Zeit als Assistent von Adalbert Schütz in Bethel bestärkte ihn in dem Entschluss, selbst Kirchenmusiker zu werden. Es folgte ein Studium der Kirchenmusik und Komposition in Esslingen und an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo Johann Nepomuk David, Hans Arnold Metzger und Hans Grischkat wichtige Einflüsse auf ihn ausübten. Ein Studienjahr in Rom war für ihn neben den Impulsen von Fernando Germani für das Orgelspiel die Initialzündung für eine lebenslange Inspiration durch die italienische und antike Kultur.

In den Jahren 1961 bis 1982 baute Schloemann eine Kirchenmusikalische Arbeit an der St. Johanniskirche in Halle (Westf.) auf, die auf breitester Basis die Arbeit mit Laien ebenso umfasste wie die Veranstaltung von Konzerten, an denen neben zahlreichen lokalen Kräften auch internationale Gäste beteiligt waren. Aus der Kinderchorarbeit ergab sich auch die Gründung eines Knabenchors und einer Musikschule. Ein Fokus der Arbeit war durchgehend das Werk von Johann Sebastian Bach in Gegenüberstellung mit zeitgenössischer Musik. Im Rahmen der Haller Bach-Tage, die sich seit 1964 aus der Kantoreiarbeit zu einem bis heute bestehenden jährlichen Festival entwickelten, kamen u. a. Karlheinz Stockhausen, Hans Werner Henze und Mauricio Kagel persönlich nach Halle.

Zahlreiche eigene Kompositionen entstanden im unmittelbaren Kontext der kirchenmusikalischen Arbeit und kamen mit der Johanniskantorei zur Aufführung. Schloemann entwickelte eine eigene Form von "Evangelienmusiken", die ähnlich wie eine Bachkantate das Evangelium des jeweiligen Sonntags musikalisch gestaltete. Elemente der internationalen Avantgarde, deren Entwicklung Schloemann interessiert verfolgte, und szenische Elemente flossen darin ein. Unter dem Titel "Teatrum sacrum" wurde eine Sequenz dieser Evangelienmusiken auch in Konzerten aufgeführt. Auch einige Kinderopern und vieles mehr entstanden in dieser Zeit.

Schon parallel zur Arbeit in Halle lehrte Schloemann ab 1961 an der Westfälischen Landeskirchenmusikschule in Herford Orgel und Tonsatz. 1982 übergab er die Kantorei und die Leitung der Haller Bach-Tage an Nachfolger, um sich künftig dem Komponieren und dem Unterrichten zu widmen. Zunächst hauptamtlicher Dozent wurde er 1991 Professor für Tonsatz, als die Landeskirchenmusikschule in eine Hochschule für Kirchenmusik umgewandelt wurde. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit konnte er vielen Studierenden nachhaltig seine Überzeugung vermitteln, dass Kirchenmusik immer im Kontext der Verkündigung, Gemeindearbeit und speziell Jugendarbeit stattfinden muss, und gleichzeitig im Zusammenhang mit den großen Traditionslinien der europäischen Kultur steht.

In der Herforder Zeit entstanden zahlreiche Choralfantasien und Choralpartiten für Bläser, zuletzt "Wie schön leuchtet der Morgenstern" für drei Bläserchöre, aber auch Choral-Kantaten, geistliche Konzerte, Motetten, Kantoreisätze, Orgelwerke und zwei Sinfonien sowie Kammermusik. Hervorstechende Werke sind die "Sibyllenmusik" für fünf Trompeten und Orgel, zu der ihn die Gemälde der Sibyllen von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan inspirierten. Eine enge Verbindung zur Marienkirche Stift Berg in Herford hat das "Magnificat der Anna von Quernheim" für acht Frauenstimmen oder Frauenchor und Orgel. Der Text stammt von Anna von Quernheim, der ersten bekannten Liederdichterin Westfalens, gestorben 1590.

Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2000 war Schloemann weiterhin als Komponist aktiv, unterstützte insbesondere ausländische Studierende an der Hochschule für Kirchenmusik Herford und gab seine Erfahrungen auf verschiedene Weise, u. a. bei Fortbildungen, weiter. In Zusammenarbeit mit Georg Bießecker gab Schloemann im Strube-Verlag unter dem Titel "Quinta vox" ein Kompendium mit 59 alten und neuen Choralsätzen und Choralbearbeitungen zu fünf Stimmen für Blechbläser und andere Instrumente heraus.

Er war verheiratet und hatte drei Kinder.

Werkverzeichnis (Auswahl) Das vollständige Werkverzeichnis kann hier eingesehen werden.

Vokalmusik

Chor, Soli und Instrumente

Es sungen drei Engel (1965/79): Kantate für 6 Solostimmen (S,S,A,T,T,B), gem. Chor, Kinder- od. Frauenchor und Orchester (2 Fl, 2 Ob, Fag, 2 Trp, 2 Pos, Str), op. 6 Die Nacht ist vorgedrungen (1993): Kantate für Sopran, gem. Chor und Orchester (2 Fl, 2 Ob, Fag, Str), Melodie von Joh. Georg Ebeling 1667, op. 51 Es kommt ein Schiff, geladen (1955/94): Kantate für 2 Solostimmen (S,A), gem. Chor und Kammerorchester (Fl, Ob, Fag, Str, Org ad lib.), op. 53 Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (1962): musikalische Szene für Sprecher, Sprechchor, 2 Trompeten und 2 Posaunen, op. 3 Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (1965/66): musikalische Szene für Bariton, gem. Chor, 2 Trompeten und 2 Posaunen, op. 7, BA 5431 Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir (1987): Psalm 130,1-4 für 1-stg gem. Chor und 3 Posaunen, op. 37,1 Herr, neige deine Ohren (1987): Psalm 86,1-4 für 2-stg gem. Chor und 2 Trompeten, op. 37,2 Komm, Schöpfer Geist, erhöre und befreie uns (1992): Ruf für 2 Singgruppen und Blechbläser (3 Trp, 3 Pos, Tb ad lib.), op. 37,4 Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst (1998): kleine Spruchmotette für 3- od. 4-stg gem. Chor, Gemeinde und Orgel, op. 37,5 Das Magnificat der Anna von Quernheim (2016) für 8 Frauenstimmen (oder Frauenchor) und Orgel, op. 80

Chor a cappella

Agnus Dei (1984) für 7-stg Doppelchor a cappella (4 stg gem. Chor + 3-stg Kinder- oder Frauenchor), op. 28

Kantoreisätze

Herforder Kantoreisätze Heft 1 (Advent/Weihnachten) Herforder Kantoreisätze Heft 2 (Passion/Ostern)

Kanons

Sechs geistliche Kanons (1979/89) zu 4 Stimmen, op. 25

Sologesang und Orgel

Tröstet, tröstet mein Volk (1957): geistliches Konzert für mittlere Stimme und Orgel (Text: Jes 40,1-5 / Zef 3,14+17) Auf, auf, mein Herz, mit Freuden (1960): Osterkonzert für Sopran und Orgel (Text: Paul Gerhardt), op. 1 Über die Heimsuchung Mariä (1999): geistliches Konzert für Sopran und Orgel nach einem Sonett von Andreas Gryphius, op. 63

Orgel

Invokation I (Da pacem – Verleih uns Frieden) (1969) für Orgel, op. 10,1, BA 7283 Invokation II (1969) für Orgel, op. 10,2, BA 7283 Invokation III (Aus tiefer Not) (1982) für Orgel, op. 26, Möseler in: M 19.474 Invokation IV (Wenn ich einmal soll scheiden / Erscheine mir zum Schilde) (1985) für Orgel, op. 31, Möseler in: M 19.483 Variationen über B-A-C-H (1976) für Orgel, op. 21, Möseler: M 19.466 Veni Creator Spiritus – Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (1985): Hymnus in sieben Strophen für Orgel, op. 33 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort (1989/90): Choralspiel für Orgel, op. 49, Möseler in: M 19.488

Blechbläser

Freie Bläsermusik

Sibyllenmusik (1986) für 5 Trompeten und Orgel, op. 35 Veni Sancte Spiritus – Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (1986): Choralfantasie für Trompete (Kornett, Flügelhorn) und Orgel, op. 34 In deinen Händen ist meine Zeit (1988): Meditation I für 3 Trompeten, 3 Posaunen und Tuba, op. 41,1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht (1989): Meditation II für Sprecher, 4 Trompeten, 4 Posaunen und Tuba ad lib., op. 42, ejw: Blätter für Bläser Nr. 6 Bis hierher hat mich Gott gebracht (1991): Meditation III für 3 Trompeten, 3 Posaunen und Tuba, op. 43,1 Das helle Feld (2002): Meditation IV nach dem Gedicht „Das helle Feld“ von Ronald Stuart Thomas, für 4 Trompeten, 4 Posaunen und Tuba, op. 64

Choralpartiten für Blechbläser

Christ lag in Todesbanden (1957): Choralpartita I für 3 Trompeten (1. auch solo), 4 Posaunen und Tuba Gelobet seist du, Jesu Christ (1954/57): Choralpartita II für 3 Trompeten (1. u. 2. auch solo), 4 Posaunen und Tuba (C.f.-Chor ad lib.) Es kommt ein Schiff, geladen (1955/88): Choralpartita III für 3 Trompeten, 3 Posaunen und Tuba (C.f.-Chor ad lib.) Wenn wir in höchsten Nöten sein (1982): Choralpartita IV für 3 Posaunen Maria durch ein Dornwald ging (1982/89): Choralpartita V für 3 Trompeten und 2 Posaunen, Tuba ad lib. (C.f.-Chor ad lib.) Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (1991): Choralpartita VI für 4 Trompeten, 4 Posaunen und Tuba O Heiland, reiß die Himmel auf (1992): Choralpartita VII für 2 Trompeten, 2 Posaunen und Tuba Heilger Geist, du Tröster mein (2003): Choralpartita VIII für 4 Trompeten, 4 Posaunen, und Tuba Jesu, geh voran (2011): Choralpartita IX für drei Trompeten, drei Posaunen und Tuba Es ist für uns eine Zeit angekommen (1985): Variationen für 2 Trompeten, und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 43,2 Kommet, ihr Hirten (1992): Hirtenmusik für 3 Trompeten und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 40,6

Choralfantasien für Blechbläser

Die güldne Sonne (1980): Choralfantasie für 3 Trompeten und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 40,1 Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (1982): Choralfantasie für 3 Trompeten und 2 Posaunen, Tuba ad lib. (+ zwei 4-stg Sätze), op. 40,2 Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (1984): Choralfantasie für 4 Trompeten und 4 Posaunen, op. 27 Allein Gott in der Höh sei Ehr (1985): Choralfantasie für 3 Trompeten (1. u. 2. auch solo) und 4 Posaunen, Tuba ad lib. op. 40,3 Wie schön leuchtet der Morgenstern (1988/2019): Choralfantasie für drei Bläserchöre (10 Trompeten, 10 Posaunen, 2 Tuben), op. 38 Heut triumphieret Gottes Sohn (1988): Choralfantasie für 3 Trompeten und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 40,4 Nun saget Dank und lobt den Herren (Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren / Ich lobe dich von ganzer Seelen) (1993): Choralfantasie für 3 Trompeten und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 40,5 Such, wer da will, ein ander Ziel (1999): Choralfantasie für 3 Trompeten und 3 Posaunen, Tuba ad lib., op. 62,1