Die Weißseespitze () ist ein Österreichische Karte 1:50.000 (ÖK 50) des BEV hoher Berg im Weißkamm der Ötztaler Alpen an der Grenze von Tirol zu Südtirol. Der Berg liegt an der Westecke des Gepatschferners.

Zugangsrouten Der hier relativ flach ansteigende Gipfelhang ist als leichte Hochtour über Gletscher zu erreichen vom Brandenburger Haus. Der einzige gletscherfreie Anstieg führt von der Weißkugelhütte im Langtauferer Tal von Süden zum Falginjoch und über den Westgrat zum Gipfel. Nach Norden bricht die Weißseespitze mit einer 500 m hohen Firnwand zum Weißseeferner ab und bildet den Talschluss des Kaunertals. Südlich liegen zwei kleinere Gletscherreste, der Milanzer Ferner und der Falginferner. Seit dem Bau der Kaunertaler Gletscherstraße führt der kürzeste Anstieg von deren Ende über den Weißseeferner auf das Falginjoch und den Westgrat zum Gipfel.

Massenbewegungen an der Nordflanke und Klimawandel 1997 öffneten sich im Gipfelbereich der Weißseespitze mehrere große Gletscherspalten, in denen das Gipfelkreuz versank.Gunther Heißel: Tirol, das Land der bewegten Berge – Massenbewegungen in Tirol, Vortrag vom 15. Oktober 1999 am Geoforum Umhausen Diese Vorgänge beruhen auf Massenbewegungen in den Paragneisen der Nordflanke, von denen auch der aufliegende Gletscher betroffen ist. Insgesamt wird die Hangbewegung auf rund 5 Mio. m³ Fels und Eis veranschlagt, die mit bis zu 1,2 Meter pro Tag talwärts glitten. Zurückzuführen ist der Vorgang auf das Abschmelzen der stabilisierenden Eisauflage und das Ansteigen der Permafrostgrenze in höhere Regionen. Insofern handelt es sich bei den Hangbewegungen der Weißseespitze um die Fortsetzung von Prozessen, die bereits in früheren Warmzeiten begonnen haben. Da die Rutschungen in den Winterhalbjahren deutlich auf unter 10 cm pro Tag zurückgingen, konnte der Winterskibetrieb auf dem Weißseeferner unterhalb der Nordflanke der Weißseespitze nach einer Sperrung von drei Liften aufrechterhalten werden. Bis zum Jahr 2000 hat sich die Hangbewegung weitgehend verlangsamt.Gunther Heißel, Christian Weber: Die Massenbewegungen an der Weißseespitze in den Jahren 1996-1999 im Gletscherschigebiet Kaunertal/Tirol

Abnahme der Höhe des Berges Neben dem Abschmelzen des Gipfeleises haben die Rutschungen auch Auswirkungen auf die Gipfelhöhe des Berges. Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) gibt für die Weißseespitze mit Stand 2024 eine Höhe von an. In der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme 1:25.000 wurden angegeben,Franzisco-Josephinische Landesaufnahme 1:25.000 auf arcanum.com in der Ausgabe 1:75.000 ,Franzisco-Josephinische Landesaufnahme 1:75.000 auf arcanum.com und in der nachgeführten Version 1:75.000 von vor 1930 Österreichische Karte vor 1930 auf bev.gv.at Die Alpenvereinskarte von 1893 nennt In der ÖK50 von vor 1980 sind Österreichische Karte vor 1980 auf bev.gv.at und in der von 2010 genannt.Österreichische Karte vor 2010 auf bev.gv.at Walter Klier gab 1993 noch an.Walter Klier: Alpenvereinsführer Ötztaler Alpen. Bergverlag Rudolf Rother. München 1993. ISBN 3-7633-1116-5

Zuletzt schmolz der Gletscher jährlich um 0,6 m ab, von 1893 bis 2018 schrumpfte seine Dicke um insgesamt 40 m. 2021/22 waren noch ca. 10 m Eis vorhanden.

Erforschung des Gipfeleises Die unterste Schicht in der Gipfeleiskappe ist etwa 6000 Jahre alt. Das heißt, bis vor etwa 6000 Jahren war der Gipfel vorübergehend eisfrei. Das Eis stellt eine Art gefrorenes Archiv dar, da diverse Einschlüsse im Eis, wie zum Beispiel Saharastaub, Holzkohle, Sand und alle sonstigen, in der Luft enthaltenen Partikel Rückschlüsse auf das Wetter und Klima der zurückliegenden Jahrtausende erlauben. Da die Eiskappe und das Eis in der Nordwand voraussichtlich bis etwa 2030 völlig abgeschmolzen sein dürften, entnahm die Österreichische Akademie der Wissenschaften 2019 einen knapp 10 m langen Bohrkern aus dem Eis. Sie stellte auf dem Gipfel eine Wetterstation auf, welche die (Stand 2024) höchstgelegene Österreichs ist.

Touristische Erschließung Die Betreiber des Gletscherskigebietes im Kaunertal, die Kaunertaler Gletscherbahnen planen, das Skigebiet bis auf den Gipfel der Weißseespitze durch Liftanlagen zu erweitern. , auf seilbahn.net Am 12. Mai 2004 hat die Tiroler Landesregierung eine Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes, das bis dahin Neuerschließungen wie jene im Kaunertal verhinderte, beschlossen und somit die Möglichkeit der Erweiterung eröffnet. Begründet wird die Novelle mit dem Bedarf der wirtschaftlichen Stärkung von entwicklungsschwachen und abwanderungsgefährdeten Regionen. , auf alpenverein.at

Der Österreichische Alpenverein (OeAV) kritisiert die geplante Erweiterung und hält dem Argument der Tiroler Landesregierung entgegen, dass es sich weder beim Kaunertal noch beim Pitztal, in dem auch Erweiterungen in Gletscherregionen geplant sind, um entwicklungsschwache Regionen handele. Der OeAV befürchtet außerdem, dass die Novelle weitere, noch nicht absehbare Erschließungen im bis dato geschützten Hochgebirge ermöglicht. Eine vom Alpenverein in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage in Österreich ergab, dass auch die Mehrheit der Bevölkerung gegen weitere Erschließungen der Gletscher ist., auf br-online.de

Anfang 2023 verkündete der Geschäftsführer der Kaunertaler Gletscherbahnen, Franz Wackernell, dass man jetzt eine Funifor-Seilbahn vom Gletscherparkplatz bis zum Weißseeköpfl auf 3450 m für 25 Millionen Euro plane und gegenüber dem Land Tirol eingereicht habe. Das Weißseeköpfl liegt 200 m östlich von der Weißseespitze, ist eisfrei, und befindet sich außerhalb der genehmigten Skigebietsgrenze,Karte 24. Kaunertaler Gletscher (PDF; 1,0 MB), auf tirol.gv.at jedoch auch außerhalb dem Ruhegebiet Ötztaler Alpen. Zusätzlich soll auf dem Gepatschferner ein 1600 m langer Schlepplift bis zum Zahn, eine Abfahrt über die Nörderschartl und wahrscheinlich ein Wanderweg auf die Weißseespitze entstehen. Neben mehr Wintergästen versprechen sich die Betreiber mehr Touristen im Sommer, aufgrund einer dem Jungfraujoch (Top of Europe) ähnlich gelagerten Attraktion. Naturschutzorganisationen, der Deutsche und der Österreichische Alpenverein bezeichnen die Ausbaupläne, angesichts des stark voranschreitenden Klimawandels, als zynisch. Jeden Sommer müssten die Gletscheroberflächen mit schwerem Gerät bearbeitet und Spaltenzonen zugebaggert werden.

Literatur Hanspaul Menara: Die schönsten 3000er in Südtirol. 70 lohnende Hochtouren. Athesia, Bozen 2014, ISBN 978-88-8266-911-9 Azzurra Spagnesi et al.: New chemical signatures from Weißseespitze ice cores (Eastern Alps): pre-industrial pollution traces from Roman Empire to early modern period. In: Frontiers in Earth Science 14, März 2026, doi:10.3389/feart.2026.1680019 (online auf researchgate.net).

Weblinks

Weißseespitze – Tourenbeschreibung auf tourentipp.de Fotovergleich zur Übergletscherung an der Weißseespitze-Nordwand von 2011 und 2022 auf wasserundeis.com Aktuelle und vergangene Schneehöhen und Wetterwerte in 3499 m Höhe auf lawis.at

Einzelnachweise

Kategorie:Berg in den Ötztaler Alpen Kategorie:Graun im Vinschgau Kategorie:Geographie (Kaunertal, Gemeinde) Kategorie:Grenze zwischen Italien und Österreich