mini|Gleisende mit Prellbock auf der Westseite des Bahnhofs, Juli 2009 mini|Berliner Seite nach dem Umbau des Bahnhofs Der Bahnhof Wittenberge der brandenburgischen Stadt Wittenberge liegt fast genau in der Mitte der Bahnstrecke Berlin–Hamburg und hat als Eisenbahnknoten überregionale Bedeutung.
Im Jahr 2000 nutzen etwa 5000 Fahrgäste den von rund 100 Reisezügen bedienten Bahnhof. Der Bahnhof war lange Zeit derjenige mit den meisten Fernverkehrs-Fahrgästen in Brandenburg.
Um 2020 wurden insgesamt rund 5000 Fahrgäste und Besucher pro Tag sowie rund 180 Ankünfte und Abfahrten pro Tag gezählt. Die Zahl der Fahrgäste wurde 2023 mit rund 3700 pro Tag angegeben.
Infrastruktur Streckenanbindungen Der Bahnhof wurde 1846 am Streckenkilometer 126 der Bahnstrecke Berlin–Hamburg errichtet. Die Strecke Wittenberge–Stendal wurde 1851 eröffnet. Ab 1870 verlief von hier die Zweigstrecke Wittenberge–Buchholz, die nach Nordwesten über die Dömitzer Elbbrücke und über Dannenberg (Elbe) nach Buchholz in der Nordheide führte. Damit wurde der Bahnhof Wittenberge zum wichtigen Eisenbahnknoten zwischen Berlin und Hamburg.
Empfangsgebäude Das Empfangsgebäude des damaligen Keilbahnhofs wurde 1846 zwischen den westlich gelegenen Gleisen der Magdeburger Strecke und den östlichen Gleisen der Berlin-Hamburger Bahn angelegt. Es handelt sich um ein zweigeschossiges und dreiachsiges Gebäude in klassizistischem Stil. Der Architekt war Friedrich Neuhaus, der auch weitere Bahnhofsgebäude, unter anderem den Hamburger Bahnhof in Berlin und den Bahnhof Hagenow Land, entwarf. In den Jahren 1889 und 1923 wurde das Gebäude jeweils erweitert. Das Gebäude wurde von 2023 bis 2026 umfassend saniert.
Zugang und Bahnsteige Der Bahnhof liegt etwa 1,3 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt am östlichen Rand der Stadt Wittenberge. Bis zum Umbau der Gleisanlagen 2004–2007 war das Empfangsgebäude nur von Süden nach dem Überqueren einer Brücke in Verlängerung der Bahnstraße zu erreichen. Durch den Wegfall des westlichen Hausbahnsteigs ist das Gebäude nun von Westen her über mehrere direkt anstoßende Straßen erreichbar. Die Bahnsteigkante des nördlichen Hausbahnsteigs hat nach dem bis 2004 erfolgten umfangreichen Umbau eine Länge von 340 Metern bei einer Höhe von 55 Zentimetern, weitere etwa 60 Meter Bahnsteigfläche im südlichen Teil liegen nicht direkt an den Durchfahrtsgleisen.
Vom mittleren Bereich des Empfangsgebäudes erstrecken sich in Richtung Norden drei weitere Inselbahnsteige von 405 m bzw. 435 m Länge bei einer Höhe von jeweils 76 Zentimetern. Sie sind durch eine 77 Meter lange Unterführung mit dem Hausbahnsteig verbunden.
Eine barrierefreie Zugänglichkeit wird mit einer Rollstuhlrampe neben den drei straßenseitigen Treppenstufen entlang des Empfangsgebäudes und für die Inselbahnsteige durch Aufzüge neben den Treppenzugängen erreicht.
Bahnbetriebswerk Im Süden des Bahnhofs wurde bereits mit dem Bau der Strecke Berlin–Hamburg 1846 ein Werkstattgebäude errichtet, das im Laufe der Zeit zum Bahnbetriebswerk erweitert wurde. Es war wegen der Lage auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg wichtig für die Wartung, Bereitstellung und den Wechsel von Lokomotiven. Dort wurde 1872 ein Ringlokschuppen nebst Drehscheibe errichtet. Nördlich angrenzend kam 1889 ein weiterer, größerer Ringlokschuppen mit 16 Ständen hinzu, der noch erhalten ist und restauriert wird. Er wird seit Mitte 2012 von den Dampflokfreunden Salzwedel als Eisenbahnmuseum genutzt.Dampflokfreunde Salzwedel Wiederum daran anschließend befindet sich ein Rechteckschuppen mit ehemals sechs, heute noch fünf Lokomotiv-Ständen, der 2010 von der Schienenfahrzeugbau Wittenberge als Werkstattgebäude erworben wurde. Zwei Wassertürme sind heute noch erhalten, wovon einer noch betriebsfähig ist. Bis 1987 waren hier Dampflokomotiven stationiert. Mit der 1997 abgeschlossenen Elektrifizierung der Strecke und dem vergleichsweise wartungsarmen Elektrolok-Betrieb verlor das Bahnbetriebswerk weitgehend seine vormalige Bedeutung.eisenbahn-magazin 2/2012, S. 25–28.
DB-Werk Wittenberge mini|DB FZI Werk Wittenberge, Werkshalle, April 2012
Die Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft begann 1875 in Wittenberge mit dem Bau einer „Eisenbahn-Hauptwerkstatt“, die am 2. Januar 1876 in Betrieb genommen wurde. Ein Jahr später war die Hauptwerkstatt für 141 Lokomotiven, 246 Personenwagen und 2779 Güterwagen, ferner bis 1924 für die Unterhaltung der Weichen zuständig. Nach der Gründung der Deutschen Reichsbahn 1920 wurde die Wittenberger Hauptwerkstatt als Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) geführt; sie war dabei der Reichsbahndirektion Altona unterstellt.
Ab 1928 wurden im RAW Wittenberge auch Triebwagen mit Verbrennungsmotor repariert und ab 1932 die Schnelltriebwagen der Reichsbahn gewartet. Die Landfläche der Anlage auf der östlichen Seite der Strecke gegenüber dem Empfangsgebäude umfasste zu dem Zeitpunkt 244.000 Quadratmeter mit 22 Kilometern Gleisanlagen, wovon 52.000 Quadratmeter bebaut waren.Heinz Muchow: Wie sich das Ackerbürgerstädtchen Wittenberge zu einer Industriestadt entwickelte. Books on Demand, 2001, ISBN 978-3-8311-2355-1.
In der Zeit der DDR betrieb das RAW eine Betriebsberufsschule für die Ausbildung von Triebfahrzeug- und Wagenschlosser, auch mit Abiturabschluss. Auch der Sektor Gleisbau und Betriebs- und Verkehrseisenbahner wurde auch an der Betriebsschule Wiethold Schubert ausgebildet. Für die Auszubildenden der Berufsschule gab es drei Wohnheime.
Im September 2017 nahm die DB Fahrzeuginstandhaltung nach 24 Monaten Bauzeit eine neue Radsatzwerkstatt in Betrieb, in die 20 Millionen Euro investiert wurden, um künftig mehr Laufradsätze für die ICE-Flotte aufarbeiten zu können. In der Wittenberger Radsatzfertigung arbeiten circa 110 Mitarbeiter. Jährlich verlassen mehr als 10.000 Radsätze das Werk (Stand 2017).
In dem Werk arbeiten rund 770 Menschen (Stand: 2026).
Unterwerk Wittenberge Im Jahr 1987 wurde 600 Meter südlich vom Empfangsgebäude, in dem nach Osten hinwendenden Gleisbogen an der Bad Wilsnacker Landstraße ein Unterwerk des Typs Dezentrale Umformer-/Umrichterwerke errichtet und mit der Fahrleitung verbunden.
Ausbau Der Bahnhof Wittenberge wurde im Rahmen des Ausbaus der Berlin-Hamburger Bahn seit 2000 umfassend saniert. Er verlor dabei seine Eigenschaft als Inselbahnhof. Alle Gleise befinden sich nun auf der östlichen Seite des Empfangsgebäudes. Die so genannte „Magdeburger Seite“ verlor ihre Gleise, die Strecke aus Richtung Stendal wurde südlich des Gebäudes auf die Berliner Seite verschwenkt. Dabei wurde auch die Gleisanzahl deutlich reduziert. Im Rahmen der Bauarbeiten wurden 280.000 Tonnen Erde bewegt, rund 22 Kilometer Gleis erneuert, 120 Weichen aus- sowie 42 eingebaut und 32 Kilometer Oberleitung erneuert.
Die Durchfahrgeschwindigkeit in Richtung Berlin wurde von 70 km/h (im Jahr 1996) auf 160 km/h erhöht; eine Erhöhung auf 197 km/h wäre unter Ausnutzung der ICE T-Neigetechnik möglich. Die Deutsche Bahn hat jedoch auf die Nutzung des bogenschnellen Fahrens bei Geschwindigkeiten über 160 km/h verzichtet. In Richtung Hamburg liegt die zulässige Geschwindigkeit im Bahnsteigbereich bei 200 km/h.Hans-Jürgen Kielke: Umbau des Bahnhofs Wittenberge „Befreiung aus der Insellage“. In: Roland Heinisch, Armin Keppel, Dieter Klumpp, Jürgen Siegmann (Hrsg.): Ausbaustrecke Hamburg–Berlin für 230 km/h. Eurailpress, Darmstadt 2005, S. 112–116. Nach anderen Angaben waren vor Beginn des Umbaus abschnittsweise nur 30 km/h zulässig. Durch den Umbau sollten die Betriebskosten gesenkt, das Umsteigen vereinfacht und 18 Hektar Flächen zur städtebaulichen Entwicklung freigesetzt werden.
Mitte 1997 lief das Planfeststellungsverfahren. Der Baubeginn war im gleichen Jahr geplant.Wittenberge: Bahnhofsumbau beginnt. In: Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, , Heft 2/1997, 31. August 1997, S. 5. Die geplanten Kosten lagen Anfang 1997 bei rund 110 Millionen DM.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Aktuell: Projekt 2 und 3. Heft 1/1997, Januar 1997, S. 6. Insgesamt wurden 76 Millionen Euro investiert,Meldung Umbau des Fernbahnhofs Wittenberge abgeschlossen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2004, , S. 428. darunter sieben Millionen Euro in neue Bahnsteige.
Am 30. August 2000 wurde unter Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder der Baubeginn gefeiert. Der Umbau sollte 152 Millionen DM (78 Mio. Euro) kosten. Die Eröffnung des umgebauten Bahnhofs erfolgte am 24. August 2004, ebenfalls unter Anwesenheit von Bundeskanzler Schröder.
Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft plante 2018, das Empfangsgebäude zu kaufen und zu sanieren. Die Sanierung des seit Jahren leerstehenden Gebäudes wurde Mitte 2023 begonnen und sollte 2027 abgeschlossen werden. In das Gebäude zogen im 1. Halbjahr 2026 u. a. Büros, Coworking-Angebote, ein Jobcenter und das Prignitzer Technologie- und Gewerbezentrum ein. Für Reisende stehen u. a. auch ein Fahrkartenschalter, Toiletten sowie künftig auch ein gastronomisches Angebot zur Verfügung. Die feierliche Eröffnung des weitgehend sanierten Gebäudes erfolgte am 13. Juni 2026. Die Kosten von rund 25 Millionen Euro wurden von Bund, Land, Stadt und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft aufgebracht. Weitere rund 5,5 Millionen Euro fließen in die Gestaltung des Umfeldes.
Der Zielfahrplan des Deutschlandtakts sieht in Wittenberge einen Nullknoten mit sechs gleichzeitig haltenden Zügen vor. Die 2021 vorgelegte Infrastrukturliste des Deutschlandtakts enthält für Wittenberge dafür eine zusätzliche Bahnsteigkante, eine optimierte Leit- und Sicherungstechnik für gleichzeitige Ein- und Ausfahrten sowie verkürzte Zugfolgezeiten. Im Übrigen sollen Doppelbelegungen von Bahnsteigen und weitere Abhängigkeiten bei der Gleisbelegung vermieden sowie Fahrzeiten des Schienenpersonennahverkehrs verkürzt und Kapazität und Flexibilität für den Schienengüterverkehr geschaffen werden. Im Juni 2021 wurde das Projekt „Knoten Wittenberge“ in das Bundesprogramm „Klimaschutzpaket-Halbstundentakt“ aufgenommen. Für Planung und Bau sollten 23 Millionen Euro aufgewendet und mit der Planung begonnen werden. Das Paket ist Teil der Etappe 2025 bis 2030 des Deutschlandtakts um umfasst einen Bahnsteig, Weichenverbindungen und weitere Maßnahmen. Damit soll zwischen Berlin und Hamburg ein durchgehender Halbstundentakt im Fernverkehr ermöglicht werden.
Im Rahmen der ab Mitte 2025 durchgeführten Generalsanierung entstand ein zusätzlicher, 435 m langer Bahnsteig auf der Ostseite (an Gleis 6). Dafür wurde die bestehende Personenunterführung um 22 m verlängert sowie eine neue Treppenanlage und ein neuer Aufzug errichtet. Die bestehenden Bahnsteige (an den Gleisen 1 bis 5) sollten modernisiert, neu gepflastert und mit neuen Wetterschutzhäuschen ausgestattet werden. Dies ist zumindest an mehreren Bahnsteigen erfolgt. Im Übrigen wurden drei Aufzüge ersetzt. Laut Angaben von 2023 sollten auch Weichenverbindungen nachgerüstet werden. Hergestellt wurden u. a. eine neue Parallelfahrmöglichkeit aus Gleis 1 Richtung Stendal parallel zu Gleis 2 Richtung Berlin. Am Empfangsgebäude entstand auch ein neues kurzes Rangiergleis (Gleis 26).
Ebenfalls im Rahmen der Generalsanierung wurde ein neuer Bahnhofsteil „Wittenberge Hafen“ als Abzweigstelle geschaffen. Die Gleise der Hafenbahn sind dort nun direkt Richtung Berlin angebunden und ein anschließender Gleiswechsel zwischen den beiden Streckengleisen eingerichtet. Die Einfahrsignale des Bahnhofs aus Richtung Berlin wurden in diesem Zusammenhang Richtung Berlin verschoben, der Bahnhof Wittenberge somit vergrößert. Ebenfalls entstanden im Bahnhofsbereich mehrere standardisierte 15-m-Mobilfunkmasten, die zunächst teils Antennen für GSM-R aufnehmen und später für öffentlichen Mobilfunk und teils auch FRMCS genutzt werden sollen. Im Bahnhof geplante zusätzliche Blockkennzeichen wurden hingegen nicht errichtet.