Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (EbM-Netzwerk) (bis 2022: Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich mit Theorie und Praxis der Evidenzbasierten Medizin (EbM) beschäftigt. Das Netzwerk ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

Wirken Das EbM-Netzwerk wurde 1998 gegründet und 2001 als gemeinnütziger Verein eingetragen. Das Netzwerk hat etwa 1000 Mitglieder aus allen Bereichen des Gesundheitswesens, darunter mehr als 50 institutionelle Mitglieder, z. B. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Bundespsychotherapeutenkammer, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Deutscher Verband der Ergotherapeuten, Deutscher Verband für Physiotherapie, Gemeinsamer Bundesausschuss, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Österreichische Ärztekammer, Zentrum für Qualität in der Pflege, Zentrum Zahnärztliche Qualität (Stand 3. September 2025).

Das Netzwerk dient dem fachlichen Austausch der an EbM Interessierten durch Unterhaltung einer webbasierten Informations- und Kommunikationsplattform und der Fachzeitschrift Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ). Daneben betätigt es sich an der Entwicklung und Vermittlung von Aus-, Weiter- und Fortbildungscurricula und -modellen. Neben der Durchführung von Evaluations- und Forschungsprojekten arbeitet es an der Weiterentwicklung von Theorie, Methoden und Ethik der EbM. Evidence-based Nursing (EbN) ist im EbM-Netzwerk seit 2002 durch den Fachbereich Pflege und Gesundheitsförderung vertreten.

Die österreichische Sektion hat 2010 unter einer eigenen Web-Adresse ein spezielles Informationsangebot für Österreich eingerichtet.Sektion Österreich — Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Abgerufen am 3. Mai 2021.

Die Geschäftsstelle der EbM-Netzwerks war von 2002 bis 2013 beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin angesiedelt. Von 2014 bis 2013 hatte die Geschäftsstelle des EbM-Netzwerk im Haus der Deutschen Krebsgesellschaft in Berlin ihren Sitz. Seit Frühjahr 2020 besteht mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin sowie der Stiftung Praxissiegel eine Bürogemeinschaft in Berlin-Mitte.

Fachbereiche und Arbeitsgruppen Die inhaltliche Arbeit des EbM-Netzwerks erfolgt primär innerhalb der themenspezifischen Fachbereiche und Arbeitsgruppen (Stand: November 2025):

Fachbereiche EbM in Aus-, Weiter- und Fortbildung EbM in Klinik und Praxis Ethik und EbM Evidenzbasierte Pharmazie Gesundheitsfachberufe (bis 2014: Pflege, Therapieberufe und Hebammenwesen) Health Technology Assessment Informationsmanagement Leitlinien Methodik Patienteninformation und Patientenbeteiligung Public Health Zahnmedizin

Arbeitsgruppen Digitalisierung Klimawandel und Gesundheit Nachwuchs

Leitlinien zur Behandlung Die Gesellschaft entwickelt zu Themen ihres Fachgebiets medizinische Leitlinien, die im Rahmen des AWMF-Leitlinienprogramms veröffentlicht werden.

Preise und Ehrungen David-Sackett-Preis Für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Evidenzbasierten Medizin und Gesundheitsversorgung vergibt das EbM-Netzwerk seit 2008 jährlich den David-Sackett-Preis.

Journalistenpreis EbM in den Medien Seit 2009 schreibt das EbM-Netzwerk jährlich den Journalistenpreis „Evidenzbasierte Medizin in den Medien“ aus. Der Preis würdigt journalistische Arbeiten, die in herausragender Weise die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin in Beiträgen zum Thema Medizin und Gesundheit umsetzen.

Ehrenmitgliedschaft Mitglieder bzw. Personen, die sich um den Verein besonders verdient gemacht haben, können von der Mitgliederversammlung zu Ehrenmitgliedern gewählt werden. Bis September 2024 wurde an sechs Personen die Ehrenmitgliedschaft verliehen: David L. Sackett (2008), Albrecht Encke (2011), Günter Ollenschläger (2016), Gerd Antes (2019), Ingrid Mühlhauser und Hans-Heinrich Raspe (2023).

Historie + Entwicklungen des EbM-Netzwerks 1997 bis 2017 Jahr Ereignisse 1997 Erster EbM-Workshop in Lübeck, 17.–21. August 1997. Veranstalter: Institut für Sozialmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.D. Lühmann. Bericht über den Ersten Lübecker Workshop Evidence based Medicine. In: Deutsches Cochrane Centrum (Hrsg.) Rundbrief Nr. 3 der Cochrane Collaboration Deutschland. Freiburg 1997, S. 7–9 1998 Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin“ in Berlin, 14. März 1998. Ort: Kaiserin-Friedrich-HausG. Jonitz, G. Ollenschläger, R. Kunz. Evidence Based Medicine – Weg zu einer rationaleren Medizin. Dtsch Ärztebl 1998; 95: A267-270DNEbM. Vorwort des Vorsitzenden. Jahresbericht 2001, Lübeck 2001, Seite 4. 2000 Einführung des Begriffs „evidenzbasierte Leitlinien“ in das Sozialgesetzbuch (§§ 137f, 137g, 266 SGB V) ZEFQ wird offizielles Publikationsorgan des EbM-Netzwerks Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis, 1. AuflageR. Kunz, G. Ollenschläger, H.H. Raspe, G. Jonitz, F.W. Kolkmann (Hrsg.) Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis. 1. Auflage. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2000 2001 Gründung des Vereins „Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin“ in Berlin, 2. April 2001 in Berlin. Gründungsmitglieder: Gerd Antes, Hans Dreykluft, Jürgen Hammerstein, Günther Jonitz, Regina Kunz, Monika Lelgemann, Günter Ollenschläger, Hans-Heinrich Raspe, Henning Schaefer.Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Protokoll über die Gründung des Vereins „Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) e. V.“ Berlin, 2. April 2001 2002 Curriculum Evidenzbasierte Medizin, 1. Auflage: Mehrteiliger Fortbildungskurs für Ärzte. Herausgeber: EbM-Netzwerk (bis 2022: DNEbM) und ÄZQ 2004c 2005 Curriculum Evidenzbasierte Medizin, 2. AuflageG. Antes, N. Donner-Banzhoff, R. Dreykluft, M. Eberlein-Gonska, J. Engelbrecht, Y. Falck-Ytter, B. Gibis, A. Güntert, H. Herholz, G. Jonitz, R. Kunz, M. Lelgemann, F. Lehmann, G. Ollenschläger, S. Paech, H. Raspe, P. Rheinberger, S. Sänger, M. Schrappe, J. Steurer, O. Weingart, J. Windeler. Curriculum EbM – Ärztlicher Fortbildungskatalog Evidenzbasierte Medizin. Berlin, DNEbM und ÄZQ 2005 Curriculum Health Technology Assessment (HTA), 1. Auflage, gemeinsam mit dem HTA-VereinM. Perleth, K. Bestehorn, R. Busse, A. Gerhardus, D. Lühmann, VP. Meyer, U. Siebert. Curriculum Health Technology Assessment, Version 1.0 HTA-Verein und DNEbM 2005 2007 Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis, 2. AuflageR. Kunz, G. Ollenschläger, H. Raspe, G. Jonitz, N. Donner-Banzhoff (Hrsg.): Lehrbuch Evidenz-basierte Medizin in Klinik und Praxis, 2. Aufl. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7691-0538-4 2008 Stiftung und erste Verleihung des David-Sackett-Preises 2009 Stiftung und erste Verleihung des Journalisten-Preises des EbM-Netzwerks Gute Praxis Gesundheitsinformation, 1. Auflage 2010 Gründung der österreichischen Sektion des EbM-Netzwerks ebm-netzwerk.at 2015 Gute Praxis Gesundheitsinformation, 2. Auflage 2017 Veröffentlichung der Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation 2019 Mitgliederzahl steigt auf über 1000 2022 Umbenennung des Vereins in Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (EbM-Netzwerk) (englisch: Network for Evidence-Based Medicine)

Gründungsmitglieder und Vorsitzende Das Netzwerk wurde im Jahr 1998 durch einen Koordinierungsausschuss gegründet, dem Fachleute aus Wissenschaft und Patientenversorgung angehörten. Beteiligt waren: Gerd Antes (Vorsitzender 2001–2003, Ehrenmitglied seit 2019), Ferdinand M. Gerlach, Günther Jonitz, Johannes Köbberling, Regina Kunz, Karl Lauterbach, Günter Ollenschläger (Schriftführer 2001–2013, Ehrenmitglied seit 2016), Matthias Perleth, Ludger Pientka, Franz Porzsolt, Heiner Raspe (Vorsitzender 1998–2001, Ehrenmitglied seit 2023), Hans-Konrad Selbmann, Christoph Straub.

+ Vorsitzende des EbM-Netzwerks Jahr Vorsitzende des EbM-Netzwerks 1998–2001 Heiner Raspe 2001–2003 Gerd Antes 2003–2005 Johannes Forster 2005–2007 Jürgen Windeler 2007–2009 Edmund Neugebauer 2009–2011 David Klemperer 2011–2013 Monika Lelgemann 2013–2015 Gabriele Meyer 2015–2017 Ingrid Mühlhauser 2017–2019 Dagmar Lühmann 2019–2021 Andreas Sönnichsen 2021–2023 Tanja Krones 2023–2024 Michaela Eikermann 2024–2025 Tanja Kronesseit 2025Nicole Skoetz siehe auch

Kritik In der Corona-Pandemie kritisierte das EBM-Netzwerk den aus ihrer Sicht zu weitgehenden, strengen Umgang mit der Pandemie. Die Stellungnahme wurde unterschiedlich bewertet. Während Jonas Schmidt-Chanasit sie begrüßte, kritisierte sie Christian Drosten als polemisch und emotional, aber ganz sicher nicht evidenzbasiert.

Siehe auch Liste der Mitgliedsgesellschaften der AWMF

Weblinks Netzwerk Evidenzbasierte Medizin

Einzelnachweise

Kategorie:Medizinische Qualitätssicherung Kategorie:Deutsche Organisation (Gesundheitswesen) Kategorie:Verein (Bundesverband) Kategorie:Verein (Berlin) Kategorie:Vereinsgründung 1998 Kategorie:Organisation (Gesundheitswissen) Kategorie:Teilnehmer des Programms Verlässliches Gesundheitswissen des DNGK Evidenz